Stinkende Blähungen – Was sind Ursachen und wie vermeiden?

 In Symptome

Flatulenzen, Darmwinde, Fürze, Pupse – jeder Mensch kennt sie, jeder Mensch hat sie. Laut oder leise, geruchlos oder stinkend: Das sind sehr individuelle Ausprägungen und entscheiden meist darüber, ob die eigenen Blähungen als normal oder unangenehm empfunden werden. Häufige, stinkende Blähungen erweisen sich im Zusammensein mit anderen Menschen oft als Problem und schränken Betroffene stark in ihrer Lebensqualität ein.

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Was sind stinkende Blähungen?

Grundsätzlich werden Blähungen dadurch verursacht, dass – im Körper produzierte und von außen konsumierte – Gase aus dem Körper entweichen müssen. Hierfür bietet der Organismus zwei Wege: Ein Teil entweicht über die Atemluft, ein anderer durch den Darm. Als Faustregel gilt bis zu eine Blähung pro Stunde als normal, eine dauerhaft höhere Frequenz könnte Zeichen einer Erkrankung sein. Als Problem werden allerdings häufige Blähungen meist nur betrachtet, wenn sie mit üblem Geruch verbunden sind. Für den mitunter penetranten Geruch (oder Gestank) sind die verschiedenen Bakterien der Darmflora zuständig, die abhängig von der Ernährung unterschiedliche geruchlose oder geruchsintensive Gase produzieren. Die Ernährung hat also starken Einfluss auf die Gesellschaftskompatibilität der Blähungen. Gerade stinkende Blähungen sind oftmals Vorboten des Stuhlganges, die der Kot vor sich her treibt. In diesen Fällen löst eine ausgiebige Sitzung meist das Problem.

Welche Ursachen haben stinkende Blähungen?

Der alte Merksatz „Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen“ ist tatsächlich weit weniger albern, als er klingt. Gerade beim Aufspalten von Proteinen wird von den Darmbakterien Schwefelwasserstoff produziert, dessen Geruch an faule Eier erinnert. Oftmals ist eine Reduktion der Eiweißmenge in der Nahrung, also von Eiern, Milchprodukten, Fleisch und Hülsenfrüchten ausreichend, um Blähungen zu vermindern und weniger geruchsintensiv zu gestalten.


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Doch auch zu viele Ballaststoffe können zu Blähungen führen. Die seit Jahrzehnten gepredigte Lehrmeinung, mehr Ballaststoffe seien immer besser, wurde in den letzten Jahren durch zahlreiche Studien widerlegt. Nicht jedes Verdauungssystem kann übermäßig viele Ballaststoffe verarbeiten und reagiert entsprechend mit Blähungen. Hier gilt es, die individuell richtige Dosierung herauszufinden. Gerade Rohkost und frisches Gemüse – insbesondere Kohl und Zwiebeln – führen bei vielen Menschen zu Beschwerden. Grund hierfür kann eine überforderte Darmflora sein, die diese Mengen an Ballaststoffen nicht verarbeiten kann. Wer unter Blähungen leidet, sollte also beobachten, welche Lebensmittel diese auslösen und diese Nahrungsmittel dann besser vermeiden. Denn der Körper weiß meist besser, was ihm guttut als jeder Ernährungsratgeber.

Um stinkenden Blähungen zu vermindern eignet sich die sogenannte FODMAP-Diät. Diese eliminiert blähbare Substanzen aus der Ernährung.

Blähungen können auch durch das Schlucken von Gasen verursacht werden, da auch geschluckte Gase teilweise durch den Darm entweichen. Das Schlucken von Gasen wird durch zu hastiges Essen, kohlensäurehaltige Getränke und Rauchen gesteigert. Abhilfe kann hier ausreichendes Kauen und der Verzicht auf Sprudel und Zigaretten schaffen. Übermäßiges Luftschlucken führt übrigens auch zum Aufstoßen.

Neben einer zu Protein-haltigen Ernährung und dauerndem Luftschlucken kann auch ein Mangel an Verdauungsenzymen stinkende Blähungen verursachen – im Dünndarm kann die Nahrung nicht ausreichend verarbeitet werden und die in den Dickdarm gelangenden Nahrungsbestandteile sind noch nicht genügend verarbeitet. Ein Mangel an Verdauungsenzymen kann mit Hilfe einer Stuhlprobe diagnostiziert werden.

Worauf deuten stinkende Blähungen hin, die zusammen mit Verstopfung oder Durchfall auftreten?

Viele ernsthafte Erkrankungen des Darmtraktes und anderer Bauchorgane sowie Allergien und Nahrungsunverträglichkeiten äußern sich neben anderen Beschwerden auch teilweise in stinkenden Blähungen. So ist es nicht unüblich, das Verstopfungen oder Durchfall in Verbindung mit Blähungen auftreten. Bauchweh, Magenschmerzen oder Bauchschmerzen werden oft durch die erhöhte Gasmenge im Bauchraum ausgelöst und klingen erst nach dem Verschwinden der Gase ab. Diese Beschwerden sind unangenehm, deuten aber, wenn sie hin und wieder auftreten, nicht zwangsläufig auf ein medizinisches Problem hin. Wer tagelang unter stinkenden Blähungen leidet, sollte allerdings die Konsultation eines Arztes in Erwägung ziehen. Virusinfekte, die beispielsweise Erkältungen auslösen, betreffen oft alle Schleimhäute und damit auch die des Darmes. Lassen sich auch durch eine Ernährungsumstellung und ein Ernährungs-Tagebuch die Ursachen nicht eingrenzen oder zumindest die Beschwerden lindern, sollte ein Arzt konsultiert werden, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.

Wodurch werden stinkende Blähungen nach dem Essen verursacht?

Stinkende Blähungen nach dem Essen werden nur indirekt durch die gerade verzehrte Mahlzeit ausgelöst. Die in diesem Moment verzehrten Nahrungsmittel werden erst in etwa zehn bis zwölf Stunden im Dickdarm ankommen und können deshalb direkt nach dem Essen noch keine Blähungen auslösen. Was die gerade verzehrten Nahrungsmittel allerdings auslösen können, ist die Ausschüttung verschiedener Hormone, die die Darmtätigkeit anregen und so zu Blähungen führen können. Die beiden Hormone, die im Verdacht stehen, zu Blähungen zu führen, sind Motilin und Cholecystokinin.

Die Ausschüttung von Motilin ist abhängig vom pH-Wert am Übergangsbereich von Magen und Zwölffingerdarm. Je weniger sauer der Nahrungsbrei, der im Zwölffingerdarm ankommt, desto mehr Motilin wird ausgeschüttet. Um die Motilin-Ausschüttung zu dämpfen, gibt es zwei einfache Hausmittel: ein Löffel Zitronensaft nach dem Essen, der den Magenschlussreflex anregt oder der Genuss von Bitterstoffen, die die Ausschüttung von Magensaft anregen und damit das Säureniveau erhöhen. Diese Bitterstoffe finden sich beispielsweise in:

  • Enzian
  • Gelbwurz
  • Ingwer
  • Zimtrinde
  • Kaffee

Das ist auch eine Erklärung für Traditionen wie den Espresso nach dem Essen oder den Magenbitter, der wegen seines Alkoholgehaltes allerdings umstritten ist.

Das zweite Hormon, das die Blähungen nach dem Essen auslösen kann, ist Cholecystokinin, das die Flüssigkeitsproduktion von Galle und Bauchspeicheldrüse erhöht. Dieses Hormon ist wichtig, um die Fettverdauung zu realisieren, wird bei manchen Menschen allerdings in zu großer Menge ausgeschüttet. Gerade Olivenöl soll die Ausschüttung von Cholecystokinin begünstigen. Zuviel Cholecystokinin führt außerdem zu starker Müdigkeit nach den Mahlzeiten und fördert Reiseübelkeit.

Tipp: Wie genau die optimale Ernährung zusammengesetzt ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Viele Personen mit Blähbauch können daher von einer professionellen Ernährungsberatung profitieren. Erfahre hier mehr über unsere von Krankenkassen erstattete Ernährungstherapie.

Warum leiden Frauen häufiger unter stinkenden Blähungen als Männer?

Dass Frauen vor und während der Periode mitunter an stinkenden Blähungen leiden, steht wahrscheinlich mit dem weiblichen Hormonspiegel in Verbindung – der konkreten Ursache ist die Wissenschaft noch nicht auf die Spur gekommen. Der Hormonspiegel scheint auch eine Ursache dafür zu sein, dass Frauen während der Schwangerschaft vermehrt von Blähungen gequält werden. Eine weitere Ursache ist, dass der Fötus im Bauchraum Platz einnimmt, der dem Darm nicht mehr zur Verfügung steht, und damit die Verdauung durcheinander bringt. In den meisten Fällen lassen diese Probleme nach der Geburt wieder nach. Hier gibt es weitere Informationen darüber, wie der Zyklus, die Verdauung beeinflussen kann.

Sind stinkende Blähungen bei Säuglingen gefährlich?

Babys, ob 3, 4 oder 5 Monate alt, haben oftmals Blähungen, die manchmal unerträglich stinken. Zurückzuführen ist dies einerseits auf die noch nicht vollständig entwickelte Darmflora und anderseits auf vermehrtes Luftschlucken. Das Luftschlucken kann mitunter durch das Überprüfen der Stillposition vermindert werden und durch langsameres Füttern mit genügend Pausen, um die Luft entweichen zu lassen. Gerade beim Zahnen wird mehr Luft geschluckt als sonst – aber auch das geht vorbei. Solange es dem Baby gut geht und es sonst keine Beschwerden hat, sind die Blähungen mehr ein Problem der Eltern, als des Kindes. Hier hilft nur: Ruhe bewahren, Nase zu und durch.

Was hilft gegen stinkende Blähungen?

Körperliche Bewegung führt auch zu mehr Bewegung im Darm und kann deshalb helfen, die Verdauung zu normalisieren. Ein kleiner Verdauungsspaziergang ermöglicht es außerdem, stinkende Blähungen loszuwerden, ohne in peinliche Situationen zu geraten.

Weitere Hausmittel sind Gewürze oder Tees mit Kümmel und Anis, denen eine heilsame Wirkung nachgesagt wird.

In der Apotheke sind Medikamente wie Simeticon, Sab simplex und Lefax erhältlich, die allerdings umstritten sind, da sie zwar die Schaumbläschen zum Platzen bringen, die Blähungen selbst allerdings nicht reduzieren. Wurden Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen, soll die Einnahme von Aktivkohle-Tabletten vielen Patienten helfen.

Quellen

R. Price, J. Lewis, G. M. Wyatt, G. R. Fenwick (1988). Review article Flatulence – Causes, relation to diet and remedies. Molecular Nutrition & Food Research 32:6. 609–626. Online abgerufen am 27.06.2018 unter https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/food.19880320626

J.J. Rumessen et al (1988).Functional Bowel Disease: Malabsorption and Abdominal Distress After Ingestion of Fructose, Sorbitol, and Fructose-Sorbitol Mixtures. Gastroenterology 95:3.694–700. Online abgerufen am 27.06.2018 unter https://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(88)80016-7/pdf

M. Winham, A. M. Hutchins (2011). Perceptions of flatulence from bean consumption among adults in 3 feeding studies. Nutrition Journal 10:128. Online abgerufen am 27.06.2018 unter https://nutritionj.biomedcentral.com/articles/10.1186/1475-2891-10-128

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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