Welche Symptome verusachen Gallensteine?

 In Symptome

Plötzliche, nach dem Essen auftretenden, krampfartige Schmerzen, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen, können auf Gallensteine hinweisen. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung leiden an Gallensteinen. Damit gehört das Gallenleiden zu einer der häufigsten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit. Doch die Symptome von Gallensteinen sind häufig unspezifisch, wenn nicht sogar symptomlos oder werden mit anderen Erkrankungen verwechselt.

Was sind Gallensteine eigentlich?

Gallensteine, auch als Cholelithiasis bezeichnet, sind Ablagerungen in der Gallenblase oder den Gallenwegen, die man dabei grundsätzlich voneinander unterscheidet. Die Ablagerung von Steinen in der Gallenblase kommt dabei häufiger vor und wird auch als Choledocholithiasis bezeichnet.

Wie entstehen Gallensteine?

Gallensteine entstehen dann, wenn das Mischungsverhältnis aus den Stoffen des Gallensaftes nicht mehr im richtigen Verhältnis steht. Wesentliche Bestandteile des Gallensaftes sind Cholesterin, Gallensäure und Bilirubin. Ein Großteil der Gallensteine besteht aus Cholesterin.

Fördernde Faktoren, die ein Gallensteinleiden begünstigen sind unter anderem:


  • Genetische Vererbung
  • Übergewicht
  • Höheres Alter
  • Weiblich
  • Hoher Cholesterinspiegel
  • Schwangerschaft, Diabetes
  • vorherige bakterielle Infektionen der Gallenblase
  • Medikamenteneinnahme (zum Beispiel hormonelle Verhütung)
  • Typhuserkrankung
  • Zu fettreiche oder fettarme Ernährung
  • unausgewogene Ernährung (Diäten)

Da auch die Ernährung einen Einfluss auf die Bildung von Gallensteinen haben kann, empfiehlt sich in bestimmten Fällen außerdem eine Ernährungsberatung. Wir haben hierzu ein ernährungstherapeutisches Programm entwickelt, das von deiner persönlichen Ernährungsberaterin auf deine Symptome maßgeschneidert wird. Erfahre hier mehr zum Therapieangebot und vereinbare ein kostenloses Erstgespräch. Die Therapie wird zudem großzügig von gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst.

Was sind symptomfreie Gallensteine?

Die Erkrankung der Gallenwege und die Bildung von Gallensteinen erfolgt in mehr als 66 Prozent der Fälle symptomfrei. Das bedeutet, dass bereits vorhandene Gallensteine jahrelang in den Gallenwegen liegen können, ohne Beschwerden zu erzeugen. Zumeist werden die Gallensteine dann in Folge einer Operationen oder einer Röntgenuntersuchungen entdeckt. Die Behandlung von symptomfreien Gallensteine ist allerdings umstritten.

Die meisten Gallensteine verursachen keine Symptome.

Was sind Symptome von Gallensteinen?

Nur etwa 20 bis 30 Prozent aller Gallensteinbesitzer leiden an Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, sind dies typischerweise:

Treten Beschwerden auf, ist es aber ratsam, diese mit einem Arzt abzuklären: Das Risiko, an weiteren Komplikationen im Zuge von Gallensteinleiden zu erkranken, ist dann nämlich deutlich höher als bei symptomfreien Gallensteinen.

Zu den Hauptsymptomen von Gallensteinen zählen: Gallensteinkolik, Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Gewichtsverlust sowie Kopfschmerzen

Was ist eine Gallensteinkolik?

Bei einer Gallensteinkolik wandern Gallensteine aus der Gallenblase in den Gallengang. Die wandernden Gallensteine verursachen Symptome wie Rückenschmerzen, Schmerzen im rechten oder mittleren Oberbauch sowie Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Übelkeit und Erbrechen. Kreislaufbeschwerden und Schweißausbrüche können ebenfalls als Begleiterscheinungen auftreten. Womöglich gehören chronische Verdauungsstörungen, Koliken oder Gelbsucht zur vorherigen Krankheitsgeschichte.

Woran erkennt man eine Gallensteinkolik?

Eine Gallenkolik beginnt oft nach einer reichhaltigen und schweren Mahlzeit. Dabei treten die Schmerzen entweder schleichend oder plötzlich auf. Oftmals geht dem Schmerz auch ein Völlegefühl oder ein Drücken im Oberbauch voraus. In jedem Fall sind die Schmerzen von massiven Charakter, die bis auf den Rücken oder auf die rechte Schulter ausstrahlen können. Vor allem beim Einatmen schmerzt es besonders stark.

Die Symptome gleichen hier einem Anfall: Sind die Schmerzen zunächst stark und intensiv, lassen sie intervallartig nach, um nach kurzer Zeit wieder wellenartig anzusteigen. Betroffene versuchen oftmals, eine bequeme Position zu finden, um den Schmerz abzumildern. Sie wiegen sich hin und her oder haben einen Bewegungsdrang, wie etwa ein ständiges auf- und abgehen. Wird eine Gallenkolik nicht behandelt, treten diese Symptome intervallartig in einem Zeitraum von ein bis drei Tagen hin zur Beschwerdefreiheit auf.

Merke: Rechtsseitige Schmerzen im Oberbauch, zwischen Rippenbogen und Bauchnabel, die drückenden, bohrenden Charakter haben, deuten auf eine Gallenkolik hin.

Was ist bei einer Gallensteinkolik zu tun?

Innerhalb der ersten 24 Stunden ist es zunächst wichtig, jegliche Nahrungsaufnahme einzustellen. Danach sollte man zunächst kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen und fette, gebackene, blähende oder gekühlte Speisen vermeiden. Spätestens nach einer überstandenen Kolik ist ein Arztbesuch unumgänglich.

Wichtig: Nicht immer treten akute, bohrende Schmerzen nur in Folge einer Kolik auf: Auch ein Druckgefühl im Bauch, die Unverträglichkeit von fetten Speisen sowie einengende Gefühle beim Tragen von körpernahen Kleidungsstücken wie Miedern, Gürteln oder Korsagen können ebenfalls auf eine Gallenwegserkrankung hinweisen.

Komplizierter Verlauf von Gallensteinleiden: Was sind typische Beschwerden?

Treten weitere Symptome wie Juckreiz oder Fieber in Kombination mit einer Kolik auf, handelt es sich um einen komplizierten Krankheitsverlauf von Gallensteinen. In jedem Fall sollte dann ein Arzt konsultiert werden. Häufig entstehen Gallensteinbeschwerden auch in Verbindung mit anderen Erkrankungen. Dazu gehören die Neigung zu Nierensteinen oder Erkrankungen des Oberbauchs.

Woran erkennt man einen komplizierten Verlauf von Gallensteinleiden?

Neben der Gallenkolik können auch andere Symptome durch Gallensteine auftreten. Mögliche Symptome sind Fieber, Gelbsucht oder Juckreiz. Diese Symptome treten zusätzlich zu den Beschwerden einer Kolik auf und weisen auf einen komplizierten Verlauf von Gallenleiden hin. In jedem Fall sollte ein Arzt konsultiert werden.

Gallensteine und Fieber

Die Entzündung der Gallenblase, auch Cholezystis genannt, tritt meist infolge einer Gallenkolik auf. Durch das Wandern der Gallensteine ist die Gallenblase nämlich so stark gereizt, dass sie sich entzündet. Dies geschieht oftmals durch Bakterien, sodass Fieber und Schüttelfrost ebenfalls zu den typische Anzeichen gehören. Weitere Symptome einer Gallenblasenentzündung sind: Erbrechen, Durchfall, Verstopfungen und Blähungen.

Gallensteine und Juckreiz

Bei einer Entzündung der Gallengänge, auch Cholangiitis genannt, wird der Abfluss der Gallenflüssigkeit behindert. Dieses erschwerte Abfließen ist oftmals durch vorhandene Gallensteine bedingt. Konnten beispielsweise im Zuge einer Gallenkolik die Gallensteine nicht in den Darm wandern, sondern haben sie sich festgesetzt, entsteht ein Rückstau des Gallenflusses. Zu den Symptomen gehören neben starken Schmerzen des Oberbauchs, Fieber, Gelbsucht auch ein starker Juckreiz. Der Stuhlgang ist dann außerdem hell eingefärbt, da der Gallensaft fehlt, der dem Stuhl normalerweise seine dunkle Farbe verleiht. Ein Gallenstau kann mitunter lebensbedrohlich sein. Eine Cholangitis ist durch die unspezifischen Symptome jedoch meist schwer diagnostizierbar. Fieberschübe, Juckreiz und eine Blutdruckabfall können aber hinweisend sein.

Merke: Anzeichen von Gelbsucht deuten auf eine Galleabflusstörung beispielsweise durch eine Gallensteineinklemmung hin.

Warum sind Gallensteine bei Frauen häufiger?

Gallensteine treten prozentual häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Faktoren wie Gewicht, Lebensalter und hormonelle Einflüsse spielen dabei eine wichtige Rolle. Gerade Frauen, die bereits Kinder geboren haben, im Alter von vierzig Jahren und zudem übergewichtig sind, haben ein deutlich höheres Risiko, an Gallensteinen zu erkranken. Die Symptome an sich sind bei Frauen und Männern jedoch die gleichen.

Achtung: Frauen leiden bis zu dreimal häufiger an Gallensteinen.

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen scheinen Gallensteine unter anderem im Zusammenhang mit dem weiblichen Hormon Östrogen zu stehen. Eine Östrogendominanz oder auch ein erhöhter Östrogenspiegel begünstigt nämlich die Entstehung von Gallensteinen. Frauen, die beispielsweise auf hormonelle Verhütungsmethoden zurückgreifen, sind außerdem prozentual häufiger betroffen.

Fazit: Bei Verdacht auf Gallensteine sollte stets ein Arzt aufgesucht werden, um die Diagnose zu sichern und über eventuelle Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen. Treten starke Beschwerden zum Beispiel in Form einer Kolik und Juckreiz oder Fieber auf, sollte umgehend der Transport in ein Krankenhaus erfolgen. Spätestens nach Abklingen des ersten Schmerzintervalls, sollte ein dann ebenfalls Arzt konsultiert werden.

Quellen

Lammert, F., Neubrand, M. W., Bittner, R., Feussner, H., Greiner, L., Hagenmüller, F., … & Riemann, J. F. (2007). S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten und der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie zur Diagnostik und Behandlung von Gallensteinen. Zeitschrift für Gastroenterologie, 45(09), 971-1001. Online hier

Diagnose und Therapie in der Praxis, K.-H. Huhnstock, W. Kutsch, H. Dehmel (Hrsg.), 2013

Halldestam, I., Enell, E. L., Kullman, E., & Borch, K. (2004). Development of symptoms and complications in individuals with asymptomatic gallstones. British journal of surgery, 91(6), 734-738. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/bjs.4547

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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