Reizdarmsyndrom – welche Hausmittel helfen wirklich?

 In Reizdarm

Es grummelt, es drückt und nichts hilft so wirklich – ein Reizdarm kann Nerven und außerdem ziemlich viel Geld kosten. Pharmafirmen, Apotheken, Homöopathen, sie alle versprechen Besserung durch natürliche Mittel. Doch welche Hausmittel helfen beim Reizdarm-Syndrom wirklich?

Symptome des Reizdarmsyndroms

So unterschiedlich und individuell wie die Symptome des Reizdarms (Colon irritable) sind auch ihre Behandlungsmöglichkeiten. Die Beschwerden können einzeln, aber auch alle gleichzeitig auftreten. Zu den häufigsten zählen dabei

  • Durchfälle oder aber
  • Verstopfung
  • Bauchschmerzen bis hin zu –krämpfen
  • Völlegefühl, Blähbauch
  • Blähungen

Achtung: Erst wenn ein Arzt die Diagnose Reizdarm bestätigt und andere, schwere Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) mit ähnlichen Beschwerden ausgeschlossen hat, sollte mit der alternativen Therapie der Reizdarm-Symptome begonnen werden. Unsere digitale Praxis bei Verdauungserkrankungen hat sich auf das Reizdarmsyndrom spezialisiert. Vereinbare hier ein kostenloses Erstgespräch und erfahre, ob wir dir helfen können.

Entstehung des Reizdarmsyndroms

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Wissenschaftler sind den Ursachen des Reizdarmsyndroms aktuell noch auf der Spur. Früher auch als nervöser Darm bezeichnet, weiß man heute, dass weit mehr als psychischer Stress hinter den Beschwerden steckt. Viele Faktoren bedingen das komplexe Entstehen eines Reizdarms und bieten dadurch auch ganz verschiedene Ansatzstellen, um mit der Behandlung angreifen. Studien zeigen, dass die Darmbarriere bei Reizdarm-Patienten häufig gestört ist (Leaky gut). Krankheitserreger können dadurch einfacher eindringen und Beschwerden verursachen.


Beachte: Alle natürlichen Hausmittel bessern nur das Symptom, nicht aber dessen Auslöser. Sie wirken also rein symptomatisch.

Hausmittel im Kühlschrank

reizdarm hausmittel

In der Küche finden sich oft die besten  Hausmittel gegen das Reizdarmsyndrom. Die erfolgreichste Ernährungsform ist dabei die low-FODMAP-Diät.

Prinzipiell gilt es zunächst, Reizendes und Blähendes zu reduzieren:

Tipp: Beobachte dich und dein Essverhalten und führe außerdem ein Ernährungs-Tagebuch. Was hast du gegessen und wie ging es dir danach? So kannst du nämlich Lebensmittel entlarven, die deinem Darm nicht bekommen. Gleichzeitig findest du zudem raus, welche Hausmittel, dir individuell am besten helfen. Hierbei helfen auch Apps, wie zum Beispiel unsere App Cara.

Möchtest du mit einem Experten an deiner Seite herausfinden, welche Ernährung bei deinen Symptomen die beste ist? Unsere zertifizierten Ernährungsberaterinnen stehen dir bei der Ernährungsumstellung gegen Reizdarmbeschwerden mit Rat und Tat zur Seite. Informiere dich hier über unser Therapieangebot, das von Krankenkassen bezuschusst wird. 

Pflanzliche Hausmittel

pflanzliche Hausmittel gegen reizdarm

Mit der Kraft aus neun Heilkräutern wirkt die Pflanzenmixtur Iberogast (STW-5) schnell und effektiv gegen Magen- und Darmbeschwerden. Iberogast ist in Tropfenform auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. In ihrer Kombination wirken die darin enthaltenen Heilpflanzen

  • Entspannend auf die Darmmuskulatur und das Nervengeflecht der Darmwand
  • Ausgleichend auf die Magensäureproduktion
  • Schützend auf die Schleimhaut
  • und außerdem hemmend auf Darmentzündungen

Bewegung – ein unterschätztes Hausmittel

Die allgemeine Bekanntheit des Verdauungsspaziergangs kommt nicht von ungefähr. Sanfte Bewegung ist nicht nur essentiell für das allgemeine Wohlbefinden, sondern sie regt auch die Verdauungstätigkeit an. Wer den ganzen Tag nur vor dem Schreibtisch sitzt, hat häufiger mit Stuhlproblemen, Blähungen und Magenschmerzen zu kämpfen. Es muss keine Stunde täglicher Dauerlauf sein – bereits kurze, aber regelmäßige Bewegung fördert die Darmbewegung und sollte deshalb zum festen Bestandteil deines Alltags werden. Probier es doch mal mit

    • dem klassischen Verdauungsspaziergang
    • Treppengehen statt Aufzug fahren
    • dem Radfahren statt das Auto zu nehmen
    • Schwimmen
    • Yoga oder Pilates
    • lockerem Joggen

Hilfreiche Entspannungstechniken

Stress und Sorgen schlagen uns oft auch auf den Magen. Gerade beim Reizdarm müssen wir aber besonders auf unsere psychische Gesundheit achten und nach stressigen Tagen zur Ruhe kommen. Sei also nett zu dir selbst – dein Darm wird es dir danken. Reizdarm-Patienten profitieren besonders von Angeboten wie

  • Yoga
  • Autogenem Training
  • Meditation
  • Akupunktur

Beachte: Auch darmbezogene Hypnose (Hypnotherapie) rückt in letzter Zeit stärker in den Fokus der Betroffenen. Vor allem bei psychischen Problemen wirkt die Therapie oft positiv auf das Unterbewusstsein. Sie kann helfen, das positive Denken trotz Reizdarm-Beschwerden nicht zu verlernen.

Mit Hausmitteln eine gesunde Darmflora  aufbauen

Lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien sind wichtig für eine gesunde Darmflora und werden auch als Probiotika bezeichnet. Probiotische Nahrungsergänzungsmittel sind unter anderem als Joghurts erhältlich. Das Problem dabei ist jedoch: Über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, reicht ihre Wirkung häufig nicht aus. Besser helfen hingegen in Kapselform Bifidobakterien, Lactobacillen und Saccharomyces, die ebenfalls in der gesunden Darmflora vorkommen und die berühmtesten probiotischen Stämme sind. Wie eine Schutzschicht siedeln sich dann die Mikroorganismen auf der Darmwand an und verschließen daurch die geschädigten Abschnitte. 

Wärme gegen Reizdarm-Symptome

Macht der Bauch Probleme greifen wir meist intuitiv zum Richtigen: Wärme. Sie beruhigt nicht nur den Magen-Darm-Trakt, sondern wirkt auch entspannend auf die Muskulatur und unseren Geist. Und das egal ob in Form einer Wärmflasche, eines Körnerkissens oder heißen Bades.

Welche Hausmittel helfen bei Durchfall?

Finger weg von Cola und Salzstangen! Bei Durchfall verlieren wir durch den flüssigen Stuhl nämlich nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Elektrolyte. Cola enthält aber neben der reizenden Kohlensäure sehr viel Zucker (Glucose), der Wasser im Darm bindet und somit wiederum Durchfall auslösen kann – und Salzstangen versorgen uns auch nur mit einem geringen Teil der wichtigen Elektrolyte.

Stattdessen solltest du lieber zu Elektrolytlösungen aus der Apotheke greifen. Sie enthalten neben herkömmlichem Kochsalz (Natriumchlorid) andere Elektrolyte wie Natriumcitrat, Kaliumchlorid und den richtigen Gehalt an Traubenzucker (Glucose). Elektrolytlösungen können außerdem auch ganz einfach selbst nach WHO-Empfehlung aus Hausmitteln hergestellt werden.

  • 1 Liter stilles Mineralwasser
  • ¾ Teelöffel Kochsalz
  • 4 Teelöffel Zucker oder Honig
  • 1 Tasse Orangensaft oder 2 Bananen (enthalten Kalium)

Achtung: Finger weg von Experimenten mit Abführ- oder Stopfmitteln! Außer im Notfall (Reisedurchfall) sollte diese Medikamente nur ein Arzt verschreiben.

Welche Mittel helfen bei Verstopfung?

Regel Nummer 1: Viel trinken! So kann eine Verstopfung meistens gar nicht erst entstehen. Mindestens 1,5 bis 2 Liter sollten es dafür über den Tag verteilt sein.

Nicht weniger wichtig ist außerdem eine ausgewogene Ernährung und sanfte Bewegung. Dörrpflaumensaft, getrocknete Feigen und kernhaltige Weintrauben sowie Wassermelone enthalten beispielsweise viele Ballaststoffe. Ihre abführende und die Darmtätigkeit anregende Wirkung wurde wiederum bereits in Studien belegt.

Gewöhnungsbedürftig, aber effektiv, ist ein Löffel hochwertiges Oliven- oder Leinöl vor dem Frühstück. Denn es regt die Darmtätigkeit an und macht den Stuhl zudem gleitfähiger.

Aber Vorsicht: Pflanzlich bedeutet jedoch nicht automatisch sanft. So sollte beim Gebrauch des bewährten Hausmittels Rizinusöl bei Verstopfung besondere Vorsicht walten gelassen werden, da es seine Wirkung drastisch und schnell überdosiert werden kann. In der Geburtshilfe wird es sogar zur Förderung der Wehentätigkeit eingesetzt!

Welche Hausmittel gegen Blähungen und Bauchschmerzen?

Altbewährt und noch immer Hausmittel der ersten Wahl sind Kräutertees. Sie beruhigen den Magendarmtrakt und wirken warm genossen auch entspannend auf die Darmmuskulatur. Noch dazu sind sie günstig und nahezu überall erhältlich. Als besonders wirksam erwiesen sich dafür Mischungen aus

  • Fenchel
  • Kümmel
  • Anis
  • Melisse

Pfefferminz- und Kümmelöl sind außerdem kombiniert als Carmenthin Kapseln erhältlich. Sie wirken entblähend und krampflindernd.

Heilerde als alternatives Heilmittel

Das hellgelbe Pulver aus Lehm, Ton oder Löss gilt mittlerweile als wahrer Hausmittel-Allrounder. Es kann sowohl äußerlich auf die Haut aufgetragen, als auch in Wasser gelöst getrunken werden – und auch beim Reizdarmsyndrom kommt die Heilerde zum Einsatz. Zum einen soll sie mit der Nahrung aufgenommen Giftstoffe, Bakterien und Säure binden. Sie enthält außerdem Elektrolyte und Spurenelemente wie Zink und neutralisiert dadurch die Säureproduktion im Magen-Darm-Trakt. Jedoch konnten diese Effekte bislang noch nicht in klinischen Studien wissenschaftlich belegt werden.

Okoubaka und andere Globuli bei Reizdarm

Wie die meisten alternativen Heilmittel wurde auch die Wirksamkeit der Okoubaka Globuli noch nicht wissenschaftlich bestätigt. Patienten berichten jedoch eine Verbesserung ihrer Beschwerden und des Allgemeinzustandes nach Einnahme der Kügelchen. Sie enthalten Extrakte der getrockneten Rinde eines westafrikanischen Urwaldbaumes (Okoubaka aubrevillei) und sollen damit die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Neben Okoubaka finden bei Reizdarm Beschwerden außerdem folgende Globuli Anwendung:

  • Nux vomica (bei jeder Art von Darmproblemen)
  • Arsenicum album (bei Durchfall mit Übelkeit und Erbrechen)
  • Argentum nitricum (bei Durchfall und Erbrechen in stressigen Situationen)
  • Asa foetida (bei starken Blähungen)
  • Lycopodium (bei Blähungen mit Magenkrämpfen)

Schüßler Salze bei Reizdarm

Ein ebenfalls beliebtes Mittel der Homöopathie ist die Behandlung mit Schüßler Salzen. In Form von Tabletten kann man sie im Mund zergehen oder aber in heißem Wasser auflösen lassen. Beim Reizdarm-Syndrom verspricht insbesondere die sogenannte Magen-Darm-Kur Besserung. Sie besteht aus

  • Schüßler Salz Nr. 4 Kalium chloratum
  • Schüßler Salz Nr. 8 Natrium chloratum
  • Schüßler Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum
  • Schüßler Salz Nr. 23 Natrium bicarbonicum

Bachblüten bei Reizdarm

Den seelischen Ursachen des Reizdarm-Syndroms soll wiederum die Therapie mit Bachblüten zu Leibe rücken. Reizdarm-Patienten soll dabei vor allem Bachblüte Nr 3. Beech sowie Nr. 26 Rock Rose helfen. Aber auch hier existieren keine wissenschaftlichen Belege der Wirksamkeit dieser Heilmittel.

Du bist dir bisher nicht sicher, welche Art der Therapie für dich geeignet ist? Scheue dich nicht, deinen Arzt mit Fragen zu konsultieren. Egal welche Beschwerden dich plagen – es gilt: Lieber einmal zu viel nachgefragt, als Experimente gewagt. Alternativ kannst du hier ein kostenloses Erstgespräch mit unserem Praxisteam vereinbaren und herausfinden, ob unsere Therapie bei Reizdarmsyndrom dir helfen kann.

Quellen

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Peckham, E. J., Relton, C., Raw, J., Walters, C., Thomas, K., Smith, C., … & Said, E. (2014). Interim results of a randomised controlled trial of homeopathic treatment for irritable bowel syndrome. Homeopathy103(3), 172-177. Online abgerufen am 31.05.18 unter https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1475491614000514

Fukudo, S., Kaneko, H., Akiho, H., Inamori, M., Endo, Y., Okumura, T., … & Furuta, K. (2015). Evidence-based clinical practice guidelines for irritable bowel syndrome. Journal of gastroenterology50(1), 11-30. Online abgerufen am 31.05.18 unter https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00535-014-1017-0

Saha, L. (2014). Irritable bowel syndrome: pathogenesis, diagnosis, treatment, and evidence-based medicine. World Journal of Gastroenterology: WJG20(22), 6759. Online abgerufen am 31.05.18 unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4051916/

Chey, W. D., Kurlander, J., & Eswaran, S. (2015). Irritable bowel syndrome: a clinical review. Jama313(9), 949-958. Online abgerufen am 31.05.18 unter https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2174034

Attaluri, A., Donahoe, R., Valestin, J., Brown, K., & Rao, S. S. C. (2011). Randomised clinical trial: dried plums (prunes) vs. psyllium for constipation. Alimentary pharmacology & therapeutics33(7), 822-828. Online abgerufen am 31.05.18 unter https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1365-2036.2011.04594.x

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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