Reizdarm mit Diarrhö durch Infektion

 In ReizdarmReizwort

Hi!

Zu mir: Ich bin 39 Jahre jung, weiblich, habe mit dem Darm seit jetzt 3,5 Jahren zu kämpfen.

Früher war ich viel unterwegs, viel aus,viel in Clubs. Ab und zu hatte ich auch mal eine Magenschleimhautentzündung, wenn ich es mal wieder beim Essen etwas übertrieben hatte (zuviel Sahnetorte, zuviel Eisschokolade, zuviel Fettes auf Festen…), ich bin halt eine absolute Genussesserin, jede Gastritis heilte ja auch wieder aus – mit wochenlanger Schonkost und entsprechenden Medikamenten. Ich habe auch eine leichte angeborene Laktoseintoleranz, wobei ich bis 2016 immernoch eine gewisse Menge an Laktose zu mir nehmen konnte, bis mir mein Körper signalisierte: Bis hier her und nicht weiter. Das war alles OK soweit für mich, ich konnte im Sommer zB problemlos 4-5 Kugeln Eis mit Sahne essen, ohne gleich in Not zu geraten. Das Leben machte Spaß. Und ich neigte viele Jahre lang eher zu Verstopfungen, war im Normalfall 1-2x pro Woche größer auf der Toilette – ich fand das optimal und zum Abführen musste ich ja nur eine gewisse Menge an Milch trinken, wenn es zu arg wurde, dann fluppte alles wieder. Perfekt.

Im Spätsommer 2015 zog ich mir dann einen kleinen Nabelbruch zu, wurde Ende 2015 im Krankenhaus operiert. 3 Monate nach der OP fingen die Probleme dann an. Von einem Moment auf den anderen bekam ich auf einmal Durchfall, ich war gerade mitten in der City unterwegs. Das Jahr war zugegebenermaßen nicht leicht, so starb zB im Sommer meine Mom, ich hatte mir davor schon Sorgen gemacht. Zudem habe ich eine Angst- und Zwangsstörung mit Händewaschzwang und Keimphobie, habe immer auch schon viel vor mich hingegrübelt, mir Gedanken um dieses und um jenes gemacht. Aber dieser Tag im Frühling änderte mein Leben schlagartig und tiefgreifend. Nichts war danach mehr wie es  vorher einmal gewesen war.

Viele sagten mir damals, das mit den Durchfallbeschwerden komme sicher von der Psyche (diese Leier muss man sich ja immerwieder anhören), ich nahm dann erstmal Imodium. Ende 2016 dann Magen- und Darmspiegelung, bis auf “einzelne Entzündungszellen” wurde nichts gefunden, der Gastroenterologe stellte erst einmal Vermutungen an, verschrieb mir das Antibiotikum Rifaximin. Das half nur kurzzeitig, die Probleme kamen schnell wieder. Am Ende sagte man mir, ich habe wohl halt einen starken Reizdarm, da könne man nichts machen und ich solle bei Bedarf Imodium nehmen. Später stellte sich dann bei meinem Hausarzt zufällig heraus, dass ich mit Clostridium difficile infiziert war, wer weiß, wie lange schon. Das ist ein recht übler und hartnäckiger Krankenhauskeim, den man nicht so einfach wieder dauerhaft los wird, die Rückfallgefahr ist da sehr hoch, da dieses Bakterium sehr widerstandsfähige Sporen ausbildet (die dann im Darm zu neuen Clostridien heranwachsen).

Ich hatte dann mehrere Kuren mit dem Antibiotikum Metronidazol, die aber nicht den gewünschten Erfolg brachten. Ich wurde die Infektion erst mit dem weitaus stärkeren Antibiotikum Vancomycin endgültig los. Das war vor ca einem Jahr. Vancomycin allerdings hinterlässt Spuren, ich habe seither diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten (die irgendwann wohl wieder verschwinden sollen), ich vertrage so gut wie gar keine Laktose mehr, auch laktosefreie Mikchprodukte bereiten mir Probleme, ich kann weder Tomatensoße essen noch Obst, muss auch sonst immernoch tierisch aufpassen, so dass mein Speiseplan ist gerade ziemlich eingeschränkt ist. Die dauerhafte Neigung zum Durchfall ist geblieben, aktuell nehme ich auch wieder sehr viel Imodium zu mir, um zwischendurch mal meine Ruhe zu haben. Offiziell leide ich nun unter einem postinfektiösen Reizdarmsyndrom.

Ich habe schon verschiedene Dinge ausprobiert, um den Durchfall zu lindern oder den Stuhl einzudicken, Flohsamen zB und Roggenvollkornbrot. Aber nichts hilft dauerhaft, manches hilft mir phasenweise. Aktuell versuche ich es mit Roggenvollkornbrot und Haferschleim. Ich habe auch schon verschiedene Probiotika ausprobiert mit verschiedenen Bakterienkulturen, auch hier kann ich keinen dauerhaften Erfolg vermelden. Dafür habe ich letztlich nur viel Geld ausgegeben.

Meinen Darm empfinde ich oft als Zumutung, nichts kann ich wirklich planen, muss bei jeder Verabredung oder wenn ich mal etwas mit Freunden machen möchte, auch sehen, was mein Darm gerade macht. Mein ganzes Leben ist dadurch eingeschränkt und meine  Lebensqualitität leidet enorm. Mit dem Imodium kann ich das Ganze auch nur bedingt steuern. Essen gehen wird teilweise zur Tortur, weil ich oft kaum etwas auf der Speisekarte finde, was ich essen kann und ich weiß am Ende nie, was wirklich im Essen drin ist, das mir serviert wird. Es kann zB sein, dass man mir bei Spaghetti Carbonara, was ich eigentlich problemlos essen kann, Milch oder Sahne mit ins Ei mischt, so geschehen bei einem Italiener in Frankfurt (war auf der Speisekarte nicht deklariert). Und immer diese Sorge, dass mir der Darm losgehen könnte, wenn ich mal außerhäusig was unternehme. Nie kann ich mir sicher sein, dass ich da unfallfrei durchkomme. Auf der Arbeit schiebe ich oft Panik, weil ich dort einfach nicht aufs Klo gehen möchte, weil das dann wieder Sauerei bedeutet und ich mich dort nicht waschen kann. Am manchen Arbeitstagen trinke ich daher nichts oder nur kaum etwas – erst zu Hause wieder in sicherer Umgebung. Das zehrt natürlich an mir und kostet Kraft.

Ich fühle mich mit dem Reizdarm enorm gestraft, ich kann mein Leben nicht so leben, wie ich es gerne täte, muss mich überall einschränken und ständig aufpassen. Und immerwieder diese Unruhe im Bauch und dieses Blubbern, oft ist mein Bauch auch enorm aufgebläht.

Wenn jemand sagt: “Ist ja nur Reizdarm”, dann hat derjenige absolut keine Ahnung, was das wirklich für einen bedeutet. Der Mist nimmt einem einen Großteil des bisher gewohnten Lebens einfach mal eben kompett weg. Man kann nur versuchen, sich damit in irgendeiner Weise zu arrangieren, für sich Kompromisse zu finden. Und den Kopf oben zu behalten. Vielleicht finde ich ja doch irgendwann noch etwas, das mir besser hilft. Dauerhaft. So dass ich mein altes Leben einigermaßen zurück kriege.

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