Meine Ernährung ist meine Medizin

 In ReizdarmReizwort

Es ist so, als wäre ich niemals krank gewesen. Als hätte es die Jahre des Unwohlseins, der schlimmen Bauchschmerzen, die mich ein paar Mal in die Notaufnahme gebracht haben, der ständigen Durchfälle und Blähungen nie gegeben. Eigentlich habe ich Morbus Crohn. Aber ich bin beschwerdefrei und nehme keine Medikamente ein. Meine Ernährung ist meine Medizin.

Warum ich meine Ernährung umgestellt habe

Ich fing vor zweieinhalb Jahren mit der SCD an – es war spontan und aus der Not heraus, denn ich merkte, dass mein Crohn wieder aktiv wurde und ich wollte nicht zu meinem Gastroenterologen gehen. Ich fühlte mich von ihm unverstanden. Zum einen sagte er, „Ihr Crohn ist doch gar nicht so schlimm“, zum anderen wäre seine nächste Vorgehensweise die Immunsuppression. Für mich ein Widerspruch schlechthin, als würde ich gleich den halben Arm amputieren, bloß weil ich mir einen kleinen Kratzer zugezogen habe. „Wenn es Ihnen wieder schlechter geht, versuchen wir als nächstes Azathioprin.“, waren seine Worte. In mir sträubte sich alles dagegen, ein immununterdrückendes Medikament einzunehmen – und dann hörte ich zum Glück von der SCD.

Was ist SCD?

SCD ist die englische Abkürzung für Specific Carbohydrate Diet, zu Deutsch Spezielle Kohlenhydrat-Diät. Dabei handelt es sich um eine reizarme Ernährung aus Gemüse, Obst, Honig, Fleisch, Fisch und Eiern, selbstgemachtem Joghurt und bestimmten Käsesorten, und Nüssen und Samen. Sie ist frei von Gluten, Laktose, Zucker und industriell verarbeiteten Lebensmitteln und entlastet den gereizten und entzündeten Darm. Mehr Informationen zur SCD kannst du hier nachlesen.

Jahrelange Darmprobleme und keine richtige Hilfe von den Ärzten

Heute bin ich 31 Jahre alt, doch meine Darmprobleme fingen mit zwölf oder dreizehn Jahren an, als bei mir eine Laktoseunverträglichkeit diagnostiziert wurde. Meine Eltern und ich waren inkonsequent in der Vermeidung von Laktose. Aus Unwissenheit und auch weil wir von unserer damaligen Hausärztin damit allein gelassen wurden. Sie sprach nie die Empfehlung einer Ernährungsberatung aus, wir wussten nicht einmal, dass es diese Möglichkeit gab. Das einzige, was ich in Unmengen aß, waren diese „tollen“ Laktasetabletten. Ich liebte einfach Milchprodukte: Joghurt, Käse, Schokolade. Wir dachten, die Tabletten würden schon helfen.

Aber mein Bauch kam nicht zur Ruhe. Immer wieder war ich bei unserer Hausärztin, bis sie mir irgendwann mit fünfzehn oder sechzehn Jahren einen Reizdarm diagnostizierte – und das obwohl ich bis dato noch nicht einmal eine Darmspiegelung hatte oder auf andere Unverträglichkeiten hin getestet wurde, die diese Ausschlussdiagnose rechtfertigen würden.

Mit dieser Diagnose war ich unzufrieden. Denn es hieß, man könne da nicht viel machen. Ich müsse Stress vermeiden. Leichter gesagt als getan. Ich ging aufs Gymnasium und obwohl ich eine gute Schülerin war, lastete ein enormer Leistungsdruck auf mir. Und durch diese Diagnose bekam ich den Eindruck, dass ich selbst schuld war für meine Verdauungsprobleme.

Starke Bauchschmerzen gepaart mit Erbrechen brachten mich sogar ein paar Mal in die Notaufnahme – doch auf dem Ultraschall, in den Blutwerten und im Urin war nichts zu finden. Ich wurde noch am selben Abend nach Hause geschickt. Meistens ging es mir durch die Infusionen, die ich dort bekam, auch schnell wieder besser. Wenn sich die Bauchschmerzen und das Erbrechen mal wieder meldeten, verbrachte ich meistens einen ganzen Tag im Bett, aß ein, zwei Tage lang Schonkost und danach war es in der Regel vorbei. So vermied ich Besuche beim Arzt oder in der Notaufnahme.

Wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Mit knapp zwanzig Jahren fing meine eigene Suche nach der Lösung meiner Darmprobleme an. Ich kaufte mir ein Kochbuch zum genussvollen Kochen bei Laktoseunverträglichkeit. Obwohl ich die Diagnose schon Jahre zuvor erhalten hatte, habe ich nicht darauf geachtet, was ich aß. Die Laktasetabletten nahm ich nicht mehr, denn ob mit oder ohne Laktase war das Ergebnis das gleiche. Aber nun waren meine Darmprobleme so nervig, dass ich versuchte, etwas zu ändern. Ich war am Abend immer aufgebläht, musste mehrmals am Tag zur Toilette. Die langen Studientage waren eine Qual, ich konnte mich nicht konzentrieren, so sehr drückte mein Bauch am Nachmittag. In der Regel war mein Stuhl breiig, dann hatte ich Episoden mit Durchfall. Während und nach dem Essen bekam ich Bauchkrämpfe. Ich achtete darauf, alles mit Laktose zu meiden. Ich las Etiketten, mein Partner unterstütze mich. Doch es wurde nicht besser.

Wir fingen an Fertigprodukte zu meiden: Tiefkühlpizza, Soßen aus der Tüte, alles, was man nur auspacken und aufwärmen oder mit Wasser übergießen muss. Ich hatte bemerkt, dass ich davon Blähungen bekam. Ich verzichtete auch auf meine geliebten Frühstücksflocken. Das alles brachte jedoch keine Linderung.

Also musste ich noch andere Unverträglichkeiten haben

Konnte ich eine Glutenunverträglichkeit haben? Ein Test bei meiner Hausärztin fiel negativ aus. Irgendwann hatte ich Fruktose im Verdacht. Laktosefreie Schokolade verursachte Bauchgrummeln, bestimmte Obstsorten auch. Doch ich traute mich nicht mehr, zu ihr zu gehen und um einen Test zu fragen. Ich hatte den Eindruck, man hielt mich für eine Hypochonderin, die im Internet nach Symptomen und Krankheiten suchte und auf sich selbst übertrug.

Ich fing an, mir aus der Bibliothek Bücher auszuleihen zum Thema Reizdarm, zu Fruktose, Histamin – auch das hatte ich irgendwann im Verdacht. Ich war mit der Diagnose Reizdarm noch immer unzufrieden. Das konnte doch nicht alles vom Stress kommen. Nach dieser Logik wäre ich ja dauergestresst und hätte nie auch nur einen Tag, an dem ich entspannt wäre. Das wollte ich so nicht akzeptieren.

Die erste Darmspiegelung

Meine Beschwerden erreichten 2012 ihren Höhepunkt. Damals war ich 25 Jahre alt. Ich hatte Hunger, doch sobald ich anfing zu essen, verging mir der Appetit. Nach kürzester Zeit hatte ich heftige Bauchkrämpfe. Ich hatte mehrmals pro Tag Durchfall. So konnte es nicht weitergehen und ich machte bei einer gastroenterologischen Praxis, deren Werbung ich in der Münchner U-Bahn auf dem Weg zu meiner Arbeit gesehen hatte, einen Termin aus. Kurz danach hatte ich meine erste Darmspiegelung – und erhielt die Diagnose Morbus Crohn. Von selbst wäre ich nie darauf gekommen. Ich hatte ja „nur“ Durchfälle, breiige Stühle und Blähungen.

Schulmedizinische Therapie

So komisch das auch klingen mag, aber die Diagnose nahm ich zu Beginn positiv auf. Endlich wird man mir helfen können, dachte ich. Damals vertraute ich den Ärzten und ich hinterfragte am Anfang gar nichts. Natürlich wurde ich zuerst mit Budenofalk therapiert. Eineinhalb Jahre. Ich hatte den Eindruck, dass meine Beschwerden tatsächlich besser wurden – ganz beschwerdefrei war ich jedoch nie. Mein Stuhl war noch immer breiig, Blähungen hatte ich auch noch regelmäßig. Das einzige, was nachgelassen hatte, waren die Bauchkrämpfe während und nach dem Essen. Eine spezielle Ernährung gebe es nicht, versicherte mir mein Arzt. Ich solle essen, was mir guttue. Nach einer Kontrolldarmspiegelung im Herbst 2013, bei der festgestellt wurde, dass mein Darm nur noch minimal entzündet war, wurde ich eben mit dem Satz von meinem Arzt nach Hause geschickt, denn ich einleitend erwähnt habe: Als nächstes ist dann AZA dran, falls es mir wieder schlechter geht.

Suche nach der richtigen Ernährung

2014 stieß ich dann auf einen Blogartikel, in dem ein junger Mann beschrieb, wie er durch die SCD seinen Morbus Crohn in den Griff bekommen hat. Es war zu schön um wahr zu sein und sein Krankheitsverlauf war richtig heftig. Er hatte schon alle Medikamente durch, die man bei Morbus Crohn geben kann – ich hingegen war „erst“ beim Kortison angelangt und auch mein Arzt gab mir immer wieder zu verstehen, dass ich ja „kein so schlimmer Fall“ sei. Wenn er es geschafft hatte, dann konnte ich das sicher auch. Doch damals ging es mir mit meinem Crohn relativ gut, so war der Leidensdruck nicht groß genug, um auf diese Ernährung umzusteigen.

Wie zu Beginn beschrieben, musste mein Crohn erst wieder aktiv werden. Im Herbst 2015 hatte ich also zwei Optionen – meinen Arzt aufsuchen (schon bei dem Gedanken an ein Gespräch mit ihm fühlte ich mich unwohl) oder meine Ernährung umstellen und schauen, wie es mir damit geht. Ich entschied mich für die Ernährung und bin glücklich, diesen Schritt gewagt zu haben.

Was läuft schief zwischen Arzt und Patient?

Meinen Gastroenterologen habe ich seit Januar 2016 nicht mehr gesehen. Er hat sich immer nur auf die Behandlung der Symptome konzentriert, was mir zu wenig war. Kein einziges Mal wurde mir eine Ernährungsberatung angeboten, kein einziges Mal wurden spezielle Diäten erwähnt, kein einziges Mal wurde ich gefragt, wie ich mit Stress umgehe. Unsere Arzt-Patienten-Beziehung war geprägt von Unverständnis. Ich fühlte mich aufgrund seiner Bemerkungen nicht in meinem Leiden ernst genommen, konnte dadurch kein Vertrauen zu ihm und seinen Empfehlungen fassen. Wie er sich fühlte, kann ich nicht sagen, aber er machte mir einen genervten Eindruck, wenn ich Fragen zu Alternativen stellte, ob es eine Ernährung gäbe, die mir helfen könne. Bei meinem letzten Termin erzählte ich ihm von der SCD. Er hat es in meine Patientenakte notiert, aber keinerlei Regung gezeigt. Ich kann nicht festmachen, woran das lag. War es Desinteresse? Fühlte er sich belehrt? Hatte er keine Zeit? Er ist leider nicht der einzige Arzt, der mir gegenüber so ein Verhalten gezeigt hat.

Die SCD ist meine Medizin

Inzwischen sind zweieinhalb Jahre seit meiner Ernährungsumstellung vergangen und es geht mir besser als je zuvor. Die SCD ist meine Ernährung und auch wenn es nicht immer leicht ist, sich im Alltag so zu ernähren, lohnt sich dieser Aufwand für mich. Eines meiner größten Wünsche war, medikamenten- und beschwerdefrei zu sein. Mit der SCD habe ich das erreicht.

Nach der Ernährungsumstellung habe ich mich auch mit Entspannungsmethoden beschäftigt. Es gibt Zusammenhänge zwischen Stress und Verdauungsproblemen und jeder sollte für sich einen ganzheitlichen Lösungsansatz suchen. Ernährung kann viel, ist aber nicht alles.

In der Zwischenzeit war ich sogar schwanger. Die Schwangerschaft verlief schubfrei, mir und dem Baby ging es immer gut. Mein Sohn ist gesund auf die Welt gekommen und auch die Hormonumstellungen nach der Schwangerschaft haben bei mir keinen Schub ausgelöst.

Um anderen in ähnlicher Situation, ob mit Reizdarm, CED oder sonstigen Verdauungsproblemen zu helfen, habe ich die Website SCD-Blog.de ins Leben gerufen – dort teile ich meine Erfahrungen mit der SCD im Alltag, meine Rezepte und auch aktuelle Entwicklungen zur SCD.

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