Protonenpumpenhemmer – Das Wichtigste zu Magensäureblocker im Überblick

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Protonenpumpenhemmer (auch Protonenpumpeninhibitoren, kurz PPI genannt) hemmen die Säurebildung im Magen und werden bei Sodbrennen, saurem Aufstoßen und Magenschleimhautverletzungen eingesetzt. Aus dem Grund werden sie umgangssprachlich auch Magensäureblocker genannt. Seit ihrer Einführung 1989 stieg ihr Einsatz kontinuierlich an. Heute zählen Protonenpumpenhemmer zu den meist verordneten Medikamenten weltweit. Seit knapp 10 Jahren sind Protonenpumpeninhibitoren auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Mit dem zunehmenden Einsatz, steigt auch die kritische Nachfrage und der Bedarf an Aufklärung. Dieser Artikel fasst Wirkmechanismen und Indikationen zusammen und stellt aktuelle Forschungsergebnisse zu Auslassversuchen und möglichen Nebenwirkungen dar.

Wie wirken Protonenpumpenhemmer (PPI)?

Protonenpumpeninhibitoren wirken an unserer Magenschleimhaut: wir schlucken die Tablette über den Mund, sie passiert die Speiseröhre und gelangt in den Magen. Die Magenwand besteht aus verschiedenen Zelltypen mit jeweils anderen Aufgaben:

  • Hauptzellen: Spaltung der mit der Nahrung aufgenommenen Proteine
  • Nebenzellen: Bildung eines Schleimteppichs auf der Magenwand
  • Belegzellen: Bildung von Salzsäure und Abgabe eines Faktors zur Vit-B12-Aufnahme

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Freisetzung des aktiven Wirkstoffs im Magen

Magensäureblocker wirken nicht direkt, sondern müssen erst mit Hilfe von Säure aktiviert werden. In der Umgebung der Belegzellen ist es besonders sauer, und so wird aus dem PPI das pharmakologisch aktive Sulfenamid.

Hemmung der Wasserstoff-Kalium-Pumpe

Die Salzsäure des Magensafts besteht aus Wasserstoff- und Chlorid. Belegzellen unseres Magens sorgen für die Bereitstellung der beiden Ionen. In ihrer Zellwand sitzt eine Pumpe, die Wasserstoff im Austausch mit Kalium abgibt. Sie heißt H+/K+-ATPase. Protonenpumpenhemmer hemmen diese Pumpe unumkehrbar. Die Wirkung hält also so lange an, bis die Zelle wieder neue Pumpen in ihre Wand eingebaut hat. In Abhängigkeit von der Dosis hält die Wirkung ca. 24-48 Stunden an.

pH-Wert im Magen anheben

Wenn die Belegzellen weniger Wasserstoff-Ionen in den Magen pumpen, dann bildet sich weniger Salzsäure. Der Magensaft wird weniger sauer und der pH-Wert steigt. Zur Ulkusheilung wird ein pH-Wert von drei angestrebt, bei der Refluxkrankheit ein pH von vier.

Bessere Wirksamkeit von Antibiotika

Bei der Beseitigung vom Bakterium Helicobacter Pylori macht man sich den weniger sauren Magensaft zu Nutze. Die Protonenpumpeninhibitoren erhöhen die Stabilität und Verfügbarkeit anderer Medikamente, die es in der sauren Umgebung des Magens schwer haben. Bei der Bekämpfung von Helicobacter erhöhen Protonenpumpenhemmer die lokale Wirkung von Antibiotika.

Bei welchen Krankheiten werden Protonenpumpenhemmer verschrieben?

Protonenpumpenhemmer gegen Refluxkrankheit

Typische Symptome der Refluxkrankheit sind:

Die der gastroösophagealen Refluxkrankheit ist mit Abstand die wichtigste und häufigste Indikation für Akut- und Langzeittherapie mit Protonenpumpeninhibitorenn. Bei der der nichterosiven Refluxkrankheit können Protonenpumpenhemmer auch als Bedarfstherapie bei Beschwerden eingesetzt werden. Symptome wie Husten, Räuspern und Kehlkopfentzündungen zählen nicht zu den klassischen Refluxsymptomen und stellen nur in Ausnahmefällen oder bei besonderen Patientengruppem eine Indikation für Magensäureblocker dar.

Protonenpumpenhemmer gegen Ulkuskrankheit

Ein Ulkus im Magen oder Zwölffingerdarm ist ein Schleimhautdefekt mit Geschwürbildung, der bei Ungleichgewicht von aggressiver Magensäure und schützenden Faktoren wie Schleim und Mediatoren auftritt. Protonenpumpeninhibitoren sind die wirksamste Therapie bei Ulkuskrankheit im Magen-Darm-Trakt. Die meisten Ulkuskrankheiten werden durch eine Bakterieninfektion mit Helicobakter Pyloris oder durch die Einnahme von Medikamenten verursacht.

Protonenpumpenhemmer als Schutz vor Nebenwirkungen anderer Medikamente

Nicht-steroidale Entzündungshemmer sind häufig eingesetzte Arzneimittel, darunter:

  • Aspirin
  • Voltaren
  • Ibuprofen
  • Naproxen

Eine Nebenwirkung dieser Entzündungshemmer sind Oberbauchbeschwerden und Schleimhautschäden im Magen. Daher ist die Kombi-Therapie mit Magensäureblocker bei Risikopatienten sinnvoll, muss jedoch individuell vom Arzt abgewogen werden. Eine Empfehlung zur generellen Begleittherapie mit Protonenpumpenhemmer gibt es nicht.

Protonenpumpenhemmer zur Beseitigung vom Bakterium Helicobacter Pylori

Das Bakterium lebt im Magen und muss medikamentös behandelt werden bei:

Zur Eradikation des Bakteriums nimmt der Patient Protonenpumpeninhibitoren und zwei verschiedene Antibiotika für ein bis zwei Wochen ein. Die Therapie dauert ein bis zwei Wochen und nennt sich Triple-Therapie.

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Medikamente gegen Helicobacter Pylori

Zur Helicobacter-Pylori-Eradikation haben sich zwei Standardtherapien in Deutschland durchgesetzt:

Französisches Schema: Protonenpumpenhemmer + Clarithromycin + Amoxicillin

Italienisches Schema: Protonenpumpenhemmer + Clarithromycin+ Metronidazol

Protonenpumpenhemmer beim Reizdarmsyndrom

Wissenschaftler diskutieren noch, wie sinnvoll der Einsatz von Protonenpumpenhemmer beim Reizdarmsyndrom ist. In Kurzzeitstudien zeigen Protonenpumpeninhibitoren nur wenig therapeutische Effekte im Vergleich zu Placebos. Sie wirken besser bei Patienten, die über Oderbauchschmerzen klagen, als bei jenen mit Beschwerden wie Völlegefühl. Die Wirksamkeit für Langzeittherapien ist ebenfalls nicht ausreichend belegt.

Seltene Indikationen von Protonenpumpenhemmer

Protonenpumpenhemmer sind die Medikamente erster Wahl beim Zollinger-Ellison-Syndrom, einem hormonproduzierenden Tumor der Bauchspeicheldrüse oder Zwölffingerdarms. Darüber hinaus setzen Ärzte Protonenpumpeninhibitoren bei besonderen Krankheitskonstellationen mit Schwäche der Bauchspeicheldrüse oder bei der eosinophilen Ösophagitis ein.

Für welche Erkrankung sind rezeptfreie Protonenpumpenhemmer geeignet?

Omeprazol, Pantoprazol und Esomerazol sind frei käuflich in der Apotheke zur Behandlung von Reflux-Symptomen erhältlich. Wenn nach zwei Wochen keine Besserung der Beschwerden einsetzt oder das Medikament vier Wochen lang kontinuierlich eingenommen wurde, sollte ein Arzt kontaktiert werden.

Wichtige Informationen zu rezeptfreien Protonenpumpenhemmern im Überblick

Einnahme und Dosierung

  • Einsatzgebiet: bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen
  • Einnahme 1x täglich, morgens vor dem Frühstück (am besten zur gleichen Uhrzeit)
  • Einnahme mindestens zwei bis drei Tage
  • Bei vollständiger Beschwerdefreiheit: keine weitere Einnahme
  • keine Besserung der Beschwerden nach zwei Wochen -> Arzt
  • kontinuierliche Einnahme für 4 Wochen -> Arzt
Nicht geeignet für
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre
  • Schwangere
  • Stillende
Vorsicht bei der Einnahme von anderen Medikamenten

Bitte Arzt oder Apotheker informieren, wenn folgende Medikamente eingenommen werden:

  • Warfarin oder Phenprocoumon (Blutverdünner)
  • Ketokonazol (gegen Pilzinfektion)
  • Methotrexat (Einsatz bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis, Krebs)
  • Atazanavir (bei Behandlungen von HIV-Infektion)
Rücksprache mit einem Arzt in folgenden Fällen

Absprache mit einem Arzt vor der Einnahme, wenn:

  • 4-wöchige Behandlung (oder länger) von Sodbrennen oder Verdauungsstörungen in der Vergangenheit
  • älter als 55 Jahre und neue oder kürzlich veränderte Reflux-Symptome
  • älter als 55 Jahre und tägliche Verdauungsstörungen, die mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln behandelt werden
  • Magengeschwür oder Magenoperation in der Vergangenheit
  • vorliegen von Leberproblemen oder Gelbsucht (Gelbfärbung von Augen oder Haut)
  • geplante Endoskopie
  • geplanter Harnstoffstest zum Nachweis von Helicobacter Pyloris
Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung

sofortiger Kontakt mit einem Arzt bei den folgenden Symptomen, die Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein können:

  • Unbeabsichtigter Gewichtsverslust
  • Erbrechen
  • Bluterbrechen
  • Blut im Stuhl
  • Schluckbeschwerden
  • Blässe und Schwäche
  • Schmerzen in der Brust
  • Magenschmerzen
  • anhaltende Durchfälle

Welche Nebenwirkungen sind bei Protonenpumpenhemmern zu erwarten?

Laut Packungsbeilagen sind häufige Nebenwirkungen (bei ein bis zehn Prozent der Behandelten):

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Blähungen
  • Verstopfung
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen

Ähnliche Nebenwirkungen sind auch bei Studien mit Placebos aufgetreten, sodass es sich wahrscheinlich nicht um substanzspezifische Effekte handelt.

Knochenbrüche und Lungenentzündung

Die Frage um ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und Lungenentzündungen durch PPI ist noch nicht abschließend geklärt. Wissenschaftler diskutieren, ob die Säureblockade im Magen die Resorption von Kalzium und Vitamin D vermindert und somit Brüche begünstigt. Einige Studien deuten auf ein gering erhöhtes Risiko für Knochenbrüche hin. Ähnliches gilt für Lungenentzündungen. Die Protonenpumpeninhibitoren sind eventuell nur ein hinweisender Marker, da bei vielen Patient das Risiko für Knochenbrüche und Lungenentzündungen ohnehin erhöht ist.

Herzinfarkt und Nierenversagen

Auch hier gibt es Studien, die ein erhöhtes Risiko spekulieren. Die Interpretation der vorliegenden Daten wird zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr kritisch diskutiert. Herzinfarkt und Nierenversagen könnten mit der Einnahme von Protonenpumpenhemmer assoziiert sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass Magensäureblocker zur Krankheitsentstehung beitragen.

Demenz

Eine Bonner Studie von 2016 brachte die Protonenpumpenhemmer-Therapie mit Demenz in Verbindung brachte. Das weltweite Aufsehen und die Leserzuschriften veranlassten zu einem ergänzenden Artikel, der vor zu schnellen Reaktionen warnte. Ein Absetzen der Protonenpumpeninhibitoren-Therapie wäre derzeit nicht gerechtfertigt. Inzwischen liegt eine große finnische Studie vor, die keinen Zusammenhang zwischen Protonenpumpenhemmer-Einnahme und Demenz feststellen konnte. Zudem untersuchten mehrere Studien die kognitiven Fähigkeiten von Patienten nach Langzeit Protonenpumpeninhibitoren-Einnahme. Auch sie fanden keine Einschränkungen bei den Patienten.

Kann man eine langfristige Protonenpumpenhemmer-Therapie beenden?

Beobachtungen der letzten Jahre zeigen, dass Protonenpumpenhemmer-Therapien, die im Krankenhaus begonnen wurden, mitunter unkritisch vom Hausarzt weitergeführt werden. Die Protonenpumpeninhibitoren-Therapie kann auch nach langfristiger Einnahme wieder abgesetzt oder in ihrer Dosis reduziert werden. Bei Patienten mit Magenschleimhautgeschwüren ist ein dauerhaftes Absetzen erfolgreicher als bei Patienten mit Refluxkrankheit. Rund 50 Prozent können Magensäureblocker langfristig ohne Rückfälle absetzen. Wenn die Beschwerden wiedereinsetzen, dann meist schon nach einer Woche. Unklar ist, ob ein langsames Absetzen günstiger ist, als das abrupte Beenden der Therapie.

Mögliche Strategie zur Beendigung der Protonenpumpenhemmer-Therapie

  • Tag 1-7: Halbierung der Dosis
  • Tag 7-14: Einnahme nur jeden zweiten Tag
  • Tag 15: keine weitere Einnahme

Hinweis: ein Absetzen einer langfristigen Protonenpumpenhemmer-Therapie sollte nur nach Absprache mit einem Arzt begonnen werden

Welche Alternative gibt es zu Protonenpumpenhemmer?

H2-Antihistaminika sind die Medikamente zweiter Wahl bei Reflux und Ulkus der Magenschleimhaut. Sie wirken an einem Histamin-Rezeptor auf den Belegzellen unseres Magens und senken die Salzsäureproduktion. Ihr Nebenwirkungsprofil ist im Vergleich zu Magensäureblockern ungünstiger. 

Die wohl effektivste und nebenwirkungsärmste Alternative ist eine Ernährungstherapie. In einer solchen wird individuell herausgefunden, welche Lebensmittel vertragen werden. So können die Ursachen der Symptome natürlich bekämpft werden. Gesetzliche Krankenkassen erstatten in vielen Fällen eine solche Therapie.

Quellen

Mössner, J. (2016). Indikationen, Nutzen und Risiken von Protonenpumpeninhibitoren. Eine Bestandsaufnahme nach, 25, 477-483. Online abgerufen am 19.05.2018 unter https://www.aerzteblatt.de/archiv/180624/Indikationen-Nutzen-und-Risiken-von-Protonenpumpeninhibitoren

Koop, H. (2018). Verordnungspraxis und Risiken von Protonenpumpenblockern–Fiktion und Fakten. Zeitschrift für Gastroenterologie, 56(03), 264-274. Online abgerufen am 19.05.2018 unter https://www.thieme-connect.com/DOI/DOI?10.1055/s-0043-125340

Klotz, U. (2005). Pharmakologie der Protonenpumpenhemmer: Aus der Sicht eines klinischen Pharmakologen. Pharmazie in unserer Zeit, 34(3), 200-204. Online abgerufen am 22.05.2018 unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/pauz.200500119

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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