Pantoprazol – Wirkung, Nebenwirkung, Einnahme und Dosierung

 In Medikamente

Pantoprazol ist ein Arzneimittel, das dem Magenschutz dient. Egal, ob zur Behandlung von Sodbrennen, Magengeschwüren oder als Begleitmedikament bei der Einnahme von Ibuprofen oder Aspirin, Pantoprazol ist eines der am häufigsten verordneten Arzneimittel in Deutschland. Bei Cara Care erfährst du, wie Pantoprazol wirkt, was du bei der Einnahme von Pantoprazol beachten musst und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Wie wirkt Pantoprazol?

Pantoprazol zählt zu der Arzneimittelgruppe der Protonenpumpenhemmer. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die einen Transporter in der Magenschleimhaut blockieren. Dieser Transporter, der die fachliche Bezeichnung „H+/K+-ATPase“ trägt, ist dafür zuständig, Wasserstoffprotonen (H+) aus den Zellen der Magenschleimhaut zu transportieren. Deshalb wird er auch als „Protonenpumpe“ bezeichnet.

pantoprazol

Abb.1: Protonenpumpe in der Magenschleimhaut

 

Die Wasserstoffprotonen sind für die Produktion der Magensäure von entscheidender Bedeutung. Die Wirkung der Protonenpumpenhemmer beruht also darauf, dass die Schleimhaut weniger Magensäure produziert.


Pantoprazol hemmt somit die Produktion von Magensäure.

Bei welchen Krankheiten wird Pantoprazol eingesetzt?

Wegen seiner säurehemennden Wirkung kommt Pantoprazol vor allem bei Krankheiten zum Einsatz, die durch die überschüssige Produktion von Magensäure entstehen. Dazu zählt das Sodbrennen, das in der Fachsprache gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) heißt. Auch das Magengeschwür (Ulcus) wird mit Pantoprazol behandelt, ebenso wie seltenere Erkrankungen, zu denen etwa eine ausgeheilte Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) oder das Zollinger-Ellison-Syndrom zählen.

Vorbeugend wird Pantoprazol oft bei Patienten eingesetzt, die Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) einnehmen, wie beispielsweise Ibuprofen, Diclofenac oder ASS. Denn die regelmäßige Einnahme von NSAR erhöht das Risiko, ein Magengeschwür zu erleiden.

Pantoprazol ist ebenfalls Teil eines Behandlungsplans zur Beseitigung des Magenkeims Helicobacter pylori (H. pylori), der sogenannten „Eradikationstherapie“.

Tipp: Gerade bei Sodbrennen und Magenbeschwerden ist der nicht-medikamentöse Ansatz am vielversprechendsten. Eine Ernährungstherapie kann dir helfen, die Beschwerden deutlich zu lindern und wird von fast allen Krankenkassen bezuschusst. Dazu bieten auch wir Hilfe von ausgewählten Experten an. Klicke hier für mehr Informationen zum Therapieprogramm.

Ist Pantoprazol verschreibungspflichtig?

Pantoprazol ist in Deutschland apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig. Das heißt, als Patient kann man Pantoprazol in der Apotheke auch ohne Rezept kaufen. Allerdings dürfen entsprechende Packungen pro Tablette nur maximal 20 mg des Wirkstoffes enthalten und in einer Packung dürfen maximal 14 Tabletten enthalten sein.

Pantoprazol ist rezeptfrei (nicht verschreibungspflichtig)

Höhere Dosierungen oder größere Verpackungen dürfen nur mit einem Rezept vom Arzt gekauft werden.

Wie ist Pantoprazol einzunehmen?

Die Dosierung von Pantoprazol beträgt in der Regel 20 mg pro Tablette. Falls nicht anders vom Arzt verordnet, nimmt man morgens, mindestens eine Stunde vor dem Frühstück, eine Tablette Pantoprazol mit einem Glas Wasser (ca. 200 ml) ein. Der Abstand zur ersten Mahlzeit ist wichtig, damit das Medikament seine Wirkung optimal entfalten kann und Nahrungsbestandteile die Aufnahme des Wirkstoffes nicht stören.

Falls Pantoprazol zweimal täglich eingenommen wird, so sollte die zweite Einnahme vor dem Abendessen geschehen. Wie bei der morgendlichen Einnahme sollte mindestens ein Abstand von einer Stunde zum Abendessen eingehalten und die Tablette mit einem Glas Wasser eingenommen werden.

Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Pantoprazol auftreten?

Generell sind Protonenpumpenhemmer und damit auch das Pantoprazol nebenwirkungsarme und gut verträgliche Medikamente.

Die Nebenwirkungen werden grob in allgemeine und spezifische Nebenwirkungen unterteilt. Allgemeine Nebenwirkungen können bei der Einnahme von fast jedem Medikament auftreten, die spezifischen Nebenwirkungen wurden speziell bei der Einnahme von Pantoprazol beobachtet. 

Zu den allgemeinen Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Verstopfung und Hautausschlag. Eine oder mehrere dieser Nebenwirkungen werden bei maximal ein bis drei von 100 Patienten beobachtet.

Eine spezifische Nebenwirkung von Pantoprazol ist das Auftreten von Sehstörungen. Diese extrem seltene Nebenwirkung trat vor allem bei der Einnahme größerer Mengen Pantoprazol auf. Außerdem zählen Leber– (akute Leberentzündung) und Nierenerkrankungen (Nierenentzündung) zu den sehr seltenen Nebenwirkungen.

Ist die langfristige Einnahme von Pantoprazol gefährlich?

Einige Studien geben Hinweise darauf, dass die langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern und damit Pantoprazol über Jahre das Risiko für Osteporose erhöht. Man geht davon aus, dass die verminderte Produktion von Magensäure die Aufnahme von Kalzium behindert, was für den Knochenstoffwechsel von großer Bedeutung ist.

Dieser Nebenwirkung lässt sich möglicherweise durch die gleichzeitige Einnahme von Kalziumcitrat entgegenwirken.

Auch die Aufnahme anderer Mineralstoffe und Vitamine, zum Beispiel von Vitamin B12, kann durch die langfristige Einnahme von Pantoprazol vermindert werden.

Durch die geringere Magensäureproduktion und den damit höheren pH-Wert im Magen steigt bei langfristiger Einnahme das Risiko für Infektionen im Magen-Darm-Trakt. Denn die Magensäure stellt unter normalen Bedingungen eine erste Barriere dar, die viele potentiell schädliche Keime vernichtet.

Außerdem gibt es eine Reihe möglicher Nebenwirkungen wie erhöhtes Demenz- oder Herzinfarktrisiko, die zur Zeit von Ärzten diskutiert werden. Allerdings liegen noch nicht genug Studien vor, um abschließend zu sagen, ob es sich dabei tatsächlich um Effekte der Behandlung mit Protonenpumpenhemmern handelt, oder ob andere Ursachen im Vordergrund stehen.

Wie setze ich Pantoprazol richtig ab?

Da Pantoprazol nicht verschreibungspflichtig ist, nehmen viele Menschen das Medikament, ohne vorher einen Arzt zu konsultieren. Deshalb kommt häufig auch die Frage auf, wie man das Medikament am besten wieder absetzt.

Fachärzte empfehlen, Pantoprazol und andere Protonenpumpenhemmer auszuschleichen. Das heißt, die Dosis und die Einnahmefrequenz sollte nach und nach reduziert werden. So kann beispielsweise erst nur noch alle zwei Tage eine Tablette eingenommen werden, dann alle vier Tage, dann wird die Tablette ganz abgesetzt.

Diese Empfehlung rührt daher, dass bei längerfristiger Einnahme von Pantoprazol ein Gewöhnungseffekt eintritt. Der Körper gewöhnt sich an den niedrigeren Magensäurespiegel und das Medikament. Beim plötzlichen Absetzen des Medikamentes kommt es dann zur sogenannten „Hypersekretion“. Der Körper produziert in einer Art Überreaktion zu viel Magensäure, Magenschmerzen und Sodbrennen sind die Folge.

Gibt es Alternativen zu Pantoprazol?

Viele Patienten greifen auf Pantoprazol zurück, wenn sie unter Magenbeschwerden oder Sodbrennen leiden. Allerdings gibt es bei diesen Erkrankungen auch eine Reihe anderer Behandlungsmöglichkeiten, die als Alternative zur Pantoprazol-Tablette gelten.

So kann sich eine Anpassung der Ernährung sehr positiv auswirken. Sodbrennen wird vor allem durch Alkoholkonsum, Zigarettenrauchen und Kaffeekonsum begünstigt. Auch fetthaltige Speisen fördern die Beschwerden. Ein vollständiger Verzicht auf diese Nahrungsmittel oder eine Reduktion der aufgenommenen Menge helfen vielen Patienten, die Beschwerden zu mindern. Wir haben eine Therapie entwickelt, mit der du deine Verdauung gemeinsam mit einer zertifizierten Ernährungsberaterin wieder in den Griff bekommst. Klicke hier für mehr Informationen zu unserem Therapieangebot.

Falls das Sodbrennen überwiegend nachts auftritt, kann das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper – etwa durch Unterlage eines Kissens – ebenfalls Linderung bringen.

Auch andere, mildere Medikamente, sogenannte Antazida, stehen zur Behandlung von Magenbeschwerden zur Verfügung. Sie sind meist in Form von Kautabletten, die zwischen Mahlzeiten eingenommen werden, in der Apotheke erhältlich. Antazida hemmen nicht die Produktion von Magensäure, sondern binden die bereits vorhandene Magensäure und neutralisieren sie dadurch.

Kann Pantoprazol auch in der Schwangerschaft eingenommen werden?

Sowohl im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon), als auch im zweiten und dritten Trimenon ist Pantoprazol gut untersucht und kann von Schwangeren eingenommen werden.

Experten der Charité Berlin empfehlen in der Schwangerschaft allerdings einen anderen Protonenpumpenhemmer, das sogenannte Omeprazol. Denn zu diesem Medikament liegen deutlich mehr Sicherheitsstudien vor als zu Pantoprazol. Hier gibt es mehr Informationen zu den Nebenwirkungen von Omeprazol.

Pantoprazol ist ein wirksames Medikament zur Behandlung von Magenbeschwerden weist ein gutes Sicherheitsprofil auf und ist daher eines der am häufigsten verordneten Medikamente in Deutschland. Allerdings ist in den letzten Jahren unter Medizinern die Diskussion um mögliche, bisher unbekannte Nebenwirkungen aufgekommen. Deshalb empfiehlt es sich, die Einnahme von Pantoprazol gut zu überdenken und Alternativen, am besten gemeinsam mit einem Arzt, abzuwägen.

Quellen

SchubertZsilavecz, M., & Stark, H. (2005). Protonenpumpeninhibitoren: Strukturen, Mechanismen und Entwicklungen. Pharmazie in unserer Zeit34(3), 194-199. Online abgerufen am 02.04.18 unter: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/pauz.200500118/full 

Kunsch, S., Neesse, A., Linhart, T., Steinkamp, M., Fensterer, H., Adler, G., … & Ellenrieder, V. (2009). Impact of pantoprazole on duodeno-gastro-esophageal reflux (DGER). Zeitschrift für Gastroenterologie47(03), 277-282. Online abgerufen am 02.04.18 unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19280541

von Rahden, B. H. A., Scheurlen, M., Filser, J., Stein, H. J., & Germer, C. T. (2012). Neu erkannte Nebenwirkungen von Protonenpumpeninhibitoren. Der Chirurg83(1), 38-44. Online abgerufen am 02.04.18 unter https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00104-011-2173-x

Schwarz, K. (2010). Evidenzbasierter Einsatz von Protonenpumpeninhibitoren (Doctoral dissertation, Universität Wien)

Internetquelle: https://www.embryotox.de/pantoprazol.html, aufgerufen am 02.04.18

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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