Medikamente gegen Verstopfung – welche Medikamente helfen wirklich?

 In Medikamente

Viele Menschen sind von Verstopfung betroffen, besonders häufig ältere Menschen. Die zu Grunde liegenden Ursachen sind vielfältig. So können bestimmte Medikamente, Störungen des Darm-Nervensystems und der Darmbewegung oder ungünstige Ernährungsgewohnheiten die Entstehung von Verstopfung, egal ob chronisch oder akut, begünstigen.

Es gibt verschiedene natürliche Behandlungsansätze sowie Medikamente gegen Verstopfung, von denen man viele auch ohne Gewöhnungseffekte oder Entgleisungen des Mineralien-Haushaltes einnehmen kann.

Welche rezeptfreien Medikamente gegen Verstopfung gibt es?

Es gibt viele rezeptfreie Medikamente, die eine Verstopfung erfolgreich behandeln können. Macrogole, Natriumpicosulfat und Bisacodyl sind die Mittel erster Wahl und können ohne gefürchtete Gewöhnung oder Abhängigkeit eingenommen werden.


Empfehlungsgrad Medikamente
besonders empfohlen Macrogol

Natriumpicosulfat

Bisacodyl

empfohlen Lactulose

Antrachinone (besonders bei chronischer Obstipation)

nicht empfohlen Magnesiumsalze

Bittersalz

Glaubersalz

Einläufe (nur in akuten Situationen)

Tab. 1. Medikamente gegen Verstopfung mit Empfehlungsgrad

1. Macrogole

Macrogole (z.B. Dulcolax M Balance, Movicol, Movicol Junior, Isomol) sind osmotisch wirksame Laxantien. Das bedeutet, dass sie im Darm Wasser ziehen und so den Stuhl geschmeidiger machen. In seltenen Fällen treten Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen oder Blähungen auf. In der Regel kommt es nicht zu  Veränderungen des Salzhaushalts des Körpers, sodass sie ohne zeitliche Begrenzung eingenommen werden können. Sie werden auch häufig vor Darmspiegelungen eingesetzt. Wichtig bei der Anwendung von Macrogolen ist, dass sie mit viel Flüssigkeit eingenommen werden.

2. Natriumpicosulfat

Natriumpicosulfat (z.B. Laxoberal, Agiolax Pico) ist ein Abkömmling des Bisacodyl (z.B. Dulcolax, Bekunis) und beide gehören zur Gruppe der stimulatorisch wirkenden Laxantien. Die Flüssigkeitsausscheidung im Darm wird gesteigert, die Aufnahme von Flüssigkeit aus dem Darm gehemmt und die Darmbewegung angeregt. Als Nebenwirkung können Bauchschmerzen auftreten. Die Wirkung setzt nach 6–8 Stunden ein, dementsprechend sollte eine Einnahme am besten vor dem Schlafengehen erfolgen. Auch bei der Anwendung von Bisacodyl und Natriumpicosulfat sollte unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Veränderungen im Salzhaushalt bei alleiniger Einnahme sind nicht zu befürchten. Bei gleichzeitiger Anwendung anderer Medikamente, die die Kaliumausscheidung begünstigen, kann diese Wirkung jedoch verstärkt werden. Ein Gewöhnungseffekt tritt nur äußerst selten auf.

3. Antrachinone

Antrachinone werden vor allem bei chronischer Obstipation angewendet. Sie finden sich beispielsweise in Sennesblättern oder -früchten (z.b. Alasenn, Midro Abführtabletten) und können auch als Abführtee (z.B Bekunis Tee oder Midro Tee) eingenommen werden. Desweiteren sind sie auch in Aloe oder Rhabarberwurzel enthalten. Antrachinone sind Mittel zweiter Wahl bei Verstopfung. Die Darmbewegung wird angeregt und der Stuhl wird geschmeidiger. Wirkeintritt ist nach 8–10 Stunden. Eine Gewöhnung findet nur sehr selten statt. Als Nebenwirkung können Bauchschmerzen auftreten.

4. Lactulose

Lactulose (z.B. Bifiteral, Lactulose Hexal) wird ebenfalls bei chronischer Obstipation eingesetzt. Lactulose kann im Darm nicht aufgenommen werden und wird dort von Bakterien in Milchsäure gespalten, welche wiederum wasserziehend wirkt. So wird der Stuhl weicher gemacht. Bei der Umsetzung der Lactulose zu Milchsäure und Acetat entstehen jedoch Gase, welche zu Blähungen führen können.

5. Sialinische Laxantien

Sialinische Laxantien wie Magnesiumsalz/Bittersalz (z.B. F.X. Passage SL) oder Glaubersalz/Natriumsulfat wurden früher recht häufig eingesetzt, sind allerdings aus aktueller Sicht eher nicht zu empfehlen. Sie wirken ebenfalls osmotisch (wasserziehend) und verhindern so das Eindicken des Stuhles. Bei Überdosierung kann es zu Problemen wie Vergiftung, Darmverschluss oder Nierenversagen kommen. Daher werden sie heute nur noch selten eingesetzt.

6. Bisacodyl-Zäpfchen

Bisacodyl-Zäpfchen oder CO2-freisetzende Zäpfchen können rektal angewendet werden, um die Darmentleerung auf diesem Wege zu fördern. Besonders hilfreich sind Zäpfchen, wenn die Verstopfung durch eine Entleerungsstörung des Enddarmes bedingt ist. Das kann beispielsweise aufgrund von Schmerzen beim Stuhlgang durch Hämorrhoiden der Fall sein.

7. Einläufe

Einläufe (Klysmen) (z.B. Klistier), beispielsweise mit Lactulose oder Natriumphosphat, sollten nicht als dauerhafte Therapie eingesetzt werden, da eine regelmäßige Anwendung zu Elektrolytstörungen führen kann. Im Falle einer akuten Problematik sind sie jedoch durchaus eine sinnvolle Therapieoption. Bei akuter Verstopfung kann zum Beispiel das schnell und effektiv wirkende Natriumhydrogenphosphat als Einlauf verabreicht werden.

Welche Medikamente darf ich bei Verstopfung in der Schwangerschaft einnehmen?

Das Mittel erster Wahl in der Schwangerschaft ist Lactulose. Daneben kann auch Macrogol eingesetzt werden. Wenn keines der beiden Mittel eine ausreichende Wirkung zeigt, stehen als weitere Substanzen Bisacodyl oder Natriumpicosulfat zur Verfügung.

Antrachinon–Derivate (enthalten in Senna, Rhabarberwurzel oder Aloe) sollten nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden. Ebenso sind Bittersalze nicht für die Schwangerschaft geeignet, da sie Wehen auslösen können.

Wie kann ich eine Verstopfung natürlich behandeln?

Zunächst sollte man versuchen die Verstopfung ohne Medikamente zu beseitigen.

Allgemeine Verhaltensregeln

Es ist wichtig ausreichend zu trinken, da ein Flüssigkeitsmangel den Stuhl hart machen kann und die Stuhlmenge verringert. Empfohlen werden 1,5–2 Liter täglich.

Bestimmte Nahrungs- und Genussmittel wie Bitterschokolade und Rotwein machen den Stuhl fest und können Verstopfungen begünstigen.

Unterdrückt man den Stuhl häufig aus Zeitnot, Stress oder Ekel, wird eine Verstopfung zusätzlich gefördert.

Auch ein Bewegungsmangel wirkt sich negativ auf den Stuhlgang aus. Insbesondere ältere, bettlägerige Menschen leiden sehr häufig unter Verstopfungen. Um die Darmtätigkeit wieder anzuregen, kann bereits eine Massage des Bauches hilfreich sein. Die Bauchmassage sollte dabei am besten im Uhrzeigersinn von rechts unten aus der natürlichen Darmbewegung folgen.

Verstopfungsfördernde Medikamente

Ein weiterer, sehr wichtiger Auslöser von Verstopfung sind verschiedene Medikamente. Bestimmte Schmerzmittel (Opiate), entwässernde Substanzen (Diuretika) sowie Antidepressiva können eine Verstopfung verursachen. Auch verschiedene neurologische Erkrankungen, zum Beispiel Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose, gehen häufig mit Verstopfung einher.

Ballaststoffe

alternative zu Medikamenten

Ernährungsumstellung als Alternative zu Medikamenten bei Verstopfung

Eine ballaststoffarme Ernährung ist häufig Grund für Verstopfungen. Um dem vorzubeugen, sollte zunächst versucht werden, die täglich empfohlene Ballaststoffaufnahme von über 30 Gramm pro Tag über die Nahrung zu erreichen. Zu den ballaststoffreichen Lebensmitteln zählen unter anderem Vollkornprodukte, Obst und Gemüse. Reduzieren sollte man beispielsweise ballaststoffarme Lebensmittel wie Weißbrot oder Fleisch und Fisch. Während eine medikamentöse Therapie in der Regel nicht dafür geeignet ist, Verstopfungen dauerhaft zu behandeln, ist eine Ernährungsumstellung oft der Schlüssel zum Erfolg, wenn man Verstopfungen natürlich und nachhaltig verhindern möchte. Wir empfehlen hierfür eine medizinische Ernährungsberatung, mit zertifizierten Ernährungsberatern. Mehr Informationen erhältst du hier.

Zudem gibt es auch verschiedene natürliche Ballaststoffe, die man ergänzend zur täglichen Ernährung einnehmen kann.

Weizenkleie, indische Flohsamenschalen oder Leinsamen können der Nahrung zugeführt werden, indem man sie beispielsweise ins Müsli einrührt. Sie wirken dadurch, dass sie im Darm aufquellen, den Speisebrei vergrößern und so die Darmwand dehnen und darüber die Darmbewegungen stimulieren. Daher ist es besonders wichtig bei der Einnahme auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Allerdings kann eine ergänzende Ballaststoffzufuhr auch zu Beschwerden wie Bauchschmerzen und Blähungen führen.

Wie wird die medikamentöse Therapie durchgeführt?

Als Basismaßnahme wird zunächst versucht, die Verstopfung wie oben beschrieben auf natürliche Weise zu behandeln. Wenn eine ballaststoffreiche Ernährung allein nicht ausreicht, sollten zusätzliche Ballaststoffe eingenommen werden, zum Beispiel in Form von indischen Flohsamenschalen. Sie sind im Reformhaus oder in der Drogerie erhältlich und oft reichen diese Mittel aus, um den Stuhlgang zu erleichtern. Bestehen die Beschwerden weiterhin, sollte auf eine medikamentöse Therapie mit Stuhlweichmachern und Abführmitteln zurückgegriffen werden. Zu den Mitteln erster Wahl zählen Makrogol, Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Sind diese nicht gut wirksam oder werden nicht gut vertragen, können auch Mittel zweiter Wahl wie Lactulose oder Antrachinone angewandt werden.

Geht die Verstopfung von einer Entleerungsstörung des Enddarmes aus, sind Einläufe oder Zäpfchen zu empfehlen. Diese helfen direkt vor Ort, die Verstopfung zu beheben und die Darmentleerung wieder in Gang zu bringen.

Wirken all diese Maßnahmen nicht, stehen auch weitere Medikamente, so genannte neue Laxantien, wie Prucaloprid oder Linaclotid zur Verfügung.

Quellen

Herold, Gerd: Innere Medizin, 2018

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. AWMF – Leitlinien. Langfassung der Leitlinie. Chronische Obstipation bei Erwachsenen. Registernummer 021/019. Online abgerufen am 18.3.2018 unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-019l_S2k_Chronische_Obstipation_2013-06-abgelaufen.pdf

Karow, Thomas / Lang-Roth, Ruth: Pharmakologie und Toxikologie 2018, 26. Auflage.

o.V., ,,Obstipation’’, in: Internetseite Embryotox, 27.08..2012, URL: https://www.embryotox.de/obstipation.html, abgerufen am 26.3.2018

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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