Macrogol – schonende Linderung von Verstopfungen

 In Erkrankungen, Medikamente, Reizdarm

Verstopfungen (Obstipationen) sind für Betroffene unangenehm. Wenn der Stuhlgang dauerhaft Probleme bereitet, können Abführmittel (Laxanzien) Abhilfe schaffen. In diversen abführenden Medikamenten ist der Wirkstoff Macrogol enthalten, der Verstopfungen schonend bekämpft. Da Macrogol für die Langzeitanwendung geeignet ist, lassen sich selbst chronische Verstopfungen damit behandeln, ohne dem Körper zu schaden. Auch vor chirurgischen Eingriffen, für die eine vorherige Darmentleerung nötig ist, kommt Macrogol zum Einsatz.

Was ist Macrogol?

Macrogole sind synthetische Molekülverbindungen (Polymere), die Wassermoleküle stark anziehen und an sich binden. In der Regel kommt Macrogol als weißer Feststoff in Pulverform vor. Weil sie wasserbindend wirken, lassen sich Macrogole, die chemisch Polyethylenglukol entsprechen, ideal bei Problemen mit der Darmentleerung sowie Verstopfungen einsetzen. Polyethylenglykol ist in zahlreichen abführenden (laxierenden) Medikamenten enthalten und ein etablierter Wirkstoff auf dem Gebiet der Darmgesundheit. Die Ziffern (Macrogol 3.350, Macrogol 4.000, Macrogol 6.000) auf der Medikamentenverpackung sind Angaben zu den verschiedenen Gewichten und Größen der Moleküle. Auf den Organismus wirken sie allerdings nicht unterschiedlich.

Wie machen sich Verstopfungen bemerkbar?

Verstopfungen haben vielfältige Ursachen: Eine ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung, seelische Leiden oder Medikamente können die Darmtätigkeit beeinflussen und Probleme bei der Entleerung verursachen. Neben dem ausbleibenden Stuhlgang klagen Betroffene über Bauchschmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Übelkeit. Die Ursache ist ein zu harter Stuhl, der nicht vom Darm ausgeschieden werden kann. Beschädigt der harte Stuhl zusätzlich die Darmwand, wird es gefährlich: Krankheitserreger oder Bakterien dringen in den Darm ein und verstärken das Unwohlsein. Häufig ist dann auch Blut im Stuhl zu finden.

Verstopfungen führen zu Bauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit und Sodbrennen. Die Darmwand kann beschädigt werden und dadurch zu Blut im Stuhl führen.


Wie wirkt Macrogol im Körper?

Der Wirkstoff wird in der Regel als Pulver eingenommen. Dafür löst man das Pulver in einem Glas Wasser auf und nimmt das Gemisch als Getränk zu sich. Die Lösung gelangt in den Verdauungstrakt und entfaltet dort ihre Wirkung. Da ein Macrogol-Molekül rund 100 Wassermoleküle bindet, verwandelt sich die Lösung in eine Art Gel. Das Stuhlvolumen vergrößert sich, die Darmwände weiten sich, und die Darmentleerung wird angeregt. Darüber hinaus weicht die Verbindung aus Macrogol und Wasser den festen und trockenen Stuhl auf und erleichtert damit zusätzlich das Abführen. Da sie ihre Wirkung nicht unmittelbar nach der Einnahme, sondern nach und nach entfalten, gelten Medikamente mit Macrogol als sehr schonende Abführmittel. Nach ungefähr zwölf bis 48 Stunden sollte sich die Verstopfung lösen.

Haben Macrogole eine schädigende Wirkung auf den Organismus?

Nach der Einnahme des Medikaments gelangt der Wirkstoff in den Darm, löst nach einiger Zeit die Verstopfung und wird dann mit dem Stuhl ausgeschieden. Er entweicht nicht durch die Darmwände und setzt sich nicht im Körper ab – somit hat Macrogol keine schädigende Wirkung auf den Organismus. Daher eignet sich Macrogol für die Langzeitanwendung bei anhaltenden und chronischen Verstopfungen.

Langzeit Behandlung

Macrogol entweicht weder durch die Darmwände noch setzt es sich nicht im Körper ab – somit hat es keine schädigende Wirkung auf den Organismus. Daher eignet sich das Medikament bei anhaltenden und chronischen Verstopfungen.

Damit der Wirkstoff dem Körper nicht zu viel Flüssigkeit entzieht, sollte Macrogol immer in Verbindung mit Wasser eingenommen werden. Auch ist es ratsam, auf Macrogol-Präparate mit zugesetzten Elektrolyten zurückzugreifen, die der Körper für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt benötigt.

Was ist bei der Dosierung und Anwendung von Macrogol zu beachten?

Das Pulver ist in Dosierbeuteln erhältlich. Bei der Einnahme sollten sich Patienten nach der Empfehlung ihres Arztes oder nach den Dosierungsrichtlinien des Arzneimittelherstellers richten. Sofern nicht anders verordnet, wird folgende Dosierung empfohlen:

Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren Kinder unter zwölf Jahren
  • 1 bis 3 Beutel täglich
  • Beutelinhalt in ein Glas mit 125 ml Wasser geben und solange rühren, bis sich das Pulver vollständig aufgelöst hat
  • Lösung anschließend trinken
Grundsätzlich sollte die Einnahme bei Kindern unter zwölf Jahren immer in Absprache mit dem Kinderarzt erfolgen und gegebenenfalls eine geringere Dosis als für Erwachsene verabreicht werden.

Die Einnahme muss nicht zu bestimmten Zeiten oder zum Essen erfolgen. Die Anwendungsdauer richtet sich danach, wie schnell eine Linderung der Beschwerden eintritt. Länger als zwei Wochen sollte die Behandlung allerdings nicht andauern. Hat sich die Verstopfung danach immer noch nicht gelöst, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Hinweis:

Hat sich die Verstopfung nach zwei Wochen nicht gelöst, solltest du einen Arzt aufsuchen.

Arzneimittel mit dem Wirkstoff Macrogol sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Wann darf Macrogol nicht eingenommen werden?

Liegt eine Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff Macrogol oder einen Hilfsstoff in der Arznei vor, sollten Betroffene das Medikament nicht einnehmen. Dasselbe gilt bei folgenden Beeinträchtigungen:

  • Perforierte Darmwand
  • Bei einem Darmverschluss (Ileus)
  • Bei schweren Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa

Wichtig!

Sollte eine Therapie mit Macrogol trotzdem notwendig sein, sollte diese immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen und keinesfalls selbstständig durchgeführt werden.

Ist Macrogol während der Schwangerschaft und Stillzeit geeignet?

Frauen sollten während der Schwangerschaft und Stillzeit grundsätzlich darauf achten, nicht unnötig Medikamente einzunehmen. Daher ist es auch bei einer Verstopfung empfehlenswert, vor der Einnahme von Macrogol mit dem behandelnden Frauenarzt zu sprechen. Dieser kann einschätzen, ob eine Behandlung tatsächlich notwendig ist und gegebenenfalls Alternativen vorschlagen.

Welche Nebenwirkungen hat Macrogol?

Zur Häufigkeit von auftretenden Nebenwirkungen sind keine allgemeingültigen Aussagen möglich, da eine Vielfalt an Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Macrogol verfügbar ist. Deshalb solltest du immer den Beipackzettel gründlich lesen. Folgende Nebenwirkungen von Macrogol sind bekannt:

  • Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen, Reizmagen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • unfreiwillige Darmentleerung
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Kopfschmerzen, Schwindel
  • allergische Reaktionen: Hautrötungen, Juckreiz; in besonderen Fällen: allergischer Schock
  • Wassereinlagerungen
  • Entzündungen im Afterbereich

Treten Nebenwirkungen auf, sollte die Behandlung sofort unterbrochen und ein Arzt konsultiert werden. Er geht den möglichen Ursachen für die Beschwerden auf den Grund und passt die Behandlung und die Dosierung gegebenenfalls an.

Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind bekannt?

Nehmen Betroffene noch weitere Medikamente ein, sollte die Einnahme vorab mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Wechselwirkungen können beispielsweise mit Antiepileptika auftreten.

Quellen

Müller-Lissner, S., 2013. Pharmakologische Behandlung der Obstipation. Der Internist54(4), pp.498-504. Online abgerufen am 20.07.2018 unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s00108-013-3245-4

Vetter, Christine, 1999. Macrogol bei Obstipation: Abführen ohne Elektrolytverlust. Dtsch. Arztebl.  Online abgerufen am 20.07.2018 unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/17818/Macrogol-bei-Obstipation-Abfuehren-ohne-Elektrolytverlust

Gruss, H.J., 1998. Macrogol 3350: Therapie der Wahl bei hartnäckigen Fällen der chronischen Obstipation und Koprostase. coloproctology20(4), pp.161-167. Online abgerufen am 20.07.2018 unter: https://link.springer.com/article/10.1007/BF03044618

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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