Die richtige Ernährung bei Morbus Crohn

 In Ernährung

Wer an Morbus Crohn leidet, kann die Entzündungsprozesse durch Ernährung steuern. Dies ist besonders wichtig, um den Heilungsprozess im Verlauf einer Krankheit zu unterstützen. Allerdings machen chronische Entzündungen innerhalb des Verdauungstraktes eine angemessene Nährstoffzufuhr bei Morbus Crohn oft schwer. Häufig sind Bereiche des Dünn- und Dickdarms betroffen. Das schränkt die Aufnahme von vielen Nährstoffen ein. Zudem sind die Entzündungen mit schmerzhaften Symptomen wie Bauchschmerzen und Durchfall verbunden. Um das eigene Wohlbefinden zu steigern, sollte man deshalb auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten, die zugleich eine möglichst lange schubfreie Phase  (Remission) unterstützt. Unsere Praxis für Ernährungsmedizin ist auf Verdauungserkrankungen spezialisiert. Es gibt keine Einheitslösung. Daher schauen wir vielmehr individuell mit unseren Beratern, welche Ernährung dir am besten tut. (Mehr Informationen hier)

Worauf sollte man bei der Ernährung für Morbus Crohn achten?

Morbus Crohn verursacht häufig Unterernährung. Die Unterernährung wird vor allem durch chronische Entzündungen im Bereich des Dünn- und Dickdarms verursacht. Das hat vielfältige Ursachen. Zum einen kommt es zu Resorptionsstörungen in den entzündeten Bereichen des Verdauungstraktes und einem gleichzeitig durch den Heilungsprozess verursachten erhöhten Nährstoffbedarf. Zum anderen leiden viele Patienten an Appetitlosigkeit aufgrund der schmerzhaften Symptome, die durch die Nahrungsaufnahme verstärkt werden.

Deswegen sollte bei Morbus-Crohn-Patienten auf eine angemessene Nährstoffversorgung großer Wert gelegt werden. Meist ist eine erhöhte Energiezufuhr notwendig, aber auch ein hohe Zufuhr an Mikronährstoffen. Denn folgende Mikronährstoffe sind bei Morbus Crohn häufig von einem Mangel betroffen:

  • Eisen
  • Calcium
  • Vitamin D
  • Vitamin B12
  • Folsäure
  • Zink
  • Magnesium
  • Vitamin A

Diese Nährstoffmängel sollten untersucht und gegebenenfalls mit Nahrungsergänzungsmitteln korrigiert werden.


Wie sollte man sich während der Remissionsphase ernähren?

Erkenntnisse aus der Mikrobiom-Forschung haben ergeben, dass Morbus-Crohn-Patienten häufig eine sogenannte Dysbiose aufweisen. Eine Dysbiose ist eine Imbalance der im Darm angesiedelten Mikroorganismen. Zudem scheint ein Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung der Darmflora und der Aktivität eines Morbus Crohn zu bestehen, da die Darmflora sich während der akuten Krankheitsphase und der Remissionsphase unterscheidet.

Eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung kann sich positiv auf die Darmflora (Mikrobiota) des Darms auswirken. Dadurch kann man einer Dysbiose vorbeugen und möglicherweise auch die Remissionsphase verlängern. Deshalb wird allgemein eine ausgewogene Ernährungsweise während eines ruhenden Morbus Crohn empfohlen. Dazu gehört eine ausreichende Versorgung mit frischem Obst und Gemüse, gesunden Fetten zum Beispiel aus Nüssen und Samen sowie Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Außerdem muss auch auf Milch und Milchprodukten nicht verzichtet werden, soweit keine Laktoseintoleranz vorliegt. Allerdings sollte man den Verzehr von rotem Fleisch, wie Schwein, Rind und Lamm, zuckerhaltigen sowie süßstoffhaltigen Getränken, einschließlich Säften einschränken. Vom Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln und Fast Food wird ebenfalls abgeraten.

Laut der Europäischen Crohn’s und Colitis Organisation (ECCO) existieren derzeit keine bestimmten Ernährungstherapien für Patienten mit Morbus Crohn. Nichtsdestotrotz existieren diverse Diäten, die in Studien und Fallberichten eine Linderung der Symptome erreichen konnten. Es mangelt jedoch bisher an großen kontrollierter Studien, die eine allgemeine Empfehlung bestimmter Ernährungsweisen geben konnten.

Spezielle Kohlenhydratdiät (SCD)

Eine dieser Ernährungsformen ist die spezielle Kohlenhydratdiät (SCD – specifc carbohydrate diet). Bei der speziellen Kohlenhydratdiät wird der Verzehr von bestimmten Kohlenhydraten eingeschränkt, die von Bakterien der Darmflora fermentiert werden könnten.

Halb-vegetarische Diät (SMD)

Desweiteren gibt es die halb-vegetarische Diät (SMD – semi-vegetarian diet), bei der es sich um eine lakto-ovo vegetarische Ernährungsweise handelt. Das bedeutet, dass hierbei neben Milch und Eiern einmal die Woche Fisch und einmal alle zwei Wochen ein Stück Fleisch gegessen werden darf.

FODMAP-Diät

Bei der low-FODMAP-Diät handelt es sich – ähnlich wie bei dir SCD – um eine Ernährungsform, bei der die Nahrungsgrundlage einer Vielzahl von Bakterien der Darmflora entzogen wird, indem man fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole in seiner Diät vermeidet.

Tabelle mit Lebensmitteln für Morbus Crohn

zu empfehlen zu vermeiden
Obst und Gemüse raffinierter Zucker, sowie zuckerhaltige Getränke
Hülsenfrüchte Getränke mit Süßstoffen
Vollkornprodukte Säfte
Nüsse, Samen Süßigkeiten
Milch- und Milchprodukte Margarine, Maiskeimöl, Distelöl
Eier Alkohol
Fisch rotes Fleisch und verarbeitete Fleischwaren
weißes Fleisch Fast Food

Wie sollte man sich während eines Schubs ernähren?

Was eine angemessene Ernährung während eines aktiven Morbus Crohn darstellt, ist abhängig von der Schwere des Schubs, dem bisherigen Verlauf der Krankheit und der medikamentösen Behandlung. Wenn eine Aufnahme fester Lebensmittel möglich ist, sollte besonders auf eine geringe Ballaststoffzufuhr geachtet werden. Eine unzureichende  Nährstoffzufuhr wird vor allem durch eine geringe Nahrungsaufnahme, Resorptionsstörungen und einen erhöhter Nährstoffbedarf aufgrund der aktiven Entzündung begünstigt. Deshalb wird häufig eine enterale Ernährung (eine auf Flüssigkeiten beruhende klinische Ernährungsweise) erforderlich, um den Nährstoffbedarf des Patienten zu decken.

Ist eine vegane Ernährung als Morbus-Crohn-Patient möglich?

Da eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung bei Morbus Crohn empfohlen wird, spricht dem prinzipiell nichts entgegen. In einer japanischen Studie wurde eine semi-vegetarische Ernährung (SVD) mit sehr geringem Fisch- und Fleischanteil als sehr hilfreich angesehen, um Morbus Crohn in Remission zu halten. Besonders sollte jedoch auf die Zufuhr potentiell kritischer Nährstoffe in der veganen Ernährung geachtet werden. Zu diesen gehören:

  • Vitamin B12
  • Eisen
  • Jod
  • Vitamin D
  • Zink
  • Omega-3 Fettsäuren
  • Riboflavin (Vitamin B2)
  • Protein
  • Selen

Vor allem sollte eine angemessene Proteinzufuhr ist gewährleistet sein, weil diese für den Heilungsprozess unerlässlich ist. Da zudem ein Nährstoffmangel bei Morbus-Crohn-Patienten sehr häufig ist, sollte auf jeden Fall ein Arzt oder ein zertifizierter Ernährungsberater zu Rate gezogen werden, bevor man sich zu einer veganen Ernährung entschließt. Unsere online Praxis für medizinische Ernährungstherapie hat sich auf Darmerkrankungen und speziell CED spezialisiert. Unter diesem Link erhältst du weiterführende Informationen.

Wie sollte man sich bei Colitis Ulcerosa ernähren?

Auch bei Colitis Ulcerosa ist eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung empfehlenswert. Es ist hingegen nicht nötig die Ballaststoffzufuhr während eines Schubs zu senken. Desweiteren haben Forschungen ergeben, dass eine tägliche Supplementierung mit 4 g Flohsamen die Remissionsphase erhalten kann. Mehr Informationen über Ernährung bei Colitis-Ulcerosa gibt es hier.

Quellen

Chiba, M.,Abe, T. , Tsuda, H., Sugawara, T.,Tsuda, S., Tozawa, H., Fujiwara, K., Imai, H. 2010. Lifestyle-related disease in Crohn’s disease: Relapse prevention by a semi-vegetarian diet. World Journal of Gastroenterology, 16 (20), pp. 2484 – 2495. Online: https://www.wjgnet.com/1007-9327/full/v16/i20/2484.htm, abgerufen am 21.03.2018.

Donnellan, C. H., Yann, L. H., Lal, S. 2013. Nutritional management of Crohn’s disease. Therapeutic Advances in Gastroenterology, 6 (3), pp. 231 – 242. Online: http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1756283X13477715, abgerufen am 21.03.2018.

Haskey, N., Gibson, D. L. 2017. An Examination of Diet for the Maintenance of Remission in Inflammatory Bowel Disease. Nutrients, 9 (3), pp. 259. Online: http://www.mdpi.com/2072-6643/9/3/259, abgerufen am 21.03.2018.

Owczarek, D., Rodacki, T., Domagała-Rodacka, R., Cibor, D., Mach, T. 2016. Diet and nutritional factors in inflammatory bowel diseases. World Journal of Gastroenterology, 22 (3), pp. 895 – 905. Online:https://www.wjgnet.com/1007-9327/full/v22/i3/895.htm, abgerufen am 21.03.2018.

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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