Lebensmittelunverträglichkeit

 In Ernährung

Wer kennt es nicht: Nach dem Essen zwickt und rumort es im Bauch. Fettiges Essen und große Mengen liegen jedem mal schwer im Magen. Auch Blähungen können zu unangenehmen Bauchschmerzen führen. Ist die Luft erst mal entwichen, geht meist schnell besser. Macht sich dein Verdauungstrakt aber regelmäßig nach dem Essen bemerkbar, könnte eine Lebensmittelunverträglichkeit die Ursache sein. Als Lebensmittelunverträglichkeit fasst man verschiedene Reaktionen des Darms auf Nahrungsmittel zusammen. Auch im Rahmen von Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom treten Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Lebensmitteln auf. 

Welche Symptome treten bei Lebensmittelunverträglichkeiten auf?

Die Beschwerden bei einer Lebensmittelunverträglichkeit sind sehr vielfältig:

Stuhlunregelmäßigkeiten und Bauchschmerzen können viele Ursachen haben. Bei Lebensmittelunverträglichkeiten löst der Genuss von bestimmten Lebensmitteln die unangenehmen gastrointestinalen Beschwerden aus. Das bedeutet, dass die Symptome immer nach dem Essen auftreten. Häufig bessern sich die Beschwerden nach dem Stuhlgang und wenn das Nahrungsmittel gemieden wird.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Chronische Verdauungsbeschwerden über drei Monate mit Durchfall und Bauchschmerzen sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Auch neu auftretende Stuhlveränderungen müssen untersucht werden. Zunächst solltest du deine Beschwerden deinem Hausarzt mitteilen. Gemeinsam besprecht ihr das weitere Vorgehen. In bestimmten Fällen ist eine umfangreiche Diagnostik beim Gastroenterologen notwendig. Bei Verdacht auf eine Lebensmittelunverträglichkeit führt der Gastroenterologe einen H2-Atemtest durch. Verdauungsbeschwerden durch Nahrungsmittelintoleranzen sind ungefährlich, aber belastend.


Du vermutest selbst eine Lebensmittelunverträglichkeit? Viele Menschen verzichten häufig grundlos auf bestimmte Lebensmittel! Daher ist es sinnvoll durch ein ausführliches Ernährungs- und Symptomtagebuch herauszufinden, welches Lebensmittel bei dir Verdauungsbeschwerden auslöst. Bequem fürs Handy gibt es zum Beispiel unsere digitale Cara-App. Bei der Auswertung unterstützen dich gerne die ErnährungsberaterInnen von Cara Care! Informiere dich hier kostenlos.

Wichtig!

Blutige Durchfälle oder Gewichtsverlust sind immer ein Warnzeichen! In diesem Fall solltest du unverzüglich einen Arzt aufsuchen und dich einer gastroenterologischen Untersuchung unterziehen!

Welche Arten von Lebensmittelunverträglichkeiten gibt es?

Häufig werden die Begriffe Lebensmittelunverträglichkeit, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Nahrungsmittelintoleranz und Nahrungsmittelallergie synonym verwendet. Dies ist allerdings nicht korrekt. Als Lebensmittelunverträglichkeit werden alle Reaktionen des Körpers auf Nahrungsmittel zusammengefasst. Diese Reaktionen entstehen aber auf unterschiedliche Weise – das heißt sie haben einen anderen Pathomechanismus. Man unterscheidet:

  • Lebensmittelallergie: allergische Reaktion des Immunsystems
  • Lebensmittelintoleranz: gestörte Spaltung oder Aufnahme von Nahrungsbestandteilen
  • Zöliakie: Autoimmunerkrankung (Entzündungsreaktion mit Autoantikörper)

Die Lebensmittelallergie

Bei einer Lebensmittelallergie kommt es durch eine Reaktion des Immunsystems zu Magen-Darm-Beschwerden. Bei dieser Erkrankung reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen: Es bildet Antikörper gegen die Nahrungsproteine. Es kommt zu einer allergischen Reaktion (anaphylaktische Reaktion). Deswegen treten bei einer Lebensmittelallergie neben den typischen gastrointestinalen Beschwerden zusätzlich Symptome wie Hautausschlag und Juckreiz auf. Auch die Schleimhäute im Kopf- und Halsbereich können anschwellen. Das macht die Erkrankung so gefährlich: Denn schwillt der Hals zu, wird die Reaktion durch Atemnot lebensgefährlich. In schweren Fällen können Kreislaufbeschwerden bis zum allergischen Schock auftreten. Daher muss bei einer Lebensmittelallergie auf das Nahrungsmittel unbedingt komplett verzichtet werden! Typische Auslöser für Nahrungsmittelallergien sind:

  • Kuhmilch
  • Hühnerei
  • Weizen
  • Soja
  • Nüsse
  • Erdnüsse
  • Fisch und Krebstiere

Im Erwachsenenalter treten Lebensmittelallergien selten neu auf. Häufiger sind Kinder betroffen. Sie reagieren vor allem auf das Eiweiß (Protein) in Kuhmilch, Weizen, Soja oder Hühnerei. In der Regel verliert sich die Allergie bis ins Erwachsenenalter. Nuss- und Fischallergien bleiben jedoch meist dauerhaft bestehen. Allergiker sollten immer ein Notfallallergieset bei sich tragen.

Was beinhaltet das Notfallset für Allergiker?

Das Notfallset enthält Antihistaminika, Kortison und eine Adrenalinspritze (EpiPen). Bei einem schweren Anfall mit Atemnot und Kreislaufversagen musst du schnell reagieren und sofort zu den Medikamenten im Notfallset greifen. Erst anschließend Hilfe rufen. Denn die körperlichen Reaktionen können lebensgefährlich sein.  

Lebensmittelintoleranz

Liegt eine Lebensmittelintoleranz vor, können Nahrungsmittelbestandteile entweder durch einen Enzymmangel oder Enzymdefekt nicht gespalten werden (Maldigestion). Oder der Transporter für die Aufnahme des Nährstoffes ist defekt oder nicht in ausreichender Menge vorhanden (Malabsorption). Wird Laktose nicht in seine Bestandteile Glukose und Galaktose gespalten oder Fruktose nicht vollständig aufgenommen kommt es zu Beschwerden. Die Zucker gelangen in den Dickdarm und werden dort von den ansässigen Bakterien verstoffwechselt. Durch den Gärungsprozess entstehen Gase und somit unangenehme Blähungen und Krämpfe. Die Zucker bewirken außerdem, dass vermehrt Wasser in den Dickdarm fließt – Durchfall ist das Resultat. Durch die Entstehung von Milchsäure und Essigsäure während der Gärung durch die Bakterien wird die Darmbewegung beschleunigt. 

Wie werden Lebensmittelintoleranzen getestet?

Durch die unvollständige Verdauung und Aufnahme von Laktose und Fruktose entsteht durch den Gärungsprozess der Bakterien Wasserstoff (H2). Dieser kann durch eine Analyse des Atems festgestellt werden. Wie genau der H2-Atemtest funktioniert, kannst du in unserem Fachartikel nachlesen. Viele Gastroenterologen bieten den Test an. Er dient zur Feststellung oder zum Ausschluss des Laktasemangels oder der Fruktoseintoleranz.

Einige Ärzte und Heilpraktiker bieten eine Blutuntersuchung an, um Lebensmittelallergien aufzudecken. Diese sind nicht zu empfehlen. Zum einen sind Lebensmittelallergien sehr selten und durch ihre Symptome sehr klar zu erkennen. Außerdem wird dabei die Anzahl der IgG-Antikörper gemessen. Dabei ist es ganz normal, dass der Körper auch IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel aufweist. Daher ist diese Art der Testung sehr umstritten – und kostspielig, da die Krankenkasse sie nicht bezahlt. Häufig führt das Ergebnis zudem zum unnötigen Verzicht vieler Lebensmittel. Da spezielle und individuelle Lebensmittelunverträglichkeiten nicht durch einen Bluttest herauszufinden sind, hilft ein Symptomtagebuch. Diese Methode ist zwar aufwendiger, findet aber zuverlässig heraus, welche Lebensmittel du verträgst. Durch Auslassungsdiät und anschließender Testphase kannst du deine individuelle Verträglichkeitsgrenze für jedes Lebensmittel herausfinden. Denn häufig macht die Dosis das Gift! Unsere ErnährungsberaterInnen helfen dir gerne dabei!

Vorsicht bei Blutuntersuchung!

Blutuntersuchung für die Feststellung von Lebensmittelallergien sind eher nicht zu empfehlen. Eine Allergie kann durch ihre Symptome meist klar gedeutet werden. Das macht diesen kostspieligen Test meist überflüssig. Außerdem wird er nicht von den Krankenkassen gedeckt und führt zum unnötigen Verzicht vieler Lebensmittel.

Gibt es einen Selbsttest für Lebensmittelintoleranzen?

Du hast den Verdacht an einer Lebensmittelintoleranz zu leiden? Wenn du bereits auf deine Ernährung achtest, kannst du mit Hilfe unseres Selbsttest herausfinden, welches Lebensmittel für deine Verdauungsbeschwerden verantwortlich sein können. Das Ergebnis gibt einen Hinweis, ersetzt aber bei schweren Symptomen keine ärztliche Untersuchung! 

Quellen

Somogyi, J.C., Mueller, H.R. and Ockhuizen, T., 1991. Food allergy and food intolerance: nutritional aspects and development. Online abgerufen am 10.10.2018 unter: http://agris.fao.org/agris-search/search.do?recordID=XF2015022997

Vogelreuter, A. (2012). Nahrungsmittel-unverträglichkeiten. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. Online abgerufen am 10.10.2018 unter: https://static.onleihe.de/content/hirzel/20170209/978-3-7776-2486-0/v978-3-7776-2486-0.pdf

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

PS: "Du willst deine Verdauungsbeschwerden langfristig verbessern? Anstatt unseriöser Tests und überflüssiger Ergänzungsmittel sollte die Behandlung der Ursache das erste Ziel sein. Dazu haben wir ein einzigartiges Therapieangebot (hier mehr Infos) entwickelt.

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