Flohsamen – Hausmittel gegen Reizdarm und Verdauungsprobleme

Flohsamen und Flohsamenschalen sind wahre Alleskönner und ein gut verträgliches Naturprodukt mit einer nachgewiesenen positiven Wirkung auf die Verdauung. In Kontakt mit Wasser bilden die Samen und Schalen einen gelartigen Schleim und quellen um ein Vielfaches ihres ursprünglichen Volumens auf. Sie können nicht nur gegen Durchfall als Bindemittel, sondern auch bei Verstopfung zur Förderung der Verdauung eingesetzt werden. Im Falle von entzündlichen Darmerkrankungen schützt der abgesonderte Schleim die Darmwand vor Reizungen, transportiert Schadstoffe ab und hilft der Darmwand sich zu erholen. Auch beim Reizdarmsyndrom haben Flohsamen und Flohsamenschalen einen lindernden Effekt. Wichtig ist, dass während der Einnahme genügend getrunken wird, da sonst der Darm unnötig belastet wird.

Flohsamen – Was ist das genau?

Bei den in Deutschland erhältlichen Flohsamen handelt es sich um die Samen der Plantago ovata, (synonym Plantago ispaghula) und Plantago psyllium, (synonym Plantago afra). Sie gehört zur Familie der Wegeriche (lat. Plantago) und ist vor allem in Nordafrika sowie in Vorder- und Westasien zu finden. Schon vor über 1000 Jahren wurde Flohsamen in persischen und arabischen Texten erwähnt und von dort nach Indien importiert, um als Heilmittel eingesetzt zu werden. Die Indischen Flohsamen (Plantago ovata) und ihre Schalen, sind die bekannteste Form der Flohsamen.

Die Kapseln der Pflanze enthalten etwa zwei bis drei Millimeter lange bootförmige, ovale, meist gelblich bis braune Samen, die mit etwas Phantasie an die Gestalt von Flöhen erinnern. Die Samen selber und auch die Schalen der Samen werden geerntet und als Medikament verwendet. Beides kann in Onlineshops oder in Apotheken erworben werden. Es besteht die Möglichkeit, die ganze Saat oder nur Flohsamenschalen zu kaufen. Bei Flohsamen handelt es sich somit um ein rein pflanzliches Heilmittel, was schon lange von Naturvölkern zur Behandlung von Verdauungs- und Darmbeschwerden verwendet wird. Die Samen und die Schalen sind vollkommen geschmacksneutral und kalorienarm (100 Gramm enthalten 28 kcal). Im Samenkörper der Flohsamen sind insbesondere Pflanzenöle, Proteine und Iridoidglykoside enthalten.

Wodurch entfalten Flohsamen ihre Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt?

Das besondere an Flohsamen ist, dass sie in Kontakt mit Flüssigkeit eine gelartige Masse absondern, die bis zu zwei Drittel ihres eigenen Gewichtes betragen kann. Der Schleim besteht vor allem aus langkettigen Zuckern (Kohlenhydraten) und ist in der Regel sehr gut verträglich. Die Schalen der Flohsamen bilden den Großteil des Schleimes und quellen somit besonders stark auf. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die sogenannte Polysaccharidschicht, die zum Beispiel auch in den Schalen von Chiasamen oder Leinsamen enthalten sind. Der größte Teil der Flohsamen wird vom Körper nicht verdaut. Somit wirken sie als natürliche wasserlösliche Ballaststoffe. Sie eignen sich zum Beispiel auch als Bindemittel beim Backen.

Wie werden Flohsamen eingenommen?

Die Samen oder Schalen können pur mit ausreichend Flüssigkeit (2–3 Gläser Wasser oder Saft) eingenommen oder auch in Säfte oder Quark eingerührt werden. Hierbei quellen die Flohsamen schnell auf. Es ist nicht zu raten, Flohsamen zusammen mit im Darm wirkenden Medikamenten einzunehmen, da der abgesonderte Schleim die Medikamente teilweise aufnehmen und somit die Wirkstoffmenge im Darm reduzieren kann. Flohsamen sollten daher mit einem Abstand von drei bis fünf Stunden zu anderen Medikamenten eingenommen werden.

Im Laufe des Tages sollte zudem ausreichend Flüssigkeit, bevorzugt Wasser, Tee oder verdünnte Fruchtsäfte, getrunken werden. Auf keinen Fall sollten Flohsamen mit Milch eingenommen werden. Diese behindert den Quellprozess. Auch wenn, wie zum Beispiel bei Durchfall, die Flohsamen eingesetzt werden, um Flüssigkeit zu binden, ist eine gute Versorgung mit Flüssigkeit wichtig. Die Samen könnten sonst bei Verengungen im Darm verkleben und zusätzliche Beschwerden verursachen. Eine Flüssigkeitsmenge von 1,5–2 Litern ist hierbei ein guter Richtwert.

Helfen mir Flohsamen bei Durchfall und Verstopfung?

Ja, beides kann mit Flohsamen behandelt werden. Im Fall von Durchfallerkrankungen, dem Reizdarmsyndrom vom Durchfalltyp (IBS-D) oder Durchfall als Symptom einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (z.B. Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa) binden die Flohsamen überschüssiges Wasser im Darm und dicken den Stuhl ein. Außerdem reguliert die Einnahme von Flohsamen oder deren Schalen die Entleerungszeit des Darms. Patienten, die das Naturprodukt regelmäßig einnahmen, berichteten von einer Reduktion der Zahl der Stuhlgänge pro Tag. Dies gab den Erkrankten nachweislich mehr Flexibilität im Alltag und mehr Lebensqualität zurück. Werden Flohsamen oder Flohsamenschalen zur Behandlung von Durchfallerkrankungen eingesetzt, sollte dennoch ausreichend Wasser getrunken werden, da nur überschüssige Flüssigkeit im Darm gebunden wird, oft aber bereits mehr über den Stuhlgang verloren wurde.

Im Falle einer Verstopfung helfen Flohsamen gleich doppelt. Nach der Einnahme mit ausreichend Flüssigkeit (1,5–2 Liter/Tag) helfen die aufgequollenen Samen das Volumen im Darm zu erhöhen, ihn zu entspannen und somit schneller zu entleeren. Die abgesonderte gelartige Masse der Flohsamen und Flohsamenschalen wirkt außerdem wie ein Gleitmittel. Ein weiterer positiver Nebeneffekt des Flohsamenschleims ist, dass er einen Schutzfilm über gereizte oder entzündete Stellen im Darm bildet und den Transport des Stuhlgangs auch durch von Entzündungen verursachte Verengungen (Stenosen) erleichtert.

Welche weiteren Vorteile haben Flohsamen für die Darmgesundheit?

Indische Flohsamenschalen gehören zu den wasserlöslichen Ballaststoffen und werden somit von den Bakterien der Dickdarmflora zersetzt. Die Bakterien bilden unter anderem kurzkettigen Fettsäuren wie Buttersäure. Diese nährt die Epithelschicht des Darms und hilft somit dem Körper sich gegen krebserregende Stoffe zu wehren. Zudem bindet der Schleim der Flohsamen und Flohsamenschalen entzündungsfördernde Faktoren, die den eigenen Schutzfilm des Darms angreifen können und reduziert oxidativen Stress durch das Einfangen freier Radikale.

Die abführende Wirkung unterstützt auch den Abtransport von Schadstoffen und reduziert somit die Kontaktzeit des Stuhls mit der Darmwand. Dies ist beispielsweise auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa von Vorteil. Einzelne Studien berichten auch von einer probiotischen Wirkung von Flohsamen. In diesen Studien wurde gezeigt, dass sich eine gestörte Darmflora nach der Einnahme wieder erholen und dadurch erhalten werden kann.

Wie wirken Flohsamen auf den Blutzuckerspiegel und die Blutfette?

Im Kontext von Diabetes und Übergewicht können Flohsamen zusätzlich zur Medikation eingesetzt werden. Es konnte in Studien gezeigt werden, dass der abgesonderte Schleim freie Fette im Darm bindet und somit die aufgenommene Menge an schädlichem Cholesterin (LDL) aus der Nahrung reduziert, die Aufnahme von gutem Cholesterin (HDL) jedoch nicht beeinflusst. Die aufgequollenen Flohsamen und Flohsamenschalen vermitteln im Magen zudem ein Völlegefühl, so dass die Patienten automatisch weniger Nahrung zu sich nahmen.

Im Falle von Diabetes hilft eine ballaststoffreiche Ernährung bei der Stabilisierung des Blutzuckerspiegels. Patienten mit Typ-2-Diabetes profitieren zudem auch von der gewichtssenkenden Wirkung der Flohsamen durch die geringere Nahrungsaufnahme und der mit dem Gewichtsverlust verbundenen Senkung des Blutdrucks. Eventuell verringert sich durch Flohsamen auch die Menge des benötigten Insulins.

Haben Flohsamen Nebenwirkungen?

Da es sich bei Flohsamen um ein Naturprodukt handelt, sind die Nebenwirkungen selten und gering.

In der ersten Zeit der Einnahme kann es zu Blähungen und Krämpfen kommen, da der Körper sich zunächst auf eine ballaststoffreiche Ernährung einstellen muss. Diese verschwinden jedoch meist nach einigen Tagen und können mit zusätzlicher Einnahme von Flüssigkeit reduziert werden.

Es kann bei der Einnahme von Flohsamen zu allergischen Reaktionen kommen. Dazu gehören Reizungen der Lunge und Luftröhre. Sollen solche Symptome auftauchen, sollte man sich zügig an einen Arzt wenden. Allergische Reaktionen treten oft jedoch schon beim Kontakt und Einatmen der Allergene zum Beispiel bei der Zubereitung der Samen und Schalen auf. Insbesondere bei Arbeitern, die Flohsamen ernten oder weiterverarbeiten, kann man Allergien durch das Einatmen der Stäube feststellen.

Flohsamen sind nicht für Kinder und alte Menschen geeignet auch wenn oft anders angegeben. Es kann zum Einatmen der kleinen Samen kommen. Auch Menschen, denen ein Darmverschluss droht, sollten nicht zu Flohsamen oder Schalen greifen.

Durch die Fähigkeit des abgesonderten Schleimes, Stoffe aus dem Darm zu binden, kann es zu Wechselwirkungen mit Medikamenten oder zur Absorption von Nährstoffen kommen. Daher sollten Flohsamen nicht parallel zu anderen Medikamenten eingenommen werden.

Wann sollten Flohsamen nicht eingenommen werden?

Bei einem Darmverschluss oder Einengungen (Strikturen) der Speiseröhre sollten Flohsamen nicht eingenommen werden. Auch bei einer gleichzeitigen Therapie mit Cumarinen (Blutverdünner) und bei schwer einstellbarem Diabetes mellitus sollten Flohsamen nur in Rücksprache mit einem Arzt eingesetzt werden. Bei Kindern unter zwölf Jahren wird von der Einnahme abgeraten.

Ersetzen Flohsamen Medikamente?

Nein, Flohsamen können keine Medikamente gegen Entzündungen im Darm ersetzen. Flohsamen und ihre Schalen können ergänzend zu den regulären Medikamenten eingenommen werden und bieten allein eine gute Alternative zu Loperamid. Loperamid wird häufig auch als Reizdarm-Medikament bei Durchfall eingesetzt.

Welche Menge an Flohsamen oder -schalen soll eingenommen werden?

Für eine abführende oder bindende Wirkung ist bereits eine kleine Menge von Flohsamen ausreichend. Hierbei variieren die Angaben von einem Teelöffel bis hin zu drei Esslöffeln pro Tag. Für eine magenfüllende und cholesterolabsorbiernde Wirkung wird zu bis zu 25 Gramm/Tag geraten, das entspricht maximal 9 Teelöffeln. Auch haben die Schalen einen höheren Quellindex bzw. Quellzahl. Das heißt, sie nehmen mehr Wasser pro Eigengewicht auf als die Samen.

Die Dosis von Flohsamen und Flohsamenschalen ist in folgender Tabelle zusammengefasst.

Fachname Name Vorsicht bei Tagesdosis
Psylii semen Flohsamen Verengung in Speiseröhre und Magen-Darm-Trakt 10–30 g
Plantaginis ovatae semen Indische Flohsamen Verengung im Magen- Darm-Trakt, drohende Gelbsucht (Ileus), schwer einstellbarer Diabetes, Wechselwirkungen mit Medikamenten (z.B. Blutverdünnern) 12–40 g
Plantaginis ovatae testa Indische Flohsamenschalen Verengung im Magen- Darm-Trakt, Ileus, Schwer einstellbarer Diabetes, Wechselwirkungen mit Medikamenten 4–20 g

Was ist der Unterschied zwischen Flohsamen und Flohsamenschalen?

flohsamenschalen

Flohsamenschalen

Flohsamen enthalten einen Samenkern und eine Schale, bei Flohsamenschalen fehlt der fett- und proteinreiche Samenkern. Die Wirkung von Ballaststoffen wie Flohsamen oder Flohsamenschalen wird über die Quellungszahl (Quellindex) gemessen. Diese Zahl entspricht dem Volumen in Milliliter, das ein Gramm der Flohsamen oder -schalen nach vier Stunden quellen einnimmt. Die Quellungszahl von Leinsamen beträgt etwa sechs und die von ganzen Flohsamen etwa neun. Flohsamenschalen haben mit einer Quellzahl von über 40 eine viel größere Kapazität Wasser zu binden als ganze Flohsamen. Dadurch quellen sie starker als einfache Flohsamen. Durch die höhere Quellzahl erhöhen Flohsamenschalen stärker die Stuhlmenge und verkürzen die Passagezeit des Stuhls im Darm.

 

Quellen
Photo of ”Plantago ovata” (desert plantain) on southwestern slope of Frenchman Mountain east of Las Vegas, Nevada, taken April 2005 by User:Stan Shebs
Arzneibuch, E., 2008. 6. Ausgabe, Grundwerk, Band 1 bis 3.
Slavin, J. (2013). Fiber and Prebiotics: Mechanisms and Health Benefits. Nutrients, 5(4), 1417–1435. http://doi.org/10.3390/nu5041417, abgerufen 07.03.16 20:00Uhr
Mehmood, M. H., Aziz, N., Ghayur, M. N., & Gilani, A. H. (2011). Pharmacological basis for the medicinal use of psyllium husk (Ispaghula) in constipation and diarrhea. [Research Support, Non-US Gov’t]. Dig Dis Sci, 56(5), 1460-1471. Abgerufen 06.03.16 16:00 Uhr
Markland, A. D., Burgio, K. L., Whitehead, W. E., Richter, H. E., Wilcox, C. M., Redden, D. T., . . . Goode, P. S. (2015). Loperamide Versus Psyllium Fiber for Treatment of Fecal Incontinence: The Fecal Incontinence Prescription (Rx) Management (FIRM) Randomized Clinical Trial. [Randomized Controlled Trial. Abgerufen 06.03.16 17:00 Uhr
Showing 2 comments
  • Else
    Antworten

    Ich werde die empfohlenen Flohsamen auf jeden Fall ausprobieren. Die klingen sehr vielversprechend. Ich habe für mich mittlerweile ein anderes Hausmittel entdeckt, mit dem ich meine häufig verkommenden Verstopfungen gut in den Griff bekommen kann. Ich habe ganz simpel meine Sitzhaltung auf den modernen Klos umgestellt. Ich hocke mich jetzt regelmäßig hin, um den Darm schnell und gründlich zu entleeren. In der Hocke wird nämlich der ideale Entleerungswinkel (35 Grad) erzielt. Anfangs war die Hocke ein wenig ungewohnt, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und meinem Darm geht es einfach wesentlich besser. Die Hocke ist ja eine gesunde und natürliche Haltung. Seit einer Woche schmückt ein funktionstüchtiger Hoca Toilettenhocker mein Klo, und der Hocker unterstützt die Hockposition optimal.

    • Jesaja
      Antworten

      Das ist ein guter Hinweis. Im Artikel über Verstopfung gehen wir genau auf diese Technik ein.Hocke auf Toilette gegen Verstopfung

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