Colitis ulcerosa Ernährung – Wie sollen Colitis-Patienten sich ernähren?

 In Erkrankungen, Ernährung

Die Colitis ulcerosa zählt zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, den Verlauf der Colitis ulcerosa selber mit zu beeinflussen. Im Fokus steht dabei häufig die Frage der Colitis ulcerosa Ernährung: Welche Nahrungsmittel können helfen, die Erkrankung im Zaum zu halten? Gibt es Lebensmittel, die einen Schub begünstigen? Wie sollte die Ernährung im Colitis ulcerosa-Schub aussehen?

Faktencheck zur Colitis ulcerosa Ernährung

  • Eine spezielle Colitis ulcerosa-Diät gibt es nicht.
  • Das Führen eines Ernährungs- und Symptomtagebuchs ist sinnvoll, um individuelle Einflüsse der Ernährung zu bestimmen.
  • Wichtig ist insbesondere eine ausreichende Nährstoffversorgung, um Vitamin- und Mineralstoffmängeln, die den Körper zusätzlich schwächen, vorzubeugen.
  • Empfohlen wird eine vollwertige, abwechslungsreiche Ernährung mit einem Schwerpunkt auf dem Verzehr von Gemüse, pflanzlichen Ballaststoffen und keinem oder nur geringem Konsum von Fleisch und Alkohol.
  • Ein niedriger Gesamtfettkonsum wirkt sich nach bisherigen Erkenntnissen positiv auf den Krankheitsverlauf aus.
  • Kokosfette und Milchfette haben einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.
  • Im akuten Schub sollten leicht verdauliche Speisen gewählt werden; in Ausnahmefällen ist eine parenterale Ernährung notwendig.

Was ist Colitis ulcerosa?

Die chronisch entzündliche Darmerkrankung hat einen schubförmigen Verlauf, blutig-schleimige Durchfälle, Bauchschmerzen und Fieber sind typische Symptome. Es können auch Beschwerden auftreten, die nicht den Darm betroffen, z.B. an den Gelenken, der Leber und der Haut. Die Krankheit wird medikamentös behandelt. Dabei wird unterschieden zwischen der Therapie im aktiven Schub und der Erhaltungstherapie.

Gibt es eine bestimmte Colitis ulcerosa-Diät, die empfohlen wird?

Nein. Es gibt keine spezielle Diät für Colitis-Betroffene, bei denen die Krankheit gerade nicht aktiv ist. Empfohlen wird eine gesunde, vollwertige Ernährung, die auch für Menschen ohne chronisch-entzündliche Darmerkrankung empfehlenswert ist. Da während der entzündlichen Schübe die Aufnahme von Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen vermindert ist, ist für Colitis-Betroffene eine qualitativ hochwertige und den Bedürfnissen entsprechende Ernährung besonders wichtig.
Manchmal liegt neben der Colitis ulcerosa zusätzlich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Laktoseunverträglichkeit vor. Die entsprechenden Produkte, z.B. Milchprodukte im Falle einer Laktoseunverträglichkeit oder stark fruktosehaltige Nahrungsmittel im Falle einer Fruktoseunverträglichkeit, sollten dann vom Speiseplan gestrichen werden.
Wenn Betroffene individuell herausfinden möchten, wie sich die Ernährung auf die Colitis ulcerosa auswirkt, kann ein Ernährungstagebuch sinnvoll sein. Im Ernährungstagebuch werden die verzehrten Speisen sowie die Symptomschwere der Colitis ulcerosa und die eingenommene Medikation notiert. Nach einigen Monaten kann anhand der Notizen analysiert werden, ob manche Nahrungsmittel zu mehr Beschwerden führen als andere. Dabei ist die Hilfe von geschulten Experten sehr zu empfehlen. Cara Care bietet dazu beispielsweise ein von Krankenkassen unterstütztes Angebot an, um die individuelle Ernährungsweise bei Colitis ulcersosa zu finden (mehr Informationen dazu hier).

Welche Mineralstoffe sind für Colitis-Betroffen besonders wichtig?

Colitis-Betroffene sollten insbesondere Wert legen auf ihre Eisen- und Zinkversorgung. Beide Mineralstoffe sind sehr wichtig für die Erholung von den Entzündungsschüben und die Aufrechterhaltung einer guten Immunabwehr.


Welche Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Colitis ulcerosa und der Ernährung gibt es?

Studien zu diesem Thema kommen teilweise zu sich widersprechenden Ergebnissen oder die Studien sind so klein, dass die Ergebnisse durch größer angelegte Studien bestätigt werden müssten. Trotzdem macht es Sinn, sich über die bisher veröffentlichten Ergebnisse zu informieren. Betroffene können ausprobieren, ob die empfohlenen Änderungen an der Ernährung einen Einfluss auf den eigenen Krankheitsverlauf haben.
Zum Thema Krankheitsaktivität und Ernährung bei Colitis ulcerosa wurde veröffentlicht:

  • Ein hoher Konsum von Myristinsäure erhöht das Risiko für einen Colitis ulcerosa-Schub. Myristinsäure ist vor allem in Kokosfett enthalten.
  • Auch ein hoher Konsum von Milchfetten kann einen Entzündungsschub begünstigen.
  • Rotes Fleisch, hoher Gesamtfettkonsum und Alkohol beeinflussen die Colitis ulcerosa häufig negativ. Es wird empfohlen, möglichst auf Alkohol und hohen Fleischkonsum zu verzichten.
  • Gemüse und Ballaststoffe haben einen positiven Effekt auf den Verlauf der Colitis ulcerosa.
  • In einer sehr kleinen Studie konnte gezeigt werden, dass die Spezifische Kohlenhydrat-Diät (SCD) in der Behandlung der Colitis ulcerosa sinnvoll und wirksam ist. Die SCD ist aufwändig: Verzichtet wird auf stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker (außer Honig), Milchprodukte und Getreide. In der SCD stehen hauptsächlich Gemüse, Früchte und Nüsse auf dem Speiseplan.
  • Die low-FODMAP-Diät findet immer häufiger Anwendung.

Hilft die low-FODMAP Diät bei Colitis ulcerosa?

Beim Reizdarmsyndrom verzeichnet die low-FODMAP Diät große Erfolge. Auch bei Colitis ulcerosa kann eine solche Diät Erfolge zeigen. Es ist wichtig, diese jedoch individuell zu adjustieren. Dabei hilft im besten Falle eine geschulte Ernährungsexpertin. (Informationen zu unserer ernährungstherapeutischen Beratung bekommst du hier.)

Welchen Einfluss hat Kaffee auf die Colitis ulcerosa?

Nach der bisherigen Studienlage hat Kaffeekonsum weder einen positiven, noch einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Der Kaffee sollte bestenfalls ohne Zucker und nicht mit Vollmilch, sondern allenfalls halbfetter Milch oder einer Milchalternative konsumiert werden. Tee hat nach bisheriger Studienlage einen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf.

Ist vegane Ernährung vorteilhaft für die Colitis ulcerosa?

Nach bisherigen Erkenntnissen sollte die Ernährung bei Colitis-Patienten gesund, vollwertig und ein Schwerpunkt auf Gemüse, pflanzliche Ballaststoffe und Früchte gelegt sein. Möglicherweise beeinflusst ein sehr hoher Gesamtfettkonsum den Krankheitsverlauf negativ. Es gibt bisher keine Studien, dass vegane Ernährung mehr Vorteile bietet bei Colitis ulcerosa als eine vollwertige Ernährung, die tierische Produkte beinhaltet. Wichtig ist vielmehr, dass eine ausreichende Nährstoffversorgung gewährleistet ist und die Auswahl der Produkte insgesamt frisch, vollwertig und wenig verarbeitet ist.

Wie sollte die Ernährung im akuten Schub aussehen?

Im akuten Colitis ulcerosa-Schub ist zunächst eine Anpassung der Medikation notwendig. Bei sehr schweren Schüben kann eine Aufnahme ins Krankenhaus mit medizinischer Behandlung und Ernährung über die Vene notwendig sein. So wird der Darm ruhiggestellt. Die Ernährung wird dann langsam nach Abklingen der Entzündung wieder aufgenommen.
Bei milderen Schüben sollten Betroffene selber auf sich achten, welche Speisen ihnen gut bekommen. Viele Betroffene bevorzugen leicht verdauliche Kost. Dazu zählen z.B. Haferbrei, leichte und klare Gemüsesuppen ohne blähende Zutaten wie z.B. Kohl. Leicht verdauliche Kost ist fettarm, nicht zu stark gewürzt und gekocht. Betroffene sollten vorsichtig ausprobieren, welche Speisen im Schub guttun, und welche die Beschwerden eher noch verstärken.

Quellen

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Jowett, S. L., Seal, C. J., Pearce, M. S., Phillips, E., Gregory, W., Barton, J. R., & Welfare, M. R. (2004). Influence of dietary factors on the clinical course of ulcerative colitis: a prospective cohort study. Gut, 53(10), 1479-1484., online: http://gut.bmj.com/content/53/10/1479.short, abgerufen am 27.05.2018

Ganji‐Arjenaki, M., & Rafieian‐Kopaei, M. (2018). Probiotics are a good choice in remission of inflammatory bowel diseases: a meta analysis and systematic review. Journal of cellular physiology, 233(3), 2091-2103., online: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/jcp.25911, abgerufen am 27.05.2018

Hou, J. K., Abraham, B., & El-Serag, H. (2011). Dietary intake and risk of developing inflammatory bowel disease: a systematic review of the literature. The American journal of gastroenterology, 106(4), 563., online: https://www.nature.com/articles/ajg201144, abgerufen am 31.05.2018

Nie, J. Y., & Zhao, Q. (2017). Beverage consumption and risk of ulcerative colitis: Systematic review and meta-analysis of epidemiological studies. Medicine, 96(49), online: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5728934/, abgerufen am 31.05.2018

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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