Speiseröhrenkrebs – was bedeutet die Diagnose?

 In Erkrankungen

Rund 6000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Speiseröhrenkrebs. Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen hängt auch  hier das Erkrankungsrisiko vom Lebensstil und die Prognose von einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung ab. Im Verhältnis zu anderen Krebserkrankungen ist Speiseröhrenkrebs allerdings eine relativ seltene Erkrankung.

Das Wichtigste im Überblick

  • Speiseröhrenkrebs ist in der Regel eine aggressive Krebsart und tritt am häufigsten nach dem 50. Lebensjahr auf.
  • Hauptsymptome sind Schwierigkeiten beim Schlucken, Gewichtsverlust, Mundgeruch und Schmerzen im Bereich des Brustbeins.
  • Wichtige Risikofaktoren sind Rauchen, Alkoholkonsum und häufiges Sodbrennen.
  • Die Diagnose erfolgt nach einer endoskopischen Entnahme von Gewebeproben.
  • Operable Krebstumore im Anfangsstadium haben eine gute Prognose und sind häufig heilbar. Fortgeschrittene Tumorstadien besitzen jedoch eine drastisch schlechtere Prognose und können oftmals nur mittels Bestrahlung oder Chemotherapie behandelt werden.
  • Die Therapie muss stets individuell auf die Ausbreitung des Tumors und die körperlichen Voraussetzungen abgestimmt werden.

An welchen Symptomen erkennt man Speiseröhrenkrebs?

Speiseröhrenkrebs kann sich auf mehrere Arten äußern. Häufige Symptome sind Probleme beim Schlucken (Dysphagie) und Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie). Anfangs treten diese Beschwerden nur bei trockenen Speisen auf; mit fortschreitender Krankheit zeigen sich Dysphagie und Odynophagie aber auch bei feuchten Nahrungsmitteln. Auch ungewollter Gewichtsverlust (bis zu 10 Prozent des Körpergewichts) kann auf die Erkrankung hindeuten.

Weitere Merkmale:

  • Heiserkeit
  • geschwollene Lymphknoten im Bereich des Schlüsselbeins
  • andauernde Schmerzen hinter dem Brustbein
  • vermehrtes grundloses Auftreten von Schluckauf

Wie entsteht Speiseröhrenkrebs?

Die genauen Entstehungsprozesse von Speiseröhrenkrebs sind noch Gegenstand aktueller Forschung. Allerdings wird davon ausgegangen, dass sich die Erkrankung über einen längeren Zeitraum entwickelt. Nach der These sammeln sich Schäden in der Zelle mit der Zeit an und führen dazu, dass sich normale Zellen zu Krebszellen entwickeln. So enthält Tabak schädliche und Krebs erregende Substanzen, mit denen die Schleimhaut der Speiseröhre beim Rauchen direkt in Berührung kommt.


Fast alle Fälle von Speiseröhrenkrebs lassen sich einer von zwei Arten zuordnen, nämlich Plattenepithelkarzinom oder Adenokarzinom. Bei beiden Arten sind Männer häufiger betroffen als Frauen.

Die wichtigsten Risikofaktoren beim Plattenepithelkarzinom:

  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • Ungenügende Fähigkeit des Speiseröhrenschließmuskels, sich zu öffnen (Achalasie)
  • Stark Stärke-haltige Ernährung ohne Obst und Gemüse
  • Plummer-Vinson-Syndrom
  • Bestrahlungstherapie im Bereich der Speiseröhre
  • Laugeverätzungen der Speiseröhre
  • Vorangegangenes Plattenepithelkarzinom im Kopf-/Hals-Bereich
  • Alter zwischen 60 und 70 Jahren

Die wichtigsten Risikofaktoren beim Adenokarzinom:

  • Gastroösphageale Refluxkrankheit (GERD) bzw. häufiges Sodbrennen
  • Bestimmte Gewebeveränderungen der Speiseröhre (Barrett-Ösophagus)
  • Zwerchfellbruch (Hiatushernie)
  • Alter zwischen 50 und 60 Jahren

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Gibt es typische Symptome im Frühstadium?

Im Frühstadium verursacht Speiseröhrenkrebs oftmals keine oder nur geringe Symptome. Zu den ersten Symptomen gehören Schluckbeschwerden, starker Gewichtsverlust und Mundgeruch. Da ein großer Anteil von Speiseröhrenkrebs auf häufiges, starkes Sodbrennen zurückzuführen ist, kann auch ein Brennen hinter dem Brustbein zu den Frühsymptomen möglicher Krebsvorstufen gezählt werden.

Mit welchen Folgen ist im Endstadium zu rechnen?

In späten Phasen der Erkrankung zeigen sich vor allem Symptome, die durch die Ausbreitung des Tumors zustande kommen. Neben zunehmenden Schluckstörungen, vermehrtem Schluckauf und Heiserkeit kann dabei durch Schädigung bestimmter Nerven ein sogenanntes Horner-Syndrom auftreten. Dieses zeigt sich durch eine enggestellte Pupille, einem hängendem Augenlid und einem zurückgezogenem Augapfel. Auch berichten einige Patienten, dass sie im Gesichts- und Halsbereich nicht mehr schwitzen. Weiters können Atembeschwerden auftreten, die durch Wucherung des Tumors im Bereich der Luftröhre oder durch Befall des Zwerchfells entstehen.

Im Notfall: Künstliche Ernährung

Aufgrund zunehmender Beschwerden beim Schlucken nehmen manche Patienten mit Speiseröhrenkrebs nur noch geringe Mengen an Nahrung zu sich. Dadurch treten weitere Mangelerscheinungen und stark ausgeprägte körperliche Schwäche auf und gegebenenfalls ist eine künstliche Ernährung notwendig.

In welchem Alter tritt Speiseröhrenkrebs am häufigsten auf?

Speiseröhrenkrebs ist eine Erkrankung von Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter. Typischerweise sind Patienten mit Adeno- oder Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre älter als 50 Jahre. Krebserkrankungen der Speiseröhre vor dem 40. Lebensjahr sind sehr selten. Bei Männern liegt der Erkrankungsgipfel bei ungefähr 70 Jahren. Frauen erkranken insgesamt deutlich seltener, allerdings nimmt bei ihnen im Gegensatz zu Männern die Wahrscheinlichkeit auch nach dem 70. Lebensjahr weiter zu. Insgesamt gab es in den letzten 20 Jahren eine Zunahme der Neuerkrankungen.

Männer erkranken häufiger als Frauen

Das Risiko einer Erkrankung liegt für Männer bei einem Prozent, bei Frauen bei rund 0,3 Prozent

Wie wird Speiseröhrenkrebs diagnostiziert?

Die Diagnose von Speiseröhrenkrebs beruht auf mehreren Schritten. Zunächst wird eine ausführliche Anamnese zu den genannten Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum oder chronisches Sodbrennen erhoben. Anschließend fragt der Arzt nach typischen Symptomen von Speiseröhrenkrebs, beispielsweise Schluckbeschwerden. Wenn sich der Verdacht auf die Erkrankung erhärtet, folgt eine Endoskopie des oberen Verdauungstrakts. Dabei können mögliche Schleimhautveränderungen im Bereich der Speiseröhre zuverlässig erkannt und gleichzeitig Gewebeproben entnommen werden. Anhand der Gewebeproben kann ein Pathologe anschließend überprüfen, ob es sich tatsächlich um Speiseröhrenkrebs handelt. Falls sich der Verdacht auf eine bösartige Veränderung bestätigt, führt der Arzt vor Beginn der Therapie noch weitere Untersuchungen wie Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Ultraschalluntersuchungen verschiedener Organe und Labortests durch.

Besitzt Speiseröhrenkrebs eine gute Prognose?

Die Prognose ist wie bei vielen anderen Krebserkrankungen maßgeblich vom Stadium des Tumors abhängig. Je weiter fortgeschritten der Tumor ist, desto schlechter sind die Überlebenschancen.  Die Überlebenschancen sinken vor allem drastisch, wenn der Krebs die Schleimhaut der Speiseröhre durchbrochen oder sogar schon Metastasen gebildet hat. Insgesamt gilt Speiseröhrenkrebs als eine äußerst aggressive Krebsart, die im Vergleich mit anderen bösartigen Geschwüren des Magen-Darm-Trakts eine schlechte Prognose aufweist.

Wie stirbt man bei Speiseröhrenkrebs?

Sehr ausgedehnte Tumoren sind in der Regel nicht mehr heilbar. Die eigentliche Todesursache bei Speiseröhrenkrebs ist individuell verschieden. Es kann durch den schnell wachsenden Tumor und durch zunehmende Schluckbeschwerden zu Mangelernährung und körperlicher Auszehrung kommen. Dadurch werden Patienten anfälliger für gefährliche Infektionen. Der Tumor kann auch die Luftröhre einengen, sodass es zu Atembeschwerden und Lungenentzündungen kommt, die ebenfalls tödlich enden können. Eine weitere mögliche Todesursache ist das Versagen anderer Organe (zum Beispiel der Leber) durch die Bildung von Fernmetastasen. Falls der Tumor in große Blutgefäße wie die Hauptschlagader eindringt, können diese reißen und zu einem tödlichen Blutverlust führen. Bei regelmäßiger Kontrolle und palliativer Therapie können einige der genannten Folgen auch bei fortgeschrittenen, nicht heilbaren Tumoren hinausgezögert und erträglich gestaltet werden.

Ist Speiseröhrenkrebs heilbar?

Die Heilungschancen von Speiseröhrenkrebs hängen wie die Überlebensraten vom Stadium der Erkrankung ab. Bei kleinen, gering ausgedehnten Tumoren sind die Chancen auf Heilung durch endoskopische oder chirurgische Entfernung des Tumors relativ hoch. Wenn eine chirurgische Therapie nicht in Frage kommt, sind Bestrahlung und Chemotherapie weitere Therapiemöglichkeiten. Die Heilungschancen sinken jedoch bei Inoperabilität sowie bei Tumoren, die bereits Metastasen gebildet haben. Allerdings lässt sich keine Generalaussage treffen, da Speiseröhrenkrebs sich sehr unterschiedlich ausbreiten kann und die Behandlung stark vom körperlichen Zustand und der Vorerkrankungen des Patienten abhängt. Daher muss die Therapie auf individuell abgestimmt werden. Dementsprechend werden Aussagen zur Heilbarkeit eines Speiseröhrentumors auch nur vom behandelnden Arzt getroffen.

Quellen

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Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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