Soorösophagitis – Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

 In Erkrankungen

Bei der Soorösophagitis handelt es sich um Entzündung der Speiseröhre (Ösophagus). Auslöser dieser Entzündung ist der Pilz Candida albicans (weißer Hefepilz). Betroffene Patienten haben Schmerzen beim Schlucken oder verspüren ein Brennen in der Brust. Die Erkrankung steht in engem Zusammenhang mit einem geschwächten Immunsystem.  Seltener befällt der Pilz auch die Speiseröhre von Menschen mit einem gesunden Immunsystem. In diesem Artikel werden Ursachen, Beschwerden und die Therapie der Soorösophagitis erklärt.

Ist eine Besiedlung der Speiseröhre mit Candida albicans immer ein Zeichen von Krankheit?

Nein. Das alleinige Vorhandensein von Candida albicans ist noch kein Zeichen für Krankheit. Die Umwelt ist voller mikroskopisch kleiner Lebewesen. Auch unser Körper wird von unzähligen kleinen Organismen bewohnt. Hierzu gehören vor allem auch Bakterien und Pilze. Als Teil unserer natürlichen Körperflora sind sie ungefährlich oder gar nützlich. Allein von der Pilzart Candida kennt man circa 200 verschiedene Pilze. Candida albicans, der weiße Hefepilz, kommt beim Menschen am häufigsten vor. Bei einem Viertel der Frauen findet man Candida im Scheidensekret und bei der Hälfte der Bevölkerung im Magen-Darm-Trakt. Lies hier den Artikel “Pilze im Darm”.

Normalerweise hält die körpereigene Abwehr den Keim soweit in Schach, dass er keinen Schaden verursachen kann, weshalb Betroffene auch keine Beschwerden haben. Ist die körpereigene Abwehr allerdings geschwächt, kann der Pilz sich ungehindert ausbreiten und eine Entzündung auslösen.

Was sind Ursachen einer Soorösophagitis?

Es gibt zahlreiche Risikofaktoren, die das Entstehen einer Soorösophagitis begünstigen. Zu ihnen zählen sowohl Erkrankungen der Speiseröhre und des Magens, als auch die Einnahme verschiedener Medikamente. In seltenen Fällen liegt eine angeborene oder erworbene Erkrankung des Immunsystems vor. Auch ein stressiger Lebensstil oder belastende Lebensumstände können eine Soorösophagitis auslösen. Was im Einzelfall hinter der Entstehung einer Soorösophagitis liegt, sollte deshalb mit dem Hausarzt oder Internisten im persönlichen Gespräch geklärt werden.


Risikofaktoren für das Entstehen einer Soorösophagitis

Krankheiten
  • Sodbrennen (gastro-ösophagealer Reflux)
  • Störungen der Darmflora (Dysbiose)
  • Aussackungen (Divertikel) und Einengungen der Schleimhaut (Strikturen)
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus
  • erweiterte Venen (Varizen)
  • Blutungen
  • Erkrankungen des Bindegewebes oder Muskels, die Schluckstörungen verursachen (Achalasie, Sklerodermie)
  • angeborene oder erworbene Erkrankungen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen (z.B. Antikörpermangel oder HIV)
Medikamente
  • Kortison (insbesondere Sprüh-Aerosole gegen Asthma)
  • Antibiotika
  • Magensäureblocker
  • Immunsuppressiva
Therapien
  • Bestrahlung und Chemotherapie
  • Zahnprothesen
Lebensumstände
  • Stress
  • seelische Belastungen

Ist die Soorösophagitis ansteckend?

Eine Soorösophagitis kann nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Es besteht also keine Ansteckungsgefahr für Personen mit einem gesunden Immunsystem. Der Erreger Candida albicans kann jedoch während eines Krankenhausaufenthaltes über Zugänge, zum Beispiel Ernährungssonden oder zentral-venöse Katheter in den Körper gelangen. Ist der Körper durch eine andere Krankheit stark geschwächt kann der Hefepilz eine Entzündung der Speiseröhre oder anderer Organe auslösen.

Was für Symptome macht eine Soorösophagitis?

Die Symptome einer Soorösophagitis sind recht unspezifisch und reichen von leichter Übelkeit bis zu Schluckbeschwerden. Typisch sind ein Brennen in der Brust sowie Schmerzen beim Schlucken. Dies kann soweit gehen, dass Patienten Probleme haben feste Nahrungsmittel zu sich zu nehmen und an Gewicht verlieren. Manchmal klagen Patienten auch über Bauchschmerzen, sind von starker Übelkeit geplagt und müssen sich übergeben. Befällt der Pilz den Mund, ist der Geschmackssinn gestört.

Ein sehr auffälliges Merkmal des Candida-Befalls sind flächige, schmierig-weiße Beläge auf der Schleimhaut von Mund, Rachen oder Speiseröhre. Beim Blick in den Spiegel sind diese leicht zu erkennen und können mit einem Wattestäbchen abgewischt werden. Zurück bleiben dann gerötete, leicht blutende, offene Stellen.
In vielen Fällen merken Patienten aber gar nicht, dass sie eine von Pilzen hervorgerufene Entzündung der Speiseröhre haben. Der Befall wird dann zufällig beim Zahnarzt oder während einer Untersuchung der Speiseröhre (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, Magenspiegelung) entdeckt.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Soorösophagitis?

Erste Hinweise für die Diagnose Soorösophagitis erhält der Arzt durch die Beschreibung der typischen Beschwerden durch den Patienten. Um seinen Verdacht zu erhärten, veranlasst er in der Regel eine Untersuchung der Speiseröhre (Magenspiegelung, Ösophago-Gastro-Duodenoskopie).  Im Fall einer Soorösophagitis fallen dann eine stark gerötete und mit weißen Belägen überzogenen Schleimhaut auf. Um den Keim nachzuweisen, entnimmt der Untersucher eine Probe des Belags und schickt diese für eine mikrobiologische Untersuchung ins Labor. Das ist einerseits wichtig, um zu wissen mit welchem Pilz Subtyp man es zu tun hat und andererseits, um festzustellen, ob der Pilz schon Resistenzen gegen geläufige Anti-Pilz-Mittel gebildet hat. Bei starkem Befall kann der Arzt auch im Blut des Patienten Hinweise (Antikörper), finden.

Wie wird die Soorösophagitis behandelt?

Die Soorösophagitis wird mit einem Anti-Pilz-Mittel behandelt. Erste Wahl ist das Medikament Fluconazol. In welcher Form der Patient das Mittel erhält, hängt von dessen gesundheitlicher Verfassung und der Schwere der Entzündung ab. Normalerweise verschreibt der Arzt Tabletten. Um den Pilz los zu werden, sollte man die Tabletten über 14–21 Tage gewissenhaft einnehmen. Durch vorzeitiges Abbrechen riskiert man einen Rückfall. Die Beschwerden sollten jedoch bereits nach sieben Tagen nachlassen. Treten weiterhin unangenehme Erscheinungen, wie Übelkeit und Bauchschmerzen auf, lohnt sich ein Gespräch mit dem Hausarzt. Das Anti-Pilz-Mittel kann unerwünschte Nebenwirkungen auslösen, die den Beschwerden der Soorösophagitis ähneln. In den allermeisten Fällen kann die Entzündung so geheilt werden.

Ist die Behandlung nicht erfolgreich, kann der Arzt die Therapie auf ein anderes Anti-Pilz-Mittel umstellen. In sehr schweren Fällen, kann das Anti-Pilz-Mittel auch über einen Venenzugang verabreicht werden.
Zur Behandlung von Entzündungen, die sich auf den Mund und die obere Speiseröhre beschränken, reichen Anti-Pilz-Lutschtabletten (Ampho Moronal), Gels oder Spüllösungen (Nystatin-Mundgel, Nystatin-Spüllösung). Diese sollten jeweils über 7-14 Tage verwendet werden.

Medikamente zur Behandlung der Soorösophagitis

In folgender Tabelle findest du Medikamente erster und zweiter Wahl für die Behandlung der Soorösophagitis.

Medikament erster Wahl Fluconazol (als Tablette oder über die Vene)
Medikamente zweiter Wahl Itraconazol
Voriconazol
Posaconazol
Anidulafungin
Caspofungin
Micafungin
liposomaöes Amphotericin B
Amphotericin B Deoxycholat

Welche Ernährung wird gegen Soorösophagitis empfohlen?

Die in diesem Artikel beschriebene Therapie entspricht den aktuellen Empfehlungen der deutschen Leitlinien für Ärzte. Die bekannteste alternative Heilmethode ist die Anti-Pilz-Diät. Die Anti-Pilz-Diät wird in Kombination mit einem Anti-Pilz-Mittel verschrieben. Aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Belege für die Wirksamkeit der Anti-Pilz-Diät bei Soorösophagitis, wird sie bisher nicht offiziell empfohlen. Dies gilt auch für andere alternative Behandlungsansätze. Nichtsdestotrotz besteht die Chance, dass eine solche Diät die Beschwerden von Patienten lindert. Der Artikel „Anti-Pilz-Diät“ liefert weitergehende Informationen zum Thema. Alternativ kannst du unter diesem Link ein Gespräch mit einem unserer Ernährungsberater ausmachen.

Quellen

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. AWMF – S1-Leitlinie. Diagnose und Therapie von Candida Infektionen. Register Nummer 082-005. Online abgerufen am 28.02.2018 unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/082-005l_S1_Candida-Infektionen_Diagnose_Therpie_2016-07.pdf

Rosołowski, M., & Kierzkiewicz, M. (2013). Etiology, diagnosis and treatment of infectious esophagitis. Przeglad gastroenterologiczny, 8(6), 333.
Online am 28.02.2018: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4027832/

Ahuja, N. K., & Clarke, J. O. (2016). Evaluation and management of infectious esophagitis in immunocompromised and immunocompetent individuals. Current treatment options in gastroenterology, 14(1), 28-38.
Online am 28.02.1018: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11938-016-0082-2

Khomeriki, S. G. (2014). Standard therapeutic regimens in H. pylori infection leads to activation of transitory fungal flora in gastric mucus (5 (105)).
Online am 02.03.2018 unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25518495

Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow und Ruth Lang-Roth, 2015

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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