Die Ursachen von Morbus Crohn – auf Spurensuche nach den Auslösern

 In Erkrankungen

Zu den Ursachen des Morbus Crohn gibt es viele Theorien. Morbus Crohn tritt bei genetisch Veranlagten auf, die wiederholt einem oder mehreren Umweltfaktoren ausgesetzt sind. Daraufhin vermittelt das Abwehrsystem eine überschießende Entzündungsreaktion. Wir stellen bedeutende Umweltfaktoren vor und erläutern, wie die Wissenschaft sie als möglichen Auslöser für Morbus Crohn begründet. Nicht alle Faktoren sind gleichermaßen akzeptiert und einige sind durch ihre Studienqualität und -anzahl nachweisstärker als andere.

Ist Morbus Crohn eine genetische Erkrankung?

Auch wenn die genaue Ursache des Morbus Crohn unbekannt ist, so scheinen genetische Faktoren zumindest eine Rolle zu spielen. Die Wahrscheinlichkeit eine entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn zu entwickeln, liegt bei:

  • 30 Prozent, wenn beide Eltern ebenfalls an einer entzündlichen Darmerkrankung leiden.
  • 10 Prozent, wenn ein Elternteil an einer entzündlichen Darmerkankung leiden.

Geschwisterkinder haben ein Erkrankungsrisiko von 5 Prozent. Es lässt sich kein einzelnes ursächliches Gen für den Morbus Crohn identifizieren. Stattdessen sind mehrere Gene beteiligt. Doch nicht alle Menschen mit diesen Genen erkranken an Morbus Crohn. Vielmehr unterliegt die Krankheitsentstehung einem Zusammenspiel von Genen und Umweltfaktoren.

Wie können Umweltfaktoren unser Abwehrsystem verändern und Morbus Crohn auslösen?

Umweltfaktoren kommen über verschiedene Wege in Kontakt mit unserem Abwehrsystem. Entweder beeinflussen sie direkt unsere Abwehrzellen oder schädigen Körperzellen, die dann wiederum Entzündungszellen anlocken. Für den Morbus Crohn ist bisher bekannt:


  • komplexe Signalwege zwischen Darmzellen und Abwehrzellen führen zur Entzündungsreaktion
  • die genauen Signalwege sind jedoch nur teilweise entschlüsselt
  • entzündliche und anti-entzündliche Proteine sind im Ungleichgewicht und dies scheint wichtiger zu sein als ihre Anzahl
  • mehrere Proteine, die Zellwachstum und -differenzierung steuern, sind am entzündlichen Prozess beteiligt
  • im Darm entsteht eine Vielzahl an Abbauprodukten, die zu Gewebeschäden und Zelltod beitragen

Löst Rauchen Morbus Crohn aus?

Das Rauchen von Zigaretten ist der am besten dokumentierte Umwelt-Risikofaktor beim Morbus Crohn. Er erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit zur Krankheitsentwicklung, sondern verschlechtert auch die Prognose. In der Therapie von Rauchern ist außerdem die medikamentöse Wirksamkeit herabgesetzt. Als Ursache dafür beschreiben Forscher eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora, neue Signalwege und Zellschäden an der Darmwand.

Können Bakterien und Viren Auslöser sein?

Zwillingsstudien haben gezeigt, dass kindliche Magen-Darm-Infekte und Mumps das Risiko für einen Morbus Crohn erhöhen. Andere Studien haben gezeigt, dass entzündliche Darmerkrankungen gehäuft in Gebieten auftreten, wo Seen, Flüsse oder Trinkwasser kontaminiert waren. Wissenschaftliche Fachkreise diskutieren, ob Morbus Crohn unter anderem von Krankheitserregern getriggert wird, die von Tieren auf den Menschen übertragen wurden – zum Beispiel über das Wasser. Das würde gehäuftes Auftreten in einzelnen Regionen erklären.

Triggern Antibiotika und Impfungen Morbus Crohn?

Eine große finnische Studie an Kindern zeigte eine Assoziation des Morbus Crohn mit Antibiotika, besonders für die Gruppe der Cefalosporine und besonders für Jungen. Weitere große Untersuchungen hierzu fehlen leider noch. Der Einsatz von Cefalosporinen wurde nicht gesenkt, da das Auftreten von Morbus Crohn insgesamt eher selten ist (jährlich 7 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner) und Cefalosporine mitunter lebensrettend sein können.

Impfungen erhöhen das Risiko für einen Morbus Crohn nicht.

Welche Medikamente triggern Morbus Crohn?

Morbus Crohn tritt häufiger bei Menschen auf, die in ihrer Vorgeschichte vermehrt Nicht-steroidale-Antirheumatika wie Ibuprofen eingenommen haben. Eine Assoziation zu Aspirin gibt es jedoch nicht. Die Ergebnisse zur Hormontherapien als Trigger sind bislang noch kontrovers. Nachgewiesen ist aber eine Assoziation zwischen Morbus Crohn und oralen Kontrazeptiva: Eine britische Zwillingsstudie zeigte hier sogar ein vierfach erhöhtes Risiko. Postmenopausale Östrogentherapie erhöht das Risiko für Morbus Crohn allerdings nicht.

Stimmt die Hygiene-Hypothese?

Nach der Hygiene-Hypothese entwickeln einige Menschen Morbus Crohn, weil sie als Kinder nicht ausreichend Bakterien und Keimen ausgesetzt waren. Nach dieser Theorie kann die Darmflora geschädigt sein, wenn das Baby mit Kaiserschnitt zur Welt kommt, keine Muttermilch trinkt oder in einem zu sauberen Haushalt aufwächst. Einzelne Studien haben in der Vergangenheit schützende Effekte durch Stillen oder vaginale Geburten beschrieben, die in neueren großen Studien nicht bestätigt werden konnten. Somit bleibt die Hygiene-Hypothese unter Wissenschaftlern umstritten und gilt für den Morbus Crohn nicht als Indikator für eine Risikoerhöhung.

Kann körperliche Aktivität Morbus Crohn vorbeugen?

Körperliche Aktivität regt den Zellstoffwechsel an, was auch bei der Bekämpfung von Entzündungen nützlich sein kann. In einer großen amerikanischen Studie wurde sogar gezeigt, dass Sport das Risiko für Morbus Crohn um 44% senkt (nur bei Frauen). Interessanterweise sank das Risiko bei Männern jedoch nicht und auch nicht bei Patienten mit Colitis ulcerosa, die ebenfalls eine entzündliche Darmerkrankung ist. Warum Sport nur bei Frauen mit Morbus Crohn positive Effekte hat, konnte von Wissenschaftlern bisher noch nicht geklärt werden.

Welchen Einfluss hat Schlaf?

Generell ist gestörter Schlaf mit schlechterer Gesundheit assoziiert. Es liegen derzeit aber keine umfassenden Studien über Schaf als Auslöser von Morbus Crohn vor. Bekannt ist, dass Morbus Crohn Patienten mit Schlafstörungen langsamer und seltener Symptomfreiheit erlangen. Daher sollten Patienten auf ihre Schlafhygiene achten und behandelnde Ärzte Schlafstörungen eventuell therapieren.

Ist Morbus Crohn mit psychiatrischen Erkrankungen assoziiert?

Menschen mit Morbus Crohn haben häufiger psychiatrische Erkrankungen wie Depression oder Angst als die Allgemeinbevölkerung. Lange galt, dass psychische Störungen, belastende Lebensereignisse oder Stress nicht die Ursache für einen Morbus Crohn sein können. Studien aus den letzten Jahren schlagen nun aber doch die Depression als mögliche Ursache vor. Sie könnte zur Ausschüttung von Stresshormonen führen, die im ganzen Körper wirken und dadurch auch Entzündungsmediatoren im Darm freisetzen (Stressachse). Der Mechanismus ist noch nicht näher verstanden, aber erfährt unter Fachkreisen immer mehr Aufmerksamkeit.

Hat psychische Belastung Einfluss auf den Krankheitsverlauf?

Stress und Erkrankungen mit veränderter Stimmungslage (zum Beispiel Depression, Manie, Bipolare Störung) können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Wenn die Morbus Crohn Entzündungsaktivität steigt, dann können sich aber andersherum auch Symptome einer psychischen Erkrankung vermehren. Bei der Behandlung von Morbus Crohn soll deshalb nach aktuellen Leitlinien Kontakt zu einem Psychotherapeuten oder Psychosomatiker bestehen und bei Bedarf auch eine Psychotherapie durchgeführt werden. Besonders Kindern und Jugendlichen und ihren Familien soll Unterstützung angeboten werden.

Kann eine falsche Ernährung Morbus Crohn auslösen?

Die Ernährung verändert unsere Darmflora, die einen entscheidenden Beitrag zur Entstehung von entzündlichen Darmerkrankungen leistet. Mehrere Studien untersuchten die Ernährungsgewohnheiten (vor Krankheitsbeginn) von Patienten mit Morbus Crohn und verglichen sie mit denen von Gesunden. Mehr zur Ernährung bei Morbus Crohn hier.

Gesunde Studienteilnehmer essen:

weniger

  • Zucker
  • Fleisch
  • Fett

und mehr

  • Gemüse
  • Ballaststoffe
  • Vitamine

Tägliches Fast-Food und hoher Zuckerkonsum war in einer Studie an Kindern mit einem früheren Krankheitsbeginn assoziiert.

Wir bieten Therapiekurse für langfristige Ernährungsumstellungen an. Unter diesem Link kann ein kostenloses Erstgespräch mit einem unserer zertifizierten Ernährungsberater vereinbart werden.

Schützt die Sonne vor Morbus Crohn?

Am häufigsten treten entzündliche Darmerkrankungen in Kanada und in Nordeuropa auf. Das Nord-Süd-Gefälle erklären Wissenschaftler mit unserer Vitamin-D-Produktion. Je mehr wie der Sonne ausgesetzt sind, desto höher der Vitamin-D Spiegel im Blut und zumindest in Mausmodellen hatte unzureichendes Vitamin-D Einfluss auf die Krankheitsentstehung. Ob das auch für den Menschen gilt, ist noch unklar.

Bekannte Risiko- oder assoziierte Faktoren des Morbus Crohn:

  • Genetische Veranlagung
  • Rauchen
  • Infektionen (kindlichen Magen-Darm-Infekte, Mumps, verunreinigtes Wasser)
  • Antibiotika bei Jungen (Cefalosporine)
  • Nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen
  • Orale Kontrazeptiva
  • Sportliche Inaktivität bei Frauen
  • Depression und Angst
  • Ungesunde Ernährung

Quellen

Preiß, J. C., Bokemeyer, B., Buhr, H. J., Dignaß, A., Häuser, W., Hartmann, F., … & Kucharzik, T. (2014). Aktualisierte S3-Leitlinie–„Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn “2014. Zeitschrift für Gastroenterologie, 52(12), 1431-1484. Online abgerufen am 30.06.2018 unter https://www.kompetenznetz-darmerkrankungen.de/files/cto_layout/img/Diagnostik-und-Therapie-des-M.Crohn.pdf.

O’Toole, A., & Korzenik, J. (2014). Environmental triggers for IBD. Current gastroenterology reports, 16(7), 396. Online abgerufen am 30.06.2018 unter https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11894-014-0396-y

Halme, L., Paavola-Sakki, P., Turunen, U., Lappalainen, M., Färkkilä, M., & Kontula, K. (2006). Family and twin studies in inflammatory bowel disease. World journal of gastroenterology: WJG, 12(23), 3668. Online abgerufen am 02.07.2018 https://www.wjgnet.com/1007-9327/full/v12/i23/3668.htm

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

PS: "Du willst deine Verdauungsbeschwerden langfristig verbessern? Anstatt unseriöser Tests und überflüssiger Ergänzungsmittel sollte die Behandlung der Ursache das erste Ziel sein. Dazu haben wir ein einzigartiges Therapieangebot (hier mehr Infos) entwickelt.

Blähbauch? Krämpfe? Stuhlunregelmäßigkeiten?

Unser ärztlicher Leiter André Sommer erklärt, durch welche Lebensmittel Symptome verstärkt werden und wie die Ursache der Beschwerden behoben werden kann.

Jetzt informieren

Leave a Comment