Leberzirrhose

 In Erkrankungen

Die Leberzirrhose ist eine schwere und chronische Erkrankung der Leber. In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen davon betroffen. Die Leberzirrhose entsteht langsam über viele Jahre, die Behandlung der Erkrankung stellt Ärzte oft vor große Herausforderungen. Was eine Leberzirrhose ausmacht, wie sie entsteht und wie man die Krankheit behandelt, erfährst Du bei reizdarm.one

Was ist eigentlich eine Leberzirrhose?

Die Leberzirrhose ist das gemeinsame Endstadium, auf das viele chronische Erkrankungen der Leber hinauslaufen. Die Entstehung der Leberzirrhose kann Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern.

Chronische Erkrankungen der Leber, wie zum Beispiel eine chronische Leberentzündung (Hepatitis), stellen eine Belastung für das Lebergewebe dar. Es kommt über Jahre zu einem Umbau der Leber, bis ein großer Teil des normalen Lebergewebes schließlich durch Narben und Bindegewebe ersetzt ist. Die Funktion der Leber ist dadurch schwer gestört. Dieses Stadium wird als Leberzirrhose bezeichnet.

Wie häufig ist die Leberzirrhose?

In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an einer Leberzirrhose. Das sind etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung. Männer sind deutlich häufiger von der Erkrankung betroffen als Frauen. Man geht davon aus, dass jährlich in Deutschland etwa 20.000 Menschen an den Folgen einer Leberzirrhose versterben.


Was sind die Ursachen der Leberzirrhose?

Die Leberzirrhose ist die Folge einer chronischen Schädigung der Leber. Die schädigenden Einflüsse, die von Medizinern als „Noxen“ bezeichnet werden, nehmen verschiedene Gestalt an.

Die wichtigsten Verursacher der Leberzirrhose sind

  • Alkohol
  • Viren (Chronische Leberentzündung)
  • Gallenwegserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen

Ein Fünftel aller Leberzirrhosen tritt auf, ohne dass eine direkte Ursache festgestellt werden kann. Darüber hinaus sind eine Reihe seltener Erkrankungen Verursacher der Krankheit.

Wie führt Alkohol zur Leberzirrhose?

Alkohol, der in der Leber abgebaut, wirkt in größeren Mengen als Lebergift. Regelmäßiger Konsum von größeren Mengen führt dazu, dass sich die Abbaumechanismen in der Leber verändern. Es kommt zu einer Anflutung giftiger Abbauprodukte, die schädigend auf die Zellen wirken. Zuerst kommt es zu einer Verfettung der Leber, später dann zum Untergang von Leberzellen und zum bindegewebigen Umbau der Leber.

Das Endstadium dieses über Jahre andauernden Schädigungsprozesses ist die Leberzirrhose.

Wie führen Viren zur Leberzirrhose?

Eine Entzündung der Leber wird von Medizinern als Hepatitis bezeichnet. Hepatitisviren sind eine Gruppe von Viren, die eine solche Leberentzündung verursachen. Die wichtigsten Vertreter dieser Gruppe von Viren sind Hepatitis B und Hepatitis C.

Man geht davon aus, dass etwa 5 – 10 Prozent der Hepatitis B-Infektionen und bis zu 50 Prozent der Hepatitis C-Infektionen zu einer chronischen Leberentzündung führen.

Diese chronische Entzündung schädigt, ähnlich wie der chronische Alkoholkonsum, nach und nach die Leberzellen. Ist ein gewisser Schaden entstanden, beginnt der bindegewebige Umbau der Leber. Ihre Funktion geht langsam verloren. Im Endstadium folgt die Leberzirrhose.

Welche weiteren Ursachen für eine Leberzirrhose gibt es?

Chronischer Alkoholkonsum und Hepatitisviren sind die wichtigsten Verursacher der Leberzirrhose. Doch es gibt auch andere Erkrankungen, die zu einer Leberzirrhose führen können. Hierzu zählen beispielsweise chronische Erkrankungen der Gallenwege (Gallengangsverschlüsse und Entzündungen der Gallenwege), Autoimmunerkrankungen (Autoimmunhepatitis, primär billiäre Zirrhose, primär sklerosierende Cholangitis) und Stoffwechselerkrankungen (Hämochromatose).

Auch die chronische Einnahme mancher Medikamente kann die Leber schädigen. Eine Überdosis von Paracetamol etwa führt zu einem Leberversagen. Eine langfristige Einnahme des Medikaments kann dauerhafte Leberschäden verursachen.

Welche Symptome treten bei der Leberzirrhose auf?

Die Symptome der Leberzirrhose treten – ähnlich wie die Erkrankung selbst – schleichend über einen langen Zeitraum auf. Frühe und sehr allgemeine Symptome sind

  • Müdigkeit,
  • Abgeschlagenheit,
  • verminderte Leistungsfähigkeit und
  • schnelle Erschöpfbarkeit.

Auch ein ungewollter Gewichtsverlust und anhaltende Übelkeit können einen Hinweis auf das Vorliegen einer Leberzirrhose geben. Diese Symptome sind allerdings sehr unspezifisch und treten auch bei vielen anderen Erkrankungen auf.

Gibt es spezielle Anzeichen / Symptome, die auf eine Leberzirrhose hinweisen?

Im Verlauf der Erkrankung kommt es zum Auftreten spezifischerer Symptome. Dazu zählen auch die sogenannten „Leberhautzeichen“. Dabei handelt es sich um Erscheinungen, die durch die Leberzirrhose ausgelöst werden und äußerlich sichtbar sind.

Zu den Leberhautreich zählen rote Hand- und Fußflächen (Palmar- und Plantarerythem), eine Gelbfärung der Haut und der Augen (Ikterus), hochrote Zunge und Lippen (Lackzunge und -lippen) und kleine Ansammlungen von Blutgefäßen, die durch die Haut sichtbar sind (Spider naevi, Teleangiektasien).

Leberhautzeichen / Symptome Aussehen
Palmarerythem, Plantarerythem Ausgeprägte Rötung der Handflächen (Palmarerythem) und Fußflächen (Plantarerythem)
Ikterus Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten durch eine Ansammlung des Stoffes „Bilirubin“
Lackzunge, Lacklippen Hochrote Zunge und Hochrote Lippen
Spider naevi Ansammlung von kleinen Blutgefäßen, die durch die Haut sichtbar sind
Caput medusae Dicke Gefäßknäuel, die durch die Haut sichtbar sind
Bauchglatze Verlust der Behaarung am Bauch (und teilweise im Intimbereich), tritt vor allem bei Männern auf

Tab.1: Leberhautzeichen

Die Leber übt eine Funktion als hormonproduzierendes Organ aus. Wenn diese Funktion gestört ist, treten weitere Symptome auf:

Potenzstörungen

Bei Männern können Potenz- und Erektionsstörungen auftreten, die sogar in einer Impotenz münden können. Die Hoden können in ihrem Umfang und Gewicht abnehmen (Hodenatrophie) und es kann zu leichtem Brustwachstum kommen (Gynäkomastie).

Menstruationprobleme

Frauen klagen häufig über Menstruationsstörungen bis hin zu einem kompletten Aussetzen der Monatsblutung.

Vermindertes sexuelles Verlangen

Bei beiden Geschlechtern tritt oft eine Verminderung der Libido, also des sexuellen Verlangens, auf.

Wasseransammlungen

Außerdem kann es an verschiedenen Stellen im Körper, allen voran in den Beinen und im Bauch, zur Ansammlung von Wasser im Gewebe kommen. Das wird von Medizinern als „Ödem“ bezeichnet. Eine große Wasseransammlung im Bauch trägt den Namen „Aszites“.

Gibt es Blutwerte, die auf eine Leberzirrhose hinweisen?

Es gibt eine Reihe von Blutwerten, die bei Erkrankungen der Leber verändert sind.

Die beiden Enzyme ALT und AST werden in der Umgangssprache häufig als „Leberwerte“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um Enzyme, die im Inneren der Leberzellen sitzen und dort ihre Wirkung entfalten. Bei einer Schädigung des Lebergewebes treten diese Enzyme aus den geschädigten Zellen aus und sind vermehrt im Blut nachweisbar. Bei einer Leberzirrhose sind ALT und AST oft erhöht.

Auch die Blutwerte AP, gamma-GT und Bilirubin sind bei einer Leberzirrhose oft erhöht. Neben Lebererkrankungen sind diese Blutwerte oft bei Gallenwegserkrankungen erhöht. Das Bilirubin ist außerdem für die Gelbfärbung der Haut (Ikterus) verantwortlich, die bei einer Leberzirrhose oft beobachtet wird.

Es gibt auch Stoffe, die bei einer Leberzirrhose im Blut zu wenig vorhanden sind. Dazu zählt zum Beispiel das Albumin. Albumin ist ein Protein, dass im Blut für den Transport vieler anderer Stoffe zuständig ist. Gerinnungsfaktoren, die für die Blutstillung benötigt werden, und einige Elektrolyte können bei einer Leberzirrhose nicht mehr in ausreichender Menge im Blut vorhanden sein.

Welche Stadien der Leberzirrhose gibt es?

Die Leberzirrhose wird von Medizinern meist anhand der sogenannten „Child-Pugh-Kriterien“ eingeteilt. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Befunden und Blutwerten, für die Punktzahlen vergeben werden. Je mehr Punkte vergeben werden, desto schwerer ist die Erkrankung.

Je nach Gesamtpunktzahl wird die Erkrankung dann in die Stadien Child A bis Child C unterteilt. Im Stadium Child A ist die Leberzirrhose nur gering ausgeprägt, während im Stadium Child C von einer sehr schweren Erkrankung zu sprechen ist.

Ist die Leberzirrhose heilbar?

Leberzirrhose ist das Endstadium chronischer Lebererkrankungen. Man kann die Erkrankung zwar behandeln, und damit die Beschwerden lindern und das Voranschreiten verlangsamen. Doch eine medizinische Heilung für die Leberzirrhose ist bis heute nicht bekannt. Die einzige Möglichkeit, die Erkrankung zu „heilen“, ist eine Lebertransplantation. In deren Rahmen wird die geschädigte Leber entfernt und eine neue, gesunde Leber in den Körper eingebracht.

Wie wird die Leberzirrhose behandelt?

Die wichtigste Maßnahme in der Behandlung der Leberzirrhose ist der Verzicht auf leberschädigende Stoffe, allen voran der Alkohol. Der Verzicht auf Alkoholkonsum kann das Voranschreiten der Zirrhose drastisch verlangsamen und die Beschwerden deutlich lindern. Außerdem sollte die Erkrankung, die zum Auftreten der Zirrhose geführt hat, behandelt werden.

Da die Leber für die Verarbeitung von Nahrungsbestandteilen zuständig ist, ist bei einer Leberzirrhose eine ausgewogene und gesunde Ernährung von besonderer Bedeutung. So kann man verhindern, dass die bereits geschädigte Leber durch die Nahrung überlastet wird.

Kommt es zu Mangelzuständen, zum Beispiel von Vitaminen und Mineralstoffen, sollten diese in Form von Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden.

Bei Vorliegen einer Leberzirrhose sollten zudem regelmäßige Kontrollen der Leber erfolgen. Denn eine Leberzirrhose erhöht das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Um ihn möglichst frühzeitig zu erkennen, sind regelmäßige Untersuchungen der Leber, beispielweise mit einem Ultraschallgerät, notwendig.

Wie hoch ist die Lebenserwartung mit einer Leberzirrhose?

Die Lebenserwartung der Leberzirrhose richtet sich nach dem Child-Stadium.

Child-Stadium 1-Jahres-Überlebensrate
Child A ca. 100 Prozent
Child B ca. 80 Prozent
Child C ca. 35 Prozent

Tab.2: 1-Jahres-Überlebensraten der verschiedenen Child-Stadien

Die Leberzirrhose ist eine schwerwiegende Erkrankung, die in Deutschland viele Menschen betrifft. Nur eine Transplantation verspricht eine Heilung dieser Krankheit. Doch trotzdem kann durch eine sorgfältige Therapie, die auch Ernährungs- und Lifestyleumstellungen beinhaltet, viel erreicht und das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamt werden.

Quellen
Schuppan, D., & Afdhal, N. H. (2008). Liver cirrhosis. The Lancet371(9615), 838-851.
Pinzani, M., Rosselli, M., & Zuckermann, M. (2011). Liver cirrhosis. Best practice & research Clinical gastroenterology25(2), 281-290. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21497745
Gundling, F., Teich, N., Strebel, H. M., Schepp, W., & Pehl, C. (2007). Ernährung bei Leberzirrhose. Medizinische Klinik102(6), 435-444.
Vernon, G., Baranova, A., & Younossi, Z. M. (2011). Systematic review: the epidemiology and natural history of non‐alcoholic fatty liver disease and non‐alcoholic steatohepatitis in adults. Alimentary pharmacology & therapeutics34(3), 274-285. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21623852
Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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