Dauer und Verlauf einer Gastritis – Wie lange dauert eine Magenschleimhautentzündung?

 In Erkrankungen

Spricht der Arzt von einer Gastritis, meint er damit eine Entzündung der Magenschleimhaut. Die Gründe dafür sind vielfältig, die Krankheitsverläufe variabel. Wie lang eine Gastritis andauert, hängt von vielen Faktoren ab. Einige davon können wir beeinflussen und die Heilung der Gastritis damit beschleunigen.

Was ist eine Gastritis?

Der Begriff Gastritis setzt sich aus den lateinischen Begriffen “Gaster” (Magen) und” –itis” (Entzündung) zusammen. Gemeint ist damit eine Magenschleimhautentzündung, zum Beispiel durch vermehrte Bildung aggressiver Magensäure, die die empfindliche Schleimhaut irritiert und auf Dauer auch schädigen kann. Zur genauen Entstehung einer Gastritis und deren Behandlungsmöglichkeiten findest du hier mehr Informationen.

Wie lang dauert eine Gastritis allgemein?

Entzündungen im Körper können unterschiedlich lange Verläufe haben – so auch die Gastritis. Die Dauer der Beschwerden hängt hauptsächlich vom Auslöser ab. Diese müssen unterschiedlich behandelt werden, deshalb empfiehlt sich in jedem Fall ein Besuch beim Facharzt, der das Ausmaß der Magenschleimhautentzündung richtig einschätzen und behandeln kann.

Grundsätzlich unterschieden werden akute und chronische Formen einer Entzündung. Um zu entscheiden, um welche Form der Gastritis es sich beim Patienten handelt, beurteilt der Arzt die Schleimhaut im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie). Die Diagnosestellung wird davon beeinflusst, wie


  • schwer die Magenschleimhaut entzündet ist
  • lang die Entzündung schon anhält
  • früh die Gastritis entdeckt wurde

Wie ist die Dauer einer akute Gastritis?

Halten die Symptome einer Gastritis nur einige Tage bis wenige Wochen an, spricht man von einer akuten Gastritis. Sie kann entweder von selbst wieder verschwinden oder durch einfachen Verzicht der Auslöser erreicht werden. Um eine selbstständige Regeneration der Magenschleimhaut zu erreichen, sollte auf stark reizende Substanzen und Nahrungsmittel verzichtet werden. So zum Beispiel auf übermäßigen Konsum von

  • Alkohol
  • Nikotin
  • Kaffee
  • Stark gewürztem, scharfem Essen

Achtung: Auch Stress kann im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen schlagen und Grund einer akuten Gastritis sein. Dieser Stress kann psychisch bedingt sein, aber auch physisch nach Operationen, Unfällen, Verbrennungen, Strahlentherapie oder im Leistungssport auftreten.

Eine medikamentöse Behandlung der akuten Gastritis ist zunächst nicht notwendig. Tritt durch den Verzicht auf Risikoprodukte keine Besserung ein, kann der Arzt Präparate verschreiben, die schützend (protektiv) auf die Magenschleimhaut wirken. Darunter fallen Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPIs), welche die Schleimhaut davor bewahren, zu viel Magensäure zu produzieren. Mit diesen sollte eine Besserung der Beschwerden schon nach wenigen Tagen eintreten.

Wie lange dauert eine chronische Gastritis?

Jede akute Entzündung kann unter Umständen auch dauerhaft bestehen bleiben (chronifizieren). Von einer chronischen Gastritis spricht man, sobald die Krankheit Wochen bis Monate andauert. Die Diagnosestellung erfolgt über ein kleines Stück Magenschleimhaut, das während der Magenspiegelung entnommen und zur Untersuchung an den Pathologen gesandt wird. Entdeckt dieser bei der mikroskopischen Beurteilung Entzündungszellen, Keime oder Antikörper gegen Magenzellen in der Gewebeprobe, gilt die Diagnose chronische Gastritis als gesichert.

Oft ist die chronische Gastritis ein Zufallsbefund bei Vorsorgeuntersuchungen und Magenspiegelungen. Nicht selten besteht die Magenentzündung schon seit Monaten bis Jahren und ist dabei weitgehend unbemerkt geblieben. Mögliche Symptome wie Völlegefühl, sind unspezifisch und werden vom Patienten zwar als belastend wahrgenommen aber oft als solches hingenommen. Neben der Belastung durch die Symptome, kann eine länger bestehende Entzündung auch schwerwiegendere Schäden der Magenschleimhaut anrichten. Bleibt sie über lange Zeit unbehandelt, kann ein blutendes Magengeschwür (Ulcus ventriculi) entstehen. Behandelt man auch dieses nicht, steigt das Risiko der Entartung und somit das einer bösartigen (malignen) Krebserkrankung des Magens.

Wird eine Gastritis chronisch, kann sie anhand ihrer Ursache in eine von insgesamt drei Unterkategorien eingeteilt werden.

Dauer / Verlauf einer Typ-A-Gastritis Dauer / Verlauf einer Typ-B-Gastritis Dauer / Verlauf einer Typ-C-Gastritis
  • Durch das eigene Immunsystem (Autoimmun)
  • Durch Bakterien (Helicobacter pylori)
  • Durch chemische Stoffe (Medikamente)
  • Bislang unzureichend erforscht und kann noch nicht komplett geheilt werden – daher bleibt die Dauer der Entzündung unvorhersehbar
  • Eine Behandlung der Beschwerden und Mangelerscheinungen ist jedoch möglich (Zum Beispiel Blutarmut (Anämie) durch den Mangel an Vitamin B12. Wir behandeln also die Symptome, nicht jedoch ihren Auslöser
  • Bessert sich nach einigen Wochen unter Einnahme einer Kombinationstherapie aus drei Medikamenten – darunter Säureblocker und Antibiotika gegen die Bakterien
  • Verschwindet nach einigen Tagen, nachdem das kritische Präparat wieder abgesetzt wurde und die Magenschleimhaut wieder zur Ruhe kommt

Tab. 1. Dauer und Verlauf von Gastritis Typ A, B und C

Schreibt mich mein Arzt bei einer Gastritis krank?

Übelkeit, Erbrechen und starke Bauchschmerzen sind typische Symptome einer Gastritis. Unter diesen Umständen zu arbeiten, ist schwierig. Grundsätzlich entscheidet der behandelnde Arzt über die Arbeitsfähigkeit seines Patienten. Dabei berücksichtigt er die Schwere der Krankheitssymptome, sowie die Belastung am Arbeitsplatz des Patienten. Auch die Form der Gastritis spielt eine entscheidende Rolle für die Krankschreibung. Mit einer ärztlichen Krankschreibung von bis zu 6 Wochen besteht während dem Ausfall Anspruch auf das volle Gehalt.

  • Für eine akute Gastritis, die nach kurzer Zeit wieder abklingt, genügt eine Krankschreibung über einige Tage.
  • Die chronischen Gastritiden bedürfen längerer Genesungszeit und bringen Krankschreibungen über teils mehrere Wochen mit sich.
  • Besteht die Gastritis schon lange, müssen die Komplikationen wie blutende Magengeschwüre (Ulcus ventriculi) möglicherweise operativ versorgt werden. Dies setzt die stationäre Aufnahme im Krankenhaus voraus. In diesem Fall deckt die Krankschreibung den Aufenthalt selbstverständlich mit ab.

Wie lange sollte ich bei Schonkost bleiben?

Die Schonkost, umgangssprachlich für die gastroenterologische Basisdiät, verordnet der Arzt vor allem nach Bauchoperationen, schweren Gastritis-Verläufen und anderen Magen-Darm-Erkrankungen. Dabei wird der Magen-Darm-Trakt schrittweise auf die Verdauung leichter Kost vorbereitet.

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3
  • Tee
  • Fettfreie Suppe/Brühe
  • Zwieback
  • Gemüse
  • Mageres Fleisch/Fisch
  • Reis
  • Nudeln
  • Kartoffeln
  • Magere Milchprodukte
Zusätzlich zu Stufe 2

  • Brot
  • Getreideprodukte
  • Reifes Obst
  • Eier

Tab. 2: Stufenschema der Schonkost bei Gastritis

Wichtig: Unser Magen sagt uns meist von selbst, was das Richtige für ihn ist – wir müssen nur auf ihn hören. Dennoch gilt es, besonders reizende Speisen nur mit Vorsicht zu genießen. Darunter fallen:

  • Alkohol
  • Nikotin
  • Kaffee oder schwarzer Tee
  • Kohlensäurehaltige Getränke
  • Scharfe, stark gewürzte Speisen
  • Fettreiche Milchprodukte (Vollmilch, Sahne, fette Käsesorten)
  • Frittierte Speisen
  • Gebratene oder Geräucherte Speisen
  • Blähende Gemüsesorten (Lauch, Bohnen, Kohl)

Die richtige Ernährung legt den Grundstein einer raschen Heilung der Gastritis – und beugt damit auch anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes vor. Die riesige Auswahl und ständige Verfügbarkeit an Lebens- und Genussmitteln kann dabei sehr überfordernd sein. Hilfe und Anleitung bieten unsere zertifizierten Berater im Rahmen einer individuellen Ernährungsberatung. Speziell auf Erkrankungen des Verdauungssystems geschult, können sie eine langfristig verträgliche Ernährungsweise mit dir erarbeiten. Das Angebot ist online verfügbar und wird von Krankenkassen erstattet. Mehr Informationen über die Therapie gibt es hier.

Was kann ich tun, um die Heilung zu beschleunigen?

Neben der richtigen Ernährung spielen weitere Faktoren mit in die Heilung der Gastritis. Verordnet der Arzt Medikamente, ist es wichtig, diese auch regelmäßig und korrekt zu sich zu nehmen. Eine Gastritis will gründlich auskuriert und nicht verschleppt werden. Es ist wichtig, sich zu schonen und Ruhe zu gönnen. Stress jeglicher Art – sei es am Arbeitsplatz, mit der Familie oder Freunden – sollte vermieden werden. Zudem helfen Wärme, Entspannung und genügend Schlaf.

Ist die Gastritis erst einmal überwunden, gilt es, den eigenen Lebensstil zu analysieren. Was nehme ich zu mir und wie viel davon?

Beachte: Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte unbedingt auf Alkohol, Zigaretten und scharfe Speisen verzichten!

Und wenn nichts davon hilft?

Dann bleibt nur noch eine Möglichkeit: Nochmal zum Arzt und eine neue Behandlungsstrategie erarbeiten. Auf keinen Fall sollte damit zu lang gewartet und ein Magengeschwür riskiert werden.

Quellen

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. AWMF – Leitlinien. Langfassung der Leitlinie. S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. AWMF-Register-Nr. 021/001. Online abgerufen am 04.05.2018 unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-001l_S2k_Helicobacter-pylori-gastroduodenale_Ulkuskrankheit_2016-04_01.pdf

Robert Koch-Institut, Statistisches Bundesamt. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 55 – Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Online abgerufen am 04.05.2018 unter https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/gastritis.pdf?__blob=publicationFile

Sipponen, P., & Maaroos, H. I. (2015). Chronic gastritis. Scandinavian journal of gastroenterology50(6), 657-667. Online abgerufen am 04.05.2018 unter https://www.tandfonline.com/doi/full/10.3109/00365521.2015.1019918

Varbanova, M., Frauenschläger, K., & Malfertheiner, P. (2014). Chronic gastritis – An update. Best Practice & Research Clinical Gastroenterology28(6), 1031-1042. Online abgerufen am 04.05.2018 unter https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1521691814001565?via%3Dihub

Watari J, Chen N, Amenta PS, et al. Helicobacter pylori associated chronic gastritis, clinical syndromes, precancerous lesions, and pathogenesis of gastric cancer development. World Journal of Gastroenterology : WJG. 2014;20(18):5461-5473. doi:10.3748/wjg.v20.i18.5461. Online abgerufen am 04.05.2018 unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4017061/

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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