Darmverschluss – Anzeichen und Symptome

 In Erkrankungen

Ein Darmverschluss ist ein gefährlicher Notfall und erfordert eine schnelle Abklärung. Akute Bauchschmerzen machen fast zehn Prozent aller Vorstellungen in der Notfallambulanz aus. Doch nur die wenigsten Patienten haben einen akuten, operationsbedürftigen Darmverschluss. Dieser Artikel erklärt die häufigsten Ursachen und die typischen Beschwerdebilder dieses Krankheitsbildes. Zwei eigene Abschnitte befassen sich mit den Krankheitsmechanismen und Symptomen bei kleinen Kindern.

Was ist ein Darmverschluss?

Beim Darmverschluss (Ileus) können die Speisereste und andere Körperflüssigkeiten aus dem Darm nicht mehr abtransportiert werden. Die Störung der Darmpassage kann verschiedene Ursachen haben. Ärzte unterscheiden zwei Entstehungsmechanismen:

  1. Mechanischer Darmverschluss, durch eine Verstopfung des Darms von innen oder einer Einengung des Darms von außen
  2. Funktioneller Darmverschluss, bei dem kein Platzproblem Beschwerden verursacht, sondern eine Nervenschädigung, die die Darmmuskulatur lähmt

Wie entstehen mechanische und funktionelle Darmverschlüsse?

Mechanischer Darmverschluss

Ein mechanisches Hindernis versperrt durch eine Raumenge die Passage von Darminhalt. Mögliche Ursachen sind:

  • Verwachsungen nach Operationen (Bridenileus)
  • Tumore
  • Verdickungen der Darmwand, wie z.B. Sigmadivertikulitis
  • Fehlbildungen des Darms
  • Stauung von Kot (Koprostase)
  • Gallensteine
  • Parasiten
  • Hernien
  • Darmeinstülpung (Invagination)
  • Darmverdrehung

Wenn keine Durchblutung des Darms mehr möglich ist, sind Darmgefäße abgeschnürt. Man spricht von „Strangulation“. Bei Darmverschluss ohne Gefäßabschnürung handelt es sich lediglich um eine „Obstruktion“. Der Darmverschluss nach einer Bauchspiegelung ist zu 80 Prozent ein Strangulations/-Bridenileus. Wenn keine Bauchspiegelung vorgenommen wurde, dann ist in 70 Prozent der Fällen ein Darmtumor Ursache für einen Verschluss. Meist ist hier der Dickdarm betroffen.


Funktioneller Darmverschluss

Die Nervenzellen aktivieren nicht mehr die Muskelzellen des Darms. Dann ist der Darm gelähmt und kann nicht mehr arbeiten und verdauen. Mögliche Ursachen sind:

  • Gefäßverschlüsse
  • Entzündungen von Bauchorganen, wie z.B. Blinddarmentzündung oder Gallenblasenentzündung
  • Traumata
  • Operationen oder Bauchspiegelung
  • Stoffwechselerkrankungen, wie z.B. Diabetes mellitus
  • Medikamente, wie z.B. Opioide oder Antidepressiva

Wie verursacht Darmverschluss Beschwerden?

Bei beiden Formen des Darmverschlusses staut sich Darminhalt auf und ruft Beschwerden hervor.

Oberer Dünndarm

Bei einer Stauung im obersten Darmabschnitt verliert der Patient viel Flüssigkeit und Elektrolyte. Das Blutvolumen sinkt und die Niere versagt. Bei der Behandlung fügt der Arzt dem Patienten wieder Flüssigkeit zu, sodass dieses Problem recht gut behoben werden kann. Die Sterblichkeit eines Leerdamen-Verschlusses ist gering.

Tiefer Dünndarm und Dickdarm

Bei einer Stauung von tiefer gelegenen Darmabschnitten ist die bakterielle Fehlbesiedelung Hauptursache der Beschwerden. Die Bakterien geben Giftstoffe ab, die die Darmschleimhaut angreifen und Entzündungsprozesse anstoßen. In schweren Verläufen durchbrechen die Bakterien den Darm und gelangen in die Bauchhöhle oder Lymphknoten (Durchwanderungsperitonitis). Ein anderer Faktor beim Dickdarmverschluss ist die Dehnung der Darmwand (Distension), welche den Druck im Bauchraum erhöht. Als Folge sinkt der Blutfluss zum Herzen. Zudem rutscht das Zwerchfell nach oben und erschwert das Atmen.

Welche Beschwerden treten bei Darmverschluss auf?

Die Symptome sind leider unspezifisch, sodass eine exakte Organzuordnung oft nicht möglich ist. Wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden und nur Magenbeschwerden vorliegen, weist dies auf den oberen Verdauungstrakt hin. Ein Darmverschluss des unteren Verdauungstraktes zeichnet sich eher durch Verstopfung aus. Weitere typische Beschwerden beim Darmverschluss sind:

Welche Rückschlüsse auf Lokalisation und Ursache sind anhand der Symptome möglich?

Die Beschwerden können jeweils einzeln auftreten oder überlappen. Die Schwere der Symptome lässt keinen zuverlässigen Rückschluss auf die zugrunde liegende Ursache zu. Allgemein gilt, je schlimmer die Beschwerden, desto fortgeschrittener ist der Verschluss. Eine Unterscheidung von mechanischem und funktionellem Darmverschluss allein anhand der Symptomatik ist schwierig. Auch die Abgrenzung zum Reizdarmsyndrom ist ohne weitergehende Diagnostik nicht möglich. Die folgende Tabelle stellt einige Darmverschlussorte oder -ursachen mit ihren charakteristischen Beschwerden vor.

Schmerzen Erbrechen Darmbewegung Blähungen Abwehrspannung
hoher Dünndarm gering heftig, schwallartig normal, initial nach Stuhl in Spätphase keine
Dickdarm nur in Spätphase Koterbrechen gesteigert kein Stuhl ausgesprägt, Frühsymptom gering
Strangulation sofort stark anfangs heftig, abklingend anfangs gesteigert, Darmlähmung zunehmend regional und seitengleich
Darmlähmung weniger häufig nach 24 Std. Überlauf-erbrechen fehlt Frühsymptom gering

Wie häufig sind Verwachsungen nach Operationen im Bauchraum?

Narbige Verwachsungen treten bei bis zu 95 Prozent der Patienten mit offenen Operationen am Bauchraum auf. Die meisten Verwachsungen verlaufen beschwerdefrei und haben keine Auswirkungen für den Patienten. Im schlimmsten Fall kann die Verwachsung allerdings zum Darmverschluss führen. Das Risiko für eine solche Komplikation ist bei Bauchspiegelungen deutlich geringer. Aus der Frauenheilkunde ist bekannt, dass ca. drei Prozent der Patientinnen mit Eingriffen am Bauchraum Verwachsungen bekommen, die zu einem erneuten Krankenhausaufenthalt führen.

Welche Formen des Darmverschlusses treten bei kleinen Kindern auf?

Invagination

Invagination beschreibt die Einstülpung eines Darmabschnittes in den darunter liegenden Darmabschnitt. Die Darmwände schieben sich übereinander und klemmen Darmgefäße ab. In 80 Prozent der Fälle sind die Kinder unter einem Jahr alt. Ursächlich sind Virusinfektionen, Darmausstülpungen (Meckel-Divertikel), Blutungen, Fremdkörper oder Raumforderungen. Wiederholte Invaginationen bis ins zwölfte Lebensalter treten bei Kindern mit zystischer Fibrose auf.

Darmverschlingung

Eine Darmverschlingung (Volvulus) ist eine spontane Verdrehung von Darmabschnitten, die im Bauchraum aufgehängt ist. Die Darmverschlingung klemmt dabei wichtige Darmgefäße ab. Zwei Entstehungsmechanismen können unterschieden werden:

  1. Die Darmschlingen sind enorm beweglich: Der Dünndarm ist an einer Gewebestruktur aufgehängt, die bei manchen Menschen schlecht fixiert ist. So kann sich der Darm verdrehen.
  2. Verwachsungsstränge nach Entzündungen oder Operationen: Die Stränge sind wie vergrößerte Narben, die zu einer Verdrehung des Darms führen.

Eine Darmverschlingung tritt sowohl bei Säuglingen, als auch bei Kindern in der Pubertät auf. Manchmal löst sich die Verdrehung von selbst.

Morbus Hirschsprung

Bei der angeborenen Fehlbildung sind wichtige Nervenzellen am Dickdarm nicht angelegt. Der Morbus Hirschsprung wird daher heutzutage auch Aganglionose genannt. Die Neugeborenen können nach der Geburt keinen Kot ausscheiden. Wahrscheinlich ist die Erkrankung genetisch bedingt. Zehn Prozent der Patienten sind Frühgeborene. Die Beschwerden treten häufig unmittelbar nach der Geburt in den ersten Lebenstagen auf. In manchen Verläufen treten die Symptome erst ab der Nahrungsumstellung nach der Neugeborenen-Periode auf.

Welche Symptome haben Babys?

Ein Baby kann die Bauchschmerzen nicht wörtlich formulieren. Beim klassischen Darmverschluss schreien die Kinder ununterbrochen. Bei der Invagination sind zwischenzeitlich beschwerdefreie Intervalle möglich. Hinweise für einen Darmverschluss beim Baby sind:

  • plötzlich einsetzende, krampfartige Bauchschmerzen mit stärkstem Schreien
  • galliges Erbrechen
  • Schonhaltung mit Anziehen der Beine

zusätzlich bei Invagination:

  • schmerzfreie Phasen
  • blutig-schleimiger Stuhl („Himbeergelee-artig“)
  • walzenförmige Struktur am Bauch tastbar

zusätzlich bei Darmverschlingung:

  • Krabbelposition mit Aufstützen von Knie und Ellenbogen reduziert die Schmerzen

zusätzlich bei Morbus Hirschsprung:

  • verspäteter Abgang vom Kindspech (Mekonium)
  • Darmentzündungen in der Neugeborenen-Periode
  • Gedeihstörung
  • explosionsartige Stuhlentleerung nach einer Untersuchung des Mastdarms

Wann muss ein Arzt aufgesucht werden?

Jede Form des Darmverschlusses ist ein absoluter Notfall.

Bei Verdacht auf Darmverschluss sollte immer schnellstmöglich ein Arzt kontaktiert werden!

Quellen

Keller, J., Wedel, T., Seidl, H., Kreis, M. E., Andresen, V., Preiß, J. C., … & van der Voort, I. (2011). S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) zu Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie intestinaler Motilitätsstörungen. Zeitschrift für Gastroenterologie, 49(03), 374-390. Online abgerufen am 21.08.2018 unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-018l_S3_Intestinale_Motilitaetsstoerungen_Definition_Pathophysiologie_Diagnostik_Therapie_abgelaufen.pdf

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. AWMF – Leitlinien. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie. Aganglionose (Morbus Hirschsprung). Register Nr. 006/001. Online abgerufen am 21.08.2018 unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-001l_S1_Aganglionose_Morbus_Hirschsprung_2016-05.pdf

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. AWMF – Leitlinien. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie. Invagination. Register Nr. 006/027. Online abgerufen am 21.08.2018 unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-027l_S1_Invagination_2013-08.pdf

Lower, A. M., Hawthorn, R. J., Emeritus, H. E., O’Brien, F., Buchan, S., & Crowe, A. M. (2000). The impact of adhesions on hospital readmissions over ten years after 8849 open gynaecological operations: an assessment from the Surgical and Clinical Adhesions Research Study. BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, 107(7), 855-862. Online abgerufen am 21.08.2018 unter: https://obgyn.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1471-0528.2000.tb11083.x

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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