Die wichtigsten Darmerkrankungen und wie du sie erkennst

 In Erkrankungen

Der Verdauungstrakt kann im Laufe unseres Lebens erkranken. Das Spektrum der Darmerkrankungen ist breit: Es reicht von harmlosen Infekten bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen. Treten bereits im Kindesalter Störungen, bilden oft Lebensmittelallergien die Ursache. Im jungen Erwachsenenalter häufen sich dann entzündliche Darmerkrankungen und das Reizdarmsyndrom. Besonders anfällig für schwere Erkrankungen ist unser Darm in älteren Lebensjahren, da die Wahrscheinlichkeit an einem Darmtumor oder lokalen Entzündungen (Divertikulitis) zu erkranken steigt. Dabei ist die Lebensqualität der Betroffenen sehr beeinträchtigt und eine schnelle Diagnostik und gute Behandlung sind wichtig.

Wie erkenne ich eine Darmerkrankungen?

Die Hauptsymptome bei Darmerkrankungen ähneln sich. Die individuelle Symptomatik und ihr Verlauf gibt erste Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung. Einzeln oder in Kombination treten  diese Beschwerden auf:

  • Blähungen (Flatulenzen)
  • Erbrechen
  • akute Bauchschmerzen
  • chronische Bauchschmerzen
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Durchfall (Diarrhoe)
  • chronischer Durchfall (chronische Diarrhoe)
  • Durchfall und Verstopfung im Wechsel
  • Blut im Stuhl (Warnsignal)
  • brettharter Bauch (Warnsignal)
  • geblähter Bauch (Meteorismus)

Eine oder mehrere dieser Symptome legen den Verdacht einer Darmerkrankung nahe. Dein Hausarzt sichert durch seine Untersuchung die Vermutung. Manche Erkrankungen des Darms äußern sich jedoch nicht direkt mit Beschwerden. So fehlen Symptome6 bei der Entwicklung eines Dickdarmtumors. Deswegen müssen ab dem 60. Lebensjahr regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden.

Wann ist Gefahr im Verzug?

Ein brettharter, gespannter Bauch ist Symptom einer schweren Erkrankung des Bauchs (akutes Abdomen). Es kann sich um einen medizinischen Notfall handeln. Daher sofort in die Notaufnahme.


Vorsicht ab 60

Jede Änderung des Stuhlverhalten ab 60 ist verdächtig. Sie muss ärztlich abgeklärt werden um einen Tumor auszuschließen.

Zu welchem Arzt gehe ich bei einer Darmerkrankung?

Der Spezialist für Darmerkrankungen ist der Gastroenterologe. Er verfügt über genaueste Kenntnisse aller Bauchorgane. Mittels spezifischen Untersuchungen kann er die Ursache deiner Beschwerden herausfinden. Dazu gehört auch die Darmspiegelung (Koloskopie) mit einem Endoskop. Der Gastroenterologe entnimmt auch Proben der Darmschleimhaut zur Analyse. Bei akuten Magen-Darm-Beschwerden hilft dir auch dein Hausarzt weiter. Er kann leichte Erkrankungen wie einen Magen-Darm-Infekt behandeln. Er führt auch die Darmkrebsvorsorge durch. Sind weitere Untersuchungen des Darms notwendig, überweist er dich an einen Gastroenterologen.

Welche Darmerkrankungen gibt es?

Es gibt viele Erkrankungen, die den Verdauungstrakt angreifen. Dünndarm und Dickdarm können einzeln oder gemeinsam betroffen sein. Je nach Störung liegen andere Funktionseinschränkungen vor. Wir geben dir einen Überblick über wichtige Erkrankungen und Syndrome (Kombination von Symptomen).

1. durch Nahrungsmittel hervorgerufene Erkrankungen

Nahrungsmittelintoleranzen

Bei Nahrungsmittelintoleranzen treten gastrointestinale Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme bestimmter Lebensmittel auf. Es gibt Intoleranzen (Unverträglichkeit) gegen Laktose, Fruktose, Histamin, Lektin, Sorbit, Weizen, Salycilat). In Deutschland leiden 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung an einer Laktoseintoleranz. In den tropischen Ländern sind es sogar 40 bis 100 Prozent.

Nahrungsmittelallergien

Bei Nahrungsmittelallergien treten gastrointestinale Symptome und allergische Beschwerden (Hautausschlag, Juckreiz) in zeitlichem Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme bestimmter Lebensmittel auf. Vier Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer Lebensmittelallergie. Häufig sind Kinder betroffen. Bei Kindern mit Neurodermitis liegt in 30 Prozent der Fällen eine Lebensmittelallergie vor.

Zöliakie (Synonym: glutensensitive Enteropathie)

Die Zöliakie ist eine Autoimmunreaktion gegen das Klebereiweiß Gluten. Diese Reaktion schädigt die Dünndarmschleimhaut. Langfristig kommt es zu einer gestörten Nährstoffaufnahme (Malassimilations-Syndrom). Ungefähr 0,1 bis 1 Prozent sind in Deutschland von der Erkrankung betroffen. Doch nur bei 25 Prozent der Betroffenen treten die typischen gastrointestinalen Beschwerden auf.

Reizdarmsyndrom (RDS)

Das Reizdarmsyndom ist eine funktionelle Darmerkrankung, die sich mit Bauchschmerzen und unregelmäßigen Stuhlgewohnheiten äußert. Die Beschwerden werden durch bestimmte Nahrungsmittel (FODMAPs) hervorgerufen. Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose. 20 bis 30 Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen.

2. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn

Morbus Crohn (Synonyme: Enterocolitis regionalis, Ileitis terminalis) ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Sie kann den gesamten Magen-Darm-Trakt betreffen. 160 000 Menschen sind in Deutschland betroffen.

Colitis Ulcerosa

Bei der Colitis Ulcerosa (Synonym: ulzerative Kolitis) tritt eine chronische und diffuse Entzündung ausschließlich der Dickdarmschleimhaut auf. In Deutschland sind 160 000 Menschen betroffen.

3. Entzündungen des Dünn- und/oder Dickdarms

Appendizitis

Eine Entzündung des Appendix (Volksmund: Blinddarmentzündung) mit starken Bauchschmerzen und Fieber bezeichnet man als Appendizitis. Sieben bis acht Prozent der Bevölkerung erkranken in ihrem Leben an einer Appendizitis.

pseudomembranöse Kolitis

Hier liegt eine Entzündung des Dickdarms nach Antibiotikatherapie vor. In manchen Fällen führt die Antibiotikaeinnahme zur Unterdrückung der gesunden Darmflora und anschließender Fehlbesiedelung mit Clostridium difficile.

Divertikelkrankheit

Durch muskelschwache Lücken in der Dickdarmwand bilden sich in zunehmendem Alter vermehrt Ausstülpungen (Divertikel). Sind mehrere Divertikel vorhanden, nennt man dies Divertikulose. In Europa liegen bei 20 bis 60 Prozent der älteren Menschen Divertikel vor. Erst wenn diese Beschwerden auftreten, spricht man von einer Divertikelkrankheit. Jeder vierte Divertikelträger erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Entzündung der Divertikel (Divertikulitis). Im Rahmen einer Divertikulitis treten Bauchschmerzen im linken Unterbauch auf. In Deutschland leiden 450000 Patienten an einer Divertikulitis.

Strahlen(entero)kolitis

Entzündung der Dünndarm- und/oder Dickdarmschleimhaut durch eine Bestrahlungstherapie des Bauchs (Abdomen) oder des Beckens. Akut nach der Bestrahlung entwickeln 50 bis 75 Prozent eine Strahlenenteritis. Fünf bis 20 Prozent sind chronisch betroffen.

ischämische (Entero-) Kolitis:

Durch eine Minderdurchblutung entzündet sich die Darmschleimhaut. Betroffen sind in der Regel über 70-Jährige.

Morbus Whipple

Bei Morbus Whipple ruft das Bakterium Tropheryma whipplei eine Infektionskrankheit hervor. Neben dem Dünndarm sind auch andere Organe betroffen. Es handelt sich allerdings um eine sehr seltene Erkrankung.

4. Darmtumor und Vorstufen

Polypen und Polyposis Coli

Polypen sind kugelige Vorwölbungen der Darmschleimhaut. Treten über 100 Polypen auf, liegt eine Polyposis vor. Dickdarmpolypen haben ein hohes Entartungsrisiko. 90 Prozent der Dickdarmtumore entwickeln sich aus Darmpolypen. Da ein Drittel aller über 60-Jährigen Darmpolypen haben, wird ab dem 60. Lebensjahr das Darmkrebsscreening durchgeführt. Es gibt außerdem eine vererbbare Erkrankung namens familiäre adenomatöse Polyposis (Häufigkeit: 1:8000). Hier ist das Darmkrebsrisiko erhöht.

Kolorektales Karzinom (Darmkrebs)

Es handelt sich um einen bösartigen Tumor, der von der Dickdarmschleimhaut (häufig von Polypen) ausgeht. Das kolorektale Karzinom ist einer der häufigsten bösartigen Tumore der westlichen Welt. Rund sechs Prozent der Deutschen erkranken in ihrem Leben an Darmkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 70 Lebensjahren.

Dünndarm-Karzinoid

Das ist ein Tumor aus der obersten Dünndarmzellschicht. Er produziert Substanzen, die den Spannungszustand der Gefäße beeinflussen (vasoaktiv). Er tritt zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr auf. Jährlich erkranken einer von 100 000 Menschen.

5. Gefäßbedingte (vaskuläre) und durch Minderdurchblutung (Ischämie) bedingte Darmerkrankungen

Akuter Mesenterialinfarkt

Durch plötzlichen Verschluss der darmversorgenden Arterie (Mesenterialarterie) kommt es zu einer Sauerstoff- und Nährstoffunterversorgung des Darmgewebes. Dies ist eine seltene aber lebensbedrohliche Erkrankung. Hauptsächlich sind Menschen des höheren Lebensalters betroffen.

Mesenterialvenenthrombose

Eine Mesenterialvenenthrombose nennt man den Verschluss einer Bauchvene (Mesenterialvene) durch ein Gerinnsel (Thrombus). Diese Erkrankung ist sehr selten.

Gefäßveränderungen (Angiodysplasien) des Dünndarms

Die Gefäßanomalie kann reißen und zu Blutungen im Darm führen. Während angeborene Gefäßanomalien selten sind (rund 1 Prozent), haben 26 Prozent der über 70-Jährigen erworbene Gefäßanomalien.

Ileus (Darmverschluss)

Eine behinderte Darmpassage (Tumor, Verwachsungen) oder Lähmung der Darmbewegung führt zum Darmverschluss (Ileus). Ein Darmverschluss ist ein lebensbedrohlicher Notfall. In schweren Fällen kommt es zum Darmdurchbruch (Perforation).

6. Syndrome

Malassimilations-Syndrom

Hier ist die Verwertung von Nährstoffen reduziert. Dies entsteht entweder durch mangelnde Aufspaltung von Nahrungsbestandteilen (Maldigestion) oder durch Störung der Aufnahme dieser (Malabsorption). Ursache können Intoleranzen oder Entzündungen sein.

Enterales Eiweißverlustsyndrom

Beim enteralen Eiweißverlustsyndrom kommt es zu einem großen Verlust der Eiweiße aus dem Blutserum (Serumproteine) über den Darm. Das Syndrom kann im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten. Es tritt eine Gewebeschwellung (Ödem) auf.

Gallensäureverlust-Syndrom

Die Störung der Wiederaufnahme von Gallensäuren im Krummdarm (distales Ileum) wird als Gallensäureverlust-Syndrom bezeichnet. Es führt zu Durchfällen.

Kurzdarmsyndrom

Kommt es nach einer Entfernung eines Dünndarmabschnitts (Dünndarmresektion) zu einer Störung des Verdauungsstoffwechsels und der Nährstoffaufnahme, spricht man von einem Kurzdarmsyndrom. Wenn mehr als 50 Prozent des mittleren Dünndarms (Jejunum) entfernt wird, besteht das Risiko eines Kurzdarmsyndroms.

Welche Darmerkrankungen sind chronisch?

Während viele Darmerkrankungen gut zu behandeln sind, verlaufen andere chronisch. Hierzu zählen:

  • Morbus Crohn
  • Colitis Ulcerosa
  • Divertikulose
  • Lebensmittelallergien
  • Zöliakie
  • Kurzdarmsyndrom
  • Reizdarmsyndrom

Diese Erkrankungen begleiten die Betroffenen ein Leben lang. Durch Medikamente und Ernährungstherapie sind die Beschwerden jedoch nicht immer vorhanden. Du leidest an einer chronischen Darmerkrankung? Informiere dich gerne hier kostenlos über unsere medizinische Ernährungstherapie. Durch eine individuell angepasste Ernährung können sich durch das Reizdarmsyndrom, Lebensmittelallergien und -Intoleranzen sowie Zöliakie hervorgerufenen Beschwerden deutlich verbessern!

Quellen

Hansmann, H.J., Hess, T., Hahmann, M., Erb, G., Elsing, C., Richter, G.M. and Düx, M., 2001. MRT chronisch entzündlicher Darmerkrankungen. In RöFo-Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren (Vol. 173, No. 01, pp. 4-11). © Georg Thieme Verlag Stuttgart· New York. Online abgerufen am 29.10.2018 unter: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2001-10224

Hanauer, S.B., 2006. Inflammatory bowel disease: epidemiology, pathogenesis, and therapeutic opportunities. Inflammatory bowel diseases12(suppl_1), pp.S3-S9. Online abgerufen am 29.10.2018 unter: https://academic.oup.com/ibdjournal/article-abstract/12/suppl_1/S3/4676576

Podolsky, D.K., 1991. Inflammatory bowel disease. New England Journal of Medicine325(13), pp.928-937, Online abgerufen am 29.10.2018 unter: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM199109263251306

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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