Darmentzündung – Alles rund um Entzündungen im Darm

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Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen zählen zu den am häufigsten auftretenden Beschwerden überhaupt. In Deutschland leidet jeder Zehnte regelmäßig daran. In vielen Fällen versteckt sich hinter den Beschwerden eine Entzündung im Darm. Bei Cara Care erfährst Du, welche Arten von Darmentzündungen es gibt, wie man sie erkennt und wie die Darmentzündungen richtig behandelt werden.

Wann spricht man von einer Entzündung im Darm?

Unter „Entzündung“ versteht man die Reaktion unseres Körpers auf einen schädlichen Reiz. Die Durchblutung wird angeregt. Botenstoffe werden ausgeschüttet, die Immunzellen anlocken. Der Körper bereitet sich darauf vor, den Schaden abzuwehren und zu reparieren.

Im Darm ist meistens die Schleimhaut von der Entzündung betroffen. Dabei handelt es sich um die Schicht von Darmzellen, die dem Darminneren direkt zugewandt ist. Die Schleimhautzellen des Darmes sind ständig äußeren Reizen ausgesetzt – Nahrungsbestandteile, Bakterien, Viren, Pilze und mehr. Obwohl die Schleimhaut sehr robust ist, können dort Entzündungen entstehen. Und da der Darm mit reichlich Immungewebe ausgestattet ist, ist nicht selten eine ausgeprägte Reaktion die Folge.

Wo kann die Entzündung im Darm auftreten?

Theoretisch kann der gesamte Darm von einer Entzündung betroffen sein, sowohl Dünn- als auch Dickdarm. Doch, dass tatsächlich die volle Länge des Darmes – das sind beim Erwachsenen etwa 7 Meter! – betroffen ist, kommt selten vor. Meist sind je nach Ursache der Entzündung bestimmte Abschnitte im Darm vorwiegend betroffen. Die entzündliche Darmerkrankung Colitis Ulcerosa beispielsweise spielt sich ausschließlich im Dickdarm ab und betrifft dort vor allem den Bereich um den Mastdarm, das Rektum. Durch Viren verursachte Darmentzündungen hingegen befallen vorwiegend denn Dünndarm und den Magen und werden dann als Gastroenteritis bezeichnet.


Was sind die Ursachen einer Darmentzündung?

Die Ursachen einer Darmentzündung sind vielfältig. Krankmachende Erreger (Pathogene) wie Viren, Bakterien und Pilze können von außen in den Darm eindringen und eine Entzündung verursachen. Bestimmte Ernährungsgewohnheiten können die natürliche Darmflora beeinflussen und so eine Entzündung hervorrufen. Das eigene Immunsystem kann den Darm angreifen – in solchen Fällen spricht man von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Auch Darmkrebs kann zu Beschwerden führen, die denen einer Darmentzündung gleichen.

Viren, Bakterien und Pilze

Die häufigsten Verursacher der Darmentzündung sind Viren. Man geht davon aus, dass sie in bis zu 80 Prozent der Fälle ursächlich für Entzündungen des Magen-Darm-Traktes (Gastroenteritis) sind. Obwohl viral verursachte Darmentzündungen, je nach ursächlichem Virus, auch mit heftigen Beschwerden einhergehen können, heilen sie meistens ohne medikamentöse Behandlung wieder aus. Die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit ist hier der wichtigste Pfeiler der Behandlung.

Bakteriell verursachte Darmentzündungen sind seltener als die Viralen. Sie gehen meist mit stärkeren Beschwerden einher und erfordern in vielen Fällen eine stationäre Behandlung im Krankenhaus. Zur Behandlung der bakteriellen Entzündungen können Antibiotika zum Einsatz kommen.

Bei den Pilzen spielt vor allem der Hefepilz Candida albicans eine wichtige Rolle. Er kommt zwar auch bei Gesunden im Darm vor, kann sich aber wegen der natürlichen Darmflora nicht drastisch vermehren. Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät, kann es zu einer Überbesiedlung mit Candida albicans kommen. Eine Entzündung des Darmes in nicht selten die Folge.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zählen zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Es handelt sich um Krankheiten, bei denen das eigene Immunsystem sich gegen Bestandteile des Darmes richtet. Die genauen Ursachen für diese Reaktion des Immunsystems sind bis heute nicht ausreichend verstanden. Allerdings weiß man, dass sich die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen im Muster des Darmbefalls unterscheiden.

Während Morbus Crohn theoretisch den gesamten Darm befallen und dabei auch einzelne Darmabschnitte auslassen kann, tritt die Colitis ulcerosa nur im Dickdarm und nur „am Stück“, das heißt ohne Auslassen von Darmabschnitten, auf.

Kann falsche Ernährung auch zur Darmentzündung führen?

Der menschliche Darm beherbergt etwa 100 Billionen Bakterien. Das entspricht einem Gewicht von etwa einem Kilogramm. Diese Darmflora ist darauf abgestimmt, mit uns gemeinsam zu leben. Sie verarbeitet Bestandteile unserer Nahrung und hilft uns, wichtige Nährstoffe zu gewinnen, etwa kurzkettige Fettsäuren und Vitamine.

Unsere Ernährung und unsere Darmflora beeinflussen sich gegenseitig. Je nachdem, was wir zu uns nehmen, ziehen wir damit auch andere Arten von Bakterien an. Zuckerhaltige Speisen locken zuckerliebende Bakterien und Pilze an, ballaststoffreiche Nahrung ködert Ballaststoff-liebende Bakterien.

Und wer in unserem Darm die Überhand hat, beeinflusst unser Verhalten und unser Wohlbefinden. Ein Übermaß an zuckerliebenden Bakterien und Pilzen fördert unsere Lust auf zuckerhaltige Speisen, während Bakterien, die Gesundes Essen bevorzugen, ebenso unsere Lust auf gesundes Essen fördern können.

Das Gleichgewicht der Darmflora ist wichtig, um schädliche Bakterien in Schach zu halten. Denn diejenigen Bakterien, die Bestandteil einer gesunden und natürlichen Darmflora sind, hindern schädliche Bakterien daran, sich auszubreiten und zu vermehren. So beugt eine gesunde Darmflora aktiv Entzündungen im Darm vor.

Stark zuckerhaltige Speisen ziehen außerdem Pilze wie den Hefepilz Candida albicans an. Gerät das Wachstum dieser Pilze außer Kontrolle, sind entzündliche Beschwerden nicht selten die Folge. Cara Care hat sich auf die Ernährungstherapie bei Darmerkrankungen spezialisiert. Erfahre hier mehr

Welche Symptome treten bei einer Entzündung im Darm auf?

Die Symptome einer Darmentzündung sind vielfältig und können von Patient zu Patient unterschiedlich ausgeprägt sein.

Ein Symptom, das bei vielen Patienten mit einer Darmentzündung auftritt, ist der Durchfall. Durch die Schädigung der Schleimhaut verliert sie ihre Fähigkeit, Wasser aus der aufgenommenen Nahrung zu absorbieren. Die Folge ist, dass der Darminhalt flüssig bleibt und den Darm viel schneller wieder verlässt, als beim Gesunden.

Mit dem Durchfall gehen oft starke Bauchschmerzen und Krämpfe einher. Je nach Ursache der Darmentzündung treten die Schmerzen an verschiedenen Stellen im Bauch auf. Bei der klassischen Gastroenteritis ist meist der gesamte Bauch schmerzhaft. Bei der Colitis Ulcerosa, die vornehmlich das Rektum befällt, treten die Schmerzen gehäuft im linken Unterbauch auf.

Bei Entzündungen des Darmes kommt es zusätzlich oft zu Übelkeit und Erbrechen. Zum einen erschwert das die Nahrungsaufnahme. Zum anderen kommt es durch das Erbrechen, häufig in Kombination mit Durchfall, zum Wasserentzug (Dehydratation). Deshalb ist es bei Entzündungen des Darmes wichtig, auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten.

Besonders bei viralen und bakteriellen Entzündungen kommt es häufig auch zu sogenannten Allgemeinsymptomen, zu denen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopf– und Gliederschmerzen zählen.

Entzündung im Darm ohne Durchfall – geht das?

Durchfall ist ein häufiges Symptom von Darmentzündungen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Darmentzündung auch mit Durchfall einhergehen muss. Der Durchfall kommt zustande, wenn die geschädigte Schleimhaut die Flüssigkeit im Darm nicht mehr richtig aufnehmen kann. Auch bestimmte Stoffe, die etwa von Bakterien freigesetzt werden, können die Flüssigkeitsaufnahme behindern.

Doch während viele Entzündungen mit Durchfall einhergehen, gibt es auch Fälle, in denen kein Durchfall auftritt. Milde Magen-Darm-Entzündungen führen häufig nur zu geringen oder gar keinen Veränderungen in der Stuhlfrequenz und -konsistenz.

Darmentzündungen, die durch Pilze hervorgerufen werden, gehen ebenfalls seltener mit Durchfall einher. Auch eine Störung der Darmflora kann sich als Entzündung bemerkbar machen, ohne dass Durchfall auftritt.

Die chronische-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa gehen zwar beide in der Regel mit Durchfall einher, doch auch bei ihnen kann es zu Phasen kommen, in denen zwar Schmerzen auftreten, der Durchfall aber fehlt.

Durchfall ist ein häufiges Symptom von Darmentzündungen. Aber: Nicht bei jeder Darmentzündung muss es zu Durchfall kommen.

Wie wird eine Entzündung im Darm festgestellt?

Ärzten stehen verschiedene diagnostische Mittel zur Verfügung, um eine Darmentzündung festzustellen. Eine virale Gastroenteritis, die einen großen Teil der Darmentzündungen ausmacht, erkennt der Arzt meist schon an der typischen Anamnese und den typischen Beschwerden. Die Untersuchung einer Stuhlprobe ist bei der gewöhnlichen viralen Gastroenteritis nicht notwendig.

Bei komplizierteren Fällen oder wenn der Arzt Bakterien als Auslöser vermutet, kann die Untersuchung einer Stuhlprobe sinnvoll sein. Außerdem können Untersuchungen des Blutes helfen, das Ausmaß der Entzündung festzustellen.

Kann der Arzt mit diesen Mitteln keine Diagnose stellen, so kommt häufig eine Darmspiegelung (Koloskopie) zum Einsatz. Mit dieser Methode können die meisten Darmentzündungen sicher diagnostiziert werden.

Kann eine Darmentzündung im Ultraschall festgestellt werden?

Der Ultraschall ist eine Methode, die es erlaubt ohne Strahlung Strukturen im Inneren des Körpers darzustellen. Im Bereich des Magen-Darm-Traktes findet der Ultraschall zum Beispiel Anwendung, um eine Blinddarmentzündung (Appendizitis) festzustellen.

Für die Diagnose von Darmentzündungen ist der Ultraschall allerding nur eingeschränkt sinnvoll. Denn er macht zwar unter Umständen grobe Entzündungszeichen sichtbar, doch das genaue Ausmaß der Entzündung, sowie deren Ursache, kann der Ultraschall nur schwer darstellen.

Außerdem handelt es sich beim Ultraschall um ein Verfahren, das stark vom jeweiligen Untersucher abhängig ist. Je mehr sich ein Arzt auf den Ultraschall von Darmerkrankungen spezialisiert, desto besser wird er auch Darmentzündungen mit dieser Methode feststellen können.

Wie kann man eine Entzündung im Darm behandeln?

Die häufigste Art der Darmentzündung, die virale Gastroenteritis, heilt meist ohne spezifische Behandlung wieder aus. Die wichtigsten Maßnahmen sind hier Bettruhe und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Am besten eignen sich dazu Wasser, Tees und klare Brühen, zum Beispiel Gemüse- oder Hühnerbrühe. Denn diese Brühen enthalten zusätzlich zur Flüssigkeit noch wichtige Mineralstoffe, die dem Körper im Rahmen der Darmentzündung ebenfalls fehlen können.

Die Einnahme von Antibiotika ist bei einer durch Viren verursachten Darmentzündung nicht sinnvollBakterielle Darmentzündungen heilen teilweise spontan aus, dann gleicht die Behandlung der viralen Darmentzündung. In manchen Fällen kann auch die Gabe von Antibiotika hilfreich sein.

Bei Darmentzündungen, die durch ein Ungleichgewicht der Darmflora (Dysbiose) entstehen, ist die Ernährung der wichtigste Bestandteil der Therapie. Denn durch gesunde, ballaststoffreiche Ernährung kann das Wachstum der „guten“ Bakterien aktiv gefördert werden. Sind ausreichend gute Bakterien vorhanden, werden schädliche Bakterien dann aktiv am Wachstum gehindert.

Wie genau die richtige Ernährung aussieht, ist von Person zu Person unterschiedlich. Viele Menschen, die unter solchen Beschwerden leiden, nehmen deshalb eine professionelle Ernährungsberatung in Anspruch. Denn mithilfe einer professionellen Ernährungsberaterin kann die Ernährung optimal auf die eigenen Wünsche und Ansprüche abgestimmt werden.

Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden in Stufen behandelt. Hier kommen vornehmlich Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem unterdrücken und damit die Reaktion des Körpers in Schach halten. Zu diesen Medikamenten zählen zum Beispiel Kortison, das zur Behandlung von akuten Krankheitsschüben eingesetzt wird, und Azathioprin, das in der längerfristigen Therapie eine Rolle spielt.

Darmentzündungen sind häufig. Jeder zehnte Deutsche leidet regelmäßig an Beschwerden des Magen-Darm-Traktes. Um den Beschwerden optimal zu begegnen ist es wichtig, die Auslöser und typischen Symptome der Darmentzündungen zu kennen. Denn je nach Ursache stehen viele hilfreiche Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Quellen

Clark, B., & McKendrick, M. (2004). A review of viral gastroenteritis. Current opinion in infectious diseases17(5), 461-469. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15353966

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Wilhelmi, I., Roman, E., & SanchezFauquier, A. (2003). Viruses causing gastroenteritis. Clinical microbiology and infection9(4), 247-262.

Rechkemmer, G., Holzapfel, W., Haberer, P., Wollowski, I., Pool-Zobel, B. L., & Watzl, B. (2000). Beeinflussung der Darmflora durch Ernährung. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Ernährungsbericht, 259-286.

Meier, R. (2009). Ernährungsmedizinische Relevanz der Darmflora–State of the Art. Kompendium Ernährungsmedizin1, 1.

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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