CED – chronisch-entzündliche Darmerkrankung

 In Erkrankungen

CED steht für chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Schätzungsweise 420.000 bis 470.000 Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Dabei nehmen die Zahlen der Neuerkrankungen in den westlichen Industrienationen stetig zu. Insbesondere steigt die Erkrankungszahlen bei Kindern unter zehn Jahren. Auch wenn die genauen Faktoren noch unklar sind, wird die CED daher als Zivilisationskrankheit gesehen. Einmal erkrankt, begleitet sie die Betroffenen ein Leben lang. Doch durch den schubförmigen Verlauf und die medikamentöse Therapie können die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein.

Welche Erkrankungen zählen zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?

Als chronisch-entzündliche Darmerkrankung fasst man die beiden Erkrankungen Morbus Crohn (MC) und Colitis Ulcerosa (CU) zusammen. Kann eine Entzündung im Dickdarm nicht klar einer der beiden Haupterkrankungen zugeordnet werden, spricht man von einer unklassifizierten CED (CED-U). Sowohl bei Colitis Ulcerosa als auch bei Morbus Crohn liegt eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut vor. Jedoch unterscheidet sich die Lokalisation (Ort) und das Verteilungsmuster der Entzündung bei den beiden Erkrankungen. Bei den chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten handelt es sich um keine ansteckende Erkrankung.

Welche Beschwerden treten bei CED auf?

Leidest du unter anhaltenden oder wiederkehrenden Durchfällen? Chronische oder schubförmig auftretende Durchfälle können ein Hinweis auf eine CED sein. Bei Colitis Ulcerosa (CU) treten häufig blutig-schleimige Durchfälle auf. Diese sind bei Morbus Crohn (MC) selten. Bei MC können Durchfälle und Verstopfung im Wechsel auftreten, die häufig von starken Bauchschmerzen begleitet sind.

Was tun bei Verdacht auf CED?

Chronische Durchfallerkrankungen sollten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Es gibt viele Ursachen für Durchfallbeschwerden. Neben Nahrungsmittelintoleranzen, Allergien oder akuten Magen-Darm-Infekten kann ein Reizdarmsyndrom oder auch eine CED vorliegen. Daher ist eine einmalige umfassende Diagnostik beim Gastroenterologen bei anhaltenden Beschwerden sinnvoll.  Selten beginnt eine CED mit einem akuten Schub. In der Regel ist der Beginn schleichend. Um eine CED auszuschließen oder zu bestätigen, sollten die folgenden Untersuchungen durchgeführt werden. Die ersten beiden Schritte kann dein Hausarzt durchführen. Hat auch er den Verdacht auf eine CED, überweist er dich an einen Gastroenterologen. Bei Kindern sollten diese Untersuchungen unbedingt in einem spezialisierten Zentrum mit ausgebildeten Kindergastroenterologen erfolgen.


1. Untersuchung beim Hausarzt

  • ausführliche Befragung zur Krankengeschichte (Anamnese) und körperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchung: Blut und Stuhl (Entzündungsmarker) zum Ausschluss von Infektionen

2. Untersuchung beim Gastroenterologen

  • endoskopische Untersuchung des Darms
  • Biopsie Darmschleimhaut (Gewebeentnahme) für Gewebeuntersuchung aus dem terminalen Dünndarm  (Ileum), Dickdarm (Kolon) und Rektum
  • bildgebende Untersuchung des Dünndarms (Sonografie, Röntgen, MRT)

Können auch Kinder an CED erkranken?

Ja, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können schon im Kleinkindalter auftreten. Zwar liegt der Erkrankungsgipfel bei Morbus Crohn zwischen dem fünfzehnten und fünfunddreißigsten Lebensjahr und bei Colitis Ulcerosa zwischen dem zwanzigsten und fünfunddreißigsten Lebensjahr. Doch die Erkrankungshäufigkeit von Kindern unter dem zehnten Lebensjahr steigt zunehmend an. Der Verdacht einer CED sollte bei Kindern und Jugendlichen untersucht werden, die über vier Wochen oder mehrmals (>2 Episoden) im Laufe von sechs Monaten über die folgenden Beschwerden klagen. Die genannten Symptome treten insbesondere bei Morbus Crohn auf. Colitis Ulcerosa zeigt sich häufig nur durch blutige Durchfälle.

Symptome, die auf CED hindeuten:

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Gewichtsverlust
  • Unterernährung (Malnutrition)
  • Appetitmangel
  • rektaler Blutabgang
  • Müdigkeit
  • Blässe (Blutarmut durch Eisenmangel)
  • Abnahme der Leistungsfähigkeit (Leistungsknick)
  • Fieber
  • verzögertes Einsetzten der Pubertät
  • Fissuren (Einrisse) und Fisteln im Analbereich

Achtung!

Nur ein Viertel der CED erkrankten Kinder zeigt die klassische Symptomkonstellation mit Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust.

Was ist die Ursache der CED?

Die Ursache von CEDs ist momentan noch nicht bekannt. Allerdings haben Kinder (Verwandte ersten Grades) von CED-Betroffenen ein vier- bis achtfach erhöhtes Risiko ebenfalls an einer CED zu erkranken. Bei Morbus Crohn wurden bereits einige mutierte Gene identifiziert. Es liegt also eine sogenannte familiäre Disposition vor. Es wird angenommen, dass durch diese Genmutationen (zum Beispiel NOD2-Gen) das Immunsystem nicht effektiv gegen eingewanderte Bakterien ankämpfen kann. Dadurch können die Bakterien im Darm verweilen und in die Darmwand eindringen. Ist dies der Fall, kommt es wiederum zu einer übersteigerten Immunreaktion: Die Darmschleimhaut ist stark entzündet. Der Bauch schmerzt und es kommt zu Durchfällen. Im Verlauf können sich durch die überschießende Entzündungsreaktion Eiteransammlungen (Abszesse) und Fisteln (röhrenartige Verbindung zu einem anderen Organ) bilden. Langfristig ist bei CED Betroffenen das Risiko für Arteriosklerose und arterielle Ereignisse erhöht. Als Ursache wird die chronische systemische Entzündung vermutet.

Wusstest du schon?

Nikotin gilt bei Colitis Ulcerosa als protektiver Faktor! Bei Morbus Crohn hingegen ist Nikotinabusus ein Risikofaktor – so wie für viele weitere Erkrankungen.

Kann es im Rahmen einer CED zu Gelenkschmerzen kommen?

Ja, leider beschränkt sich die CED nicht ausschließlich auf den Darm. Die entzündliche Darmerkrankung kann auch außerhalb des Darms zu Entzündungen und Beschwerden führen. Diese sogenannten extraintestinalen Symptome sind bei CED vielseitig und häufig. Kommt es im Rahmen einer CED zu schmerzhaften Gelenkentzündungen, bezeichnet man diese als enteropathische Arthritiden (EA). Bei der Hälfte aller CED Patienten treten die entzündlichen Gelenkbeschwerden auf. Man unterscheidet zwei Typen:

Typ 1

Tritt akut im Schub auf und betrifft häufig das Kniegelenk. Bei neunzig Prozent verschwinden die Beschwerden innerhalb von sechs Monaten von selbst (Spontanremission)

Typ 2

Eher chronischer Verlauf mit häufigen Rückfällen. Mehrere  Fingergrundgelenke sind von der schmerzhaften Entzündung betroffen.

Nicht nur der Darm ist betroffen

Die CED betrifft häufig nicht nur den Darm. Bei einem Viertel der CED-Patienten treten extraintestinale Symptome auf! Neben den Gelenken sind vor allem die Haut, die Augen und das Gallengangssystem von der Entzündungsreaktion betroffen.

Welche Rolle spielt Ernährung bei CED?

Welche Rolle die Ernährung bei der Entstehung und Therapie bei CED spielt, wird sehr kontrovers diskutiert. Fest steht, dass das Risiko für Mangelernährung bei CED-Patienten erhöht ist und diese die Prognose verschlechtert. Daher sollte einer Mangelernährung immer entgegengewirkt werden. Neben einer spezifischen Ernährungsberatung können im Bedarfsfall auch Supplemente von Mikronährstoffen eingesetzt werden (Kalzium, Vitamin D, Folsäure, Vitamin B12, Eisen und Zink). Der Einsatz von Probiotika ist bei Colitis Ulcerosa während der Remissionsphase unterstützend, bei Morbus Crohn zeigt sich hingegen kein zusätzlicher positiver Effekt. Da bei CED-Betroffenen gehäuft Nahrungsmittelintoleranzen vorliegen, sollten diese abgeklärt werden. Denn sie können die Beschwerden mit verursachen und verschlimmern. Da der Einfluss von Ernährung- und Ernährungsgewohnheiten auf die CED noch nicht ausreichend geklärt ist, gibt es keine besonderen Ernährungsempfehlungen. Generell gilt jedoch:

  • im akuten Schub: entlastende Ernährung, ballaststoffarm (enteral > parenteral)
  • in der symptomfreien Phase: Quellstoffe (Flohsamen), ballaststoffreich, Verzicht auf individuelle Intoleranzen

Du vermutest eine Nahrungsmittelintoleranz?

Lerne mehr darüber und mache Selbsttests oder vereinbare ein kostenloses Beratungsgespräch bei Cara Care.

Bei CED Patienten ist die Verträglichkeit verschiedener Lebensmittel sehr individuell. Welche Nahrungsmittel und Zubereitungsformen bei dir Beschwerden hervorrufen, kannst du am Besten über ein Ernährungs- und Symptomtagebuch herausfinden. Nutze dazu gerne unsere kostenlose App

Achtung! Da Eisen entzündungsfördernd wirkt, sollte es in der akuten Phase nicht zusätzlich eingenommen werden.

Wie werden CED therapiert?

Die chronisch-entzündliche Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa können zum momentanen Zeitpunkt nicht geheilt werden. Ausnahme ist die chirurgische Entfernung des Dickdarms bei Colitis Ulcerosa wenn es keine alternative Behandlung mehr gibt. Die medikamentöse Therapie zielt im Schub auf eine Reduktion der Entzündungsaktivität ab. Sie richtet sich nach der Schwere der Entzündungsreaktion. In der beschwerdefreien Phase (Remission) versucht man diese medikamentös zu erhalten. Ziel ist es die Lebensqualität zu verbessern und die Darmfunktion zu erhalten.

Wusstest du schon?

Fermentierbare Flohsamen haben den gleichen remissionserhaltenden Effekt wie die Standardtherapie mit Mesalazin!

Quellen

Müller, S. D. (2012). Ernährung und Diät bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa). GRIN Verlag. Online abgerufen am 08.08.2016 unter: https://www.grin.com/document/202970

Ronneberger, M. (2009). Enteropathische Arthritis. Zeitschrift für Rheumatologie, 68(4), 329-336. Online abgerufen am 08.08.2016 unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s00393-009-0465-z

Schwerd, T., & Koletzko, S. (2017). Chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Monatsschrift Kinderheilkunde, 165(3), 257-270. Online abgerufen am 08.08.2016 unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s00112-017-0243-y

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

PS: "Du willst deine Verdauungsbeschwerden langfristig verbessern? Anstatt unseriöser Tests und überflüssiger Ergänzungsmittel sollte die Behandlung der Ursache das erste Ziel sein. Dazu haben wir ein einzigartiges ernährungstherapeutisches Programm (hier mehr Infos) entwickelt. Gerne beraten wir dich dazu in einem kostenlosen Erstgespräch. Du kannst uns unter (030) 549 099 49 anrufen.

Blähbauch? Krämpfe? Stuhlunregelmäßigkeiten?

Unser ärztlicher Leiter André Sommer erklärt, durch welche Lebensmittel Symptome verstärkt werden und wie die Ursache der Beschwerden behoben werden kann.

Jetzt informieren

Leave a Comment