Blinddarmentzündung – Anzeichen, Ursachen und Behandlung

 In Erkrankungen

Plötzlich auftretende Schmerzen in der Magengegend können vielerlei Ursachen haben. Nicht selten steckt eine Blinddarmentzündung dahinter. Gehen die Schmerzen nicht weg oder werden sie gar schlimmer, ist ein Arztbesuch unumgänglich. Die Begleiterscheinungen einer Blinddarmentzündung können zwar von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein, dennoch gibt es einige typische Symptome. Wer sie kennt, kann rechtzeitig reagieren, noch bevor die Entzündung kritisch wird.

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Eine Blinddarmentzündung (Latein und Englisch: „appendicitis“) – auch bekannt als Appendizitis – ist eine bakterielle Entzündung am Blinddarm. Genauer gesagt handelt es sich um eine Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis), der sich am Ende des Blinddarms befindet. Umgangssprachlich hat sich jedoch der Begriff der Blinddarmentzündung durchgesetzt.

Solch eine Entzündung kann verschiedene Ausmaße annehmen. In vielen Fällen ist der Wurmfortsatz nur leicht gereizt. Gefährlicher und auch schwieriger zu behandeln ist eine starke Entzündung des Wurmfortsatzes oder ein Blinddarmdurchbruch.

Woran erkennt man eine Blinddarmentzündung?

Zunächst ist eine Blinddarmentzündung daran zu erkennen, dass sie Schmerzen im Bereich um den Bauchnabels verursacht. Nach einiger Zeit – rund acht bis zwölf Stunden – verlagern sich die Schmerzen zunehmend in den rechten Unterbauch. Denn dort befindet sich der zum Dickdarm gehörende Blinddarm. Im Verlauf der Entzündung nehmen die Schmerzen bei den meisten Betroffenen deutlich zu und sind schließlich in der gesamten Bauchgegend zu spüren.


Es gibt unterschiedliche Formen der Blinddarmentzündung: Bei einer sogenannten zerstörerischen Blinddarmentzündung (Appendizitis destructiva) sind die Schmerzen deutlich stärker als bei einer einfachen Blinddarmentzündung (Appendizitis simplex).

Die typischen Symptome einer Blinddarmentzündung sind:

  • Übelkeit/Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber
  • Durchfall/Verstopfungen
  • starke Bauchschmerzen (rechtsseitig)
  • starkes Schwitzen
  • angespannte Bauchdecke an der betroffenen Stelle
  • erhöhter Puls

Wer unter einer Blinddarmentzündung leidet, der kann oft sein rechtes Bein nur noch unter Schmerzen anheben oder belasten. Laufen, Rennen oder Hüpfen verschlimmert die Schmerzen. Betroffene sind daher oft auch durch ihr sogenanntes Schonhinken erkennbar, bei dem das schmerzende Bein nur ganz kurz belastet wird.

Was kennzeichnet eine einfache Blinddarmentzündung (Appendizitis simplex)?

Im besten Fall erkennt der Betroffene oder der behandelnde Arzt eine einfache Blinddarmentzündung rasch anhand ihren Symptomen. Patienten – egal, ob Erwachsene oder Kinder – können dann von einer zeitnahen Behandlung profitieren. Bildet sich am Wurmfortsatz des Blinddarms kein Eiter, kann sich die Entzündung innerhalb des katarrhalischen Stadiums (infektiöses Stadium der Schleimbildung) sogar spontan zurückbilden.

Hat die Entzündung bereits das seropurulente Stadium (Stadium einer starken Entzündung mit Eiterbildung) erreicht, muss schnellstmöglich eine Behandlung erfolgen. Andernfalls besteht das Risiko, dass sich aus der einfachen eine zerstörerische Blinddarmentzündung entwickelt. Diese macht einen operativen Eingriff zumeist unumgänglich.

Vorsicht!

Konsultiere bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung sofort den Arzt! Denn wenn sich bereits Eiter am Wurmfortsatz gebildet hat, muss sofort gehandelt werden und eine Operation ist meist unumgänglich.

Hinweis: Hinter Bauchschmerzen und weiteren Symptome im Verdauungsbereich, die schon länger bestehen, können sich auch individuelle Intoleranzen oder ein Reizdarm verbergen. Sollte bei dir eine solche Erkrankung vorliegen, kann dir unser Therapieangebot helfen, welches auch von Krankenkassen bezuschusst wird. Hier gibt es mehr Informationen.

Was kennzeichnet eine zerstörerische Blinddarmentzündung (Appendizitis destructiva)?

Bei einer zerstörerischen Blinddarmentzündung droht das entzündete Gewebe des Wurmfortsatzes zu verfallen oder aufzuplatzen. Kommt es zu einem Blinddarmdurchbruch (Perforation), gelangen sowohl Eiter und Bakterien sowie Darminhalte in den Bauchraum. Um diese Entwicklung zu verhindern, ist zwingend eine OP erforderlich. Andernfalls besteht bei einer zerstörerischen Blinddarmentzündung Lebensgefahr.

Kommt es bei Kindern und älteren Menschen zu anderen Symptomen?

Eine Blinddarmentzündung ist bei einem Kleinkind schwieriger als solche zu identifizieren, da die Symptome bei Kindern oft schwächer ausgeprägt sind. Bei Kindern treten zudem ebenfalls oft Bauchschmerzen als Symptom auf und vor allem jüngere Kinder sind häufig nicht in der Lage, den genauen Ort der Schmerzen auszumachen. Außerdem sind Bauchschmerzen im Kindesalter keine Seltenheit und müssen nicht zwingend auf eine Blinddarmentzündung hindeuten.

Hinweis!

Verschwinden die Schmerzen bei Kindern nach mehreren Stunden nicht, obwohl man eine Wärmflasche oder ein Heizkissen verwendet hat, sollte ein Arzt die Ursache abklären.

Auch bei älteren Menschen sind die Symptome oft abgeschwächt. Durchfall oder Erbrechen treten bei ihnen nur selten als Begleiterscheinungen einer Blinddarmentzündung auf. Das erschwert die Diagnose und die Entzündung wird daher oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt.

Warum zeigen Schwangere keine typischen Anzeichen einer Blinddarmentzündung?

Während der Schwangerschaft nimmt das Ungeborene Platz im Babybauch ein. Magen und Darm werden daher etwas beiseite gedrängt, weswegen Magen- und Darmbeschwerden zu den typischen Schwangerschaftsbeschwerden gehören. Die Symptome einer Blinddarmentzündung lassen sich daher oft nicht von den typischen Schwangerschaftsleiden unterscheiden. Die Diagnose wird zusätzlich dadurch erschwert, dass ihre typischen Unterbauchschmerzen nun in den Rückenbereich oder Oberbauch verlagert sein können. Schwangere sollten daher besonders aufmerksam auf die Signale ihres Körpers achten, um das Wohl des ungeborenen Kindes nicht zu gefährden.

Gibt es für Blinddarmentzündungen einen bestimmten Test?

Bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung können Betroffene zum Selbsttest den rechten Unterbauch abtasten. Schmerzt das, sollte man zur weiteren Abklärung unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dasselbe gilt auch für Schmerzen, die beim Anwinkeln des rechten Beines oder bei Bewegung entstehen.

Auch bei anderen Symptomen ist eine ärztliche Untersuchung ratsam. Denn nur ein Fachmann hat die Möglichkeit, sicher festzustellen, ob es sich um eine Blinddarmentzündung handelt oder eine Erkrankung mit ähnlichen Symptomen.

Wie läuft die Diagnose beim Arzt ab?

Die ersten Untersuchungsschritte bestehen darin, dass der Arzt typische Schmerz- und Druckpunkte ertastet. Dieser Untersuchungsabschnitt wird daher auch Schmerzprovokation genannt. Schmerzen können an unterschiedlichen Tastpunkten auftreten:

  • Schmerzen am McBurney-Punkt: mittig zwischen Bauchnabel und dem rechten Darmbeinvorsprung am Beckenknochen
  • Schmerzen am Lanz-Punkt: zwischen dem linken und rechten Darmbeinvorsprung (mittiges bis äußeres Drittel); ein kurzes Drücken und Loslassen der Bauchdecke verursacht den sogenannten Loslass-Schmerz
  • Schmerzen durch das Rovsing-Zeichen am Dickdarm: beim Streichen Richtung Blinddarm entgegen des Uhrzeigersinns
  • Douglas-Schmerzen bei einer rektalen Untersuchung
  • Psoas-Schmerzen im rechten Unterbauch: beim Anheben des rechten Beins

Zudem kann ein anschließender Bluttest weitere Anzeichen aufdecken. Ist beispielsweise die Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) erhöht oder das Protein CrP (ein Entzündungsmarker) nachweisbar, lässt dies auf eine Entzündung im Körper schließen.

Eine weitere gängige Untersuchung ist die Ultraschalluntersuchung. Ist der Wurmfortsatz des Blinddarms nicht entzündet, ist er bei der Untersuchung meist nicht zu erkennen. Angeschwollene Wurmfortsätze sind hingegen im Ultraschall meist deutlich sichtbar.

Welche Ursachen kann eine Blinddarmentzündung haben?

Eine Blinddarmentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Zumeist ist sie auf bakterielle Infektionen zurückzuführen. Bakterien wie E. coli oder Enterokokken sind typische Erreger. Des Weiteren können Fremdkörper, die Verstopfungen verursachen, eine Appendizitis auslösen. Dazu zählen unter anderem Kotsteine, Maiskörner oder Kerne von Kirschen, Melonen oder Weintrauben. Sie können zu einer Schleimhautreizung am Wurmfortsatz führen, aus der letztlich eine Entzündung entsteht.

Oftmals entstehen Blinddarmentzündungen auch als Folge anderer Erkrankungen, die mit Bakterien und Viren im Körper einhergehen – zum Beispiel einer Magen-Darm-Grippe. Seltener sind ein Abknicken des Wurmfortsatzes, Parasiten oder Würmer die Ursache.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Als Behandlung kommt in den meisten Fällen nur eine Operation in Frage. Lediglich sehr geringe Entzündungen können sich spontan zurückbilden. Für eine Operation gibt es zwei Methoden:

  • offene Appendektomie: Der Chirurg gelangt dabei über die Bauchdecke zur Appendix und entfernt diese. Sollte es zuvor zu einer Perforation gekommen sein, verordnet der behandelnde Arzt in der Regel eine anschließende Behandlung mit Antibiotika. Dadurch sollen schädliche Bakterien abgetötet und Folgeentzündungen verhindert werden
  • laparoskopische Appendektomie: Diese operative Maßnahme gilt als minimalinvasiv und wird durch zwei sogenannte Arbeitskanäle und mithilfe einer Operationskamera durchgeführt. Lediglich drei kleine Schnitte sind dafür vonnöten. Mithilfe von Druckluft bläst der Chirurg den Bauchraum aus, verschafft sich einen Überblick und entfernt über die Arbeitskanäle die Appendix.

Wie kann man einer Blinddarmentzündung vorbeugen?

Generell gibt es wenige Maßnahmen zur Vorbeugung. Eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise kann das Immunsystem stärken und dazu führen, dass einige Bakterien gar nicht erst in die Nähe des Dickdarms und damit des Blinddarms gelangen. Folglich können sie dort auch keine Entzündung hervorrufen. Außerdem ist es empfehlenswert, keine Obstkerne zu schlucken, die zu Verstopfungen führen könnten.

Quellen

Bhangu, A., Søreide, K., Di Saverio, S., Assarsson, J.H. and Drake, F.T., 2015. Acute appendicitis: modern understanding of pathogenesis, diagnosis, and management. The Lancet, 386(10000), pp.1278-1287. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673615002755

Rollins, K.E., Varadhan, K.K., Neal, K.R. and Lobo, D.N., 2016. Antibiotics versus appendicectomy for the treatment of uncomplicated acute appendicitis: an updated meta-analysis of randomised controlled trials. World journal of surgery, 40(10), pp.2305-2318.
https://link.springer.com/article/10.1007/s00268-016-3561-7

Fasching, G. and Mayr, J., 2018. Akute Appendizitis. In Akutes Abdomen im Kindes-und Jugendalter (pp. 179-192). Springer, Berlin, Heidelberg. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-55995-6_17

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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