Tabu brechen: Wie können Frau und Darm miteinander Freunde werden?

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Mal eben nach einer Ibu fragen, weil man gerade seine „Tage“ hat, gehört zur Normalität

Unterleibskrämpfe, Kopfschmerzen, schlechte Laune: Es scheint, als ob Frauen offen über viele Begleitsymptome und Beschwerden während des weiblichen Zyklus diskutieren. Jeder wird verstehen, wenn Du auf einem geselligen Abendessen mal eben in die Runde fragst, ob jemand eine Schmerztablette für Dich hat, weil Du Deine Tage und deswegen Unterleibsschmerzen hast.

Hat jemand eine Kapsel gegen Blähungen für mich?

Anders würde die Sache aussehen, wenn man nach einem Mittel gegen Blähungen oder Durchfall fragt. Über Verdauungsprobleme wird nicht offen gesprochen. Wenn es um Stuhlgangsgewohnheiten und „Luft im Bauch“ geht, sind die meisten Menschen gehemmt und beschämt. Dabei sind Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Blähungen, Verstopfung und Bauschmerzen im Verlauf des Monatszyklus so normal wie das häufig thematisierte PMS (prämenstruelles Syndrom), Unterleibsschmerzen oder allgemeines Unwohlsein während der Periode. Dann könnte doch eigentlich auch darüber gesprochen werden?

Die Verdauung im Spiegel des Zyklus Teil 1: Die Faultierzeit

Viele Frauen berichten, dass sie ab dem Ende der Monatsblutung bis kurz vor der nächsten Blutung unter träger Verdauung bis hin zu Verstopfung neigen, also etwa vom fünften bis zum 23. Zyklustag. Bei manchen Frauen bildet sich die Verstopfung auch erst ab dem Eisprung bis zur Monatsblutung. Wenn Frau eigentlich gewohnt war, nach dem morgendlichen Kaffee den Gang zur Toilette zu erledigen, erleben viele, dass dieser unter dem Einfluss der Hormone ausbleibt und sich eine hartnäckige Verstopfung ausbildet. Verantwortlich dafür sind die hormonellen Umstellungen im Verlauf des Zyklus.

Das Progesteron, das in der zweiten Zyklushälfte für den Schleimhautaufbau und -erhalt verantwortlich ist, lässt zuverlässig den Darm träge werden. Unter dem Einfluss von Progesteron erschlafft die glatte Muskulatur der Gebärmutter, aber eben auch im Rest des Körpers und damit auch im Darm. Der regelmäßige Stuhlgang bleibt aus – und das auch hartnäckig. Wenn Frau Glück hat, verlassen alle paar Tage kleine Mengen harten Stuhlgangs das Gedärm. Bei genauer Nachfrage werden viele Frauen das monatlich wiederkehrende Völle- und Schweregefühl gut kennen.


Manche können vielleicht auch den ein oder anderen Geheimtipp gegen die ungeliebte Darmträgheit nennen: Die Hartgesottenen trinken morgens ein Glas Sauerkrautsaft auf nüchternen Magen und hoffen auf Erleichterung nach dem Frühstück oder Mittagessen. Andere reichern ihr Müsli mit Leinsamen und Weizenkleie an – dazu sollten große Mengen Flüssigkeit eingenommen werden. Durch das größere Stuhlvolumen soll der Darm aus dem „Progesteronschlaf“ geholt werden. Wer seine Verdauung zu vehement ankurbeln möchte, riskiert Bauchschmerzen und plötzlich einsetzenden, dringenden Stuhldrang, meist in Situationen, in denen weit und breit kein stilles Örtchen erreichbar scheint.

Teil 2: Raus, was keine Miete zahlt

Wenn die Eizelle nicht befruchtet wird, fällt der Progesteronspiegel durch die Degeneration des Gelbkörpers, der das Hormon bildet, gegen Ende der zweiten Zyklushälfte plötzlich ab. Es kommt zur Monatsblutung, bei der die Gebärmutterschleimhaut durch Muskelkontraktionen ausgestoßen wird. Und nicht nur die Gebärmutter kontrahiert sich. Plötzlich erinnert sich auch der Darm seiner Aufgaben – und er befördert den gesamten Inhalt gen Ausgang. Das Resultat kann großer Menge sein, schließlich hat Frau sich die Wochen davor Mühe gegeben, den Darm durch möglichst viel volumengebende Ballaststoffe irgendwie auf Trab zu bringen.

Es ist kein Wunder, dass bei diesen schnellen Wechseln von Aktivität und Trägheit der Darm in Aufregung gerät. Durchfall und Blähungen in den „Tagen vor den Tagen“ und oft auch während der Menstruation gehören zur Normalität vieler Frauen. Wer zuvor zu Sauerkrautsaft und Trockenpflaumen griff, wird sich dann eher für geriebenen Apfel und leichte Kost entscheiden. Lohnend ist es, sich neben Schmerzmitteln auch einige Kapseln mit Simeticon, einem bewährten Mittel gegen Blähungen, einzustecken. Schließlich gehören Verdauungsgeräusche samt olfaktorischer Zugabe nicht zu den sozial akzeptierten Offenbarungen über den eigenen Gesundheitszustand.

Und was ist mit der Pille und Verdauung?

Durchfall und Verstopfung gehören zum Alltag beinahe aller Frauen mit natürlichem Monatszyklus. Die Antibabypille mag gegen viele Frauenleiden wie z.B. PMS, schmerzhafte Monatsblutungen und unreine Haut helfen. Gegen den Alarm im Darm ist sie machtlos. Die Einnahme der Pille täuscht dem Körper durch eine gleichbleibend hohe Progesterondosis eine Schwangerschaft vor – und sorgt damit zuverlässig für träge Verdauung. Wohl dem, der die Pille im Langzeitzyklus nimmt.

Wie können Frau und Darm miteinander Freunde werden?

Verdauungsprobleme gehen einher mit dem Ablauf des monatlichen Zyklus. Dagegen wird so schnell kein Mittel direkt helfen. Für die meisten Betroffenen ist es schon erleichternd zu wissen, dass diese Vorgänge im Körper völlig normal sind und keinen Krankheitswert haben. Die Verstopfung wird sich kurz vor der Menstruation legen, und auch etwaiger Durchfall wird sich nach der Monatsblutung wieder von selbst einstellen. Man kann z.B. darauf achten, tatsächlich zu Beginn des Zyklus den Ballaststoffgehalt in der Nahrung zu erhöhen oder individuell eine kleine Liste zu führen, auf der Lebensmittel stehen, die bei der betreffenden Person eher verdauungsfördernd wirken. Manchmal hilft es auch, sich die nötige Zeit auf dem stillen Örtchen zu nehmen. Und im schlimmsten Fall muss Frau eben für einige Tage ein leichtes Völlegefühl akzeptieren.

Wenn es dann zum Durchfall oder Verdauungsaufruhr kommen sollte, können Hausmittel wie geriebener Apfel, Flohsamen oder Simeticon-Präparate Abhilfe verschaffen. Und wenn mal ein Lüftchen entweicht: Auch wenn bisher nur wenige Frauen darüber sprechen, gehören Verdauungsprobleme während des Zyklus zum ganz normalen Alltag.

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