Wie wird Morbus Crohn behandelt?

 In Behandlung

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After befallen kann. Die Krankheit verläuft in Schüben. Verengungen (Stenosen) und Fisteln, z.B. im Dünndarm, sind Komplikationen, die eine Operation erforderlich machen können. Schwere Krankheitsschübe werden stationär im Krankenhaus behandelt. Abhängig von der Schwere der Erkrankung erhalten viele Patienten mit Morbus Crohn eine dauerhafte medikamentöse Therapie zur Schubprophylaxe, um Krankenhausaufenthalte, lange Krankheitsverläufe mit Komplikationen und Operationen zu verhindern.

Aus welchen Bausteinen setzt sich die Morbus Crohn-Therapie zusammen?

Folgende Maßnahmen kommen bei der Therapie von Morbus Crohn zum Einsatz:

  • Allgemeinmaßnahmen: z.B. Nikotinkarenz, ausreichende Ernährung und Substitution von Nährstoffen. Bei schweren Schüben werden Betroffene über mit Infusionen ernährt.
  • Medikamentöse Therapie: Medikamente zur Schubprophylaxe und Remissionserhaltung und Medikamente zur Behandlung im akuten Schub. Unterschieden wird auch zwischen Steroiden (Prednisolon, Budesonid) und anderen Medikamenten zur Unterdrückung des Immunsystems. Bei schweren Verläufen können zusätzlich Antibiotika notwendig werden.
  • Chirurgische Therapie (Operation): Bei Auftreten von Komplikationen wie z.B. Stenosebildung. Im Gegensatz zu Colitis ulcerosa kann Morbus Crohn nicht durch eine Operation geheilt werden und es treten vermehrt Komplikationen auf, z.B. verzögerte Wundheilung. Operationen werden daher nur vorsichtig und nach genauem Abwägen der Risiken durchgeführt.

Hier kannst du über die möglichen Ursachen von Morbus Crohn nachlesen.

Wie wird die Therapie an den Betroffenen angepasst?

Die Therapie wird an den Krankheitsverlauf, das Alter und die Risikofaktoren des Betroffenen angepasst. Dabei gelten bei akuten Schüben folgende Prinzipien:

  • Je schwerer der Erkrankungsverlauf ist und je mehr Komplikationen sich ergeben, desto aggressiver wird der Morbus Crohn behandelt. Bei Besserung kann die Medikation vorsichtig reduziert und gegebenenfalls auf besser verträgliche, nebenwirkungsärmere Medikation umgestellt werden. Man nennt diese Strategie auch „Top-down Strategie“.
  • Bei leichteren Verläufen wird zunächst auf besser verträgliche Medikation zurückgegriffen. Wenn die Medikation nicht ausreicht, wird auf aggressivere Mittel eskaliert. Diese Strategie wird auch „Bottom-up Strategie“ genannt.

Die Schwere eines Schubs wird an der Entzündungsausbreitung und an der Schwere der Symptome ausgemacht. Erfahre hier mehr über die Symptome bei Morbus Crohn:


  • Leichtere Schübe begrenzen sich auf das terminale Ileum und die rechte Kolonhälfte und zeigen nur leichte bis mittlere Entzündungssymptomatik.
  • Bei schwereren Verläufen sind auch andere Darmabschnitte betroffen oder es zeigen sich Entzündungsherde außerhalb von Dünn- und Dickdarm.

Das Wichtigste im Überblick

  • Morbus Crohn kann zwar nicht geheilt, aber in den meisten Fällen gut therapiert werden.
  • Bei der Therapie wird zwischen der Behandlung von akuten Schüben und der Dauertherapie zur Schubprophylaxe unterschieden.
  • Die Behandlung muss individuell an den Krankheitsverlauf angepasst werden, ein allgemeingültiges Schema existiert nicht.
  • Die medikamentöse Behandlung stützt sich auf entzündungshemmende und immunsuppressive Präparate.
  • Nikotinabstinenz und angepasste Ernährung können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
  • Eine rein alternativmedizinische Behandlung ohne schulmedizinische Therapie bringt keinen Nutzen und kann das Auftreten von schweren Komplikationen begünstigen.

Wie sieht die Akuttherapie aus?

Zur Behandlung von akuten Schüben werden initial Steroide (Kortison) eingesetzt. Es wird unterschieden zwischen Steroiden, die sich im ganzen Körper verteilen, und solchen, die nur lokal an Darmwand wirken:

  • Prednisolon ist ein Steroid, das als Tablette eingenommen oder intravenös als Infusion verabreicht wird. Es wird bei oraler Einnahme im Verdauungstrakt aufgenommen. Prednisolon entfaltet seine entzündungshemmende Wirkung systemisch im ganzen Körper. Allerdings es auch zu Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen, Heißhungerattacken, Bluthochdruck und Einflüsse auf den Hormonhaushalt. Es wird vor allem bei schweren Krankheitsschüben angewandt.
  • Budesonid ist ein Steroid, das bei Einnahme in Tablettenform hauptsächlich lokal im Darm wirkt. 80 Prozent der Menge wird über die Leber abgebaut, bevor das Medikament sich im Körper verteilt. Budesonid kann auch als Schaum rektal angewendet werden. Es wird dann zu noch geringeren Mengen in den Körper aufgenommen, wirkt aber auch nur lokal. Budesonid ruft weniger Nebenwirkungen hervor. Es wird vor allem bei leichten Schüben eingesetzt.

Nach Besserung der Symptome wird die Steroiddosis langsam reduziert und ausgeschlichen. Wenn der akute Schub mit Steroiden nicht behandelt werden kann oder eine Besserung ausbleibt, werden andere immunsuppressive Medikamente verwendet, die ansonsten in der Dauertherapie eingesetzt werden.

Wer benötigt eine Dauertherapie?

Wenn die Entzündungssymptome nach der Akuttherapie abklingen, entscheidet man, ob eine Dauertherapie zur Remissionserhaltung notwendig ist. Bisher gibt es keine ausreichenden Studien, die definieren, welche Patienten von einer Therapie zur Remissionserhaltung und Schubprophylaxe profitieren. Die Entscheidung für oder gegen eine Dauertherapie soll gemeinsam mit dem behandelnden Arzt individuell entschieden werden. Für eine Dauertherapie sprechen:

  • Ein früher Beginn der Erkrankung im Kindes-, Jugend- oder jungem Erwachsenenalter.  Schwere Schübe könnten Wachstum und Entwicklung des Betroffenen beeinträchtigen.
  • Nikotinkonsum
  • Eine schnelle Aufeinanderfolge von Schüben
  • Wenn Steroide nicht ausgeschieden werden können, weil dann erneut Entzündungssymptome auftreten.

Wichtig!

Die Entscheidung für oder gegen eine Dauertherapie muss gemeinsam mit dem behandelnden Arzt individuell entschieden werden.

Zur Dauertherapie werden Mesalazin und Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), eingesetzt. Dazu gehören Azathioprin, 6-Mercaptopurin und Antikörper, die in Regulationsmechanismen des Immunsystems eingreifen. Sie heißen z.B. Infliximab (Remicade) oder Adalimumab und werden in regelmäßigen Abständen als Spritze oder Infusion verabreicht. Steroide sollten nicht dauerhaft eingesetzt werden, da sie langfristig viele Nebenwirkungen haben. Ein Vorteil von Mesalazin ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Immunsuppressiva begünstigen Infektionen, können das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen und Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten oder Veränderungen von Laborparametern hervorrufen. 

Kann Morbus Crohn auch ohne Medikamente behandelt werden?

Sehr leichte Schübe können auch ohne Medikamente behandelt werden. Es wird leichte, gut verträgliche Kost (Schonkost) und körperliche Ruhe empfohlen. Es können auch Schmerzmittel eingenommen werden. Wenn die Entzündung aber zunimmt, Besserung ausbleibt oder zusätzlich Darmabschnitte befallen sind, muss eine antientzündliche Therapie mit Medikamenten eingeleitet werden.

Wichtig!

Eine ausreichende Therapie des Schubs ist wichtig, da es sonst zu Bildung von Abszessen, Fisteln oder Stenosen kommen kann.

Welche Rolle spielt die Ernährung in der Behandlung des Morbus Crohn?

Für Morbus Crohn-Patienten ist eine ausreichende und ausgewogene Ernährung sehr wichtig. Die Krankheitsschübe bringen Appetitmangel und Verdauungsstörungen mit sich. Bei Kindern kann die Krankheit das Wachstum einschränken. Außerdem schwächt sie den Körper durch Untergewicht und Unterversorgung. Auch während eines Schubs ist eine ausreichende Ernährung sehr wichtig. Falls dem Patienten eine ausreichende selbstständige Nahrungsaufnahme nicht möglich ist, besteht die Möglichkeit einer Magensonde. Hier erfährst du mehr über die Ernährung bei Morbus Crohn.

Hinweis

Betroffene sind häufig auch laktoseintolerant. Eine Laktoseintoleranz sollte bei Verdacht in jedem Fall abgeklärt werden; das Weglassen von Milchprodukten kann auch den Verlauf des Morbus Crohn positiv beeinflussen.

Kann Morbus Crohn auch durch Alternativmedizin behandelt werden?

Nein. Ein Verzicht auf schulmedizinische Maßnahmen wie antientzündliche medikamentöse Therapie und operative Eingriffe ist nicht möglich. Morbus Crohn ist eine unheilbare Erkrankung, die durch gute Schub- und Dauertherapie in vielen Fällen gut behandelbar ist. Unbehandelt kommt es häufig zu Komplikationen, die sogar lebensbedrohlich sein können, z.B. durch Abszesse oder Darmverschlüsse. Gegen eine begleitende alternativmedizinische Behandlung, zum Beispiel durch Homöopathie, ist nichts einzuwenden.

Tipp:

Frag deinen begleitende Arzt, welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten zusätzlich für dich infrage kommen und wie du sie am besten anwendest.

Welche neuen Therapien gibt es?

Vor allem für Therapiemöglichkeiten gegen die Fistelbildung am Darmausgang werden Forschungen unternommen. Denn durch die Entzündungen bilden sich Verbindungen von der Darmwand nach außen. Diese bergen ein Risiko für Abszesse und Infektionen. Zudem sind die Patienten durch die Fistelbildung stuhlinkontinent. Die operative Sanierung bringt nicht immer Erfolg, da der Vorgang kompliziert ist und sich schnell neue Entzündungen bilden. Ein neues Medikament (Darvadstrocel), das Stammzellen aus dem Fettgewebe von gesunden Menschen enthält und in die Fistelgänge eingebracht wird, zeigte vielversprechende Ergebnisse. Die Fistelgänge heilten auch ohne Operation besser ab. Die europäische Arzneimittelbehörde sprach sich bereits für die Zulassung des Präparats aus.

Quellen

Panés, J., García-Olmo, D., Van Assche, G., Colombel, J. F., Reinisch, W., Baumgart, D. C., … & Grimaud, J. C. (2016). Expanded allogeneic adipose-derived mesenchymal stem cells (Cx601) for complex perianal fistulas in Crohn’s disease: a phase 3 randomised, double-blind controlled trial. The Lancet.  https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)31203-X/abstractonline abgerufen am 28.07.2018

Preiß, J. C. (2017). S3-Leitlinie 021/004: Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn. Aktueller Stand: 01/2014. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-004l_S3_Morbus_Crohn_Diagnostik_Therapie_2014-09.pdfonline abgerufen am 28.07.2018

Lovasz, B. D., Golovics, P. A., Vegh, Z., & Lakatos, P. L. (2013). New trends in inflammatory bowel disease epidemiology and disease course in Eastern Europe. Digestive and Liver Disease45(4), 269-276. https://www.dldjournalonline.com/article/S1590-8658(12)00328-3/fulltextonline abgerufen am 28.07.2018

Ford, A. C., Bernstein, C. N., Khan, K. J., Abreu, M. T., Marshall, J. K., Talley, N. J., & Moayyedi, P. (2011). Glucocorticosteroid therapy in inflammatory bowel disease: systematic review and meta-analysis. The American journal of gastroenterology106(4), 590., https://www.nature.com/articles/ajg201170, online abgerufen am 28.07.2018

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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