Magengeschwür-Behandlung – Welche Therapien wirken wirklich?

 In Behandlung

Wann ist die Behandlung von Magengeschwüren nötig?

Magengeschwüre sind eine verbreitete – und behandlungswürdige – Erkrankung des Verdauungstrakts und können durch unterschiedliche Ursachen entstehen. Die Behandlung eines Magengeschwürs muss daher individuell auf die entsprechende Ursache abgestimmt werden. Eine angepasste Therapie kann zudem das Auftreten von Komplikationen wie Blutungen oder Magendurchbrüchen verhindern.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Magengeschwüre zählen zu den häufigsten behandlungsbedürftigen Magen-Darm-Beschwerden.
  • Für die Therapie stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
  • Erste Wahl bei der Behandlung von Magengeschwüren sind Protonenpumpenhemmer.
  • Bei einer Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien muss zusätzlich eine Therapie mit Antibiotika erfolgen.
  • Hausmittel und Naturarzneien können unterstützend bei der Heilung wirken.
  • Wichtige Maßnahmen neben der Medikamenteneinnahme sind Stressreduktion, gesunde Ernährung und Verzicht auf Rauchen, Alkohol und Kaffee.
  • Operative Therapien werden nur als letzte Option in Betracht gezogen.

Welche Therapieoptionen gibt es für Magengeschwüre?

Es gibt mehrere prinzipielle Möglichkeiten, ein Magengeschwür zu behandeln. Zunächst sollte durch einen Arzt festgestellt werden, ob überhaupt ein Magengeschwür vorliegt und falls ja, ob es durch eine Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien oder andere Effekte wie Stress, Alkohol oder bestimmte Medikamente hervorgerufen wird. Mögliche Behandlungsstrategien sind:

  • Magenberuhigende Naturarzneien und Hausmittel
  • Umstellung der Ernährung und des Verhaltens
  • Medikamentöse Regulation der Magensäureproduktion
  • Medikamentöse Behandlung mit Antibiotika bei Helicobacter-pylori-Infektionen
  • Operative Entfernung des Geschwürs

Welche Medikamente stehen zur Behandlung von Magengeschwüren zur Verfügung?

Es gibt vier Gruppen an Medikamenten, die zur Therapie von Magengeschwüren eingesetzt werden:

Antazida 

Dabei handelt es sich um frei verkäufliche Mittel auf Aluminium- und Magnesiumbasis, die Magensäure binden und neutralisieren können. Antazida wirken direkt nach der Einnahme, haben jedoch nur eine relativ kurze Wirkdauer von maximal wenigen Stunden. Antazida sind zwar bei vielen Menschen beliebt, da sie auch bei Sodbrennen und Völlegefühl helfen können, allerdings sind sie zur Behandlung von Magengeschwüren nur sehr eingeschränkt geeignet. Eine Dauertherapie mit Antazida sollte in jedem Fall vermieden werden, da nach einiger Zeit unter anderem die Säureproduktion vom Körper kompensatorisch gesteigert wird.


Protonenpumpenhemmer

Protonenpumpenhemmer, auch PPIs (Protonenpumpen-Inhibitoren) genannt, verhindern die Sekretion von Magensäure. Dadurch kommt die gereizte Magenschleimhaut nicht mehr bzw. weniger in Kontakt mit der aggressiven Magensäure und kann sich wieder regenerieren. PPIs gelten heutzutage als Goldstandard in der Behandlung von Magengeschwüren. Bei einer langfristigen Therapie müssen jedoch unter anderem der Magnesium- und Calciumhaushalt ärztlich überwacht werden.

H2-Rezeptor-Antagonisten

Diese Medikamentengruppe hemmt die Sekretion von Magensäure nur teilweise. Vor der Entdeckung von PPIs waren H2-Rezeptor-Antagonisten die Standard-Medikamente gegen Magengeschwüre. Heute werden sie noch angewendet, wenn beispielsweise eine Allergie gegen PPIs vorliegt.

Antibiotika

Falls eine Helicobacter-pylori-Infektion die Ursache des Magengeschwürs ist, muss eine sogenannte Eradikationstherapie über sieben bis zehn Tage mit zwei Antibiotika und zusätzlich einem Protonenpumpenhemmer sowie gegebenenfalls Bismut erfolgen. Gegen andere Ursachen eines Magengeschwürs sind Antibiotika wirkungslos und werden dann natürlich nicht eingesetzt.

Welche Naturarzneien helfen gegen Magengeschwüre?

Es gibt einige Hausmittel und pflanzliche Wirkstoffe, die zu einer Linderung von Magengeschwüren beitragen können. Die Wirksamkeit dieser Mittel kann von Patient zu Patient variieren. Hausmittel sollten in erster Linie als Ergänzung einer Therapie gegen Magengeschwüre angesehen werden, können aber in leichten Fällen auch ohne weitere Maßnahmen zum Abheilen des Geschwürs führen. Bei anhaltenden oder stärker ausgeprägten Beschwerden müssen jedoch unbedingt zusätzliche Behandlungsoptionen durchgeführt werden. Zu den gebräuchlichsten Naturarzneien zählen:

  • Honig: Das Wachstum von Helicobacter-pylori-Bakterien kann durch Honig teilweise gehemmt werden
  • Kohlsaft: Durch Kohlsaft wird das Abheilen eines Magengeschwürs gefördert
  • Aloe vera: Auch Aloe vera werden abheilende Eigenschaften zugeschrieben. In der Regel werden dabei ein bis zwei Gläser verdünnter Aloe vera-Saft am Tag getrunken
  • Ingwer: Durch seine antibakteriellen Eigenschaften kann Ingwer den Magen ebenfalls beruhigen helfen. Allerdings kann zu viel Ingwer zu einer Reizung des Magens führen, daher ist bei der Anwendung eine gewisse Vorsicht geboten
  • Süßholz: Bestimmte Stoffe in Süßholz erzeugen eine schützende Schicht über der Magenschleimhaut. Allerdings sollten Patienten mit Bluthochdruck Vorsicht walten lassen, da Süßholz den Blutdruck erhöhen kann
  • Ringelblumen: Als Tee zubereitet, können Ringelblumen entzündungshemmend auf die Magenschleimhaut wirken

Wie gut hilft Stressreduktion gegen Magengeschwüre?

Stress ist ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Magengeschwüren. Durch Stress kann sowohl der natürliche Schutz der Magenschleimhaut vor der Magensäure beeinträchtigt werden als auch die Gefahr einer Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien steigen. Umgekehrt hilft die Reduktion von Stress jedoch auch bei der Prophylaxe und der Behandlung von Magengeschwüren. Stress kann dabei auf verschiedene Weise reduziert werden:

  • Falls möglich, sollten berufliche Stresssituationen beispielsweise durch offene Kommunikation oder die Verteilung von Aufgaben vermieden werden. Auch eine ständige Erreichbarkeit nach Arbeitsschluss sollte eingeschränkt oder im besten Fall abgeschafft werden.
  • Schon kurze, regelmäßige und bewusste Auszeiten können schon zur Stressreduktion betragen.
  • Entspannungsübungen wie Yoga oder Qigong können dabei helfen, Ruhe zu finden.
  • Auch Stress im privaten Umfeld sollte nach Möglichkeit reduziert und Konfliktsituationen aufgelöst werden.

Beeinflusst die Ernährung Magengeschwüre?

Die Ernährung hat einen großen Einfluss sowohl auf die Entstehung als auch auf die Abheilung von Magengeschwüren. Als schützender Faktor gilt eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse, gemäßigtem Salzkonsum und der weitgehende Verzicht auf stark verarbeitetes und gepökeltes Fleisch. Außerdem gelten typische Genussmittel als Risikofaktoren für die Entwicklung von Magengeschwüren:

  • Kaffee gilt als Stressor für die Magenschleimhaut und fördert die Entstehung von Magengeschwüren. Der Verzicht auf Kaffee senkt demnach das Risiko für Magengeschwüre.
  • Alkohol reizt die Magenschleimhaut ebenfalls. Sowohl während der Behandlung eines Magengeschwürs als auch danach sollte deshalb nach Möglichkeit auf Alkohol verzichtet werden.
  • Auch Rauchen fördert die Entstehung und behindert die Heilung von Magengeschwüren. Der Verzicht auf Nikotin ist daher ebenfalls ratsam.

Kann man Magengeschwüre operieren?

Vor der Entwicklung wirksamer medikamentöser Therapien war die operative Behandlung von Magengeschwüren eine gängige Technik. Heute wird sie nur noch unter folgenden Umständen durchgeführt:

  • Versagen einer medikamentösen Therapie
  • Verdacht auf Vorliegen eines Magenkarzinoms (Magenschleimhautkrebs)
  • schwerwiegenden akuten Komplikationen wie Durchbrüchen der Magenschleimhaut, endoskopisch nicht stillbaren Blutungen oder massiver Verengung des Magenausgangs

Die operative Therapie eines Magengeschwürs kann in vielen verschiedenen Varianten erfolgen. Das Geschwür kann lediglich übernäht oder umstochen und ausgeschnitten werden, es kann jedoch auch nötig sein, einen größeren Teil des Magens zu entfernen und den Dünndarm vom Magenausgang auf eine andere Stelle des Magens umzusetzen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Nervenversorgung des Magens teilweise zu entfernen, um die Magensäureproduktion einzuschränken und so die Magenschleimhaut dauerhaft zu schützen. Die tatsächlich verwendete Methode hängt stark von der individuellen Situation ab. Insgesamt wird eine chirurgische Therapie jedoch nur dann in Betracht gezogen, wenn andere Behandlungsoptionen ausscheiden.

Gibt es alternative Behandlungsmethoden gegen Magengeschwüre?

Es gibt mannigfaltige Angebote aus der Alternativmedizin, um Patienten mit Magengeschwüren zu heilen. Diese reichen von Homöopathie bis hin zu Pendelritualen. Von diesen wurden die meisten allerdings nie systematisch im Hinblick auf ihre Wirksamkeit untersucht, sodass über deren Wirksamkeit keine fundierte Aussage getroffen werden kann. Die Wirksamkeit darf aber zumindest bezweifelt werden, zudem stehen mit den etablierten Therapien hochwirksame Optionen zur Verfügung, die den meisten Patienten adäquat helfen.

Wie lange dauert die Behandlung eines Magengeschwürs?

Die Behandlungsdauer von Magengeschwüren richtet sich nach der Ursache und dem Ansprechen des Patienten auf die Behandlung:

  • Magengeschwüre durch Helicobacter pylori-Infektionen werden sieben bis zehn Tage nach ärztlicher Anleitung mit einer Eradikationstherapie behandelt. Anschließend wird für einige Wochen ein Protonenpumpenhemmer gegeben, um der Magenschleimhaut ausreichend Zeit zur Regeneration zu geben.
  • Bei anderen Magengeschwüren wird zunächst für einige Wochen ein Protonenpumpenhemmer gegeben. Der Therapieerfolg muss anschließend kontrolliert und die Therapie solange fortgesetzt werden, bis sich die Magenschleimhaut wieder regeneriert hat.
  • Auch nach einer abgeschlossenen erfolgreichen Behandlung sollten Patienten zur Vermeidung eines weiteren Magengeschwürs Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Stress und ungesunde Ernährung meiden. Diese Rezidivprophylaxe sollte so gut und so lange wie möglich aufrechterhalten werden.
Quellen

Herold, G. (2013). Innere Medizin 2014.

Kelley, J. R., & Duggan, J. M. (2003). Gastric cancer epidemiology and risk factors. Journal of clinical epidemiology, 56(1), 1-9, https://www.jclinepi.com/article/S0895-4356(02)00534-6/fulltext, abgerufen am 30.06.2018.

Hoffmann, M. (2017). Magen-und Duodenalulkus. In Evidenzbasierte Viszeralchirurgie benigner Erkrankungen (pp. 85-92). Springer, Berlin, Heidelberg, https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-53553-0_7, abgerufen am 30.06.2018.

Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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