Darmreinigung

 In Behandlung

Jeden Tag wälzt unser Darm mehrere Portionen an Nahrungsbrei um. Doch mit der Nahrung werden nicht nur wertvolle Nährstoffe in den Körper aufgenommen. Auch schädliche Stoffe und Bakterien finden über die Nahrung den Weg in unseren Organismus. Hier bedarf es einer Reinigung des Darms. Deswegen sitzt, wie man heute weiß, ein großer Teil der körpereigenen Immunabwehr im Darm, reinigt den Darm und eliminiert schädliche Erreger.

Doch unsere Abwehrzellen sind nicht alleine im Verdauungstrakt. Billionen von Mikroorganismen besiedeln unseren Darm – es sind weitaus mehr, als unser Körper eigene Körperzellen hat. Diese als Mikrobiom bezeichnete Lebenswelt der Bakterien ist für unsere Gesundheit von enormer Bedeutung. Noch steht die Forschung relativ am Anfang. Aber es ist jetzt schon klar, dass das Mikrobiom eine größere Rolle spielt als lange Zeit angenommen – und dies nicht nur im Blick auf unsere Darmgesundheit. Daher rücken alternativmedizinische Verfahren wie die Darmreinigung oder Darmsanierung immer mehr in den Fokus.

Was versteht man unter Darmreinigung?

Die Reinigung des Darms ist ein sehr altes Konzept. Sie findet in der Schulmedizin und in der Alternativmedizin unterschiedliche Anwendung.

Die Darmreinigung in der Schulmedizin – eine Definition:

In der schulmedizinische Praxis wird der Darm aber insbesondere als Vorbereitung auf Untersuchungen oder Operationen gereinigt. Hierzu führt der Patient mit einem Abführmittel (Laxans) ab und entleert seinen Darm dadurch vollständig. Wird richtig abgeführt, ist der Darm frei von Speisebrei- und Kotresten. Bei der Darmspiegelung (Koloskopie) hat der Untersucher durch die vorangegangene Darmreinigung eine bessere Sicht auf die Darmschleimhaut (intestinale Mukosa). Somit kann er die Gesundheit des Darms besser beurteilen und mögliche Entzündungen feststellen. Durch die Darmreinigung vor Operationen erhoffte man sich lange Zeit eine geringer Komplikationsrate durch Infektionen. Dieser Nutzen konnte in Studien aber nicht belegt werden.


Die Darmreinigung in der Alternativmedizin:

In der Alternativmedizin dient die Darmreinigung therapeutischen Zwecken. Die Reinigung entlastet denn Darm kurzzeitig komplett. So kann sich das Immunsystem des Darms auf andere Abwehrprozesse im Körper konzentrieren. Die Zusammensetzung des darmeigenen (intestinalen) Mikrobioms hängt von den Lebensmitteln ab, die wir essen. Durch die Reinigung kann sich auch das Mikrobiom erholen und Gifte und Pilze werden ausgeschwemmt. Viele Befürworter der Darmreinigung sehen die Darmreinigung daher als eine Art Reset für den Darm. Dies soll sich positiv auf die gesamte Körpergesundheit auswirken, insbesondere aber auf Darmbeschwerden.

Was bewirkt die Darmreinigung?

Wirkung einer Darmreinigung

Die Darmreinigung soll die Darmschleimhaut beruhigen und Entzündungen lindern. Sie unterstützt Heilungsprozesse bei Darmerkrankungen und unterstützt den Aufbau einer gesunden Darmflora.

Die Darmreinigung gilt in der Alternativmedizin als eine Therapiemöglichkeit bei Verdauungsbeschwerden. Es wird angenommen, dass sich durch die Reinigung die Darmbewegung (Peristaltik) verbessert und dadurch weniger Gärungsprozesse durch den Nahrungsbrei entstehen. Außerdem wird der Darm entgiftet und überschüssige Säuren gebunden. Hierfür gibt es aber keine klare wissenschaftliche Evidenz.

Wann führe ich eine Darmreinigung durch?

Neben den schulmedizinischen Indikationen wie Darmspiegelung, findet die regelmäßige Darmreinigung insbesondere als Therapie von Verdauungsbeschwerden wie Durchfall oder Verstopfung Anwendung. Manche wenden die Darmreinigung auch als Präventionsmaßnahme an. Ist das natürliche Mikrobiom des Darms zum Beispiel nach Antibiotikatherapie aus dem Gleichgewicht geraten, kann es ebenfalls zu Durchfällen kommen. Auch in diesem Fall lohnt sich eine Darmreinigung mit anschließender Darmsanierung. Dies bedeutet, dass nach dem Abführen Probiotika eingenommen werden. Probiotika enthalten Bakterien der natürliche Darmflora und helfen damit, das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Hierzu gibt es viele positive Erfahrungsberichte. Doch die Datenlage ist auch in diesem Fall nicht eindeutig. Ein weiterer Anwendungsbereich der Darmreinigung ist das Heilfasten. Zu Beginn dieser Fastenkur wird der Darm sorgfältig gereinigt. Anschließend wird für mehrere Tage der Darm durch das Fasten entlastet. Die Wirksamkeit des Heilfastens konnte bereits in verschiedenen Studien zu unterschiedlichen Krankheiten nachgewiesen werden. So verbessern sich beispielsweise rheumatische Beschwerden während der Fastenperiode.

Wie kann ich eine Darmreinigung durchführen?

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten die Darmreinigung durchzuführen. Ziel von allen Anwendungen ist es, den Darm von Speise- und Kotresten zu befreien. Ob auch Giftstoffe gebunden werden, ist umstritten. Häufige Anwendungen zur Darmreinigung sind:

Auch Sauerkrautsaft wirkt abführend und kann unterstützend getrunken werden. Für die Colon-Hydrotherapie gibt es spezielle Vorrichtungen in der Apotheke zu kaufen. Manche Heilpraktiker bieten auch die Durchführung des Einlaufs an. Allerdings wird bei dieser Methode der Dünndarm nicht mit gereinigt. Da der Einlauf auch das Risiko von Verletzungen bietet, ist er nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Schonender sind die Einnahme von Laxantien oder Quellstoffen.

Anleitung zur Darmreinigung

Wenn du deinen Darm reinigen willst, solltest du die folgenden Punkte beachten:

  1. Plane den Zeitpunkt der Reinigung! Da einige Vorbereitungen notwendig sind, solltest du nichts überstürzen. Es empfiehlt sich bereits am Tag vor der Darmreinigung leichte Kost zu essen. Dies erleichtert die Reinigung.
  2. Nimm dir Zeit! Die Abführmittel sorgen für Bewegung im Darm – und diese dauern meist mehrere Stunden an.
  3. WC in Reichweite! Führe die Darmreinigung am Besten zuhause durch. Da du sämtlichen Darminhalt abführst, solltest du in den Stunden nach Einnahme der Abführmittel oder Quellstoffe unbedingt eine Toilette in der Nähe haben. Der Stuhldrang ist stärker als gewöhnlich. Da der Stuhl wässrig wird, kann er auch schlechter gehalten werden.
  4. Viel trinken! Durch die schnellere Darmpassage wird dem Stuhl kein Wasser entzogen. Somit ähnelt dein Stuhl zum Ende der Reinigung wässrigem Durchfall. Achte darauf, deinen Wasserhaushalt wieder aufzufüllen.
  5. Schonend mit dem Essen starten! Du hast deinen Darm erfolgreich gesäubert? Jetzt nichts überstürzen! Du solltest deinen Darm mit der ersten Mahlzeit nicht direkt überfordern. Auch hier empfiehlt sich leicht Kost wie Suppen oder gedünstetes Gemüse.
  6. Darmgesundheit erhalten! Den besten Effekt erzielst du mit der Darmreinigung, wenn in der Phase danach möglichst auf ungesunde Nahrungsmittel wie Zucker verzichtest. Sie geben nämlich den falschen Darmbakterien Nährboden.

Wie kann ich meinen Darm natürlich reinigen?

Bei der beschriebenen Darmreinigung wird der Darm komplett gesäubert. Um deinen Darm im Alltag gesund zu halten, kannst du aber auch regelmäßig und schonend deinen Darm reinigen. Hierzu eignen sich Quellstoffe. Sie bewirken zwar nicht eine vollständige Säuberung des Darms, aber sorgen für einen besseren Transport des Darminhalts. Leinsamen und Flohsamenschalen sind typische Quellstoffe. Regelmäßig eingenommen verbessern sie Stuhlbeschaffenheit und damit auch die Darmgesundheit. Durch ihre Fähigkeit Wasser zu binden quellen sie im Darm auf. Dadurch bilden sie eine Schleimschicht und regen die Verdauung an. Durch ihren regulierenden Effekt helfen Leinsamen und Flohsamenschalen sowohl bei Durchfall als auch bei Verstopfung. Am besten werden die Samen täglich in Kombination mit anderen Nahrungsmitteln eingenommen. Zum Beispiel als Ergänzung des morgendlichen Müslis. Da sie Wasser binden ist es besonders wichtig, viel zu trinken. In unserem Artikel Flohsamen (hier) findest du mehr Information zur Wirkung und Anwendung von Flohsamen.

Quellen

Hartl, M., Lassnig, T., Sommerauer, E., Wewerka-Kreimel, D., Möseneder, J., & Karner, G. (2015). DIÄTETISCHE VORBEREITUNG FÜR EINE K. Journal für Ernährungsmedizin, 17(3), 30-31. Online: https://www.kup.at/kup/pdf/13500.pdf

Duchmann, R., Hoffmann, J., Marth, T., Schneider, T., Stallmach, A., & Zeitz, M. (1997). Mukosales Immunsystem im Darm. Ann Thorac Surg, 49, 202-209. Online: https://www.uni-saarland.de/fileadmin/user_upload/Campus/Forschung/forschungsmagazin/1999/1/Mokusales_Immunsystem.pdf.

Andre Sommer

Dr. med. André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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