Glaubersalz – Anwendung und Wirkweise von Glaubersalz

 In Alternativmedizin

Bei dem hochwirksamen Abführmittel Glaubersalz, oder auch Karlsbader Salz, handelt es sich um Natriumsulfat. Dieses wird entweder industriell gewonnen oder durch das Eindampfen von Mineralwasser erzeugt wird. Die Bezeichnung Glaubersalz erinnert an den Entdecker J. R. Glauber der den Stoff im Jahr 1625 entdeckte. Der Name Karlsbader Salz erinnert an das Mineralwasser aus Karlsbad, aus dem es gewonnen wurde. Glaubersalz und Bittersalz haben eine vergleichbare Wirkung. Bei Bittersalz handelt es sich jedoch um Magnesiumsulfat, das 1697 von N. Grew (ebenfalls aus Mineralwasser extrahiert) entdeckt wurde.

Wie viel Glaubersalz wird eingenommen?

Erwachsene lösen zwei bis vier Teelöffel (10 bis 20 g) der farblosen Kristalle in einem Viertelliter Wasser auf. Haben sich sämtliche Kristalle gelöst, kann man diese Glaubersalz-Lösung einnehmen. Fruchtsäfte können den eigenwilligen Geschmack mildern. Zudem kann ein Glas klares Wasser helfen, den Geschmack wieder aus dem Mund zu bekommen. Die Anwendung von Glaubersalz ist einfach, aber nicht sehr angenehm. Einige Konsumenten reagieren bei dem Geschmack sogar mit Erbrechen. Die Wirkung sollte in acht bis zehn Stunden eintreten. Um die Wirkung zu beschleunigen, kann eine Menge von 20 bis 30 g in einem halben Liter Wasser gelöst werden, wodurch die Wirkung schon in zwei bis vier Stunden eintritt. Kindern ab sechs Jahren sollten maximal ein bis zwei Teelöffel in einem Viertelliter Wasser aufgelöst werden. Eine höhere Dosierung sollte nicht oder nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Gibt es Glaubersalz auch als Kapseln?

Reines Glaubersalz wird nicht in Form von Kapseln verkauft, aber Bittersalz-Glaubersalz-Mischungen werden im Fachhandel angeboten. Die Kapseln sollen helfen, den schwierigen Glaubersalz-Geschmack zu umgehen, werden allerdings von einigen Menschen als wirkungslos betrachtet.

Wann wird Glaubersalz eingenommen?

Obwohl die Packungsbeilage anderes empfiehlt, hat es sich bewährt, Glaubersalz morgens einzunehmen. Setzt die Wirkung ein, ist mit einer kompletten Darmentleerung zu rechnen – es ist ratsam, nach der Einnahme in der Nähe einer Toilette zu verbleiben. Die Empfehlung, Glaubersalz vor dem Schlafengehen einzunehmen, könnte funktionieren, wenn die Wirkung wirklich erst nach acht Stunden eintritt, aber wer möchte schon von Durchfällen aus dem Schlaf gerissen werden? Wer lieber auf Nummer sicher gehen will, verbringt die Wartezeit lieber gemütlich mit einem Buch auf dem Sofa.


Welche Wirkung hat Glaubersalz?

Glaubersalz hält durch Osmose das Wasser im Darm und erhöht den Flüssigkeitsanteil des Stuhls. Durch den höheren Flüssigkeitsanteil wird das Stuhl-Volumen erhöht und der Impuls des Darmes, sich zu entleeren, ausgelöst. Dieses Entleeren wird von den meisten Menschen als äußerst heftig wahrgenommen, vor allem weil es in Durchfällen stattfindet. Da mehr Flüssigkeit als normal ausgeschieden wird, ist es während einer Glaubersalz-Anwendung extrem wichtig, viel zu trinken.

Für welche Anwendungen eignet sich Glaubersalz?

Glaubersalz wird zur Darmreinigung vor Fastenkuren sowie zur kompletten Darmentleerung vor Operationen und Untersuchungen verwendet. Natürlich eignet es sich auch bei Verstopfungen und zum Abführen – allerdings empfinden die meisten Menschen die Heftigkeit der Wirkung als Tortur. Für leichte bis mittlere Beschwerden ist Glaubersalz nicht geeignet, da es zahlreiche Nebenwirkungen aufweist, die durch sanftere Präparate zu vermeiden sind.

Warum wird Glaubersalz vor dem Fasten verwendet?

Eine Fastenkur oder Heilfasten bedeutet nicht einfach nichts zu essen. Bevor mit dem eigentlichen Fasten begonnen werden kann, ist es notwendig, den Verdauungstrakt komplett zu Entleeren. Normalerweise schiebt neue Nahrung die alte Nahrung weiter. Wird gefastet, kommt keine neue Nahrung nach und die zuvor eingenommene Nahrung verdirbt im Verdauungstrakt. Dieser gärende Nahrungsbrei würde zu einer Vergiftung führen, gäbe es beim Fasten nicht den sogenannten Abführtag, der genutzt wird, um den Verdauungsapparat zu säubern. Diese Fasten-Vorbereitung wird oft auch als „Glaubern“ bezeichnet, da in diesem Fall die extreme Wirkung des Glaubersalzes durchaus erwünscht ist. Ein weiterer Aspekt, warum vor dem Fasten eine Darmentleerung sinnvoll ist, besteht darin, dass das Hungergefühl schwächer ausfällt, wenn der Verdauungstrakt leer ist.

Kann man mit Glaubersalz abnehmen?

Ja und nein. Natürlich wird man leichter, wenn man den Darm komplett entleert, allerdings nicht schlanker. Abnehmen durch Glaubersalz ist ungefähr so sinnvoll, wie Abnehmen durch Haareschneiden – natürlich bringt man weniger Gewicht auf die Waage, die Lieblingsjeans geht aber immer noch nicht zu. Grundsätzlich sind Abführmittel kein geeignetes Mittel zur dauerhaften Gewichtsreduktion. Hier helfen nur mehr Bewegung und eine vernünftige Ernährungsumstellung.

Wo kann man Glaubersalz kaufen?

Glaubersalz ist ein freiverkäufliches Arzneimittel und darf deshalb auch außerhalb von Apotheken verkauft werden. Der Kauf außerhalb einer Apotheke hat den Nachteil, dass keine Beratung durch den Apotheker stattfinden kann und der Beipackzettel (und vielleicht die Service-Hotline des Herstellers) als einziger Ansprechpartner zur Verfügung steht. Glaubersalz hat keinen besonders hohen Preis (etwa 3 € pro 100 g) und gerade in Verbindung mit Abführmitteln kann eine Fachberatung Fehlanwendungen verhindern. Möglicherweise bietet der Apotheker auch Produkte an, die sanfter wirken.

Hat Glaubersalz Nebenwirkungen?

Wird Glaubersalz zu hochdosiert, kann dies zu einem erhöhten Natriumgehalt des Blutes führen, wodurch Wasseransammlungen (Ödeme) und Bluthochdruck ausgelöst werden können. Die grundsätzliche Wirkweise schwemmt Salze, Kalium und Wasser aus dem Körper, weshalb von häufiger Anwendung abzuraten ist. Grundsätzlich ist eine hohe Flüssigkeitszufuhr während der Behandlung wichtig, um eine mögliche Dehydrierung auszuschließen. Patienten mit Bluthochdruck, entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen oder Darmverschluss sollten auf eine Anwendung gänzlich verzichten. Übrigens: Durch Glaubersalz wird die Wirkung der Anti-Baby-Pille gestört. Um eine Schwangerschaft zu vermeiden, sollten nachfolgend andere Verhütungsmittel zum Einsatz kommen.

Wie wirkt sich Glaubersalz während der Schwangerschaft und Stillzeit?

Wir empfehlen während der Schwangerschaft Glaubersalz nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt zu verwenden. Viele Schwangere leiden unter Verstopfungen. Eine mögliche Ursache hierfür ist die erhöhte Ausschüttung von den Hormon Progesteron. Dieses Hormon verlangsamt die Verdauung. Verstopfungen dieser Art sind zwar unangenehm, stellen aber kein Risiko für das ungeborene Kind dar. Abführmittel hingegen können unter Umständen vorzeitige Wehen auslösen. Zusätzlich begünstigt Glaubersalz die Neigung zur Bildung von Ödemen, weshalb von der Einnahme während der Schwangerschaft abzuraten ist. Ein Übertritt des Wirkstoffes in die Muttermilch ist nicht bekannt.

Gibt es Alternativen zum Glaubersalz?

Um die richtige Alternative zum Glaubersalz zu finden, ist es wichtig, den Anwendungsfall genau zu analysieren. Bittersalz hat beispielsweise eine ähnlich dramatische Wirkung, wird aber oft als geschmacklich weniger unangenehm empfunden. Eine sehr sanfte Methode, den Enddarm ohne Nebenwirkungen zu reinigen, ist der Einlauf. Dieser Methode stehen viele Menschen skeptisch gegenüber. Dabei handelt es sich um ein bewährtes Mittel, um Verstopfungen zu lösen oder sich auf das Fasten vorzubereiten. Ist die Darmentleerung zur Vorbereitung auf einen medizinischen Eingriff notwendig, ist es ratsam, dieses Thema bei der Vorbesprechung mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Soll Glaubersalz zum Lösen einer Verstopfung genutzt werden, ist eine Vielzahl von freiverkäuflichen Abführmitteln (Laxanzien) erhältlich. Diese können an den Patienten und der jeweiligen Situation angepasst werden. Glaubersalz, wie auch andere Abführmittel, sollte nur im Ausnahmefall Verwendung finden. Bei regelmäßiger Einnahme könnte der Darm an die Unterstützung gewöhnen und in der Folge mit noch mehr Trägheit reagiert. Daraus kann sogar eine chronische Verstopfung entstehen.

Quellen
 D. M. Cocchetto, G. Levy (1981). Absorption of orally administered sodium sulfate in humans. Journal of Pharmaceutical Sciences 70:3. 331–333. Online abgerufen am 28.06.2018 unter https://jpharmsci.org/article/S0022-3549(15)43625-1/pdf
A. J. Eherer, J. S. Fordtran (1992). Fecal osmotic gap and pH in experimental diarrhea of various causes. Gastroenterology 103:2. 545–551. Online abgerufen am 28.06.2018 unter https://www.gastrojournal.org/article/0016-5085(92)90845-P/pdf
F. M. Kenny, M. A. Holliday (1964). Hypoparathyroidism, Moniliasis, Addison’s and Hashimoto’s Diseases — Hypercalcemia Treated with Intravenously Administered Sodium Sulfate. New England Journal of Medicine. 271:708–713. Online abgerufen am 28.06.2018 unter https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM196410012711404
Andre Sommer

André Sommer, Arzt und Autor bei reizdarm.one

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