Reizdarm-Tests

Viele Menschen mit Darmproblemen fragen sich, ob sie am Reizdarmsyndrom leiden. Dies kann nur durch umfangreiche Tests im Rahmen einer durch einen Arzt durchgeführten Reizdarm-Diagnostik bestätigt werden. Eine Diagnose, die auf reinen Selbsttests beruht ist sehr gefährlich, da durch einen Arzt gefährliche Krankheiten wie zum Beispiel Darmkrebs ausgeschlossen werden müssen. Dies ist durch Reizdarm-Tests im Internet oder auch bei Heilpraktikern auf keinen Fall möglich. Ist die Diagnose jedoch bestätigt, helfen Reizdarm-Tests, den Verlauf und die Schwere der Erkrankung festzustellen. Gerade während der Therapie geben Reizdarm-Tests Hinweise auf den Erfolg der Behandlung. Im Folgenden findest du einige Informationen und Beispiel-Fragen rund um Reizdarm-Tests.

Welche Reizdarm-Tests gibt es?

Wenn es um Reizdarmsyndrom-Tests geht, solltest du folgende zwei bekannte Tests kennen:

  1. Krankheitsschwere: IBS-SSS (engl. für IBS-serverity scoring system), ein Fragebogen zur Erfassung der Schwere des Reizdarmsyndroms
  2. Einschränkung der Lebensqualität: IBS-QOL (engl. Irritable Bowel Syndrome Quality of Life), ein Test zur Erfassung der Lebensqualität beim Reizdarmsyndrom

Welcher Test misst die Krankheitsschwere beim Reizdarmsyndrom?

Der IBS-SSS ist ein sehr häufig verwendeter Test, der die Krankheitsschwere bei Betroffenen mit Reizdarm erfasst. Er wurde im Jahr 1997 in englischer Sprache und 2013 in deutscher Sprache in einer größeren Gruppe von Patienten geprüft (validiert) und wird seitdem in vielen medizinischen Studien und im klinischen Alltag verwendet. Bei dem Test werden durch Arzt und Patient unter anderem Schmerz, Blähungen, Darmprobleme und Lebensqualität bewertet.

  1. Im ersten Teil des Tests wird die Symptomschwere anhand von Fragen bewertet.
  2. Der zweite Teil des Tests erfragt weiterführende Informationen über die Symptome wie beispielsweise die Stuhlbeschaffenheit und -konsistenz sowie die Lokalisation der Bauchschmerzen. Das Test-Ergebnis ist eine Punktzahl (Score), der die Schwere der Verdauungsprobleme angibt. Insgesamt dauert der IBS-SSS etwa fünf Minuten.

Wie wird die Schwere vom Reizdarmsyndrom getestet?

Hier findest du ein paar abgewandelte Beispielfragen:

Testfragen für Bauchschmerzen

  • Hast du aktuell Bauchschmerzen? (ja/nein)
  • Wie schwer sind deine Bauchschmerzen auf einer Skala von null bis zehn (0=keine Schmerzen, 10=äußerst starke Schmerzen)
  • Wie viele Tage in der letzten Woche hattest du Bauchschmerzen?

Testfragen für Blähbauch und Blähungen

  • Leidest du aktuell an einem Blähbauch oder Blähungen? (ja/nein)
  • Wie ausgeprägt ist der Blähbauch auf einer Skala von null bis zehn?

Testfragen für das Stuhlverhalten

  • Wie zufrieden bist du mit deinem Stuhlgang auf der Skala von null bis zehn? (0=sehr zufrieden, 10=sehr unzufrieden)
  • Wie oft hast du Stuhlgang pro Woche?

Welcher Test misst die Lebensqualität beim Reizdarm?

Der IBS-QOL ist ein Test für die Lebensqualität bei Reizdarmsyndrom. Er dauert etwa zehn Minuten und wurde in verschiedene Sprachen übersetzt. Der Test besteht aus 34 Frageteilen (Items) und liefert eine Punktezahl, welche die Lebensqualität beim Reizdarmdarmsyndrom abbildet. Dabei spricht ein hohes Testergebnis für eine gute Lebensqualität und ein niedriges für eine geringe Lebensqualität.

Wie genau wird die Lebensqualität beim Reizdarmsyndrom gemessen?

Es werden unterschiedliche Tests und Fragebögen zum Messen des Verlaufs und der Schwere des Reizdarmsyndroms eingesetzt. Diese geben Arzt und Patient Rückmeldung, wie stark die Krankheit ausgeprägt ist. Die Lebensqualität spielt bei chronischen Erkrankungen eine besondere Rolle, da sich die Krankheit auf viele Lebensbereiche negativ auswirken kann. Wenn mehrere der folgenden Fragen auf dich zutreffen, kann es gut sein, dass deine Lebensqualität durch die Verdauungsprobleme leidet. Die Fragen sind ein abgeänderter Ausschnitt aus dem IBS-QOL:

  1. Ich fühle mich hilflos und verletzlich wegen meiner Darmprobleme.

  2. Es stört mich, wie oft ich auf die Toilette muss.

  3. Ich fühle mich fett wegen der Darmprobleme.

  4. Ich fühle mich isoliert und einsam wegen der Darmprobleme.

  5. Ich kann das Leben schlechter genießen wegen der Darmprobleme.

  6. Ich verliere die Kontrolle über mein Leben wegen der Darmprobleme.

  7. Es fällt mir schwer, mich über meine Darmprobleme zu unterhalten.

  8. Ich muss aufpassen, was und wie viel ich esse wegen meiner Verdauungsprobleme.

  9. Mein Sexualleben leidet wegen meiner Darmprobleme.

  10. Ich habe Angst, meine Mitmenschen mit meinen Darmproblemen zu belasten.

  11. Ich habe Angst, dass sich meine Darmprobleme verschlimmern.

  12. Die Darmprobleme schränken ein, was ich anziehen kann.

  13. Ich habe das Gefühl, niemand versteht mich mit meinen Darmproblemen.

Wie erleben Menschen mit Reizdarm ihre Krankheit?

Am Reizdarmsyndrom zu leiden ist sehr frustrierend, weil die Krankheit den Alltag durch ihre Unvorhersehbarkeit dominiert. Betroffene haben häufig bestimmte negative Leitsätze im Kopf, die folgenden Fragen ähneln:

  1. Kann ich das trotz meines Blähbauchs anziehen?

  2. Wie reagiert mein Bauch, wenn ich dies und das esse?

  3. Was denken die anderen, wenn ich ständig zur Toilette renne?

  4. Was mache ich, wenn keine Toilette in der Nähe ist?

  5. Wie erkläre ich anderen mein Problem?

  6. Was passiert, wenn ich wegen meiner Probleme die Verabredung absage?

  7. Was mache ich, wenn ich Hunger bekomme und nichts Verträgliches zu Essen finde?

In machen Fällen fühlen sich Betroffene auch schmutzig und ekeln sich vor sich selbst. In anderen Fällen sind das Sozial- und Sexualleben erheblich eingeschränkt.

Was beschäftigt Betroffene mit starken Darmproblemen besonders?

In Fällen von besonders schweren und langanhaltenden Darmproblemen sind es meist nicht die körperlichen Symptome, wie Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder Blähungen, die am meisten belasten. Vielmehr werden gerade die sozialen und psychischen Einschränkungen durch das Reizdarmsyndrom als besonders belastend empfunden. Bestimmte Tests haben ergeben, dass drei Gefühle sind hierbei besonders dominieren

  1. Frustration
  2. Isolation
  3. Unzufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung

Wie stark ist die Lebensqualität durch das Reizdarmsyndrom eingeschränkt?

Es wird häufig unterschätzt, wie stark die Lebensqualität bei Personen mit Reizdarm leidet. Menschen mit leichten bis mittelschweren Symptomen geben im Schnitt an, 73 Tage im Jahr durch das Reizdarmsyndrom im Alltag eingeschränkt zu sein. Dies entspricht einer verringerten Lebensqualität an jedem fünften Tag.

Schätzen Ärzte und Patienten die Schwere des Reizdarmsyndroms gleich ein?

Nein, meist gehen die Einschätzungen auseinander. Ärzte und Patienten haben häufig unterschiedliche Theorien bezüglich der Ursache und Schwere des Reizdarmsyndroms, aber auch bezüglich der Behandlungsmethode und -erfolge. Ärzte schätzen die Schwere der Reizdarm-Symptome und die Einschränkung der Lebensqualität im Schnitt weniger gravierend ein als die betroffenen Patienten. Bis heute kennt man keine genauen Ursachen für das Reizdarmsyndrom, sodass Patienten häufig unzufrieden mit den Antworten ihrer Ärzte sind. Außerdem sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Viele Patienten vermuten, dass die Ernährung (z.B. Allergien und Unverträglichkeiten) oder psychische Probleme für die Krankheit verantwortlich sind, obwohl ihre Ärzte diese Zusammenhänge nicht bestätigen können. All diese Faktoren machen die Arzt-Patienten-Beziehung komplex und können die Behandlung des Reizdarmsyndroms schwierig machen.

Quellen
Betz, C., Mannsdörfer, K. and Bischoff, S.C., 2013. [Validation of the IBS-SSS]. Zeitschrift fur Gastroenterologie, 51(10), pp.1171-1176. Online abgerufen am 09.05.2016 unter https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0033-1335260
Houghton, L.A., Heitkemper, M., Crowell, M.D., Emmanuel, A., Halpert, A., McRoberts, J.A. and Toner, B., 2016. Age, Gender, and Women’s Health and the Patient. Gastroenterology, 150(6), pp.1332-1343. Online abgerufen am 09.05.2016 unter http://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(16)00183-9/abstract
Drossman, D.A., Patrick, D.L., Whitehead, W.E., Toner, B.B., Diamant, N.E., Hu, Y., Jia, H. and Bangdiwala, S.I., 2000. Further validation of the IBS-QOL: a disease-specific quality-of-life questionnaire. The American journal of gastroenterology, 95(4), pp.999-1007. Online abgerufen am 09.05.2016 unter http://www.nature.com/ajg/journal/v95/n4/fig_tab/ajg2000256t4.html
Francis, C.Y., Morris, J. and Whorwell, P.J., 1997. The irritable bowel severity scoring system: a simple method of monitoring irritable bowel syndrome and its progress. Alimentary pharmacology & therapeutics11(2), pp.395-402. Online abgerufen am 09.05.2016 unter http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1046/j.1365-2036.1997.142318000.x/epdf

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