Harter Stuhlgang – Ursachen, Hausmittel und Alarmzeichen

Wenn dem Nahrungsbrei durch eine zu langsame Darmpassage zu viel Wasser entzogen wird, kann harter Stuhlgang entstehen. Häufig geht damit auch eine Verstopfung einher. Insbesondere eine zu geringe Trinkmenge und eine ballaststoffarme Kost können harten Stuhl begünstigen. Zu harter Stuhl kann jedoch auch Zeichen einer entzündlichen Darmerkrankung, des Reizdarmsyndroms oder eines Darmtumors sein. Hier wird erklärt, was die Ursachen von hartem Stuhlgang sind, was man dagegen tun kann und wann ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Was ist mit hartem Stuhlgang gemeint?

Normalerweise hat Stuhl eine weiche Konsistenz, die beim Toilettengang problemlos den Darm verlassen kann. Harter Stuhlgang ist jedoch trockener und häufig auch in kleinere Abschnitte („Köttel“) unterteilt. Die Defäkation ist in vielen Fällen mit starkem Pressen verbunden, oft muss dafür auch mehr Zeit aufgewendet werden. Teilweise wird harter Stuhlgang mit Verstopfungen (Obstipationen) gleichgesetzt, letztere beschreibt jedoch genaugenommen nur eine seltene Stuhlentleerung. Häufig gehen jedoch harter Stuhlgang und Verstopfungen miteinander einher. Gelegentlich kann es zudem zu sogenannten paradoxen Stühlen kommen, bei denen eine Verstopfung und Durchfälle zusammen auftreten. Dabei wird der Darminhalt vor einem eingedickten Kotballen aufgestaut, verflüssigt sich und läuft dann am Kotballen vorbei.

Was sind Ursachen von hartem Stuhlgang?

Harter Stuhlgang entsteht, wenn dem Stuhl auf dem Weg durch den Darm zu viel Wasser entzogen wird. Dies kann geschehen, wenn der Körper die Flüssigkeit dringend benötigt, oder wenn der Stuhl durch langsame Darmbewegungen zu lange im Verdauungssystem verbleibt. Zu einem Flüssigkeitsmangel kommt es in den meisten Fällen durch eine zu geringe Trinkmenge. Seltener sind Erbrechen, starkes Schwitzen oder großflächige Verbrennungen ursächlich. Der Bewegungsmangel in vielen Berufen, in denen außerdem oft ein Toilettengang nicht direkt bei einsetzendem Stuhldrang möglich ist, wird ebenfalls für die steigenden Betroffenenzahlen von Obstipationen und hartem Stuhlgang verantwortlich gemacht.

Was sind Ursachen einer zu langsamen Darmbewegung?

Eine zu langsame Darmbewegung kann viele Ursachen haben. Die Darmbewegung (Peristaltik) wird unter anderem durch die Stuhlmenge beeinflusst, da eine Wanddehnung die Peristaltik anregt. Die Stuhlmenge wird erheblich durch die Aufnahme von Ballaststoffen verändert. Ballaststoffe sind Nahrungsmittelbestandteile, die nicht in den Blutkreislauf aufgenommen werden, also zum Beispiel unverdauliche Pflanzenfasern aus Zellulose. Sie können Wasser anziehen und führen so zu einem Aufquellen des Stuhls. Auf diesem Weg führt eine erhöhte Ballaststoffaufnahme zu einem größeren Stuhlvolumen und damit zu einer schnelleren Darmpassage. Nahrungsmitteln wie Schokolade, schwarzem Tee und Bananen wird eine eher stuhlverhärtende Wirkung nachgesagt. Auch Medikamente und Hormone, zum Beispiel aus der Schilddrüse, verändern die Darmgeschwindigkeit.

Was ist die Besonderheit von hartem Stuhlgang bei Kindern?

Insbesondere bei Kindern kann sich aus hartem Stuhlgang und Verstopfungen ein Teufelskreis entwickeln: Das lange und starke Pressen bei hartem Stuhl führt zu Schmerzen, eventuell kann die Haut der Analregion einreißen (Analfissuren), wenn der zu harte Stuhl nicht rauskommt. Aus diesem Grund wird der Toilettengang vermieden und der Stuhl trotz Drang zurückgehalten, was die Verstopfungen verstärkt. Im Enddarm können sich dann harte Kotballen (Kotsteine) bilden, die teilweise sogar mit dem Finger ausgeräumt werden müssen. Harter Stuhlgang ist bei Kindern der häufigste Grund für Bauchschmerzen.

Für welche Erkrankungen kann zu harter Stuhlgang ein Zeichen sein?

In den meisten Fällen ist harter Stuhlgang ein Zeichen für eine ungünstige Ernährung, eine zu geringe Trinkmenge und Bewegungsmangel. Es gibt jedoch auch Krankheiten, die zu Verstopfungen und Stuhlveränderungen führen können.

Zu harter Stuhlgang durch Schilddrüsenunterfunktion

So ist die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) nicht selten Auslöser dieser Beschwerden, dazu kommen häufig Haar- und Hautprobleme, ein erhöhtes Kälteempfinden, eine Gewichtszunahme oder depressive Verstimmungen.

Harter Stuhlgang durch Medikamente

Auch einige Medikamente, allen voran die Opiate, können die Darmbewegungen verlangsamen und damit den Stuhl eindicken lassen. Elektrolytstörungen, wie zum Beispiel die Hypokaliämie, hemmen ebenfalls die Peristaltik. Davon lässt sich auch ein Teufelskreis bei der langfristigen Benutzung von Abführmitteln ableiten: Diese führen über den Darm zu einem Elektrolytverlust, der wiederum zur Aufrechterhaltung der Beschwerden und dem weiteren Bedarf an Abführmitteln führt.

Harter Stuhlgang durch Darmerkrankungen

Viele Darmerkrankungen können sich in hartem Stuhl äußern. Dazu gehören beispielsweise die entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder die Divertikulitis, bei der sich Darmwandausstülpungen im Dickdarm entzünden. Bei starken Entzündungen kann dem harten Stuhl Blut beigemengt sein.

Auch jede Darmverengung harten Stuhlgang provozieren. Dabei kann es sich um Verklebungen nach vorangegangenen Operationen (Briden), Polypen, Bauchwandbrüche (Hernien) oder Darmtumore handeln. Auch Erkrankungen des Enddarms oder der Analregion, insbesondere Einrisse oder Hämorrhoiden, können durch Schmerzen bei der Defäkation Verstopfungen und harten Stuhl begünstigen. Hier kommt es auch teilweise zu Blutbeimengungen.

Harter Stuhl durch Nervenkrankheiten

In selteneren Fällen liegen der Verstopfung neurogene Störungen zugrunde. Bei der Parkinson-Krankheit, der Multiplen Sklerose oder auch der diabetischen Neuropathie werden die Signale aus dem Darm nicht mehr richtig weitergeleitet und es kann dadurch zu Darmbewegungsstörungen kommen.

Harter Stuhlgang beim Reizdarmsyndrom

Können keine organischen Ursachen des harten Stuhlgangs gefunden werden, kann es sich in vielen Fällen um ein Reizdarmsyndrom handeln. Bis zu 50 Prozent der Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden leiden an einem Reizdarmsyndrom, das sich bei manchen Menschen eher mit Durchfällen und bei anderen mit Verstopfungen zeigt. Häufig treten zudem Bauchschmerzen, Übelkeit, ein Völlegefühl und Blähungen auf. In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden kurzzeitig nach der Defäkation. Bisher ist nicht endgültig geklärt, welche Ursachen zum Reizdarmsyndrom führen. Häufig ging den Beschwerden initial eine Magen-Darm-Infektion voraus, weshalb ursächlich eine bakterielle Fehlbesiedlung, eine latente Darmentzündung oder eine übersensible Schmerzwahrnehmung vermutet werden. Da sich die Beschwerden unter Stress und Schlafmangel meist verstärken, ist der erste Schritt in der Behandlung meist eine Umstellung der Lebensgewohnheiten hin zu einem entspannteren Tagesablauf.

Wann zum Arzt mit hartem Stuhlgang?

Grundsätzlich können Stuhlveränderungen je nach Ernährungslage vorkommen, ohne direkt bedrohlich zu sein. Einen Arzt oder Apotheker aufzusuchen kann dennoch sinnvoll sein, um durch die Verdauungsstörungen nicht die Lebensqualität einschränken zu lassen. Menschen über dem 50. Lebensjahr sollten Stuhlveränderungen jedoch ernster nehmen: In diesem Lebensalter steigt das Risiko, dass sich hinter Durchfall oder Verstopfungen eine bösartige Erkrankung verbirgt. Blut im Stuhl ist dabei immer ein Warnzeichen, was in jedem Falle abgeklärt werden sollte. Weitere Beschwerden, die einen Arztbesuch nach sich ziehen sollten, sind ein merklicher Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß. Auch wenn sich der harte Stuhlgang nach einigen Wochen der Ernährungsumstellung (mehr trinken und mehr Ballaststoffe) nicht verändert, sollte unabhängig von weiteren Beschwerden ein Arzt aufgesucht werden. Hier kann dann beispielsweise mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen und einer Darmspiegelung (Koloskopie) den Symptomen auf den Grund gegangen werden.

Welche Folgen kann harter Stuhlgang haben?

Unabhängig davon, dass harter Stuhlgang ein Zeichen einer ersteren Erkrankung sein kann und deshalb ärztlich abgeklärt werden muss, sollte er nicht auf Dauer toleriert werden. Es wird davon ausgegangen, dass der erhöhte Druck im Dickdarm, ausgelöst durch das Pressen bei der Defäkation, einige Krankheiten begünstigt. So soll die Divertikelkrankheit bei vorliegenden Verstopfungen eher auftreten, weil durch den Druck eher Ausstülpungen auftreten. Auch Hämorrhoiden und Analfissuren sind bei hartem Stuhlgang häufiger. Bisher unklar ist, ob außerdem ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs besteht.

Welche Hausmittel helfen gegen harten Stuhlgang?

Hausmittel Nr. 1 gegen harten Stuhl: Bewegung

Regelmäßige körperliche Betätigung kann die Darmbewegungen anregen und so die Nahrungspassage beschleunigen. Außerdem sollte ein aufkommender Stuhldrang nicht ignoriert werden, sondern ein Toilettengang bald darauffolgen. Es gibt eine Reihe von Hausmitteln gegen harten Stuhl.

Hausmittel Nr. 2 gegen harten Stuhl: ausreichend Flüssigkeit

Häufig lässt sich zu harter Stuhlgang bereits durch eine genügend große Trinkmenge von etwa 1,5 bis zwei Litern Wasser pro Tag und eine ausreichende Menge Ballaststoffe behandeln.

Hausmittel Nr. 3 gegen harten Stuhl: Ballaststoffe

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich etwa 30 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen – das ist jedoch die doppelte Menge von dem, was der durchschnittliche Deutsche tatsächlich täglich verzehrt. Weil zu viele Ballaststoffe ohne eine adäquat erhöhte Trinkmenge die Verstopfungs- und Stuhlbeschwerden noch verstärken würden, wird empfohlen, die Menge Ballaststoffe langsam zu steigern. Vorzugsweise sollten Ballaststoffe über die normale Nahrung mit aufgenommen werden. Ballaststoffreiche Lebensmittel sind beispielsweise Vollkornprodukte, insbesondere solche aus Roggen, sowie Gemüse und Obst. Andere Lebensmittel, die die Verdauung anregen können, sind unter anderem Sauerkraut, Trockenpflaumen und Apfelessig. Wenn dies nicht ausreicht, können Ballaststoffe zusätzlich in der Form von Flohsamenschalen, Kleie, Leinsamen oder Chiasamen den Lebensmitteln zugesetzt werden. Von diesen Zusatzstoffen sollten jedoch nicht mehr als 15 Gramm täglich verzehrt werden, zudem binden sie so viel Wasser im Darm, dass die Trinkmenge erheblich erhöht werden muss.

Kann ich Abführmittel gegen harten Stuhlgang nehmen?

Auch kommerzielle Abführmittel, wie zum Beispiel Lactulose oder Macrogol, wirken in den meisten Fällen über ein Aufquellen des Stuhls und sorgen so für eine weichere Konsistenz. Andere Medikamente wirken über die Beschleunigung der Darmbewegung oder sorgen für eine Steigerung der Flüssigkeitsmenge im Darm. Bei allen Abführmitteln sollte beachtet werden, dass sich durch den Gebrauch eine Abhängigkeit einstellen kann, bei der ein weicher Stuhl nur noch durch die Mittel herbeigeführt werden kann. Außerdem kann der langanhaltende Gebrauch dieser Medikamente zu Wasser- und Elektrolytstörungen führen und sollte aus diesem Grund nur mit ärztlicher Überwachung erfolgen.

Gelegentlich lässt sich stark eingedickter Kot aus dem Enddarm auch manuell entfernen, oder es werden fetthaltige Einläufe und Zäpfchen verwendet, die die Defäkation weniger schmerzhaft werden lassen. Bei solchen Methoden ist äußerste Vorsicht geboten.

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Quellen
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