Durchfall (Diarrhoe) – was hilft gegen Durchfall?

Durchfall (Diarrhoe) ist ein sehr unangenehmes Symptom, das fast jeder schon einmal erlebt hat. Durchfall äußert sich durch häufigen Stuhldrang und wässriger Stuhlkonsistenz. Während viele Menschen Durchfall mit einer Lebensmittelvergiftung oder einer Magen-Darm-Infektion in Verbindung bringen, können auch andere Erkrankungen wie z.B. Störungen im Hormonhaushalt oder ein Reizdarm die Ursache für Durchfall darstellen. Da sich in seltenen Fällen auch eine bösartige Erkrankung hinter Durchfällen verbergen kann, ist eine ärztliche Abklärung in jedem Fall erforderlich. Allgemein ist strenge Hygiene bei Durchfallerkrankungen sehr wichtig, um eine Übertragung auf Mitmenschen zu verhindern. Im Folgenden wird erklärt, was Durchfall genau ist, welche Ursachen verantwortlich sein können, welche Untersuchungen notwendig sind und wie Durchfall mit Medikamenten und Hausmitteln behandelt wird.

Was genau ist Durchfall?

bristol_stuhlformen_skalaVon Durchfall spricht man, wenn Betroffene

  • mehr als drei Mal täglich auf die Toilette müssen
  • der Stuhl wässrig oder von dünnflüssiger/breiiger Konsistenz ist (Bristol Stuhlform Skala 5 oder 6)
  • die Menge des Stuhls mehr als 250 Gramm am Tag beträgt

Durchfall wird außerdem nach der Dauer in akuten Durchfall und chronischen Durchfall unterteilt:

  • akuter Durchfall dauert maximal zwei bis vier Wochen
  • von Chronischem Durchfall spricht man ab einer Dauer von 4 Wochen

Wie wird Durchfall behandelt?

Die meisten Fälle des akuten Durchfalls werden symptomatisch behandelt. Das bedeutet, dass nicht die Ursache an sich, sondern die Symptome behandelt werden. In den meisten Fällen ist akuter Durchfall selbstlimitierend und klingt nach drei bis fünf Tagen ab. Gerade bei starken Durchfällen verliert der Körper viel Wasser und Elektrolyte, weshalb der Ersatz von Elektrolyten und Flüssigkeit die wichtigste Maßnahme darstellt.

Aus diesem Grund haben früher Eltern ihren Kindern oft Cola und Salzstangen zum Verzehr gegeben, allerdings ist dies nicht zu empfehlen, da der Zuckergehalt der Cola zu stark ist und so den gegenteiligen Effekt hervorrufen kann.

Bei sehr schweren Durchfällen wie Cholera kommt hierzu die sogenannte WHO-Trinklösung zum Einsatz. Ein Liter dieser Trinklösung gegen Durchfall setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  • 13,5 Gramm Traubenzucker (Glucose)
  • 2,9 Gramm Natriumcitrat
  • 2,6 Gramm Kochsalz (Natriumchlorid)
  • 1,5 Gramm Kaliumchlorid

Die WHO-Lösung lässt sich kostengünstig in der Apotheke kaufen und kommt bei schweren Salz und Wasserverlusten durch Durchfall zum Einsatz.

Mit welchen Hausmitteln lässt sich die Trinklösung ersetzen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine bestimmte Trinklösung, die auch ORS (Oral Rehydration Solution) oder SSS (Simple Sugar Salt-solution) genannt wird. Diese Trinklösungen sind in der Apotheke als rezeptfrei erhältlich, können aber auch mit Hausmitteln nachgemacht werden.

  • 8 nicht gehäufte Teelöffel Traubenzucker
  • 3/4 Teelöffel Kochsalz
  • 0,5 Liter Orangensaft (für das Kalium)
  • 0,5 Liter Mineralwasser

Von der Lösung sollten pro 24 Stunden etwa 40 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht getrunken werden. Was etwa drei Litern bei einem Körpergewicht von 75 Kilogramm entspricht.

Welche anderen Hausmittel helfen gegen Durchfall?

Grundsätzlich ist es bei Durchfall wichtig, den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen. Entsprechend sollte man viel Wasser oder Tee trinken (gut geeignet ist schwarzer Tee) und Elektrolyte zuführen. Dafür gibt es spezielle fertig gemischte, rezeptfreie Präparate in der Apotheke. Außerdem gibt es einige pflanzliche Hausmittel, die bei Durchfall helfen können. Dazu zählen geriebener Apfel, Flohsamen, getrocknete Heidelbeeren, Brombeerblätter, Möhrensuppe nach Moro sowie Tormentill- und Uzarawurzel.

Wie wirken pflanzlichen Hausmittel gegen Durchfall?

Apfel als Hausmittel gegen Durchfall

Die Wirkung von geriebenem rohem Apfel gegen Durchfall beruht darauf, dass direkt unter der Schale so genannte Pektine (pflanzliche Polysaccharide) sitzen, die im Darm wie Quellstoffe wirken und Flüssigkeit und Giftstoffe binden. Das entscheidende ist, dass der Apfel mit Schale gerieben wird, da sonst die Pektine bereits entfernt sind und ihre Wirkung ausbleibt.

Flohsamen als Hausmittel gegen Durchfall

Auf dem gleichen Prinzip beruht die Anwendung von indischen Flohsamen. Am besten wirken zerkleinerte Flohsamen. Diese werden in etwas Wasser angerührt und dann getrunken. Dadurch wird der Stuhl eher breiig. Flohsamen sind vielseitig einsetzbar und wirken nicht nur gegen Durchfall, sondern auch gegen Verstopfung. Sie tragen also zu einer gesunden Stuhlkonsistenz bei.

Heidelbeeren und Brombeerblätter als Hausmittel gegen Durchfall

Bei dem Einsatz von Heidelbeeren gegen Durchfall ist wichtig, getrocknete und keine frischen Früchte zu verwenden. In dem frischen Obst stecken noch Fruchtsäuren und Flüssigkeit, die den Durchfall zusätzlich noch verstärken können. Die in den Heidelbeeren enthaltenen Gerbstoffe, die gegen den Durchfall wirksam sind, bleiben hingegen auch in den Trockenfrüchten enthalten. Diese Gerbstoffe schützen die Schleimhäute vor den Erregern, vermindern die zu starke Wasserausscheidung und fangen freie Radikale. Pro Tag können ca. 50 Gramm Trockenheidelbeeren gegessen werden.

Brombeerblätter können in Form eines Aufgusses als Tee getrunken werden. Sie enthalten ebenfalls Gerbstoffe und wirken analog zu den getrockneten Heidelbeeren.

Möhrensuppe als Hausmittel gegen Durchfall

Ein anderer Wirkmechanismus verbirgt sich jedoch hinter der Möhrensuppe nach Moro. Ernst Moro war Kinderarzt und entdeckte Anfang des 20. Jahrhunderts die Wirkung von Möhrensuppe gegen Durchfall. Die Zusammensetzung dieser Suppe ist sehr einfach: Möhren, Wasser, etwas Salz. Das Entscheidende ist, dass die Möhren lange gekocht und dann püriert werden. Denn dadurch entstehen Oligogalakturonide, Zuckermoleküle, die den Rezeptoren in der Darmwand ähneln. Dadurch binden die pathogenen Keime an diese Zuckermoleküle und werden mit diesen dann ausgeschieden. Die toxische Wirkung auf die Darmwand und damit auch der Durchfall werden damit gelindert.

Tormentillwurzel als Hausmittel gegen Durchfall

Die Tormentillwurzel ist mit einem Gerbstoffgehalt von bis zu 22 Prozent und weiteren wertvollen Inhaltsstoffen wie z.B. Triterpenen eines der wirkungsvollsten Mittel gegen Durchfall in unseren Breiten. Eingenommen wird die Tormentillwurzel in Form von Tee, der aus einem Aufguss von ca. 2 Gramm der getrockneten Tormentillwurzel gewonnen wird. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe verfügt die Tormentillwurzel über entzündungshemmende, wundheilungsfördernde und schleimhautschützende Eigenschaften und wirkt ebenfalls dem Wasserverlust entgegen.

Während die Tormentillwurzel auch in Europa verbreitet ist, stammt die Uzarawurzel aus Südafrika, wird aber seit über 100 Jahren auch in Deutschland verwendet. Die Inhaltsstoffe der Uzarawurzel wirken krampflösend und hemmen den Wasser- und Elektrolytverlust im Darm.

Früher kamen ebenfalls Extrakte aus dem Schlafmohn zum Einsatz, da dieser Opioide enthält, die schmerzlindernd und darmlähmend wirken. Aufgrund des Suchtpotentials ist dies jedoch unüblich geworden.

Medikamente gegen Durchfall – was hilft?

Daneben gibt es einige Medikamente, die bei akutem Durchfall benutzt werden können:

Möglich vermeiden
Loperamid ASS
Paracetamol Nicht steroidale Antiphlogistika, z.B. Ibuprofen
Metamizol Opioide Coxibe
Butylscopolamin

Besonders Loperamid hilft Betroffenen, die Durchfälle zu mindern und so einen starken Wasserverlust zu verhindern. Auch in der Therapie bei chronischen Durchfällen kann Loperamid als Medikament bei Reizdarm verwendet werden. Bei Erreger bedingten Durchfällen kann der Einsatz von Loperamid den Krankheitsverlauf allerdings verzögern, da die Ausscheidung des Erregers gebremst wird. Deswegen sollte der Einsatz von Loperamid in jedem Fall gut abgewogen werden.

Bei Reisediarrhoe, Erkrankungen an Typhus oder Cholera sowie bei Infektionen mit  Clostridium difficile kommen Antibiotika zum Einsatz. Für parasitäre Erkrankungen wie die Giardiasis (Lamblienruhr) und Amöbiasis (Entamoeba histolytica) werden spezielle Antiparasitika verwendet.

Können Probiotika bei Durchfall helfen?

Probiotika wie Milchsäurebakterien können die Dauer von akuten Durchfällen um etwa einen Tag verkürzen. Die probiotischen Bakterien sollen sich im Darm ansiedeln und die schädlichen Bakterien verdrängen. Eine systematische Auswertung der Cochrane Collaboration aller relevanter Studien (Metaanalyse) hat ergeben, dass 22 von 100 Menschen eine Durchfallerkrankung unter der Hinzunahme von Probiotiaka schneller überstehen, als Menschen, die keine Probiotika nahmen. Auch Patienten, die unter einem Reizdarm leiden, können durch Probiotika profitieren. Probiotika werden in Kapseln oder in Pulverform in der Apotheke angeboten. Auch manche Joghurts aus dem Supermarkt enthalten Milchsäurebakterien. Allerdings ist nicht klar, ob alle diese Mittel gleich gut wirken.

Reisedurchfall – Was kann man bei Durchfall auf Reisen tun?

Reisedurchfall (Reisediarrhoe) wird als Durchfall bezeichnet, der in mediterranen, subtropischen oder tropischen Ländern auftritt. Meistens wird er durch Bakterien oder Viren hervorgerufen, die über verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel aufgenommen werden. Häufige bakterielle Erreger sind enteropathogene Escherichia coli (v.a. ETEC: enterotoxinbildende E. coli), Campylobacter-Spezies, Salmonellen, Shigellen, Aeromonas und Plesiomonas.

In selteneren Fällen kann auch eine Infektion mit Parasiten oder Würmern die Ursache des Durchfalls sein. Reisedurchfälle treten zu 90 Prozent innerhalb der ersten zwei Wochen der Reise auf und halten durchschnittlich für drei bis fünf Tage an. Neben Durchfällen leiden Betroffene außerdem oft unter Erbrechen, Kraftlosigkeit und Schwäche. Wie bei jedem akuten Durchfall sind ein Flüssigkeits- und Elektrolytersatz (z.B. durch WHO-Lösung) die wichtigste Maßnahme. Sollten die Durchfälle länger als drei Tage andauern, schleimig-blutig sein und starkes Fieber auftreten, ist ein Arzt aufzusuchen.

Als weitere symptomatische Behandlungsoption stehen die Medikamente in der oben aufgeführten Tabelle zur Auswahl. Antibiotika sind indiziert bei fieberhaften Verläufen und blutiger Diarrhö. Dabei können Antibiotika wie Ciprofloxacin (ein Fluorchinolon), Azithromycin und Rifaximin verwendet werden. Rifaximin ist seit 2008 auf dem Markt und hat den Vorteil, ausschließlich im Darm wirksam zu sein und so keine systemischen Nebenwirkungen hervorzurufen, da es nicht von der Darmschleimhaut resorbiert wird.

Seit einiger Zeit rückt das postinfektiöse Reizdarmsyndrom als Komplikation einer Reisediarrhoe immer mehr in den Fokus. Betroffene können Monate bis Jahre mit Symptomen des Reizdarm konfrontiert sein und und Diarrhöen (aber auch mit Phasen von Obstipation) in Verbindung mit Bauchschmerz und Blähungen entwickeln.

Was ist, wenn der Durchfall nicht besser wird?

Werden die Symptome nach einer Woche nicht besser, sollte spätestens dann ein Arzt aufgesucht werden, da der Verdacht besteht, dass entweder der Erreger im Körper persistiert und die körpereigenen Abwehrkräfte zur Bekämpfung des Erregers nicht ausreichen oder eine andere Ursache hinter dem Durchfall steckt.

Welche Ursachen kann Durchfall haben?

Die Ursachen für Durchfall sind vielfältig. Am häufigsten sind Infektionen des Magen-Darm-Traktes. Verschiedene Bakterien, Viren, aber auch Parasiten können zu Durchfall führen. Je nach Erreger unterscheidet sich auch die Art des Durchfalls hinsichtlich der Dauer und ob er eher blutig oder wässrig ist. Einige dieser Erreger sind auch meldepflichtig. Wenn neben dem Durchfall weitere starke Krankheitszeichen wie

  • Fieber,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen oder
  • Gelenkschmerzen

auftreten, der Stuhl Blut oder Eiter enthält, oder die Symptome kurz nach einer Fernreise beginnen, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Wer sich bei Alarmzeichen nur auf Hausmittel verlässt, gefährdet sich und seine Mitmenschen.

Ursachen für akute Durchfälle

Die häufigste Ursache für akuten Durchfall ist westlichen Ländern ist eine Infektion mit Noroviren. Besonders in Einrichtungen, in denen vielen Menschen zusammenkommen, kann sich das Virus schnell verbreiten. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wird bei Erwachsenen jede zweite und bei Kindern jede dritte nicht bakterielle Durchfallerkrankung durch das Norovirus verursacht. Für chronische Durchfälle hingegen ist eine akute Infektion nicht verantwortlich und es muss nach weiteren Ursachen gesucht werden.

Wie eingangs erwähnt sind neben Noroviren noch andere Erreger, zum Beispiel bakterielle Infektionen für akuten Durchfall verantwortlich. Auch bakterielle Gifte bei einer Lebensmittelvergiftung sorgen für Durchfall.

Bei einer Auflistung der Erreger nach Wahrscheinlichkeit fällt auf, dass bekannte Erreger, wie die Salmonellen etwa, nur für 14 Prozent als nachgewiesene Erreger für den Durchfall verantwortlich sind. Zu den häufigsten Erregern von Durchfall mit typischen Quellen gehören:

  • Norovirus (Fäkalien, Erbrochenes)
  • Campylobacter (Geflügelleber, Fleisch, Haustiere)
  • Rotaviren (Fäkalien, Erbrochenes)
  • Salmonellen (Lebensmittel wie Eier, Fleisch und Wurst, Fäkalien von Mensch und Echsentieren)
  • E. coli (Fäkalien, Lebensmittel, Trinkwasser)
  • Yersinien (Fleisch, Gemüse)
  • Lamblien (Wasser)
  • Cryptosporiden (Tier-Fäkalien)
  • Shigellen (Fäkalien)
  • EHEC (Fäkalien, Lebensmittel, Trinkwasser)

Enteritis-Erreger

 

Bei einer Lebensmittelvergiftung ist häufig die Bakterienart der Staphylokokken für Durchfälle verantwortlich. Die Bakterien selbst sind dabei allerdings nicht für die Durchfälle verantwortlich, sondern die Giftstoffe, sogenannte Enterotoxine, die von Bakterien in verdorbenen Lebensmitteln gebildet werden.

Auf Reisen hingegen sind sehr oft, wie oben beschrieben, E. Coli Bakterien die Verursacher heftiger Durchfälle.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie die Laktoseintoleranz oder Fructoseintoleranz, können ebenfalls akut Durchfall hervorrufen. Die Symptome sind aber oft unterschiedlich stark ausgeprägt und es kommt auch auf die zugeführte Menge des nicht vertragenen Nahrungsmittels an. Einige zählen die Intoleranzen aber auch zu den chronischen Durchfalltypen.

Gibt es Medikamente, die akut Durchfall verursachen können?

Obwohl zur Therapie mancher Durchfallerkrankungen Antibiotika eingesetzt werden, können sie auch die Ursache von Durchfällen sein, da einige Antibiotika die Darmflora angreifen. Kommt es dabei zu einer Vermehrung schädlicher Bakterien, wie zum Beispiel dem Bakterium Clostridium difficile, kann die gefährliche Komplikation der pseudomembranösen Kolitis die Folge sein. Häufig helfen hier nur noch Stuhltransplantationen (Fecal Microbiota Transplantation, FMT) gegen diese gefährliche Durchfallform.

Viele Ärzte empfehlen schon während oder nach der Einnahme von Antibiotika probiotische Mittel, um eine Antibiotika bedingte Diarrhö zu verhindern.

Wie entsteht Durchfall im Darm?

Um zu verstehen, was gegen Durchfall hilft, sollten die Ursachen für die Darmbeschwerden betrachtet werden.

Die Nahrung, die wir zu uns nehmen, wird nach der Magenpassage im Dünndarm in ihre Bestandteile zersetzt, um vom Körper aufgenommen zu werden. Der Teil des Nahrungsbreis, der nicht verwertet werden kann, passiert weiter unseren Verdauungstrakt. Vor allem im Dickdarm wird dem Stuhl dann Wasser entzogen, damit der Kot fester wird.

Bei Durchfall hingegen ist dieser Vorgang aus verschiedenen folgenden Ursachen gestört:

Osmotische Diarrhoe

Manchmal gibt der Körper sogar Wasser aus dem Körper in den Darm ab. Können Nahrungsbestandteile nicht aufgenommen werden (z.B. FODMAPs) oder befinden sich andere Stoffe wie Medikamente im Darm, sorgt das Ungleichgewicht an Elektrolyten dafür, dass Wasser in den Darm gezogen wird. Diesen Effekt machen sich übrigens Abführmittel zu Nutze, die bei Verstopfung so Ihre Wirkung entfalten.

Sekretorischer Durchfall

Die Darmschleimhaut gibt zum Beispiel bei Nahrungsmittelvergiftungen Elektrolyte ab, sodass Wasser in den Darm folgt.

Exsudativer Durchfall

Diese Form der Diarrhoe tritt bei Entzündungen der Darmschleimhaut auf und es werden Blut und Schleim abgesondert. Dies kann der Fall bei Parasiten, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder auch bei Darmkrebs sein.

Hypermotiler Durchfall

Sind die Darmbewegungen (Motilität) gesteigert, kann der Stuhl im Darm nicht lange genug verweilen, sodass nicht genügend Flüssigkeit aufgenommen werden kann. Deshalb ist die hypermotile Diarrhö auch ein Symptom beim Reizdarmsyndrom.

Steatorrhoe (Fettstuhl)

Fettstühle sind eine Sonderform des Durchfalls. Meistens hat der Stuhl ein großes Volumen und in der Toilette können Betroffene sogar kleine Fetttropfen auf dem Wasser schwimmen sehen. Die Ursache ist oft ein Mangel an Gallensäuren, die für die Spaltung der Fette im Darm zuständig sind.

Welche Ursachen gibt es bei chronischem Durchfall?

Treten Durchfälle über einen Zeitraum von vier Wochen auf, spricht man von chronischen Durchfällen. Während dies für Betroffene immer sehr belastend ist, können die Ursachen dafür, von vergleichsweise ungefährlichen bis hin zu schweren Erkrankungen, sehr unterschiedlich sein. Durch die Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) können schon viele Erkenntnisse gewonnen werden. Sind die chronischen Symptome beispielsweise in einem relativ kurzen Zeitraum (< 3 Monate) sowie auch nachts aufgetreten und liegt ein Gewichtsverlust vor, ist eine körperliche (organische) Ursache wahrscheinlich. Eine sehr lange Krankengeschichte, das Fehlen nächtlicher Durchfälle und ein konstantes Körpergewicht sind zum Beispiel eher mit dem Reizdarmsyndrom assoziiert. Im Folgenden gehen wir auf einige Ursachen von chronischen Durchfällen ein.

Malassimilationssyndrome als Ursache chronischen Durchfalls

Malassimilationssyndrome bezeichnen die schlechte Verwertung von Nährstoffen. Wenn die Verdauungsenzyme, die zur Aufspaltung von Nahrung verantwortlich sind, nicht vorhanden sind oder nicht im Darm ankommen, können die Nährstoffe nicht aufgenommen werden. Diesen Vorgang nennen Ärzte Maldigestion. Ursachen können eine schlecht arbeitende Bauchspeicheldrüse (Pankreasinsuffizienz) oder ein Verlust von Gallensäuren sein. Aber auch eine Laktoseintoleranz ist ein Beispiel für eine Maldigestion.

Werden die Nährstoffe zwar zerlegt, aber können von der Darmschleimhaut nicht aufgenommen werden, spricht man von einer Malabsorption. Dies tritt zum Beispiel bei einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) auf.

Die Stühle einer Malassimilation sind meistens voluminös, übelriechend und auch fetthaltig.

Reizdarmsyndrom als Ursache für chronischen Durchfall

Chronische Durchfälle treten manchmal auch auf, ohne dass Ärzte eine körperliche Ursache dafür finden. In den meisten Fällen kann dann eine Reizdarm-Diagnose gestellt werden, man spricht auch von einer „funktionellen Erkrankung“. Reizdarm-Symptome umfassen neben Durchfällen oft auch Schmerzen, Blähungen oder Verstopfung.

Weitere Durchfall-Ursachen

Eine weitere Ursache von chronischen Durchfällen stellen die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn dar. Bei diesen Krankheitsbildern dominieren blutig-schleimige Durchfälle.

Besonders nach einem Auslandsaufenthalt können Parasiten, wie Giardia Lamblia, Entamoeba histolytica oder Cryptosporidium parvum chronische Durchfälle verursachen. Aber auch hormonelles Ungleichgewicht kann zu Durchfällen führen. So kann eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) die Darmbeweglichkeit (Motilität) steigern.

Welche Untersuchungen sind bei Durchfall notwendig?

Bei akuten Durchfälle ist die Krankheitsgeschichte des Patienten (Anamnese) wichtig. Laut aktueller Leitlinien für Durchfälle, sind in vielen Fällen durch klare Symptome und die Gesamtkonstellation keine weiteren Untersuchungen notwendig.

Stellt sich beispielsweise heraus, dass am Arbeitsplatz der betroffenen Person mehrere Menschen an akuten Durchfällen leiden und keine weiteren Risikofaktoren (z.B. blutig-schleimige Durchfälle) vorliegen, ist eine Therapie der Symptome meistens ausreichend.

Neben der allgemeinen körperlichen Untersuchung können anfangs folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Utraschall des Bauches
  • Blutuntersuchung

Eine mikrobiologische Stuhluntersuchung ist nicht in jedem Fall erforderlich und richtet sich nach Symptomen sowie der Anamnese. Bei chronischen Durchfällen im Zusammenhang mit einer Reisediarrhoe sollte hingegen immer eine mikrobiologische Stuhluntersuchung durchgeführt werden.

Weiterführende Untersuchungen:

  • Wasserstoff Atemtest bei Verdacht auf z.B. Laktoseintoleranz oder bakterielle Fehlbesiedlung
  • Dünndarmspiegelung mit Probenentnahme, z.B. bei Verdacht auf Glutenunverträglichkeit
  • Dickdarmspiegelung

Die genetische Untersuchung der Bakterienflora (Mikrobiom) wird aus diagnostischen Gründen noch nicht durchgeführt, aber in der Zukunft wird dieser Methode eine stärkere Bedeutung zukommen.

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