Blähungen – Was hilft gegen einen Blähbauch?

Blähungen sind das häufigste Symptom funktioneller Darmerkrankungen. Etwa jeder dritte Erwachsene ist von Blähungen betroffen. In der Alltagssprache sind Blähungen nicht klar definiert. Viele sprechen von Blähungen, wenn sie das Gefühl vermehrter Luftansammlung im Bauch haben, was häufig mit einem Spannungsgefühl einhergeht. Mediziner nennen diese vermehrte Gasansammlung im Darm Meteorismus. Der daraus resultierende Blähbauch mit erhöhter Bauchwandspannung wird als abdominelle Distension bezeichnet. Andere meinen mit Blähungen häufiges Pupsen (Winde). Mediziner haben dem Abgang von Darmgasen durch den Enddarm (Rektum) das lateinischen Wort Flatulenz gegeben. Meteorismus und Flatulenz können unabhängig voneinander auftreten. In diesem Text finden sich Informationen rund um das Thema Blähungen.

Wie viel Gas ist im Darm enthalten?

Man hat durch verschiedene Messmethoden festgestellt, dass im Dünn- und Dickdarm bei Menschen mit und ohne Blähungen im Schnitt etwa 200 Milliliter Gas im nüchternen Zustand enthalten ist (Darmgasvolumen). Bei manchen Personen mit dem Gefühl an zu viel Luft im Bauch zu leiden, kann keine größere Gas-Menge im Darm festgestellt werden. Dass es trotzdem zu dem Gefühl kommt, wird unter anderem mit einer erhöhten Empfindlichkeit des Darms (viszerale Hypersensitivität) gegenüber Druck auf der Darmwand erklärt.

Wie viel Blähungen sind normal?

Die durchschnittliche durch Pupsen (med. Flatus) ausgeschiedene Menge Gas schwankt stark. Im Schnitt gibt jeder Mensch 705 Milliliter Gas pro Tag in Form von Flatus ab. Diese Menge schwankt zwischen 0,5 und 1,5 Liter und hängt insbesondere von der Ernährung ab.

Ab wann spricht man von funktionellen Blähungen?

Nach den ROM-III-Kriterien müssen für die Diagnose funktioneller Blähungen folgende Kriterien erfüllt sein

  • Das Gefühl von Blähungen oder von außen sichtbare Aufblähung (Distension) des Bauches für mindestens drei Tage pro Monat während der letzten drei Monate
  • Die mit den Blähungen verbundenen Symptome erfüllen nicht die Kriterien für eine Reizdarm-Diagnose oder andere funktionelle Darmerkrankungen

Wie viel Pupsen ist normal?

Bei gesunden Menschen ist das Ausmaß von Blähungen bei einer normalen Ernährung begrenzt. Durchschnittlich kommt unter diesen Bedingungen zu der Abgabe von etwa 10–20 Pupsen (Flatus) pro Tag. Wird etwa ein FODMAP-reiches Gericht (zur Hälfte aus Bohnen) eingenommen, steigert sich die Gasproduktion im Darm von 15 Milliliter auf 180 Milliliter pro Stunde.

Aus welchen Gase besteht die Luft im Bauch?

Das Gas im Dünn- und Dickdarm besteht zu 99 Prozent aus fünf verschiedenen Gasen. Diese Gase sind Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und die Treibhausgase Methan und Kohlenstoffdioxid. Hierbei schwanken die Anteile an der Gasproduktion deutlich. Bei starken Blähungen beispielsweise steigt der Anteil von Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid, wohingegen der Stickstoff-Anteil sinkt.

Stickstoff (N2) 11–92%
Sauerstoff (O2) 0–11%
Kohlendioxid (CO2) 3–54%
Wasserstoff (H2O) 0–86%
Methan (CH4) 0–56%

Woher kommt der Geruch von Blähungen?

Der Geruch von Blähungen und Stuhl wird hauptsächlich durch bakterielle Gärung versursacht. Bei der Vergärung bestimmter Nahrungsmittel wie z.B. Kohl kommt es zur Bildung des Gases Schwefelwasserstoff (H2S), dieses Gas wird mit anderen flüchtigen schwefelhaltigen organischen Verbindungen hauptsächlich für den Geruch von Blähungen verantwortlich gemacht.

Was sind die wichtigsten Ursachen von zu viel Luft im Bauch?

Vermehrte Gasansammlungen im Bauch haben drei Hauptursachen:

  1. Aerophagie: wird vermehrt Luft geschluckt, kann dies Blähungen fördern. Gerade schnelles Essen und Trinken, Trinken mit Strohhalm, Kaugummikauen und Rauchen erhöhen das Risiko Luft zu verschlucken.
  2. Erhöhte Produktion durch Bakterien: gerade durch die bakterielle Gärung (Fermentation) von sogenannten FODMAPs erhöht sich die Produktion von Wasserstoff im Darm, was Blähungen fördert. Außerdem wird durch Bakterien (v.a. Methanobrevibacter smithii) Methan gebildet.
  3. Verminderter Gasaustausch: das im Darm durch Bakterien produzierte Gas kann zum Teil wieder durch die Darmwand ins Blut abtransportiert werden, sodass Blähungen vermindert werden (Diffusion). Diffusion bezeichnet die Abgabe von Gasen aus dem Darm an das Blut. Durch die Diffusion wird ein großer Teil der Darmgase letztlich einfach wieder abgeatmet. Unter bestimmten Umständen kann diese Diffusion vermindert sein. Blähungen sind die Folge.

Welche Krankheiten verursachen einen Blähbauch?

Die häufigsten Ursachen für Luft im Bauch sind funktionelle Darmerkrankungen. So gehört ein Blähbauch beispielsweise zu den Symptomen des Reizdarmsyndroms und des Reizmagens (funktionelle Dyspepsie). Beim Reizdarmsyndrom vermutet man, dass vor allem eine Veränderung der Darmflora zu verstärkten Blähungen führt. Außerdem können auch folgende Erkrankungen zu Blähungen führen

Welche Untersuchungen können bei Blähungen durch einen Arzt  erfolgen?

Blähungen können auf verschiedene Ursachen hinweisen. Meistens sind Blähungen jedoch vollkommen harmlos und können durch einfache Umstellung des Lebensstils reduziert werden. Belastet der Blähbauch jedoch dauerhaft so stark, dass die Lebensqualität eingeschränkt ist, sollten ärztliche Untersuchungen durchgeführt werden, um gegebenenfalls eine ursächliche Grunderkrankung zu diagnostizieren und anschließend eine geeignete Behandlung der Blähungen einzuleiten. Zur Diagnostik können bei einem Blähbauch je nach individuellen Beschwerden folgende Untersuchungen vorgenommen werden

  • Anamnese (besonders Ernähungsgewohnheiten und Stuhlverhalten)
  • Körperliche Untersuchung (mit Abklopfen und Abtasten des Bauchs)
  • Blutuntersuchung (Glukose, Blutbild, BSG, GPT, Elektrophorese, Bilirubin)
  • Wasserstof (H2)-Atemtest (nüchtern, Laktose-, Fructose– und Sorbit)
  • Ultraschall vom Bauch (Sonographie)
  • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD) mit Biopsie des Zwölffingerdarms
  • Darmspieglung (Ileo-Koloskopie)
  • Enteroklysma nach Sellink

Was hilft gegen Blähungen?

Häufig wird die Frage gestellt, was gegen Blähungen hilft. Folgende allgemeine Hinweise helfen, Blähungen zu reduzieren

  • Bewegung: körperliche Aktivität vermindert Luft im Bauch
  • Langsames Essen: bewusstes langsames Essen vermindert die Aufnahme von überschüssiger Luft
  • Unregelmäßiges Essen meiden: unregelmäßiges Essen (insbesondere in der Nacht) und sehr große Portionen sollten vermieden werden
  • Fermentierbare Kohlenhydrate und Zuckeralkohole meiden: durch eine FODMAP-arme Ernährung vermindert sich die Gasproduktion im Bauch
  • Ballaststoff-Überschuss vermeiden: zu viele Ballaststoffe können Blähungen fördern
  • Kohlensäurehaltige Getränke vermeiden
  • Kaugummikauen vermeiden

Treten unter dem Reizdarmsyndrom Blähungen auf, können auch bestimmte Reizdarmmedikamente zum Einsatz kommen.

Welche Nahrungsmittel fördern Blähungen?

Bestimmte Lebensmittel können Luft im Bauch fördern. Zu diesen Lebensmitteln gehören unter anderem

  • Hülsenfrüchte (z.B. Erbsen, Bohnen, Linsen)
  • Rosenkohl
  • Zwiebeln und Knoblauch
  • Weizenkleie
  • Rosinen
  • Pflaumen
  • Vollkornbrot

Eine erweitere Auflistung von Lebensmitteln, die einen Bläbauch fördern können, findest du in der Low-FODMAP Liste.

 

Quellen
Harder, H., Hernando-Harder, A.C. and Singer, M.V., 2005. Meteorismus–Ursachen und gezielte Therapieansätze. Dtsch Ärztebl, 102, pp.A3264-A3270. Online: http://www.aerzteblatt.de/archiv/49264, abgerufen am 31.01.2016
Caspary, W.F., Mössner, J. and Stein, J., 2005. Therapie gastroenterologischer Krankheiten. Springer Medizin Verlag Heidelberg. Online: http://www.springer.com/de/book/9783540441748, abgerufen am am 31.01.2016
Manichanh, C., Eck, A., Varela, E., Roca, J., Clemente, J.C., González, A., Knights, D., Knight, R., Estrella, S., Hernandez, C. and Guyonnet, D., 2014. Anal gas evacuation and colonic microbiota in patients with flatulence: effect of diet. Gut, 63(3), pp.401-408. Online: http://gut.bmj.com/content/63/3/401.short, abgerufen am 31.01.2016
Litschauer-Poursadrollah, M., El-Sayad, S., Wantke, F., Fellinger, C. and Jarisch, R., 2012. Bauchschmerzen, Blähbauch, Diarrhoe: Fruktosemalabsorption, Laktoseintoleranz oder Reizdarmsyndrom?. Wiener Medizinische Wochenschrift, 23(162), pp.506-512. Online: http://link.springer.com/article/10.1007/s10354-012-0158-0#/page-1, abgerufen am 31.01.2016

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