Reizdarm-Symptome – Wie machen sich Reizdarm-Symptome bemerkbar?

Reizdarm-Symptome unterscheiden sich individuell von Mensch zu Mensch. Im Allgemeinen äußern sich die Beschwerden häufig in Form von Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten. Betroffene können jedoch unter verschiedenen Reizdarm-Symptomen von unterschiedlicher Intensität leiden.Während Frauen vor allem von Bauchschmerzen und Verstopfung berichten, geben Männer mit Reizdarmsyndrom häufiger Durchfall als Hauptbeschwerde an. Ärzte finden für die Symptome des Reizdarmsyndroms meistens keine organische Ursache, was für Betroffene häufig frustrierend ist. Die aktuelle Reizdarm-Forschung eröffnet jedoch neue Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung der chronischen Darmkrankheit.

Wann treten Symptome eines Reizdarmsyndroms auf?

Die Symptome des Reizdarmsyndroms können schleichend beginnen. Manche Betroffene geben an, schon immer einen empfindlichen Magen gehabt zu haben, bis sie dann mit stärkeren Beschwerden Hilfe suchten. In anderen Fällen entstehen die Reizdarm-Symptome nach einer Magen-Darm-Infektion (postinfektiöses Reizdarmsyndrom) oder nach Antibiotikagabe. Häufig machen sich die Darmbeschwerden als Erstes durch eine Veränderung der Stuhlfrequenz und der Form des Stuhls bemerkbar.

Nicht bei allen Betroffenen treten die Symptome gleichermaßen auf. Einige Reizdarm-Patienten leiden nur phasenweise an den Beschwerden und erleben Tage, manchmal auch Wochen und Monate, während derer sie nahezu beschwerdefrei sind. In Phasen mit erhöhtem Stress und psychischer Anspannung sind die Symptome oft stärker ausgeprägt als am Wochenende oder im Urlaub. Typisch ist, dass die Darmbeschwerden morgens nach dem Aufstehen und im Tagesverlauf auftreten, sich jedoch nachts beim Schlafen nicht bemerkbar machen. Dennoch können auch Schlafstörungen als Folge der Belastung durch die Erkrankung im Verlauf auftreten. Häufig schwächen sich die Symptome des Reizdarms nach Stuhlgang (Defäkation) ab. Allerdings leiden einige Betroffene unter dem Gefühl, den Darm nicht richtig entleeren zu können.

Welche Symptomtypen unterscheidet man beim Reizdarmsyndrom?

Grundsätzlich kann man das Reizdarmsyndrom in verschiedene Symptomtypen einteilen:

  • Durchfall-Typ (Diarrhö-Typ, IBS-D), bei dem Durchfälle im Vordergrund stehen
  • Verstopfungs-Typ (Obstipations-Typ, IBS-C), bei dem Verstopfung dominiert
  • Schmerz-Typ, bei dem Bauchschmerzen das Hauptsymptom bilden
  • Bläh-Typ, bei dem Blähungen besonders belastend sind
  • Gemischter-Typ (Mix-Typ, IBS-M), bei dem sowohl Durchfälle als auch Verstopfung auftreten

Bevor die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt werden kann, sollten andere Ursachen, wie beispielsweise Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (z.B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), mittels entsprechender Diagnostik ausgeschlossen werden.

Welche Symptome sind typisch für das Reizdarmsyndrom?

Sehr häufig äußern sich die Beschwerden in einer Veränderung der Stuhlfrequenz und der Form/Beschaffenheit des Stuhls. Die Symptome sind aber sehr variabel und betreffen nicht nur den Magen-Darm-Trakt, sondern auch die Psyche und das vegetative Nervensystem. Im Folgenden werden die häufigsten Reizdarm-Symptome näher erläutert.

Stuhldrang

Betroffene haben oft das Gefühl, auf Toilette gehen zu müssen, was mit mehrfachen Toilettenbesuchen am Tag einhergeht. Manche Betroffene erleben dieses Symptom besonders am Morgen. Eine normale Stuhlfrequenz kann bis zu drei Stuhlgänge am Tag beinhalten, allerdings stellt eine Veränderung der Stuhlfrequenz, von zum Beispiel einem Stuhlgang am Tag zu vier Stuhlgängen, eine Belastung dar und ist ein Hinweis auf eine Erkrankung am Reizdarmsyndrom.

Durchfall

Gemäß der Bristol-Stuhl-Skala, einer Einteilung der verschiedenen Stuhltypen, versteht man unter Durchfall einen extrem wässrigen Stuhl mit kaum festen Komponenten. Viele Betroffene leiden aber auch an sehr breiigem Stuhl mit kaum oder wenigen festen Klümpchen, der mit erhöhter Frequenz auftritt. Wichtig bei der Diagnostik ist, dass keine andere Ursache für den Durchfall gefunden werden konnte.

Von funktionellem Durchfall spricht man, wenn über den Zeitraum von mindestens drei Monaten zwei der folgenden Merkmale auftreten:

  • Breiige oder wässrige Stuhlgänge zu mehr als 75 Prozent der Zeit
  • Erhöhte Stuhlfrequenz von drei oder mehr Stuhlgängen pro Tag, die über 50 Prozent des Zeitraums auftreten
  • Ein erhöhtes Stuhlgewicht im Vergleich zur Normalbevölkerung

Verstopfung

Verstopfung macht sich durch Schmerzen beim Toilettengang bemerkbar, da der Stuhl aus einzelnen, sehr schwer auszuscheidenden, festen Kügelchen besteht. Auch ein sehr klumpiger, harter, wurstartiger Stuhl ist ein Anzeichen für Verstopfung. Damit einhergehend ist meistens auch die Häufigkeit (Frequenz) des Stuhlgangs herabgesetzt. Solange der Stuhl von seiner Form weich und glattrandig ist, stuft man eine Stuhlfrequenz von zwei Tagen als normal ein. Allerdings sollte bei jeder Art der Veränderung der Stuhlfrequenz mit Beginn der Darmbeschwerden eine weiterführende Diagnostik initiiert werden. Verstopfung erhöht das Risiko für Hämorrhoiden.

Bauchschmerzen

Für viele Betroffene stellen Schmerzen ein sehr belastendes Reizdarm-Symptom dar, das sie deutlich im Alltag einschränkt. Oft sind die Schmerzen nicht genau einem Punkt zuzuordnen, sondern verteilen sich diffus im gesamten Bauchraum. Dabei ist das Ausmaß der Schmerzen nicht immer gleich, sondern weist stärkere und schwächere Episoden auf. Die Intensität kann im Tagesverlauf, aber auch zwischen verschiedenen Tagen variieren. Bauchkrämpfe sind episodenweise ebenfalls für eine Erhöhung der Schmerzen verantwortlich. Man vermutet, dass die Schmerzempfindlichkeit der inneren Organe beim Reizdarmsyndrom erhöht ist, was auch als viszerale Hypersensitivität bezeichnet wird.

Blähungen

Besonders Nahrungsmittel mit einem Potenzial der (Gärung) Fermentierung werden im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt, die Gase wie zum Beispiel Methan produzieren. Diese Gase führen zu dem typischen Reizdarmsymptom der verstärkten Gasausscheidung des Körpers. Grundsätzlich sind Blähungen bis zu 20 Mal am Tag normal und nicht als krankhaft einzustufen. Treten Blähung vermehrt auf und es liegt keine organische Ursache, wie beispielsweise eine Laktoseintoleranz, zugrunde, spricht man von funktionellen Blähungen. Aber auch ein Ungleichgewicht der Darmflora, wie es häufig bei Reizdarmpatienten auftritt, kann zu vermehrter Gasbildung und dadurch zu Blähungen führen. Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, wie zum Beispiel Creatin Monohydrat, das im Fitnessbereich häufig eingesetzt wird, können auch zu übelriechenden Blähungen führen. Zudem können Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine Ursache von Blähungen sein.

Völlegefühl und Blähbauch

Während auch gesunde Menschen nach einem besonders opulenten und fettreichen Essen an Völlegefühl leiden, berichten Betroffene mit Reizdarmsyndrom auch bei geringerer Nahrungsaufnahme von einem ausgeprägten Völlegefühl. Nicht immer kann bei dem Gefühl, einen Blähbauch zu haben, auch eine verstärkte Gasbildung objektiv nachgewiesen werden. Eine Veränderung der Schmerzwahrnehmung über die Darm-Hirn-Achse könnte eine Überempfindlichkeit verursachen, sodass schon kleinere Gasmengen im Darm Schmerzen verursachen. Hier hilft eine reizdarmfreundliche Ernährung.

Auch eine Dünndarm-Fehlbesiedlung mit Bakterien wird für eine schmerzhafte Gasbildung und einen Blähbauch verantwortlich gemacht, die durch den Glukose-Laktose-Atemtest diagnostiziert werden kann.

Vegetative Überreizung mit Unruhezuständen

Die Darmflora (Mikrobiom), das Darm-Nervensystem und das Hirn (zentrales Nervensystem) beeinflussen sich gegenseitig. Die Verbindung wird auch Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse genannt (engl. „microbiome–gut–brain axis“) und spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptome des Reizdarmsyndroms. Die gegenseitige Beeinflussung von Darm und Hirn vollzieht sich über bestimmte Botenstoffe und das autonome (vegetative) Nervensystem. Bei Reizdarmpatienten besteht meist eine Überaktivierung des  autonomen Nervensystems, was sich negativ auf die Psyche z.B. in Form von Unruhe- und Angstzuständen auswirken kann.

Weitere Symptome, die häufig in Kombination oder auch als Folge eines Reizdarmsyndroms auftreten, sind:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Innere Unruhe und Nervosität
  • Depressive Verstimmung, Angststörungen
  • Saures Aufstoßen
  • Weitere Stuhlveränderungen, wie Schleimbeimengungen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen
  • Kreislaufbeschwerden

Bei akut neu auftretenden, unklaren starken Schmerzen, Blutungen oder anderen auffälligen Symptomen sollte immer unmittelbar ein Arzt aufgesucht werden.

Wichtige Alarmzeichen sind:

  • Blut im Stuhl
  • Fieber
  • Gewichtsverlust
  • nächtliche Schmerzen oder Koliken

Welche Symptome führen zur Diagnose Reizdarmsyndrom?

Treten die oben beschriebenen typischen Symptome, wie Völlegefühl oder Durchfall, auf, erfüllt dies nicht automatisch die diagnostischen Kriterien des Reizdarmsyndroms. Vielmehr kann die Diagnose nur durch Ausschluss anderer Erkrankungen gestellt werden.

Ebenso gibt es keine bestimmte Symptomkombination, die für die Diagnose Reizdarmsyndrom erforderlich ist. Als Orientierungshilfe gibt es drei Kriterien, die zur Diagnose eines Reizdarmsyndroms erfüllt werden müssen:

  • Es bestehen chronisch (länger als 3 Monate) anhaltende Beschwerden wie beispielsweise Bauchschmerzen und Blähungen, die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und normalerweise mit Stuhlgangsveränderungen verbunden sind
  • Die Reizdarm-Symptome sind beim Betroffenen so stark, dass die Lebensqualität hierdurch bedeutend beeinträchtigt und Hilfe gesucht wird
  • Es muss ausgeschlossen werden, dass die Reizdarm-Symptome von anderen Krankheiten hervorgerufen werden

Während bislang das Fehlen von körperlichen Ursachen und damit der Ausschluss anderer Erkrankungen im Vordergrund stand, werden mittlerweile doch körperliche Korrelate sichtbar, wie beispielsweise Mikroentzündungen in der Darmschleimhaut und Veränderungen der Darmflora (Mikrobiom).

Seit einigen Jahren sind neue Therapieverfahren zur Reizdarm-Behandlung verfügbar, welche die Reizdarm-Symptome lindern können. Dabei ist eine reizdarmfreundliche Ernährung meist effektiver als die verfügbaren Medikamente.

Quellen
Layer, P. et al., 2011. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM. Z Gastroenterol, 49(2), pp.237-293. Online: http://www.dgvs.de/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Reizdarmsyndrom/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf, abgerufen am 23.01.2016.
Fukudo, S., Kaneko, H., Akiho, H., Inamori, M., Endo, Y., Okumura, T., Kanazawa, M., Kamiya, T., Sato, K., Chiba, T. and Furuta, K., 2015. Evidence-based clinical practice guidelines for irritable bowel syndrome. Journal of gastroenterology, 50(1), pp.11-30. Online: http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00535-014-1017-0, abgerufen am 23.01.2016
Ford, A.C., Moayyedi, P., Lacy, B.E., Lembo, A.J., Saito, Y.A., Schiller, L.R., Soffer, E.E., Spiegel, B.M. and Quigley, E.M., 2014. American College of Gastroenterology monograph on the management of irritable bowel syndrome and chronic idiopathic constipation. The American journal of gastroenterology, 109, pp.S2-S26.

Comments
  • Buchner, U.
    Antworten

    ich warte schon seit einer ganzen Weile auf die App für android 🙂
    wäre schön, wenn ihr das hinbekommt. Insbesondere die fodmaps und das tagebuch !

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