Loperamid (akut) – Dosierung und Nebenwirkungen

Loperamid (Wirkstoff: Loperamidhydrochlorid) ist ein akutes Mittel gegen Durchfall. Es dient der symptomatischen Behandlung für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren, wenn keine ursächliche Therapie zur Verfügung steht.

Bei welchen Symptomen kann ich Loperamid anwenden?

Durchfall kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Unabhängig von der Ursache ist ein ausreichender Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten sehr wichtig, um einer Austrocknung (Dehydratation) vorzubeugen.

WICHTIG: Loperamid dient nur der kurzfristigen symptomatischen Behandlung und bekämpft nicht die eigentliche Ursache der Durchfälle.

Besonders bei Durchfällen mit infektiöser Ursache – die am häufigsten zugrunde liegt – kann die Einnahme von Loperamid zu einer Verlängerung des Krankheitsverlaufes führen, da die krankheitsauslösenden Keime nicht ausgeschieden werden können.

Gehen die Durchfälle mit Fieber, Erbrechen, Gelenkschmerzen oder Blut im Stuhl einher, muss so bald wie möglich ein Arzt aufgesucht werden!

Wann darf man Loperamid NICHT einnehmen?

  • bei bekannter Allergie gegen Loperamidhydrochlorid oder sonstigen Bestandteilen des Medikamentes
  • bei Zuständen, bei denen eine Verlangsamung der Darmtätigkeit zu vermeiden ist, z.B. aufgetriebener Leib, Verstopfung und Darmverschluss
  • bei begleitendem Fieber und/oder blutigem Stuhl
  • bei Durchfällen, die während oder nach der Einnahme von Antibiotika auftreten
  • bei chronischen Durchfallerkrankungen (diese Erkrankungen dürfen nur nach ärztlicher Verordnung mit Loperamidhydrochlorid behandelt werden)
  • bei einem akuten Schub einer Colitis ulcerosa

Nebenwirkungen bei Lebererkrankungen

Wenn eine Lebererkrankung besteht, darf Loperamid nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden, weil in solchen Fällen der Abbau von Loperamid verzögert und daher das Risiko von Nebenwirkungen erhöht sein kann.

Vorsicht bei Kindern

Kinder unter 2 Jahren Behandlung mit Loperamid NICHT ERLAUBT. Kinder zwischen 2 und 12 Jahren Behandlung mit Loperamid nur nach ärztlicher Verordnung

Vorsicht bei Schwangerschaft und Stillzeit

Auch wenn sich bislang keine eindeutigen Hinweise auf eine fruchtschädigende Wirkung gezeigt haben, sollte Loperamid aufgrund der unzureichenden Evidenzlage in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Während der Stillzeit können geringe Mengen von Loperamid in die Muttermilch übergehen – daher ist auch hier von einer Einnahme von Loperamid abzusehen.

Nebenwirkungen bei Laktoseintoleranz

Die meisten Loperamid-Präparate enthalten Laktose. Betroffene einer Laktoseunverträglichkeit sollten bei der Einnahme von Loperamid diesbezüglich Rücksprache mit ihrem Arzt halten. Beispielsweise ist eine zusätzliche Einnahme von Laktase-Tabletten möglich, um eine weitere durch die Laktoseintoleranz verursachte Verdauungsstörung zu vermeiden.

Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können auftreten?

Arzneimittel mit ähnlicher Wirkung wie Loperamid können die Darmbewegung-hemmende Wirkung verstärken, während andere die Magen-Darm-Passage beschleunigen können. Bei regelmäßiger oder gelegentlicher Einnahme folgender Medikamente sollte unbedingt Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden:

  • Ritonavir (zur Behandlung einer HIV-Infektion)
  • Itraconazol, Ketoconazol (zur Behandlung einer Pilzinfektion)
  • Chinidin (zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen)
  • Gemfibrozil (zur Behandlung erhöhter Blutfettwerte)
  • Desmopressin (zur Behandlung von vermehrtem Harnlassen)

Woher bekomme ich Loperamid und wie wird es eingenommen?

Loperamid ist ein rezeptfreies Medikament, das in der Apotheke oder aber auch online erhältlich ist. Es ist häufig auch unter den Handelsnamen „Imodium®“ oder „Lopedium®“ bekannt und ist in unterschiedlichen Formen erhältlich: Hartkapseln, Filmtabletten, Schmelztabletten, Brausetabletten oder Lösungen. Die Preise schwanken je nach Hersteller und Einnahmeform, z. B. für eine Packung mit 10 Tabletten zwischen ca. 1,50 – 5,00 Euro. Trotz der Preisunterschiede zeigen die verschiedenen Produkte in der Regel eine vergleichbare Wirksamkeit. Allerdings ist zu beachten, dass manche Produkte zusätzliche Wirkstoffe enthalten (z.B. Simethicon zur Linderung von Blähungen).

Empfohlene Dosierung für Loperamidhydrochlorid

Alter Erstdosis Wiederholungsdosis Tageshöchstdosis
Jugendliche ab 12 Jahren 2 mg Loperamidhydrochlorid 2 mg Loperamidhydrochlorid 8 mg Loperamidhydrochlorid
Erwachsene 4 mg Loperamidhydrochlorid 2 mg Loperamidhydrochlorid 12 mg Loperamidhydrochlorid

Die Anwendungsdauer von 2 Tagen darf nicht überschritten werden, da es zu schweren Verstopfungen kommen kann! 

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Folgende Nebenwirkungen wurden in klinischen Studien beobachtet:

Häufig (bei bis zu 1/10 der Behandelten)

Gelegentlich (bei bis zu 1/100 der Behandelten)

  • Schmerzen und Beschwerden im Magen-Darm-Bereich
  • Mundtrockenheit
  • Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen
  • Verdauungsstörungen
  • Hautausschlag

Selten (bei bis zu 1/1000 der Behandelten)

  • Blähbauch

Im Allgemeinen wird Loperamid sehr gut vertragen und schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten. Falls es aber doch zu gravierenden oder andauernden Nebenwirkungen kommen sollte, ist unbedingt ein Arzt aufzusuchen!

Loperamid beim Reizdarmsyndrom

Der aktuellen, gemeinsamen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) zufolge ist Loperamid bei erwachsenen Patienten mit Reizdarm des Types RDS-D zur Behandlung von Durchfall sehr zu empfehlen. Diese Schlussfolgerung basiert auf drei klinischen Studien, die allesamt die Wirksamkeit von Loperamid bei dieser Patietentengruppe bezüglich Stuhlkonsistenz, Stuhldrang und allgemeine Bauchbeschwerden belegen. Vereinzelt wurde jedoch von nächtlichen Bauchbeschwerden unter Loperamideinnahme berichtet.

In manchen Präparaten ist neben Loperamid zusätzlich die entschäumende Substanz Simethicon enthalten, die bei übermäßigen Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt zur Linderung von Blähungen und assoziierten Beschwerden (Völlegefühl, Spannungsgefühl im Oberbauch) eingesetzt wird. Zur Wirksamkeit von Simethicon bei Reizdarmpatienten liegen bislang keine Studien vor. Trotz dieser unzureichenden Evidenzlage wird zumindest ein Behandlungsversuch mit einem Simethicon-enthaltenden Präparat empfohlen, da dieser Wirkstoff postive Effekte bei anderen Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik gezeigt hat.

Hingegen besteht ein starker Konsens, dass eine Therapie von Blähungen bei Reizdarm mit Pankreasenzymen nicht sinnvoll ist.

FAZIT: Laut aktueller Leitlinie ist zur Behandlung von Durchfällen und Blähungen bei Reizdarmpatienten (RDS-D) die Einnahme von Loperamid-Präparaten (evtl. mit Simethicon-Zusatz) sehr zu empfehlen!

Die Dosierung sollte hierbei nach Bedarf erfolgen, z. B. 1 × 2 mg bei jedem flüssigen Stuhlgang (bis zu ca. 5 – 8 × täglich). Die Dosis kann bei anhaltenden Durchfällen gesteigert werden. Auch eine Dauertherapie bzw. eine prophylaktische Einnahme am Vorabend bei frühmorgendlichen Durchfällen kann sinnvoll sein.

Loperamid bei Reisedurchfall

Reisedurchfälle werden in der Regel durch Infektionen verursacht. Neben dem Flüssigkeitsersatz ist eine Antibiotikatherapie essenziell.  Zur symptomatischen Behandlung der Durchfälle kann Loperamid eingesetzt werden. Doch Loperamid sollte niemals als alleinige Medikation ohne Antibiotikum verabreicht werden, da hierdurch die Ausscheidung toxinbildender Erreger verlangsamt und ihre Vermehrung im Darm gefördert werden kann.

Missbrauch von Loperamid als Suchtmittel

Loperamid entfaltet seine Wirkung durch die Bindung an spezifischen Opioid-Rezeptoren im Darmtrakt, wodurch es zur Reduktion der Darmaktivität kommt. Im Gegensatz zu anderen Opioiden, die ebenso eine starke Wirkung an Opioid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) aufweisen, beschränkt sich die Wirksamkeit von  Loperamid bei oraler Einnnahme und bei therapeutischer Dosierung hauptsächlich auf den Darmtrakt. Das liegt daran, dass Loperamid im Gegensatz zu den anderen Opioiden die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann und somit bei regelrechter Einnahme nicht das zentrale Nervensystem erreicht.

In den letzten Jahren häuften sich Berichte über Missbrauchsfälle von Loperamid.  Hierbei wird versucht, mithilfe verschiedener Tricks (u.a. einer starken Überdosierung) eine Rauschwirkung zu erzielen. Vor allem die geringen Kosten und die leichte Verfügbarkeit scheinen Faktoren zu sein, die Loperamid als Suchtmittel für Drogenabhängige attraktiv machen.

Achtung: Der nicht zweckmäßige Gebrauch von Loperamid ist nicht nur illegal, sondern auch potenziell lebensgefährlich!

Bei starker Überdosierung kann es zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen, darunter schwerwiegende Verstopfungen, Atemdepression und im schlimmsten Fall sogar zu einer fatalen Herzrhythmusstörung!

Quellen
Stanciu, C. N., & Gnanasegaram, S. A. (2016). Loperamide, the “Poor Man’s Methadone”: Brief Review. Journal of Psychoactive Drugs, 1-4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27918873, abgerufen am 18.12.2016
Vakkalanka, J. P., Charlton, N. P., & Holstege, C. P. (2016). Epidemiologic trends in loperamide abuse and misuse. Annals of emergency medicine. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27823872, abgerufen am 18.12.2016
Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Registriernummer: 021 /016. https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf, abgerufen am 18.12.2016
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Die Reisediarrhoe – was gibt es Neues? Arzneiverordnung in der Praxis. Band 42, Heft 4, Oktober 2015. http://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/AVP/Artikel/201504/154.pdf, abgerufen am 18.12.2016

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