Abführmittel – bringen rezeptfreie Abführmittel eine schnelle Wirkung?

Verstopfungen können verschiedenste Gründe haben – oft sind eine ballaststoffarme Ernährung oder eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme ursächlich. Doch auch beim Reizdarmsyndrom oder als Medikamentennebenwirkung kann es zu einem selteneren, harten und schmerzhaften Stuhlgang kommen. Reichen dann natürliche Maßnahmen nicht mehr aus, können mit ärztlicher Beratung verschiedene Abführmittel zum Einsatz kommen. Um schnell und unkompliziert eine Wirkung zu erzielen, greifen viele Betroffene zu rezeptfreien oder natürliche Abführmitteln. Von einer Selbstbehandlung mit Abführmitteln auf eigene Faust ist dringend abzuraten. Häufig kommt zu Abhängigkeit und Missbrauch von Abführmitteln. Der folgende Text erklärt, welche Arten es gibt, wie diese eingesetzt werden und was es bei der Anwendung zu beachten gilt.

Wann werden Abführmittel verwendet?

Abführmittel (Laxantien) werden bei starken Verstopfungen (Obstipationen) verwendet, wenn andere Allgemeinmaßnahmen keine Wirkung mehr zeigen. Je nach Wirkmechanismus werden unterschiedliche Gruppen von Laxantien unterschieden, die dementsprechend auch eine unterschiedliche Wirkintensität haben. Grundsätzlich können Abführmittel sowohl bei akuten als auch bei chronischen Obstipationen angewendet werden. Es sollte vorher jedoch immer eine Diagnostik erfolgen, da beispielsweise ein Darmverschluss eine Kontraindikation für die Nutzung von Abführmitteln darstellt. Auch sollten Abführmittel nur für einen begrenzten Zeitraum eingesetzt werden, weil es zu einer Gewöhnung oder zu Wasserverlusten kommen kann.

Wann spricht man von einer Obstipation?

Von einer Obstipation wird gesprochen, wenn es weniger als dreimal pro Woche zu einer Stuhlentleerung kommt und der Stuhl eine eher klumpige oder harte Konsistenz zeigt. Oft ist die Stuhlentleerung (Defäkation) schmerzhaft, verzögert, und erfordert starkes Pressen. Der häufigste Grund für chronische Obstipation ist eine faserarme Ernährung oft in Kombination mit zu geringer Flüssigkeitsaufnahme. In vielen Fällen ist dies noch mit mangelnder Bewegung, beispielsweise in sitzenden Berufen, und einer Unterdrückung des Defäkationsreizes gepaart.

Eine akute Obstipation tritt eher bei Umstellungen des Tagesrhythmus auf, wie es beispielsweise bei Reisen oder in der Schichtarbeit der Fall ist.

Welche Allgemeinmaßnahmen helfen neben Abführmitteln gegen Obstipationen?

Nicht jede Obstipation muss mit Abführmitteln behandelt werden. Oft hilft es bereits, die Ernährung umzustellen und mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Diese sind beispielsweise in Vollkornprodukten, Obst und Gemüse enthalten. Insbesondere Trockenobst, zum Beispiel Trockenpflaumen, wird eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt. Wichtig ist, neben den Ballaststoffen auch ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, da sich sonst die unverdaulichen Nahrungsfasern erneut verdicken und so Obstipationen verstärken können. Bewegung in Form von Spaziergängen und Sport ist einer schnelleren Darmpassage ebenfalls zuträglich. Außerdem sollte der Drang, auf die Toilette gehen zu müssen, nicht unterdrückt werden. Auch eine Bauchdeckenmassage für etwa zehn Minuten vor dem Aufstehen sowie das Trinken von einem Glas mit kaltem Wasser auf nüchternen Magen kann die Verdauung anregen.

Was sollte vor der Benutzung von Abführmitteln beachtet werden?

Abführmittel sollten nicht ohne die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker eingesetzt werden. In den meisten Fällen ist eine körperliche Untersuchung mit einer ausführlichen Ernährungs- und Medikamentenanamnese sinnvoll. Gegebenenfalls sind außerdem Tests auf Blut im Stuhl oder eine Darmspiegelung nötig. Eine akut einsetzende Obstipationen sollte immer ärztlich abgeklärt werden, da ein unkontrollierter Gebrauch von Abführmitteln hier sogar gefährlich sein und das Krankheitsbild verschlechtern kann.

Das Abführmittel sollte den Bedürfnissen des Betroffenen angepasst werden. Besteht das vordringliche Problem in schmerzhaftem, festem Stuhlgangs, kann ein milder Weichmacher ausreichen. Kommt es nur sehr selten zum Stuhlgang, ist der Einsatz von Medikamenten, die die Darmbewegung vorantreiben, hilfreich sein. Zusätzlich zur Einnahme der Abführmittel (Laxantien) sollten weiterhin die oben genannten Allgemeinmaßnahmen durchgeführt werden, da Laxantien nicht über lange Zeiträume eingenommen werden sollten.

Welche Abführmittel gibt es?

Natürliche Abführmittel Reichen die normalen Ballaststoffe der Ernährung nicht aus, können als relativ schonende Abführmittel sogenannte Füll- und Quellmittel genutzt werden, die Wasser binden und den Stuhl so voluminöser und weicher machen. Für diesen Effekt können beispielsweise Leinsamen oder Flohsamen (Plantago afra- oder Plantago ovata-Samen) in das morgendliche Müsli eingerührt werden. Damit die Mittel auch genügend Flüssigkeit zum Binden haben, sollte zu jeder Portion mindestens ein Glas Wasser getrunken werden.
Osmotisch wirksame Laxantien Derselbe Hinweis gilt für die osmotisch wirksamen Laxantien. Dazu gehören entweder lösliche Makromoleküle (Macrogol) oder nicht resorbierbare Zucker (Lactulose), die von Bakterien im Darm gespalten werden und dadurch wasseranziehend wirken. Wie auch die Quellmittel können diese Laxantien zu verstärkten Gasabgängen führen. In seltenen Fällen kommt es unter Macrogol zudem zu einem Natriummangel.
Schnell wirksame Abführmittel Für eine schnelle, kurzfristige Darmreinigung können salinische Abführmittel wie Bittersalz oder Glaubersalz eingesetzt werden. Liegen jedoch Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, eine Herzinsuffizienz oder eine Nierenfunktionsstörung, wird von diesen Laxantien abgeraten.
Stimulatorisch wirkenden Abführmittel Die stimulatorisch wirkenden Laxantien helfen insbesondere, wenn eine langsame Darmpassage die Ursache der Obstipationen ist. Wirkstoffe wie Natriumpicosulfat, Bisacodyl und Sennesblätter sorgen für eine aktive Sekretion von Flüssigkeit in den Darm und eine gesteigerte Darmtätigkeit. Da mit der Flüssigkeit jedoch auch Elektrolyte wie Kalium und Natrium vermehrt ausgeschieden werden, kann es zu Elektrolytstörungen kommen. Aus diesem Grund sollten stimulatorische Laxantien nur kurzfristig eingenommen werden.
Zäpfchen und Einläufe Hat sich Stuhl als feste Walze im letzten Teil des Dickdarms angesammelt, erschweren diese Kotballen oder Kotsteine manchmal den Stuhlgang. Sie können entweder mit einem Finger entfernt oder beispielsweise mit Hilfe von paraffinhaltigen Zäpfchen und Einläufen (Klysma, Klistier) entleert werden.

Welche Abführmittel können beim Reizdarmsyndrom eingesetzt werden?

Da es sich beim Reizdarmsyndrom um eine chronische Erkrankung handelt, sollten keine zu aggressiven Abführmittel verwendet werden. Den Allgemeinmaßnahmen, also einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, einer ballaststoffreichen Ernährung und regelmäßiger Bewegung, werden deshalb ein großer Stellenwert zugesprochen. Trockenpflaumen, Flohsamen und Leinsamen können den verdauungsfördernden Effekt verstärken. Besteht das Problem hauptsächlich darin, den Stuhl nicht herauspressen zu können, sind zudem Einläufe oder Zäpfchen mögliche Hilfen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann ein Arzt beraten, welche Abführmittel genutzt werden können. Zurzeit befinden sich verschiedene neue Wirkstoffe (z.B. Lubiproston, Linaclotid) in der klinischen Prüfung oder Zulassung und sind teilweise bereits in anderen Ländern erhältlich. Zudem gibt es erste Hinweise, dass Probiotika, wie beispielsweise einige Bifidobakterien, einen günstigen Effekt beim Reizdarmsyndrom haben können.

Können Abführmittel beim Abnehmen helfen?

In Internetforen werden teilweise Tipps verbreitet, dass Abführmittel wie Glaubersalz beim Abnehmen helfen könnten. Die Theorie dahinter sei, dass der Körper durch die beschleunigte Darmpassage weniger Zeit hätte, Nährstoffe aufzunehmen. Tatsächlich führen Abführmittel vorrangig jedoch zu einem Verlust von Wasser und Elektrolyten, was sich zwar zeitweilig auf der Waage widerspiegeln, jedoch letztlich in schweren Dehydratationszuständen oder Herzrhythmusstörungen enden kann. Da außerdem durch den Gebrauch von Abführmitteln nicht gelernt wird, wie eine ausgewogene, gesunde Ernährung aufgebaut ist, stellt sich schon bald nach dem Absetzen ein Jojo-Effekt ein und das Gewicht steigt wieder. Aus diesen Gründen ist von dem Gebrauch von Laxantien zur Gewichtsreduktion abzuraten!

Können Abführmittel beim Fasten helfen?

Viele Fastenprotokolle sehen eine Darmreinigung während der Fastenzeit vor. Dies kann entweder mit Abführmitteln, wie beispielsweise Glaubersalz, oder mit Einläufen und Klistiere durchgeführt werden. Da jedoch eine so radikale Darmreinigung wie auch das Fasten selbst zu Kreislaufproblemen und anderen Komplikationen führen kann, sollte sie nur in Absprache mit einem Arzt nach einer körperlichen Untersuchung erfolgen.

Welche Risiken haben Abführmittel?

Werden Abführmittel über einen längeren Zeitraum genutzt, kann es zu einer Gewöhnung des Körpers kommen. Das bedeutet, dass es ohne weitere Laxantiengabe immer wieder zu Obstipationen kommt und die Betroffenen keine Möglichkeit mehr haben, ohne die Medikamente einen normalen Stuhlgang aufrecht zu erhalten. Meist muss dann vorsichtig das Abführmittel reduziert werden, um den Körper wieder zu entwöhnen. Gleichzeitig sollte großer Wert darauf gelegt werden, die Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme umzustellen.

Bei starken Abführmitteln wie den salinischen oder stimulatorischen Laxantien kann es zudem zu Elektrolytverschiebungen kommen, so dass beispielsweise zu wenig Natrium oder Kalium im Blut ist. Ein Kaliummangel kann neben Herzrhythmusstörungen, auch zu einer trägeren Darmbewegung und damit wiederum zu Obstipationen führen. Hieraus entsteht häufig ein Teufelskreis aus der Gabe von Abführmitteln und Obstipationen. Grundsätzlich sollten deshalb Abführmittel nur unter ärztlicher Kontrolle und für einen begrenzten Zeitraum eingesetzt werden.

Wann kommen Abführmittel noch zum Einsatz?

Auch das Reizdarmsyndrom kann bei Betroffenen zu Obstipation führen. Man spricht von einem Obstipations-Typ (IBS-C). Andere Gründe für eine Obstipation können chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Auch Medikamente, wie zum Beispiel Antidepressiva oder Opiate und sogar Abführmittel selbst, können Obstipationen auslösen. Manche Medikamente wie Opiate werden aus diesem Grund häufig zusammen mit Abführmitteln verschrieben, um die Nebenwirkungen zu bekämpfen. Bei länger anhaltenden Obstipationen sollte außerdem ausgeschlossen werden, dass es sich um eine entzündliche  (z.B. Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa) oder eine bösartige Erkrankung des Darms handelt.

Bei Kindern kommt es häufig nach einem schmerzhaften Stuhlgang, sei es aufgrund von ernährungsbedingten Obstipationen oder kleinen Verletzungen am Anus, zu einem Zurückhalten des Stuhls. Auch bei Erwachsenen kann das Verkrampfen des Schließmuskels zu einer sogenannten „Outlet Obstruction“ führen. Dieses Verhalten verstärkt jedoch die Obstipationen und führt zu einem Teufelskreis, der oft nur durch den Einsatz milder Abführmittel durchbrochen werden kann.

Bild: shutterstock

Quellen
E. Giannetti et al. A Mixture of 3 Bifidobacteria Decreases Abdominal Pain and Improves the Quality of Life in Children With Irritable Bowel Syndrome: A Multicenter, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Crossover Trial. Journal of Clinical Gastroenterology, 2016. http://journals.lww.com/jcge/Abstract/publishahead/A_Mixture_of_3_Bifidobacteria_Decreases_Abdominal.98270.aspx, abgerufen am 22.06.2016
G. Herold. Innere Medizin. Eigenverlag, 2011. S. 450ff.
T. Karow, R. Lang-Roth. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Eigenverlag, 2011. S. 392ff.
M. Corsetti, P. Whorwell. Novel pharmacological therapies for irritable bowel syndrome. Expert review of gastroenterology & hepatology, 2016, S. 1-9.
Lubiproston bei Reizdarm. Deutsche Apotheker-Zeitung. 2008. Online unter https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-24-2008/lubiproston-bei-reizdarmsyndrom, abgerufen am 22.06.2016
C. Berg. Linaclotid: Neue Option für Reizdarm mit Obstipation. Pharmazeutische Zeitung. 2012. Online unter http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=43575, abgerufen am 22.06.2016

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