Candida-albicans-Diät

Bei der Candida-albicans-Diät soll durch eine zuckerarme Ernährung eine Pilz-Besiedlung des Darms bekämpft werden. Dieser Besiedlung werden verschiedene Beschwerden wie Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen zugeschrieben, die als „Candida-Syndrom“ jedoch bisher nicht wissenschaftlich nachweisbar sind. Der Text erklärt, wie eine Candida-albicans-Diät abläuft, wie lange sie durchgeführt wird und bei welchen Personen sie zum Einsatz kommt.

Was ist die Candida-albicans-Diät?

Durch die Candida-albicans-Diät, auch Anti-Pilz-Diät genannt, soll eine Pilzbesiedlung des Darms bekämpft werden. Bei etwa 50 Prozent aller Menschen können in Stuhlproben Hefepilze der Candida-Gattung nachgewiesen werden. Häufigster Vertreter dieser Gruppe ist Candida albicans. Bei vielen Menschen finden sich die Pilzzellen außerdem an den Schleimhäuten des Mundes und in der Scheide. Der Mikroorganismus ist dafür bekannt, Scheidenpilzinfektionen auszulösen. Bei Menschen, deren Immunsystem durch eine Krankheit oder Medikamente geschwächt ist, kann Candida albicans außerdem zu einer Entzündung im Mund und in der Speiseröhre führen. Die Candida-albicans-Diät soll eine Candida-Besiedlung einschränken und damit solchen opportunistischen Infektionen vorbeugen.

Ist eine Pilzbesiedlung des Darms behandlungswürdig?

Da viele Menschen Candida im Darm tragen ohne Beschwerden zu zeigen, wird zurzeit davon ausgegangen, dass der Pilz keine Gesundheitsgefährdung darstellt, solange das Immunsystem gut funktioniert. Neugeborene, alte oder sehr kranke Betroffene können jedoch unter Umständen unter einer Überbesiedlung des Darms mit Candida leiden. Dies kann insbesondere dann eintreten, wenn die Darmschleimhaut schützende Bakterien durch eine vorherige Antibiotikatherapie abgetötet wurden. Es ist bisher nicht endgültig geklärt, ob eine Candida-Überwucherung zu gastrointestinalen Symptomen wie wässrigen Durchfällen und Bauchschmerzen führen kann. Candida sollte jedoch nicht in die Blutbahn geraten, weil dies zu einem Schock führen kann. Davon betroffene Patienten werden mit Anti-Pilz-Medikamenten, sogenannten Antimykotika, behandelt.

In der Naturheilmedizin wird eine Pilzbesiedlung des Darms hingegen mit verschiedenen Symptomen in Zusammenhang gebracht. Dazu gehören neben Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Kopfschmerzen auch Glieder- und Muskelschmerzen. Gelegentlich werden diese Beschwerden als „Candida-Syndrom“ oder „Candida-Hypersensitivitäts-Syndrom“ zusammengefasst. Auch ein Zusammenhang mit dem Chronischen Müdigkeitssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome) oder dem Reizdarmsyndrom wurde vermutet. Bisher konnte in keiner wissenschaftlichen Studie eine klare Verbindung zwischen den genannten Symptomen und einer Pilzbesiedlung des Darms gefunden werden.

Wie läuft die Candida-albicans-Diät ab?

Wird von einem Arzt oder Heilpraktiker eine Darmpilzbesiedlung als Ursache bestimmter Beschwerden angenommen, besteht die Behandlung in den meisten Fällen aus zwei Komponenten. Zum einen werden Antimykotika verwendet. Einige dieser Mittel, zum Beispiel Nystatin, wirken nur im Darm und damit an der Zielstelle, ohne ins Blut und den Körperkreislauf überzugehen. Sie sind aus diesem Grund recht nebenwirkungsarm, können aber zu Bauchbeschwerden führen.

Die andere Säule der Anti-Pilz-Therapie ist die Candida-albicans-Diät. Das Konzept der Diät besteht darin, dass Pilze Zuckerverbindungen (Kohlenhydrate) nutzen, um daraus Energie zu ziehen. Wenn diese Zuckerverbindungen nicht mehr über die Ernährung zur Verfügung gestellt werden, können die Pilze auf diese Weise „ausgehungert“ werden. Die Anti-Pilz-Diät soll so innerhalb von mindestens vier Wochen die Anzahl der Mikroorganismen im Darm stark senken.

Welche Lebensmittel darf ich essen?

Die Anti-Pilz-Diät verzichtet demnach vollständig auf Haushaltszucker und damit verbunden auf Süßwaren. Auch Fruchtzucker ist verboten, weshalb zumindest in den ersten Wochen auch auf Obst verzichtet wird. Erlaubt sind hingegen kohlenhydratfreie Süßstoffe wie Aspartam oder auch Milchzucker, der von Hefen schlechter verstoffwechselt werden kann. Da auch Stärke, also der Hauptinhaltsstoff von Brot, Nudeln, Kartoffeln und Reis, aus Kohlenhydraten und damit Zucker besteht, soll ebenfalls auf diese Lebensmittel verzichtet werden. Von Therapeut zu Therapeut wird unterschiedlich gehandelt, wie Vollkorn-Produkte gehandhabt werden – auch diese enthalten Kohlenhydrate, können jedoch durch einen höheren Ballaststoffanteil die Ausscheidung von Pilzen vorantreiben. Alkohol ist während der Zeit der Diät komplett zu vermeiden.

Was muss bei der Diät beachtet werden?

Viele Kohlenhydrate sind auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen. So enthalten panierte Fleisch- oder Fischstücke durch die Panade Stärke und süße Getränke häufig viel Zucker. Auch Produkte, die extra für Diabetiker mit Zuckerersatzstoffen produziert werden, können unter Umständen trotzdem der Diät abträglich sein.

Die Ernährung so stark einzuschränken und dies über Wochen oder sogar Monate weiterzuführen, kann gefährlich für die Gesundheit werden. Aus diesem Grund sollte eine solche Umstellung nur unter ärztlicher Kontrolle geschehen – chronisch Kranke, insbesondere Diabetiker, sollten die Diät eher nicht durchführen. Eventuelle Mangelzustände müssen durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden. Die Anti-Pilz-Diät sollte zudem nie die einzige Therapiemaßnahme sein und nur in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung durchgeführt werden.

Wie lange führe ich die Diät durch?

Es gibt keine optimale Dauer für die Candida-albicans-Diät. Da jedoch der Nutzen der Diät nicht nachgewiesen ist, Risiken aber sehr wohl bestehen, sollte man die Diät nicht länger als 4 Wochen durchführen – je kürzer, desto besser.

Hilft eine Anti-Pilz-Diät?

Eine Anti-Pilz-Diät kann, wie auch Medikamente, nicht alle Pilze aus dem Darm entfernen, sondern maximal die Anzahl reduzieren. Ebenso wie das Krankheitsbild des „Candida-Syndroms“ selbst konnte eine Wirksamkeit der Candida-albicans-Diät weder bei unspezifischen Symptomen noch bei Scheidenpilzinfektionen wissenschaftlich nachgewiesen werden. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass für einzelne Individuen eine Linderung der Beschwerden eintritt. Dies kann unter anderem mit der ausführlichen Auseinandersetzung mit der Ernährung und dem Griff zu gesünderen und zuckerärmeren Lebensmitteln zusammenhängen.

Auch Patienten, die unter einem Reizdarmsyndrom leiden, können eventuell von der Diät profitieren, da sie Parallelen zur bei Reizdarm angewendeten Low-FODMAP-Diät hat. In beiden Ernährungsmodellen wird auf viele Kohlenhydrate verzichtet. Die Candida-albicans-Diät sollte jedoch immer mit ärztlicher Begleitung und nur über einen begrenzten Zeitraum durchgeführt werden, weil sonst zu viele Mangelerscheinungen auftreten können. Alternativen, die bei der Behandlung von Candida-Besiedlungen im Gespräch sind, umfassen Kokosöl und Probiotika.

Bild: shutterstock

Quellen
Empfehlung des Robert Koch-Instituts. (2004). Pathogenetische Bedeutung der intestinalen Candidabesiedelung. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz, 47, 587–600, http://www.apug.de/archiv/pdf/bgbl_methkom_candida.pdf, 05.08.2016
Schulze, J., & Sonnenborn, U. (2009). Pilze im Darm–von kommensalen Untermietern zu Infektionserregern. Dtsch Arztebl Int, 106, 51-52. http://www.aerzteblatt.de/archiv/67172, 05.08.2016
Filip, B. (1996). Pilze im Gastrointestinaltrakt: Vom Mythos der Candida-Besiedelung. Dtsch Arztebl, 93(46): A-3041 / B-2573 / C-2285. http://www.aerzteblatt.de/archiv/3908, 05.08.2016
Zunder, T., Huber, R., Sander, A., Daschner, F., & Frank, U. (2002). The pathogenetic significance of intestinal Candida colonization–a systematic review from an interdisciplinary and environmental medical point of view. International journal of hygiene and environmental health, 205(4), 257-268.
Krause, R., & Reisinger, E. C. (2005). Candida and antibiotic-associated diarrhoea. Clinical Microbiology and Infection, 11(1), 1-2.
Middleton, S. J., Coley, A., & Hunter, J. O. (1992). The role of faecal Candida albicans in the pathogenesis of food-intolerant irritable bowel syndrome. Postgraduate medical journal, 68(800), 453-454. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2399355/pdf/postmedj00066-0054.pdf, 05.08.2016
Hoffmann, C., Dollive, S., Grunberg, S., Chen, J., Li, H., Wu, G. D., … & Bushman, F. D. (2013). Archaea and fungi of the human gut microbiome: correlations with diet and bacterial residents. PloS one, 8(6), e66019. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3684604/, 08.08.2016
Hobday, R. A., Thomas, S., O’Donovan, A., Murphy, M., & Pinching, A. J. (2008). Dietary intervention in chronic fatigue syndrome. Journal of human nutrition and dietetics, 21(2), 141-149.

Leave a Comment