Pilze im Darm

Pilze gehören wie viele Bakterien zu den natürlichen Mikroorganismen, die unseren Körper besiedeln, ohne ihn zu schädigen. Über die Rolle von Pilzen im Darm, insbesondere dem Hefepilz Candida, wird in der Wissenschaft stark diskutiert: Während einige von einem „Candida-Syndrom“ mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Muskelschmerzen ausgehen, spricht die Wissenschaft Candida nur bei schwer kranken Patienten eine gesundheitsgefährdende Bedeutung zu. Demensprechend umstritten sind die Behandlungsansätze bei Pilzen im Darm. Der folgende Text schildert den aktuellen Wissensstand zu Symptomen, Tests und Behandlungsmöglichkeiten bei Pilzen im Darm.

Um welche Pilze handelt es sich?

Wenn im medizinischen Sinne von Pilzen gesprochen wird, handelt es sich nicht um die großen Exemplare aus dem Wald, sondern kleine Mikroorganismen, die neben Bakterien und Viren mögliche Krankheitserreger darstellen. Viele Pilze sind dabei jedoch für den Menschen ungefährlich, insbesondere wenn dieser anderweitig gesund ist. Es werden mehrere Gruppen unterschieden: In Europa finden sich insbesondere Hefen, Dermatophyten (von derma = Haut) und Schimmelpilze. Teilweise leben diese Pilzarten auf der Haut und den Schleimhäuten des Menschen, ohne dort Schaden anzurichten. Andere Pilzarten, zum Beispiel Schimmelpilze, haben jedoch das Potenzial, Allergien und Lungenerkrankungen auszulösen.

Wie wird auf Pilze im Darm getestet?

Auf der Suche nach Pilzen im Darm werden meistens Stuhlproben untersucht. Da Stuhl auch immer einen Teil abgeschilferte Darmzellen enthält, wird davon ausgegangen, dass alle Mikroorganismen, die im Darm leben, zu einem Teil auch ausgeschieden werden. Die Proben werden dann auf spezifischen Nährböden kultiviert. Wachsen auf den Böden Pilzkolonien, kann anhand des Aussehens der Kolonien und weiteren chemischen und mikroskopischen Tests die Pilzart identifiziert werden. Mittlerweile gibt es zudem Maschinen, die in einer Körperflüssigkeitsprobe direkt nach dem Erbgut bestimmter Pilze suchen – der Nachweis gelingt dann schneller und genauer. Bisher werden diese Maschinen jedoch eher für Bluttests verwendet und der Erbgut-Nachweis aus Stuhlproben dauert etwas länger. Wenn aus anderen Gründen eine Magen– oder Darmspiegelung oder eine Operation mit Gewebeentnahme durchgeführt wird, können auch diese Proben auf eine Pilzbesiedlung getestet werden.

Welche Pilze sind im Darm zu finden?

Werden Pilze im Darm angetroffen, handelt es sich in den meisten Fällen um Hefepilze der Gattung Candida. Die Angabe des prozentualen Anteils der Menschen, die Candida im Darm tragen, schwankt dabei stark von Untersuchung zu Untersuchung. Es wird aber angenommen, dass etwa die Hälfte aller Menschen Candida-Träger ist. Die dabei häufigste Art ist Candida albicans. Candida-Pilze sind dafür bekannt, Scheidenpilzinfektionen auszulösen. Bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem, zum Beispiel HIV-Infizierten, können die Pilze zudem durch eine Besiedlung des Mundraums und der Speiseröhre zu Entzündungen führen. Eine gefürchtete Komplikation, insbesondere auf Intensivstationen im Krankenhaus, ist die Candidämie oder auch invasive Candidose, bei der Pilze in die Blutbahn gelangen und dadurch eine Reaktion im ganzen Körper auslösen können.

Sind Pilze im Darm gefährlich?

Wie bereits erwähnt finden sich bei vielen gesunden Menschen Pilze auf den Schleimhäuten des Mundraums, des Darms und der Scheide. Aus diesem Grund kann nicht von einer grundsätzlichen Schädlichkeit der Pilze ausgegangen werden. Sie leben in einem Gleichgewicht mit den anderen Mikroorganismen des Körpers und werden vom Immunsystem in Schach gehalten. Erst eine Überbesiedlung kann zu Problemen führen. Zu dieser kommt es unter Umständen bei sehr jungen, sehr alten und sehr kranken Menschen.

Insbesondere Menschen, deren Immunsystem durch eine angeborene oder erworbene Immunschwäche oder immunsupprimierende Medikamente wie nach einer Organtransplantation geschwächt ist, können unter einer Candida-Infektion Symptome entwickeln. Auch wenn langandauernde Antibiotikagaben die Mikrobiom-Zusammensetzung des Darms gestört haben, ist eine Vermehrung der Pilze möglich. Bisher ist jedoch unklar, ob Candida in diesen Fällen tatsächlich „nur“ zu Symptomen wie wässrigen Durchfällen führt oder eher das Risiko steigt, eine invasive Candida-Infektion zu entwickeln. Bei der invasiven Infektion gelangt Candida über die geschädigte Darmschleimhaut ins Blut und damit in den Kreislauf. Weil dadurch das Immunsystem stark aktiviert wird, kann es zu Symptomen wie Fieber und Blutdruckabfällen kommen. Dies kann soweit führen, dass beispielsweise die Nieren oder die Leber nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden und damit ein Organversagen eingeleitet wird. Man spricht dann von einem septischen Schock, der lebensbedrohlich sein kann.

Welche Rolle spielen Candida Pilze im Darm?

Die Rolle von Candida im Darm ist in der Wissenschaft ein stark umstrittenes Thema. So wurde in den 70er Jahren eine Theorie aufgestellt, dass das „Candida-Hypersensitivitäts-Syndrom“ auch bei sonst Gesunden zu so unspezifischen Symptomen wie

  • Müdigkeit,
  • Abgeschlagenheit,
  • Durchfällen,
  • Muskelschmerzen und
  • Luftnot führen könne.

Auch ein Zusammenhang mit dem Chronic Fatigue Syndrome (Chronisches Müdigkeitssyndrom) wurde postuliert. Bis heute konnten diese Theorien jedoch nicht bestätigt werden, weshalb in den meisten Fällen auch keine Behandlung von zufällig nachgewiesenen Candida im Stuhl erfolgt. Für eine andere Vermutung, dass eine Candida-Besiedlung das Risiko erhöhen könnte, an Allergien wie Neurodermitis zu erkranken, konnten hingegen weitere Hinweise gefunden werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Candida der alleinige Auslöser von Allergien ist, die sich in einem komplexen System aus genetischen und Umwelteinflüssen entwickeln. Auch ist bisher nicht geklärt, ob eine Behandlung der Candida das Allergierisiko senken würde.

Sind Pilze im Darm ansteckend?

Grundsätzlich sind Pilze sowohl auf der Hautoberfläche als auch im Darm als ansteckend anzusehen. Sie werden über den direkten Kontakt, bei Nagelpilz beispielsweise mit einem infizierten Nagel, übertragen oder über gemeinsam genutzte Waschlappen und Handtücher. Aus diesem Grund sollte auf eine ausführliche Händehygiene nach jedem Toilettengang geachtet und Handtücher immer nur von einer Person genutzt werden. Das regelmäßige Wechseln der Zahnbürste und die Reinigung von Zahnspangen und –prothesen hilft dabei, sich nicht selbst wieder zu infizieren. Bei einer Scheidenpilzinfektion kann es zudem sinnvoll sein, beide Partner zu behandeln, damit kein sogenannter „Ping-Pong-Effekt“ eintritt und die Infektion immer wieder zwischen den Partnern ausgetauscht wird. Auch wenn sich eine Person mit einem Darmpilz ansteckt, bedeutet dies nicht automatisch, dass sie auch daran erkrankt. Bei den meisten Menschen führt eine Pilzbesiedlung des Darms zu keinen Beschwerden.

Wie werden Pilze im Darm behandelt?

Liegt tatsächlich eine schwere Pilz-Infektion bei einer schwer kranken Person vor, können Antimykotika eingesetzt werden. Insbesondere der Wirkstoff Nystatin ist dabei gut gegen Candida wirksam und wird zudem oral eingenommen nicht durch den Darm ins Blut aufgenommen – er wirkt also nur lokal an der Stelle, an der die Hilfe benötigt wird. Weil Candida die Fähigkeit besitzt, schützende Biofilme insbesondere auf künstlichen Materialien zu bilden, sollten zudem Gegenstände wie Schnuller oder Zahnprothesen ausgetauscht oder desinfiziert werden, um eine Re-Infektion zu vermeiden. Begleitend zu dieser Therapie wurde die Wirksamkeit von sogenannten Probiotika bestätigt, die die normale Darmflora und die Schutzfunktion des Darms wiederherstellen soll. Auch Kokosnussöl wurde als Nahrungsergänzungsmittel bei Risikopatienten erfolgreich getestet. All diese Behandlungen führen nicht zu einer vollständigen Auslöschung aller Candida-Pilze, sondern zu einer Reduktion der Menge.

Sollten gesunde Menschen Pilze im Darm behandeln lassen?

Gesunden Menschen wird aus schulmedizinischer Sicht von einer Behandlung der Candide-Pilze im Darm abgeraten. In der ganzheitlichen Medizin wird jedoch weiterhin das „Candida-Syndrom“ diagnostiziert und eine Behandlung aus Nystatin und einer sogenannten Anti-Pilz-Diät empfohlen. Diese Diät soll den Pilzen die Nahrungsgrundlage entziehen und besteht aus einer mindestens vierwöchigen stark zuckerreduzierten Ernährung. Das bedeutet, dass sowohl Süßigkeiten, gesüßte Getränke und Obst als auch stärkehaltige Produkte wie Weißbrot und Brötchen vom Speiseplan gestrichen werden. Der Erfolg dieser Diät konnte bisher nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen werden. Stattdessen wird zu einer ausgewogenen ballaststoffreichen und moderat zuckerreduzierten Ernährung geraten – unabhängig von einer Candida-Besiedlung.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Pilzen im Darm und dem Reizdarmsyndrom?

Seit längerer Zeit besteht die Vermutung, dass eine Pilzinfektion im Darm im Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom steht. Ursächlich dafür ist unter anderem, dass beiden Krankheitsbildern die Beschwerden Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle zugesprochen werden. Candida gilt jedoch eher als schwach gasbildend, weshalb die Besiedlung durch diesen Pilz eher unwahrscheinlich zu den genannten Symptomen führt. Denkbar wäre eine Parallele, weil auch beim Reizdarmsyndrom eine bakterielle Fehlbesiedlung als Ursache im Gespräch ist. Bisher konnte jedoch keine Studie einen klaren Zusammenhang zwischen einer Candida-Besiedlung und dem Reizdarmsyndrom herstellen.

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Quellen
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Showing 2 comments
  • Nic
    Antworten

    Ja und wie kann man diesem komplett los werden? Das schreibt ja gar nicht dabei. Ich brauche dringend eine Antwort, denn ich leider seir zich Jahren darunter und muss da endlich loswerden. Würde gerne wieder ein Leben ohne Höllenqualen leben.

    • Jesaja
      Antworten

      Hi Nic, lies dir doch mal den Artikel über die Anti-Pilz-Diät durch. Zwar gibt es wenig wissenschaftliche Belege für die Auswirkungen und Behandlung von Pilzen im Darm, aber vielleicht gibt dir der Artikel Hoffnung. Wenn dein Leidensdruck so hoch ist, solltest du auf jeden Fall professionelle Hilfe holen.

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