Mikroskopische Kolitis – Symptome und Therapie

Die mikroskopische Kolitis ist eine Erkrankung des Dickdarmes. Sie ist eine häufige Ursache chronischer, wässriger Durchfälle. Die Erkrankung, deren genaue Ursache auch heutzutage noch nicht bekannt ist, tritt am häufigsten bei Personen über dem sechzigsten Lebensjahr auf. Frauen sind bis zu dreimal öfter betroffen als Männer. Es werden bestimmte Therapie-Möglichkeiten diskutiert. Zu diesen Therapie-Ideen gehören unter anderem auch auf den ersten Blick abschreckende Wurmeier. Die mikroskopische Kolitis wird in die kollagene Kolitis und lymphozytäre Kolitis aufgeteilt. Sie kommt ähnlich häufig vor wie die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa.

Was ist die mikroskopische Kolitis?

Als Kolitis wird eine Entzündung des Kolons, also des Dickdarmes, bezeichnet. Eine solche Entzündung geht normalerweise mit einer ausgeprägten Rötung und Verletzungen der Schleimhaut des Darmes einher. Solche Veränderungen werden im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) sichtbar.

Die mikroskopische Kolitis erhielt ihren Namen, weil sie ohne diese für Entzündungen typischen Veränderungen auftritt. Stattdessen sind die Veränderungen bei dieser Erkrankung nur unter einem Mikroskop zu erkennen.

Wodurch wird eine mikroskopische Kolitis verursacht?

Ärzte sind sich unsicher, was die genauen Ursachen der mikroskopischen Kolitis sind. Als Auslöser werden diskutiert:

  • allergische Ursachen
  • autoimmune Ursachen
  • andere Ursachen

Allergische Ursachen

Es gibt Hinweise dafür, dass Allergene im Magen-Darm-Trakt für die Ausbildung der mikroskopischen Kolitis verantwortlich sind. In verschiedenen Studien konnte ein Zusammenhang zwischen dem Einbringen verschiedener allergieauslösender Stoffe und dem Auftreten von mikroskopischen Darmentzündungen gezeigt werden.

Autoimmune Ursachen

Eine andere Theorie besagt, dass das Immunsystem für das Auftreten der Kolitis verantwortlich ist. Durch Fehlregulationen in der körpereigenen Immunabwehr kann es dazu kommen, dass das Immunsystem teile der Darmschleimhaut als „fremd“ erkennt und diese angreift. So kann die Entzündung im Darm ohne offensichtliche Ursache erklärt werden.

Andere Ursachen

Unter Medizinern werden auch andere Ursachen für eine mikroskopische Kolitis diskutiert. Zu ihnen zählen Nebenwirkungen verschiedener Medikamente, Auswirkungen von bakteriellen Infektionen des Darmes und einige Stoffwechselstörungen.

Welche Formen der mikroskopischen Kolitis gibt es?

Die mikroskopische Kolitis tritt in zwei verschiedenen Formen auf:

  • Kollagene Kolitis: Bei dieser Variante der Erkrankung kommt es zur Vergrößerung eines Bindegewebe-Bandes, das unter den oberen Zellen der Darmschleimhaut liegt. Da dieses Band hauptsächlich aus dem Bindegewebe-Protein Kollagen besteht, trägt sie den Namen kollagene Kolitis
  • Lymphozytäre Kolitis: Lymphozyten sind Zellen des Immunsystems. In der Schleimhaut des Darmes befinden sich einige dieser Zellen, um bei der Abwehr von potentiell schädlichen Fremdkörpern (Pathogene) zu helfen. Bei der lymphozytären Kolitis kommt es zu einer Vermehrung dieser Zellen in der Darmschleimhaut und dadurch zu einer erhöhten Entzündungsaktivität

Was sind die Symptome einer mikroskopischen Kolitis?

Das Hauptsymptom der mikroskopischen Darmentzündung sind Durchfälle. Die meist wässrigen Durchfälle treten chronisch auf. Auch nächtlicher ungewollter Stuhlgang ist häufig. Bei vielen Patienten kommt es außerdem zu unregelmäßig auftretenden, starken Bauchschmerzen. Viele Betroffenen geben ebenfalls einen Gewichtsverlust an, der sich allerdings meist auf einige Kilogramm beschränkt. Nur in seltenen Fällen kann es zum Verlust von zehn bis fünfzehn Kilogramm des Körpergewichtes kommen.

Fieber, Erbrechen oder blutige Beimengungen im Stuhl, die bei anderen Darmerkrankungen und Darmentzündungen häufig auftreten, sind bei einer mikroskopischen Kolitis selten. Liegen sie zusätzlich zu den Symptomen der mikroskopischen Kolitis vor, sollte an eine andere Erkrankung des Darmes gedacht werden.

Bei einigen Patienten mit mikroskopischer Kolitis lassen sich außerdem Autoimmunerkrankungen feststellen. Zu den häufigsten zählen autoimmunbedingte Gelenkschmerzen, rheumatoide Arthritis und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse.

Wie stellt der Arzt die Diagnose mikroskopische Kolitis?

Treten bei einem Patienten über einen Zeitraum von vier Wochen wässrige Durchfälle auf, so sollte der Arzt eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchführen. Im Rahmen dieser Untersuchung werden Gewebeproben aus mehreren Abschnitten des Darmes, sogenannte Stufenbiopsien, entnommen. Diese Biopsien können dann unter dem Mikroskop begutachtet und die Diagnose mikroskopische Kolitis gestellt werden.

Wie wird eine mikroskopische Kolitis behandelt?

Da der genaue Auslöser der mikroskopischen Kolitis noch nicht bekannt ist, beschränkt sich die Therapie hauptsächlich auf die Behandlung der Symptome, die durch diese Erkrankung verursacht werden.

Schmerzmittel zur Therapie der mikroskopischen Kolitis

Ein erster Schritt ist das Absetzen von Medikamenten, die mit dem Auftreten einer mikroskopischen Kolitis in Zusammenhang gebracht werden. Die wichtigsten dieser Medikamente sind sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Zu dieser Gruppe von Medikamenten gehören unter anderem Paracetamol und Ibuprofen. Schon ein Verzicht auf die Einnahme von NSAR kann die Symptome einer mikroskopischen Kolitis nachhaltig lindern. Auch das Einschränken des Kaffeekonsums hat bei vielen Patienten positive Effekte gezeigt.

Durchfallmittel zur Therapie der mikroskopischen Kolitis

Bei akuten, starken Durchfällen kann eine kurzfristige Therapie mit Loperamid helfen, die Beschwerden zu lindern. Dieses Medikament hemmt die Eigenbewegung des Darmes (Peristaltik) und kann so helfen, die Stuhlfrequenz zu verringern. Auch Aktivkohle kann helfen, die Durchfälle zu lindern.

Entzündungshemmer zur Behandlung der mikroskopischen Kolitis

Bleiben die Symptome trotzdem bestehen, kann eine Therapie mit dem sogenannten Bismuth-Subsalicylat versucht werden. Dieser Stoff wirkt entzündungshemmend und kann helfen, Verstimmungen des Magen-Darm-Traktes zu lindern.

Die Entzündung selbst wird hauptsächlich mit Hilfe sogenannter Kortikosteroide, zu denen u.a. das Kortisol zählt, behandelt. Diese Gruppe von Medikamenten wirkt sich auf das menschliche Immunsystem aus und hemmt dessen übermäßige Aktivierung. So kann die Entzündungsaktivität bei einer mikroskopischen Kolitis gesenkt werden. Die Gruppe der Kortikosteroide besteht aus vielen Medikamenten. Budenosid, ein Medikament aus dieser Gruppe, wird zur Therapie der mikroskopischen Kolitis empfohlen.

Wurmeier zur Therapie der mikroskopischen Kolitis

Ein neuer Ansatz, der zurzeit noch in Studien erforscht wird, ist die probiotische Therapie mit Wurmeiern. Dabei werden die Eier bestimmter Würmer (Helminthen) in den Darm eingebracht. Sie sollen helfen, die natürliche Darmflora ins Gleichgewicht zu bringen und so die Entzündungsaktivität zu lindern. Ob eine solche Therapie allerdings beim Menschen effektiv ist, bleibt noch zu zeigen.

Hat die Ernährung einen Einfluss auf die mikroskopische Kolitis?

Im Allgemeinen sind die Effekte einer Ernährungsumstellung bei der mikroskopischen Kolitis umstritten. Der Verzicht auf Kaffee hilft zwar nachweislich, die Beschwerden zu lindern. Andere Nahrungsmittel, die das Krankheitsbild wesentlich beeinflussen, sind allerdings nicht bekannt. Da Allergene als mögliche Ursache der Erkrankung diskutiert werden, könnte der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel allerdings positive Effekte zeigen. Welche Nahrungsmittel das sind, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Es empfiehlt sich, für einige Wochen ein Ernährungstagebuch zu führen und die Reaktionen des Körpers auf verschiedene Nahrungsmittel zu erfassen. So können individuelle Faktoren ermittelt werden, die den Verlauf der Darmentzündung beeinflussen.

Wie ist die Prognose der mikroskopischen Kolitis?

Etwa 60 Prozent der Patienten sprechen auf eine Therapie der mikroskopischen Kolitis an. Einigen kann bereits der Verzicht auf NSARs und auf Kaffee helfen, die Erkrankung stark zu mildern. Allerdings kommt es auch bei erfolgreicher Therapie oft zu Rückfallen (Rezidive). Diese treten meist erst mehrere Jahre nach der initialen Behandlung und Besserung der Beschwerden auf. Deshalb empfiehlt es sich, auch bei einer Besserung der Beschwerden eine sogenannte „Erhaltungstherapie“ durchzuführen, bei der die Medikamente noch sechs bis zwölf Monate nach Besserung der Beschwerden weiter verabreicht werden.

 

Quellen
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