Laktoseintoleranz – Wie kommt es zu einer Milchzuckerunverträglichkeit?

Laktoseintoleranz ist weltweit sehr verbreitet. Die Unverträglichkeit ist bei vielen Menschen für Magen-Darm-Beschwerden nach Milchgenuss verantwortlich. Ursache für die Milchzuckerunverträglichkeit ist ein Mangel des Enzyms Laktase, das den Milchzucker (Laktose) in zwei Einfachzucker spaltet und so für den Darm verdaulich macht. Man unterscheidet zwischen der

  1. primären Laktoseintoleranz, die sich natürlicherweise mit dem Erwachsenwerden entwickelt, und der
  2. sekundären Laktoseintoleranz, die durch bestimmte Krankheiten ausgelöst wird.

Personen die von der primären Laktoseintoleranz betroffen sind, können ihre Symptome durch eine lebenslange laktosefreie oder laktosearme Ernährung lindern. Bei der sekundären Form besteht die Hoffnung, dass sich die Verträglichkeit von Milchzucker mit der Zeit wieder bessert, wenn die ursächliche Krankheit ausgeheilt ist. Seit 2005 ist das Leben für Betroffene durch die EU-Richtlinie 2003/89/EG erleichtert. Seitdem muss europaweit Laktose in der Zutatenliste aufgeführt sein. Außerdem erleichtert das wachsende Angebot an laktosefreien Produkten den Einkauf von Personen mit Laktoseintoleranz. Kann in bestimmten Situationen nicht auf Laktose verzichtet werden, helfen Laktase-Tabletten oder Pulver, die Symptome zu vermindern. Da Milch eine wertvolle Kalzium-Quelle darstellt, sollte bei einer Milchzuckerunverträglichkeit auf alternative Kalziumquellen (z.B. Broccoli, Blattspinat, Müsli) geachtet werden.

Was sind typische Symptome einer Laktoseintoleranz?

Werden laktosehaltige Lebensmittel verzehrt, kommt es bei Betroffenen zu Laktoseintoleranz Symptomen. Diese entstehen, weil der Zucker Laktose unvollständig im Darm aufgenommen wird. Darmbakterien vergären (fermentieren) dann die Laktose. Durch die Gärungsprozesse entstehen bestimmte Gase wie Wasserstoff (H2) und Kohlenstoffdioxid (CO2), die das Gefühl von Luft im Bauch fördern. Gerade Kohlenstoffdioxid fördert Blähungen. Außerdem produzieren die Bakterien neben Laktat auch kurzkettige Fettsäuren wie Proprionsäure, Ameisensäure, Essigsäure, Valeriansäure und Buttersäure. Diese Fettsäuren können Durchfälle fördern, weil sie Wasser anziehen. Bei einer Laktoseintoleranz kommt es ähnlich wie bei der Fermentation von anderen fermentierbaren Kohlenhydraten FODMAPs zu typischen Symptomen. Diese können Reizdarm Symptomen sehr ähneln. Zu den Laktoseintoleranz Symptomen gehören

Manche Personen mit Laktoseintoleranz berichten jedoch auch von anderen unspezifischen Symptomen wie Schwindel, depressiver Verstimmung, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Müdigkeit.

Wer ist von Laktoseintoleranz betroffen?

Gerade in Ostasien und Afrika ist Laktoseintoleranz weit verbreitet. Hier leiden etwa neun von zehn Personen unter einer Milchzuckerunverträglichkeit. In Europa ist etwa jeder Zehnte von Laktoseintoleranz betroffen, wobei Laktose in Nordeuropa besser vertragen wird als im Süden. (siehe Weltkarte) In Deutschland tragen etwa 15–20 Prozent der Bevölkerung die Gene für eine Milchzuckerunverträglichkeit. Dabei unterscheidet sich sich die individuelle Verträglichkeit von Milch bei Erwachsenen. Laktoseintoleranz ist nichts Absolutes. Vielmehr kann sich die Verträglichkeit von Milch im Laufe eines Lebens verändern.

weltkarte

Warum haben viele Menschen eine Laktoseintoleranz?

Es gibt mehr weltweit mehr Erwachsene mit Laktoseintoleranz als Erwachsene, die Laktose vertragen. Das für die Spaltung von Laktose wichtige Enzym Laktase wird mit zunehmendem Alter immer weniger gebildet. Diese Form der Laktoseintoleranz nennt man auch primären Laktasemangel. Dies lässt sich dadurch erklären, dass unsere Vorfahren vor sehr langer Zeit noch gar keine Tiere wie Kühe, Ziegen oder Schafe gehalten haben, die Milch produzieren.

Die Milchviehhaltung ist im Vergleich zur Menschheitsgeschichte also noch relativ jung. Somit war das Milchtrinken und damit die Aufnahme von Milchzucker Babys und Kleinkindern vorbehalten, die mit Muttermilch gestillt wurden. Fast alle Säuglinge bilden das für die Verdauung von Milch wichtige Enzym Laktase in ausreichender Menge. Die Laktase war nach dem Abstillen bei unseren Vorfahren gänzlich überflüssig und wurde deshalb bei allen Erwachsenen nicht mehr oder weniger gebildet. Erst mit der Verbreitung der Milchviehhaltung haben sich die Gene für Milchzuckerverträglichkeit vor allem in Nordeuropa langsam durchgesetzt. Laktoseintoleranz, also der Verlust der Fähigkeit Milchzucker zu Spalten, stellt somit bei Erwachsenen eine Art Urzustand dar, der bei den meisten Menschen rund um den Globus noch vorliegt.

Kann Laktoseintoleranz durch Krankheiten hervorgerufen werden?

Ja. Wenn der Körper aufgrund von einer Krankheit in kurzer Zeit eine Laktoseintoleranz entwickelt, spricht man von sekundärer Laktoseintoleranz. Zu den Krankheiten, die eine sekundäre Laktoseintoleranz verursachen können, gehören

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa)
  • Darminfektion (z.B. durch Enteropathogene E. coli)
  • Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)
  • Parasiten (z.B. Giardiasis)
  • Schädigung und Entzündung der Darmschleimhaut (z.B. nach einer Bestrahlung oder Chemotherapie)
  • Alkoholmissbrauch
  • Dünndarmfehlbesiedlung
  • Morbus Whipple

Beim sekundären Laktasemangel sind meist die Dünndarm-Zotten beschädigt. Die Dünndarm-Zotten, die einen Teppich auf der inneren Darmwand bilden, sind der Ort, an dem die Laktase gebildet wird. Deshalb kann es auch nach bestimmten Operationen am Magen oder Darm zu einer Laktoseintoleranz kommen.

Welche Krankheiten treten häufig mit zusammen mit Laktoseintoleranz auf?

Bestimmte Krankheiten treten häufig mit Laktoseintoleranz auf. Zu diesen Krankheiten gehören

Gibt es einen Laktoseintoleranz Test?

Ja, eine Laktoseintoleranz kann durch verschiedene Verfahren getestet werden. Zu den Laktoseintoleranz Tests gehören der Auslassungstest, Laktosebelastungstests mit Blutzuckermessung oder Wasserstoff (H2)-Atemtest, Dünndarmbiopsien und genetische Tests:

  • Auslassungstest: Dieser Laktoseintoleranz Test kann einfach durchgeführt werden, in dem eine komplett laktosefreie Diät durchgeführt wird. Diese wird am besten durch ein Symptomtagebuch begleitet. Wenn sich dadurch die Magen-Darm-Beschwerden bessern, gibt der Auslassungstest einen ersten Hinweis auf eine Laktoseintoleranz
  • Laktosebelastungstest mit H2-Atemtest: H2 steht für das Gas Wasserstoff. Bei Laktoseintoleranz bildet sich nach dem Genuss von laktosehaltigen Produkten vermehrt Wasserstoff in der Atemluft, der von Bakterien produziert und über das Blut in die Atemluft gelangt. Ein Liter Milch enthält etwa 50 Gramm Milchzucker. Nach der Gabe von 50 Gramm Laktose für Erwachsene auf nüchternen Magen wiederholt man den Atemtest alle 30 Minuten bis zu einer maximalen Messdauer von 120–240 Minuten. Bei Kindern wird die Laktosegabe auf etwa 1–2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht reduziert. Falsche Ergebnisse kann es etwa durch Rauchen oder Kaugummikauen vor der Untersuchung geben. Aber auch eine Dünndarmfehlbesiedlung oder eine Antibiotikatherapie können zu falschen Ergebnis des Laktoseintoleranz Atemtests führen. Der Atemtest kostet etwa 35–40 Euro.
  • Laktosebelastungstest mit Blutzuckermessung: Auch hier wird Erwachsenen mit Verdacht auf Laktoseintoleranz 50 Gramm Laktose verabreicht; Kindern entsprechend weniger. Danach wird nach ein und zwei Stunden der Blutzuckerspiegel gemessen. Bei einer normalen Verwertung des Milchzuckers, wird der Milchzucker gespalten und erhöht den Blutzuckerspiegel. Bei einer Laktoseintoleranz erhöht sich trotz der Gabe des Milchzuckers der Blutzuckerspiegel weniger, nämlich weniger als 20 Milligramm Glukose pro Deziliter.
  • Dünndarmbiopsie: In Gewebeproben (Biopsien) des Zwölffingerdarms (Duodenum) kann die Aktivität der Laktose-spaltenden Enzymen gemessen werden.
  • Genetischer Test: Genetische Laktoseintoleranz Tests sind aufwendig und kosten etwa 120 Euro. Durch diese Tests, die bestimmte Gene im Blut oder der Wagenschleimhaut nachweisen, kann eine primäre von einer sekundären Laktoseintoleranz unterschieden werden.

Hilft Rohmilch gegen Laktoseintoleranz?

Lange glaubte man, dass die in Rohmilch enthaltenen Organismen, dabei helfen, Laktose besser zu vertragen. Eine neue Studie von 2014 zeigt, dass diese Theorie wahrscheinlich nicht stimmt. Demnach hilft Rohmilch nach aktuellem Kenntnisstand nicht gegen Laktoseintoleranz.

 

Quellen
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