Histaminintoleranz – Unverträglichkeit histaminhaltiger Lebensmittel

Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielen heutzutage eine immer größere Rolle. Etwa 15 bis 20 Prozent der Deutschen leiden unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Unter Betroffenen mit dem Reizdarmsyndrom ist die Rate von Unverträglichkeiten etwa dreimal so hoch.

Eine Reaktion auf Histamin wird als Histaminintoleranz oder besser Histaminunverträglichkeit bezeichnet. Histaminunverträglichkeit betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung. Frauen sind von der Histaminintoleranz etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Typische Symptome der Histaminintoleranz wie Blähungen, Durchfall, Stuhldrang, Übelkeit und krampfartige Schmerzen treten etwa innerhalb von 30 Minuten nach der Nahrungsaufnahme auf. Jedoch kann der Zeitraum individuell stark schwanken. Vor allem die Unsicherheit über die genauen Auslöser der Symptome schränkt die Lebensqualität Betroffener sehr ein. Dabei ist Histamin ein wichtiger Botenstoff für zahlreiche Abläufe in unserem Körper.

Mediziner streiten sich immer noch über die Existenz der Histaminunverträglichkeit, da sich die von Betroffenen berichtete Beschwerden unter Laborbedingungen häufig nicht nachweisen lassen können. Eine Histaminunverträglichkeit wird subjektiv viel häufiger angenommen als sie durch einen Arzt objektiv nachgewiesen werden kann. Untersuchungen von Gewebeproben des Darms von Reizdarmpatientenhaben jedoch gezeigt, dass diese mehr Histaminrezeptoren im Verdauungstrakt haben als gesunde Vergleichsgruppen ohne Reizdarm.

Folgender Artikel liefert Informationen, welche Nahrungsmitteln reich und arm an Histamin sind, welche Aufgaben es im Körper erfüllt und wie sich eine Histaminintoleranz auswirkt.

Was ist Histamin?

Histamin ist ein Stoff, der zu der Gruppe der biogenen Amine gezählt wird. Das heißt, es besitzt eine sogenannte Aminogruppe (-NH2) und wird im Körper aus Aminosäuren hergestellt.

histamin

Histamin kommt natürlicherweise in vielen Nahrungsmitteln vor. Verarbeitete (prozessierte) Lebensmittel weisen eine höheren Histamingehalt auf als natürliche. Deshalb ist bei unseren heutigen Ernährungsgewohnheiten die Menge des mit der Nahrung aufgenommenen Histamins deutlich höher als noch vor 50 oder 100 Jahren.

Was ist Histaminintoleranz?

Der Begriff Histaminintoleranz, auch als Histaminunverträglichkeit bezeichnet, wird von Medizinern oft diskutiert. Im Allgemeinen beschreibt er ein Ungleichgewicht von Aufnahme, Produktion und Abbau von Histamin im Körper. Ob allerdings die vermehrte Aufnahme histaminhaltiger Nahrungsmittel oder die Unfähigkeit des Körpers, Histamin abzubauen eine größere Rolle bei der Histaminunverträglichkeit spielen, ist noch nicht ausreichend verstanden. So gibt es Ärzte, die argumentieren, eine Ernährungsumstellung sei nicht nötig und andere, die in einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten das wichtigste Mittel zur Behandlung einer Histaminunverträglichkeit sehen.

Die Symptome und Beschwerden, die betroffene Patienten nach der Aufnahme von Histamin zeigen, werden von Ärzten unter dem Begriff „Histaminintoleranz-Syndrom“ (HIS) zusammengefasst.

Wie wird das Histaminintoleranz-Syndrom definiert?

Das HIS ist eine akute oder chronische Reaktion auf die Aufnahme allgemein verträglicher Mengen von Histamin, die nicht durch das Immunsystem vermittelt wird. Manche Patienten zeigen eine verminderte Aktivität Histamin-abbauender Enzyme, bei anderen kann kein direkter Auslöser gefunden werden. Es kann verschieden stark ausgeprägt sein und tritt fast ausschließlich im Erwachsenenalter auf. Frauen sind von einem Histaminintoleranz-Syndrom deutlich häufiger betroffen als Männer.

Man unterscheidet zwei Formen des HIS:

  • primäres Histaminintoleranz-Syndrom
  • sekundäres Histaminintoleranz-Syndrom

Primäres HIS

Das primäre HIS ist eine Unverträglichkeitsreaktion auf normal verträgliche Mengen aufgenommenen Histamins. Mediziner nennen das Syndrom „primär“, weil sich die Symptome direkt auf das Histamin als Verursacher beziehen. Es wird nicht durch eine andere Erkrankung hervorgerufen und nicht durch Medikamente oder ähnliches verursacht. Ein primäres HIS ist selten.

Sekundäres HIS

Beim sekundären HIS liegt die Ursache der Histaminunverträglichkeit bei einer anderen Erkrankung oder einem Medikament, das in den Histaminstoffwechsel eingreift. Eine solche auslösende Erkrankung ist zum Beispiel die Zöliakie (eine durch Gluten verursachte Erkrankung des Darmes).

Was sind die Symptome eines Histaminintoleranz-Syndroms?

Vermutet man, unter einer Histaminunverträglichkeit zu leiden, hilft eine Rücksprache mit dem Arzt, um die Krankheit zu diagnostizieren und in Zusammenarbeit mit Ernährungsberatern eine Behandlung einzuleiten.

Ein Histaminspiegel von 0,3 bis 1,0 Nanogramm pro Milliliter im Blutplasma wird als normal angesehen. Darüberliegende Plasmaspiegel können je nach individueller Histamin-Toleranzgrenze typische Symptome hervorrufen. Sogar Personen ohne Histaminintoleranz können bei einer massiven Zufuhr histaminreicher Lebensmittel oder histaminfreisetzender Substanzen Symptome wie Kopfschmerzen oder Rotfärben der Haut entwickeln.

Die Symptome einer Histaminintoleranz können sich in unterschiedlichen Organsystemen im Körper zeigen und durch histaminreiche Lebensmittel, aber auch durch Medikamente, die den Histaminstoffwechsel beeinflussen, ausgelöst werden.

Histaminintoleranz-Symptome der Haut

Die Haut kann sich bei einer Unverträglichkeitsreaktion rotfärben (Flush), es kann zur Nesselsucht mit Quaddelbildung (Urticaria) kommen. Juckreiz ist ein weiteres Symptom, das von Betroffenen häufig angegeben wird.

Histaminintoleranz-Symptome im Magen-Darm-System

Auch der Magen-Darm-Trakt ist oft von dem HIS betroffen. Übelkeit, Bauchschmerzen und Blähungen treten häufig auf. Ebenso oft kommt es zu Magen– und Darmkrämpfen, Erbrechen und Durchfall.

Histaminintoleranz-Symptome im Nervensystem

Ein häufiges Symptom des HIS sind Kopfschmerzen, Hitzegefühl und Schwindel. Kurze Zeit nach der Aufnahme histaminreicher Nahrung kann es zu den Schmerzen kommen, die von vielen Patienten als migräneartig beschrieben werden. Bei Menschen mit Migräne sind histaminreiche Lebensmittel typische Auslesefaktoren (Trigger) für einen Mirgräneanfall. Histamin wirkt an den H1-Rezeptoren der Blutgefäße im Kopf und kann so Kopfschmerzen auslösen. Auch wird angenommen, dass Histamin-H3-Rezeptoren einen Einfluss auf den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Aufmerksamkeit, Verwirrtheit und Müdigkeit haben kann.

Histaminintoleranz Symptome im Herzkreislaufsystem

Bei einer Reaktion des Körpers auf Histamin kann es zu einem Blutdruckabfall (auch Blutdruckanstieg), einem Anstieg der Herzfrequenz (Herzrasen) und zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Histaminintoleranz-Symptome der Atemwege

Schnupfen, Niesen und eine verstopfte Nase gehören ebenfalls zu den Symptomen eines Histaminintoleranz-Syndroms. Bei starken Reaktionen kann es ebenfalls zu Atemnot bis hin zu Asthmaanfällen und einem allergischen Schock kommen.

Gynäkologische Symptome bei Histaminintoleranz

Von manchen Frauen wir von einer schmerzhaften Regelblutung mit Unterbauchkrämpfen berichtet. Forscher gehen davon aus, dass sich Histamin auf den Östrogenspiegel auswirken und somit Einfluss auf den Menstruationszyklus haben könnte.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Histaminintoleranz-Syndrom?

Die Symptome, die von Patienten geschildert werden, geben einen ersten Hinweis auf das Vorliegen eines Histaminintoleranz-Syndroms. Da es keine Möglichkeit gibt, dieses Syndrom anhand von Blutwerten oder anderen Laborwerten verlässlich zu diagnostizieren, muss sich der Arzt einer sogenannten Provokationstestung bedienen. Dazu wird der Arzt zuerst ausschließen, dass andere Erkrankungen die Symptome auslösen oder die Reaktion auf Histamin so stark ausfällt, dass eine Testung für den Patienten gefährlich wäre.

Zur Provokationstestung werden dem Patienten 50–150 Milligramm Histamin oral, meist in Form einer Tablette verabreicht. An einem anderen Tag wird ein Placebo verabreicht. Dabei weiß der Patient nicht, wann Histamin und wann Placebo gegeben werden. Zwei bis vier Stunden nach der Gabe des Präparats beobachtet der Arzt die Reaktion auf das Histaminpräparat im Vergleich zu der Reaktion auf das Placebo. Um die Bewertung möglichst zu objektivieren, füllt der Arzt einen Symptom-Score aus. Je nach dem, wie viele Punkte erreicht werden, wird der Test wiederholt oder die Diagnose Histaminintoleranz-Syndrom gestellt.

Gibt es Labortests zur Diagnose der Histaminunverträglichkeit?

Nein, bis heute fehlen geeignete Labortests zur Diagnose einer Histaminunverträglichkeit.

Angebotene Tests zur Messung des Diaminoxidasespiegels im Blut oder auch die Bestimmung von Histamin im Blutplasma oder Urin sind wenig aussagekräftig und werden nicht empfohlen. Das gleiche gilt für den sogenannten „Histamin 50 Prick-Test“. Da diese Tests keine verlässlichen Aussagen zulassen, werden sie auch meistens nicht von den Krankenkassen erstattet.

Wie wird ein Histaminintoleranz-Syndrom behandelt?

Der wichtigste Schritt in der Therapie des HIS ist eine Reduktion der Histaminaufnahme. Sie kann durch eine histaminarme Diät erreicht werden. Ärzte empfehlen, zudem ein Symptomtagebuch bzw. Ernährungstagebuch dazu zu führen. Mit dessen Hilfe kann genau erfasst werden, nach Einnahme welcher Nahrungsmittel die Symptome auftreten und ob eine Umstellung der Ernährung das Auftreten der Symptome vermindert. Ziel sollte es bei dem histaminarmen Ernährungsplan nicht sein, eine einfache Verbotsliste aufzustellen. Vielmehr sollte herausgefunden werden, wie viel Histamin in welchen Nahrungsmitteln vertragen wird (individuelle Toleranzgrenze). Außerdem sollte auch Fokus auf die sonstige Zusammensetzung der Nahrung gelegt werden und auf die Abstände zwischen den Mahlzeiten. Es hat sich herausgestellt, dass es nicht allein genügt, histaminreiche Lebensmittel aus der Ernährung zu streichen. Vielmehr hat eine stärke- und zuckerreduzierte und gleichzeitig gemüse-, eiweiß- und fettbetonte Ernährung einen besseren Effekt auf die Symptome. Der Histamingehalt von Lebensmitteln allein hat eine schlechte Aussagekraft über die Verträglichkeit der Nahrung.

Kann man das Histaminintoleranzsyndrom mit Medikamenten behandeln?

Wenn eine konsequente Ernährungsumstellung nicht möglich ist, können Medikamente eingenommen werden, die an die Histaminrezeptoren H1 und H2 binden und diese blockieren. Zu diesen als Antihistaminika bezeichneten Medikamenten zählen zum Beispiel Ceterizin und Cimetidin. Auch Medikamente, die die Aktivität der Diaminooxidase (DAO) fördern, haben in Studien gute Effektivität in der Behandlung des HIS gezeigt. Wie wichtig die DAO für den Menschen ist zeigen Studien, bei denen die DAO in ihrer Funktion gezielt eingeschränkt wird. Ist die DAO nicht mehr aktiv und kommt es zu einer Aufnahme großer Mengen Histamin, kann es zu lebensbedrohlichen Körperreaktionen kommen, wie zum Beispiel Blutdruckabfall, Luftnot und Schock.

Was sind die Ursachen des Histaminintoleranz-Syndroms?

In den meisten Fällen entwickelt sich die Unverträglichkeit im Laufe des Lebens. Dabei sind die genauen Mechanismen noch nicht geklärt. Man weiß heute aber, dass es bei der Histaminunverträglichkeit auch eine gewisse genetische Komponente gibt, die man außerdem auch bei folgenden Krankheiten findet

Außerdem geht man auch davon aus, dass die Durchlässigkeit (Permeabilität) der Darmbarriere eine Rolle bei der Histaminunverträglichkeit spielt.

Welche Erkrankungen stehen mit dem Histaminintoleranz-Syndrom in Verbindung?

Folgende Krankheiten und Unverträglichkeiten sollten nicht mit dem Histaminintoleranz-Syndrom verwechselt werden:

Diese können unabhängig aber auch in Kombination mit Histaminintoleranz auftreten.

Welche Medikamente können zu einer vermehrten Freisetzung oder einem verminderten Abbau von Histamin führen?

Verschiedene Medikamente können eine Histaminintoleranz verschlimmern oder sogar hervorrufen. Aus diesem Grund sollten bei einem Verdacht auf ein Histaminintoleranz-Syndrom die eingenommenen Medikamente zusammen mit einem Arzt überprüft werden.

Substanzklasse Wirkstoffe
Röntgenkontrastmittel
Muskelrelaxantien Pancuronium, Alcuronium, D-Tubocurarin
Betäubungsmittel Thiopental
Schmerzmittel Morphin, Pethidin, NSAR, ASS, Metamizol
Mittel gegen niedrigen Blutdruck Dobutamin
lokale Betäubungsmittel Prilocain
Blutdrucksenker Verapamil, Alprenolol, Dihydralazin
Mittel gegen Herzrhythmusstörungen Propafenon, Chinidin
harntreibende Mittel Amilorid, Furosemid
motilitätsbeeinflussende Mittel Metoclopramid
Antibiotika Amoxicillin, Cefuroxim, Cefotiam, Isoniazid, Pentamidin, Clavulansäure, Choroquin, Paromomycin
schleimlösende Mittel Acetylcystein, Ambroxol
Mittel zur Erweiterung der Atemwege z.B. bei Asthma Aminophyllin
Antihistaminika (H2-Rezeptorantagonisten) Cimetidin
Mittel bei der Chemotherapie Cyclophosphamid
Antidepressiva Amitriptylin

Welche Nahrungsmittel sind histaminreich?

In folgender Tabelle finden sich histaminhaltige Lebensmittel, gemessen in Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel. Hierbei lässt sich der Histamingehalt ablesen. Der Gehalt an Histamin steigt mit der Reife der Lebensmittel. Außerdem sind durch Mikroorganismen veränderte Speisen wie reifer Käse, Sauerkraut, Wein und prozessiertes Fleisch reicher an Histamin.

Lebensmittelliste mit histaminreichen Nahrungsmitteln
Gruppe Lebensmittel Histamingehalt in mg/kg
Fisch Makrele 1–20 (gefroren)1–1788 (geräuchert/gesalzen)

bis zu 210 (Konserve)

Hering 1–4 (gefroren)5–121 (geräuchert/gesalzen)

1–479 (Konserve)

Sardine 14–150 (geräuchert/gesalzen)3–2000 (Konserve)
Tunfisch 1–402 (Konserve)
Käse Gouda 10–900
Camembert 0–1000
Cheddar 0–2100
Emmentaler 5–2500
Schweizer Käse 4–2500
Parmesan 10–581
Fleisch Salami 1–654
Schinken 38–271
Rohwurst Bis zu 650
Gemüse Sauerkraut 0–229
Spinat 30–60
Aubergine 26
Tomatenketchup 22
Rotweinessig 4
Alkohol Weißwein Bis zu 10
Rotwein Bis zu 30
obergäriges Bier Bis zu 14
untergäriges Bier Bis zu 17
Champagner Bis zu 670

Welche Lebensmittel fördern die Histaminfreisetzung im Körper?

Manche Lebensmittel wie zum Beispiel Zitrusfrüchte haben außerdem das Potenzial körpereigenes Histamin freizusetzen. In folgender Tabelle finden sich histaminfreisetzende Lebensmittel:

Pflanzliche histaminfreisetzende Lebensmittel Tierische histaminfreisetzende Lebensmittel Weitere
Zitrusfrüchte Fisch Lakritz
Papaya Krustentiere Gewürze
Erdbeeren Schwein Zusatzstoffe
Ananas Eiweiß
Nüsse, Erdnüsse
Tomaten
Spinat
Schokolade

Wie sieht eine Ernährungsumstellung bei einer Histaminunverträglichkeit aus?

Sind andere Krankheiten und Allergien ausgeschlossen, kann eine dreistufige Ernährungsumstellung zur Therapie der Histaminunverträglichkeit Symptome durchgeführt werden. Diese sollte durch ein Symptom- und Ernährungstagebuch begleitet und dokumentiert werden. Eine radikale und langfristige Ernährungsumstellung sollte immer in Rücksprache mit einem Arzt oder Ernährungsberater erfolgen, um Fehl- oder Mangelernährung zu vermeiden.

  1. Basisdiät (Phase 1): Die ersten zwei Wochen zielen auf die Linderung der Symptome durch eine Reduzierung der Zufuhr an biogenen Aminen (z.B. Histamin, Tyramin, Tryptamin, Phenylethylamin, Serotonin, Putrescin) und Veränderung der Lebensmittelauswahl und der Abstände zwischen den Mahlzeiten.
  2. Testphase (Phase 2): Testweise und schrittweise Wiedereinführung von Lebensmitteln, die vorher reduziert wurden. Diese zweite Phase baut auf die erste schrittweise auf. Dabei sollten andere Störfaktoren wie beispielsweise Stress, Menstruation, Medikamente mitberücksichtig werden.
  3. Individuelle Wohlfühlernährung (Phase 3): In der dritten Phase werden Schlüsse aus der Testphase gezogen: vertragene Lebensmittel werden in die langfristige tägliche Ernährung aufgenommen, schlecht vertragene Lebensmittel werden weggelassen. Dies ergibt dann eine individuelle Ernährung, die weniger eingeschränkt und vielseitiger ist als die Basisernährung in Phase 1.

Wie funktioniert der Histaminstoffwechsel im Körper?

Histamin kann entweder mit der Nahrung aufgenommen oder vom Körper selbst hergestellt werden.

Im Körper wird es aus der Aminosäure Histidin hergestellt. Histidin ist eine essentielle Aminosäure, das heißt, der Körper kann sie nicht selbst herstellen und sie muss mit der Nahrung aufgenommen werden.

Der Histamingehalt von Lebensmittel kann sich ändern, je nach dem, wie sie verarbeitet werden oder wie lange sie gelagert werden.

Abgebaut wird Histamin durch zwei Enzyme: die Diaminooxidase (DAO) und die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT). Histamin, dass sich noch im Darm befindet, kann auch durch Darmbakterien abgebaut werden.

Die folgende Tabelle fasst noch einmal eine Gegenüberstellung histaminarmer sowie histaminreicher Lebensmittel zusammen und listet den Unterschied zwischen Lebensmitteln, die Histamin freisetzen bzw. die DAO, hemmen auf:

Histaminarme Lebensmittel Histaminreiche Lebensmittel Lebensmittel, die Histamin freisetzen Lebensmittel, die die DAO hemmen
Frischkäse Hartkäse (lange Reifung) Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Ananas Alkohol
Frisches Fleisch, frischer Fisch geräuchertes Fleisch, geräucherter Fisch Nüsse Schwarzer Tee, grüner Tee
Frisches Obst und Gemüse Lebensmittelkonserven und Fertiggerichte Schokolade, Kakao Schokolade, Kakao
Reis, Mais, Hafer Hefe Tomaten Energy-Drinks

Welche Funktionen erfüllt Histamin im Körper?

Histamin bindet an Histaminrezeptoren. Zu diesen gehören:

  • H1-, H2-, H3– und H4-Rezeptoren auf der Zelloberfläche
  • intrazelluläre Histaminrezeptoren

Nach Bindung an diese Rezeptoren vermittelt Histamin viele Prozesse, die auch bei allergischen Reaktionen eine Rolle spielen. Dazu zählen unter anderem die Erweiterung von Blutgefäßen, die Kontraktion von glatten Muskelzellen, eine erhöhte Durchlässigkeit von Blutgefäßen sowie eine Beschleunigung des Herzschlags (Tachykardie) und Blutdruckveränderungen. Auch im Gehirn spielt Histamin als sogenannter „Neurotransmitter“ eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei der Entstehung von Übelkeit.

Bei einer akuten allergischen Sofortreaktion schütten Mastzellen, die in der Haut liegen, große Mengen an Histamin aus.

Wie ist der Krankheitsverlauf und die Prognose?

Insgesamt ist eine Histamintoleranz gut zu behandeln. Wichtigstes Ziel ist die Beschwerdefreiheit durch Meidung der auslösenden Faktoren. Ist die Erkrankung so unter Kontrolle und es bestehen keine Mangelzustände, haben Betroffene die gleiche Lebenserwartung wie gesunde Menschen. Bei einer gleichzeitigen Intoleranz gegenüber anderen Lebensmitteln (beispielsweise Laktose, Fruktose, Sorbit, Salicylat) sollte die Ernährungsumstellung mit einem Ernährungsberater abgesprochen werden.

Quellen
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