Helicobacter pylori – Symptome, Ursachen und Behandlung

Helicobacter pylori (H. pylori) ist ein Bakterium, das den menschlichen Magen-Darm-Trakt besiedelt. Es wird für die Entstehung vieler Erkrankungen, wie zum Beispiel der chronischen Magenentzündung (Gastritis), verantwortlich gemacht. Man geht davon aus, dass etwa 50 Prozent der Weltbevölkerung mit Helicobacter pylori infiziert sind. Informationen dazu, was dieses Bakterium kennzeichnet, wie es zur Auslösung verschiedener Krankheiten führt und wie man eine Infektion mit Helicobacter pylori behandelt, gibt es im folgenden Artikel.

Was ist Helicobacter pylori?

Helicobacter pylori ist ein Bakterium. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bakterien hat es gelernt, das saure Umfeld im menschlichen Magen zu überleben. Es kann die Schleimhaut (Mukosa) des Magens besiedeln und dort über verschiedene Mechanismen zur Auslösung von Krankheiten führen. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung trägt Helicobacter pylori im Magen-Darm-Trakt. In Deutschland und anderen Industrienationen nimmt diese Zahl allerdings von Jahr zu Jahr ab. Helicobacter pylori wird direkt von Mensch zu Mensch, zum Beispiel über den Speichel, übertragen. Für die Entdeckung von Helicobacter pylori und seiner Rolle bei der Entstehung der chronischen Magenentzündung erhielten Robin Warren und Barry Marshall 2005 den Nobelpreis für Physiologie.

Wie überlebt Helicobacter pylori das saure Umfeld im Magen?

Magensäure hat einen pH-Wert zwischen 1 und 1,5 und ist damit eine sehr starke Säure. Essigsäure beispielsweise hat lediglich einen pH-Wert von 2. Dieses saure Milieu wirkt für die meisten Bakterien tödlich (bakterizid). H. pylori produziert jedoch ein Enzym, das Säuren neutralisieren kann. Es haftet sich an die Magenwand an und schafft in seinem Umfeld einen säurefreien Bereich, in dem es geschützt überleben kann. Das Immunsystem reagiert zwar auf die Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori, doch es kann die Bakterien aufgrund ihrer Ansiedlung im Inneren des Magens nicht effektiv bekämpfen. Diese dauerhafte Aktivität des Immunsystems ist es, die für die Entstehung der durch Helicobacter pylori verursachten Erkrankungen verantwortlich gemacht wird.

Welche Krankheiten werden durch eine Infektion mit Helicobacter pylori verursacht?

Durch die ständige Immunreaktion im Magen können Krankheiten wie eine

  • chronische Magenentzündung (Chronische Gastritis),
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni) und sogar
  • Tumore im Magen-Darm-Bereich (Magenkarzinome und sogenannte MALT-Lymphome entstehen).

Chronische Magenentzündung (Chronische Gastritis) durch H. pylori

Eine Magenentzündung, die durch Helicobacter pylori ausgelöst wird, bezeichnet man als Typ-B-Gastritis (B für bakteriell). Sie verläuft akut, nachdem man sich mit Helicobacter pylori infiziert hat und kann dann zu einer chronischen Entzündung werden.

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre durch H. pylori

Lange Zeit galten Stress und psychologische Belastung als die wichtigsten Verursacher von Magengeschwüren. Die Entdeckung von Helicobacter pylori führte zu einem Umdenken unter Medizinern, denn inzwischen ist man sich bewusst, dass viele solcher Geschwüre durch eine Infektion mit den Bakterien verursacht werden. Die Besiedelung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori kann dazu führen, dass Bereiche der Schleimhaut ihre natürliche Schutzbarriere verlieren. Sie werden dann von der eigenen Magensäure angegriffen und die Geschwüre können sich bilden. Zwölffingerdarmgeschwüre treten häufig in dem Teil des Zwölffingerdarms auf, der sich dem Magen direkt anschließt, wenn die Bakterien aus dem Magen hierher gelangen.

Tumore des Magen-Darm-Bereichs durch H. pylori

Eine Infektion mit H. plyori kann zur Entstehung sogenannter MALT-Lymphome führen. Dabei handelt es sich um Tumore, die im Bereich des Magen-Darm-Immunsystems entstehen. MALT ist die Abkürzung für „mucosa associated lymphoid tissue“, also das Immungewebe, das Magen und Darm umgibt. Außerdem stellt die Infektion mit H.pylori einen Risikofaktor für die Entstehung eines Magen-Karzinoms dar.

Wie wird eine Infektion mit Helicobacter pylori diagnostiziert?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Infektion mit dem Bakterium H. pylori zu diagnostizieren. Man unterteilt sie in „invasive“ (eindringende) und „nicht-invasive“ Verfahren.

Invasive Diagnoseverfahren für H. pylori Infektionen Nicht-invasive Diagnoseverfahren für H. pylori Infektionen
Magenspiegelung (Gastroskopie) Blutuntersuchungen
Gewebeuntersuchung (Biopsie) Speichel-, Urin- und Stuhluntersuchungen
Bakterienkulturen Atemtest

Tab.1: Verschiedene Methoden zur Diagnose einer Infektion mit H. pylori

Invasive Diagnoseverfahren für H. pylori Infektionen

  • Magenspiegelung (Gastroskopie): Durch eine Magenspiegelung kann der Arzt Entzündungsreaktionen erkennen, die sich im Magen abspielen. Außerdem kann das Vorhandensein von Magengeschwüren Hinweise auf eine Infektion mit Helicobacter pylori geben
  • Gewebeuntersuchung (Biopsie): Im Rahmen der Magenspiegelung wird der Arzt Gewebeproben von entzündeten Bereichen der Magenschleimhaut entnehmen. Diese Gewebeproben können dann unter dem Mikroskop auf das Vorliegen von Helicobacter pylori untersucht werden
  • Bakterienkulturen: Aus den Gewebeproben, die bei der Magenspiegelung gewonnen wurden, kann man die Bakterien züchten und so nachweisen

Nicht-invasive Diagnoseverfahren für H. pylori Infektionen

  • Blutuntersuchungen: Das Blut eines Patienten kann auf bestimmte Antikörper, die das Immunsystem gegen Teile des Bakteriums gebildet hat, untersucht werden. Eine solche Untersuchung gibt einen Hinweis auf das Ausmaß der Infektion mit Helicobacter pylori
  • Speichel-, Urin- und Stuhluntersuchungen: Auch in Speichel-, Urin- und Stuhlproben können Antikörper gegen Teile von Helicobacter pylori nachgewiesen werden
  • Atemtest: Bei dem sogenannten 13C-Harnstoff-Atemtest (C13-Atemtest) macht man sich den Stoffwechsel des Bakteriums zunutze, um Helicobacter pylori im Magen nachzuweisen. Der Patient nimmt markierten Harnstoff (13C-Harnstoff) mit 200 ml Fruchtsaft auf. Trägt er Helicobacter pylori im Magen, setzt das Bakterium den Harnstoff in Kohlenstoffdioxid (CO2) um, das abgeatmet wird. Da das CO2 dann ebenfalls markiert ist und dadurch gemessen werden kann, ist ein Rückschluss auf das Vorhandensein der Bakterien im Magen möglich

Wie wird eine Infektion mit H. pylori behandelt?

Eine Infektion mit dem Bakterium H. pylori wird mit einer Kombination verschiedener Medikamente behandelt. Je nach Medikamentenkombination wird die Therapie als „Italienische Tripeltherapie“, Französische Tripeltherapie“ oder „Quadrupeltherapie“ bezeichnet.

Therapieschema Medikamente
Italienische Tripeltherapie Protonenpumpeninhibitor (PPI), Clarithromycin, Metronidazol
Französische Tripeltherapie Protonenpumpeninhibitor (PPI), Clarithromycin, Amoxicillin
Quadrupeltherapie Protonenpumpeninhibitor (PPI), Bismutsalz, Tetracyclin, Metronidazol

Tab.2: Verschiedene Therapiemöglichkeiten einer Infektion mit Helicobacter pylori

Wie läuft die Therapie ab?

Alle Therapien folgen einem gemeinsamen Schema: Sie bestehen aus einer Kombination aus Antibiotika, die auf Bakterien abtötend wirkend, und aus einem magenschützenden Medikament. Zum Schutz des Magens werden sogenannte Protonenpumpeninhibitoren (PPI) eingesetzt. Zu dieser Gruppe von Medikamenten zählen beispielweise Pantoprazol und Omeprazol. Sie hemmen die Säureproduktion des Magens und schützen ihn somit davor, dass die Magensäure die eigene Schleimhaut angreifen kann.

Eine Helicobacter-pylori-Therapie wird häufig auch als Eradikationstherapie bezeichnet und dauert etwa sieben Tage. Nach Ablauf dieser Zeit wird erneut auf das Vorhandensein von Helicobacter pylori im Magen-Darm-Trakt getestet, zum Beispiel mit Hilfe des 13C-Atemtests.

Fazit: eine Infektion mit Helicobacter pylori kann lange unbemerkt bleiben, da sich die Folgen oft erst nach einiger Zeit bemerkbar machen. Gerade bei Patienten, die häufig unter Beschwerden des Magen-Darm-Trakts leiden, empfiehlt es sich, auf das Vorhandensein der Bakterien zu testen. Denn durch eine Eradikationstherapie können die Beschwerden der Infektion beseitigt und Spätfolgen effektiv verhindert werden.

Bild: shutterstock

Quellen
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