Fibromyalgie – Symptome, Ursachen und Therapie

Fibromyalgie, auch Muskel-Faser-Schmerz oder Fibromyalgiesyndrom (FMS) genannt, ist eine chronische, nicht-entzündliche Schmerzerkrankung, die oft schwer zu fassen ist. Betroffene leiden unter Muskel- und Gliederschmerzen – oft kommen außerdem Müdigkeit und Abgeschlagenheit dazu. Häufig tritt die Erkrankung zusammen mit dem Reizdarmsyndrom, chronischen Kopfschmerzen, dem chronischen Müdigkeitssyndrom oder chronischen Gesichts- und Kieferschmerzen auf. Die Diagnosestellung ist häufig zeitintensiv und mit vielen Arztgängen verbunden. Ist die Diagnose einmal gestellt, können verschiedene Therapieversuche unternommen werden, die sich aus einer medikamentösen Therapie, aber auch verhaltenstherapeutischen und alternativen Heilmethoden zusammensetzen können. Ein Leben ganz ohne Fibromyalgie-Symptome ist vielen Betroffenen leider nicht vergönnt, die meisten können jedoch mit der richtigen Therapie ein gutes Leben führen. Der folgende Text klärt über die häufigsten Symptome der Fibromyalgie auf, wie die Diagnosestellung abläuft und welche Therapieansätze helfen können.

Wie äußern sich Fibromyalgie Beschwerden?

Mit der Fibromyalgie wird eine Krankheit beschrieben, die sich bei Betroffenen mit Muskelschmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen zeigen kann. Diese Beschwerden können sehr diffus auftreten, das bedeutet, dass sie nicht alle gleichzeitig beginnen müssen, sondern auch über Monate und Jahre verteilt langsam erscheinen können. Viele Betroffene beschreiben das Gefühl als „sich unwohl im eigenen Körper fühlen“ oder als hätten sie eine sehr langandauernde Grippe.

Zu den Schlafstörungen bei Fibromyalgie zählen unter anderem das Restless-Legs-Syndrom, bei dem kurz vor dem Schlafengehen eine Unruhe in den Beinen festgestellt wird, die meist nur mit Auf- und Abgehen gelindert werden kann. Eine andere Schlafstörung ist die Schlafapnoe, wenn also während des Schlafens Atemaussetzer auftreten. Diese Schlafstörungen können in einem Schlaflabor genauer untersucht werden.

Die Muskelschmerzen sind häufig im Nacken und Hals am stärksten, können aber auch die Arm-, Rücken- und Brustmuskulatur betreffen. Die Betroffenen beschreiben den Schmerz als ziehend, wund oder wie einen Muskelkater. Die Schmerzen müssen nicht zu jedem Zeitpunkt gleich stark oder an den gleichen Stellen auftreten. Auch kann es morgens zu einer Steifigkeit in den Muskeln kommen. Insbesondere die Muskel-Sehnen-Übergänge am Ansatz an den Knochen können schmerzen – reagieren diese Punkte auf Druck mit Schmerzen werden sie als sogenannte „Tender Points“ bezeichnet.

Teilweise können sich die Gelenke bei der Fibromyalgie geschwollen anfühlen, sie sollten jedoch nicht rot, entzündet oder stark geschwollen sein – ist dies der Fall, sollten alternative Diagnosen in Betracht gezogen werden.

Viele Betroffene leiden zusätzlich an Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen, wie Depressionen oder Angststörungen.

Wer erkrankt an Fibromyalgie?

Etwa acht Prozent der Bevölkerung bis zum 70. Lebensjahr ist von Fibromyalgie betroffen, der Großteil davon sind Frauen. Die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 30. und 55. Lebensjahr. Wenn Fibromyalgie bereits in der Familie diagnostiziert wurde, steigt das Risiko, ebenfalls daran zu erkranken.

Wie wird Fibromyalgie verursacht?

Über die Ursachen der Fibromyalgie forschen Wissenschaftler zurzeit noch. Es scheint jedoch aber festzustehen, dass Fibromyalgie eine chronische Schmerzstörung ist. Schmerz ist normalerweise ein Warnsignal des Körpers, weil beispielsweise eine Entzündung oder eine Verletzung vorliegt. Beim chronischen Schmerz jedoch verselbstständigen sich diese Signale – der Schmerz ist nun nicht mehr Warnsignal, sondern wird ohne „äußerlich erkennbaren“ Grund weiter fortgeleitet. Dieser Prozess entsteht durch ein umfangreiches System aus Nervenfasern, Botenstoffen des Körpers und dem zentralen Nervensystem, also dem Gehirn und der Wirbelsäule.

Als chronisches Schmerzsyndrom kann die Fibromyalgie durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, beispielsweise durch psychischen Stress oder körperliche Erkrankungen wie beispielsweise eine Entzündung. Es ist jedoch auch häufig so, dass sich Fibromyalgie-Betroffene nicht unbedingt an ein solches auslösendes Ereignis erinnern können und trotzdem unter Fibromyalgie leiden.

Gibt es einen Zusammenhang mit anderen Erkrankungen?

Nicht selten tritt Fibromyalgie zusammen mit anderen Erkrankungen auf. Dazu gehören unter anderem das Reizdarmsyndrom, chronische Kopfschmerzen, das chronische Müdigkeitssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome), chronische Harnblasenschmerzen oder der chronische Gesichtsschmerz. Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei all diesen Erkrankungen um ähnliche Mechanismen der chronischen Schmerzentwicklung handelt und deshalb gelegentlich mehrere Krankheitsbilder bei einem Betroffenen auftreten.

Demnach kann es bei Fibromyalgiepatienten beispielsweise zu Verstopfungen oder Durchfällen kommen, auch Bauchkrämpfe sind nicht selten. Viele Betroffenen leiden unter Kopfschmerzen, Migräne, oder Problemen mit dem Kiefergelenk (z.B. Blockierungen, Knacken oder Schnappen).

Wie wird Fibromyalgie diagnostiziert?

Die Diagnosestellung der Fibromyalgie ist oft beschwerlich, und viele Betroffene berichten von einem langen Weg bis zur richtigen Diagnose. Dies liegt darin begründet, dass es sich bei der Fibromyalgie um eine Ausschlussdiagnose handelt. Es müssen also zuerst alle ähnlichen in Frage kommenden Erkrankungen ausgeschlossen werden, bis man den Patienten die endgültige Diagnose Fibromyalgie zuschreiben kann. Zu den Krankheiten, die ausgeschlossen werden müssen, gehören verschiedene bakterielle und virale Infektionen, Autoimmunkrankheiten, Schilddrüsenerkrankungen, Muskelkrankheiten und Krankheiten des zentralen Nervensystems.

Ein wichtiges Kriterium für Fibromyalgie ist, dass es keinen erkennbaren Schaden oder eine Veränderung am Muskel, Sehnen oder Bändern gibt. Teilweise kann die Krankheit diagnostiziert werden, wenn die sogenannten „Tender Points“ auf Druck zu Schmerzen führen, dieser Schmerz jedoch bei Druck auf andere Sehnen-Punkte ausbleibt. Es gibt jedoch keinen einfachen Test, der die Krankheit diagnostizieren kann, ohne andere Krankheiten vorher auszuschließen.

Treten neben den Muskelschmerzen andere Beschwerden auf, können zusätzliche Tests nötig werden. Leiden die Betroffenen beispielsweise unter einem nicht-erholsamen Schlaf, kann in einem Schlaflabor untersucht werden, ob die Person eventuell nächtliche Atemaussetzer hat oder unter dem Restless-Legs-Syndrom leidet. Liegt gleichzeitig eine Depression oder Angststörung vor, kann zudem eine psychologische Untersuchung helfen.

Wie wird Fibromyalgie mit Medikamenten behandelt?

Für die Behandlung der Fibromyalgie gibt es verschiedene Ansätze, die sich nach den Symptomen, die die Betroffenen zeigen, richten.

Als Medikamente sind zurzeit zwei verschiedene Wirkstoffgruppen im Einsatz: Pregabalin wird bereits seit längerem in der Behandlung von Nervenschmerzen und epileptischen Anfällen angewendet und scheint einen lindernden Effekt auf den chronischen Schmerz der Fibromyalgie zu haben. Duloxetin und Milnacipran gehören beide zu den selektiven Noradrenalin- und Serotonin-Aufnahme-Hemmern. Diese Wirkstoffe werden auch bei Depressionen und Angststörungen angewendet und scheinen ebenfalls Fibromyalgiepatienten zu helfen – unabhängig davon, ob die Betroffenen außerdem depressiv sind. Andere Antidepressiva können ebenfalls genutzt werden: Leiden Betroffene beispielsweise unter Schlaflosigkeit, kann das ältere Antidepressivum Amitriptylin am Abend helfen, müde zu werden.

Obwohl es sich bei der Fibromyalgie nicht um eine Entzündung handelt, können in einigen Fällen Nicht-Steroidale Schmerz- und Entzündungshemmer wie Ibuprofen oder Naproxen helfen. Auch stärkere Schmerzmittel wie Tramadol scheinen eine Wirkung bei Fibromyalgieschmerzen zu haben. Die Behandlung mit Schmerzmedikamenten sollte in jedem Fall mit einem Arzt koordiniert werden, da sonst starke Nieren- oder Leberschädigungen, aber auch Schmerzmittelabhängigkeit die Folge sein können.

Leiden die Betroffenen unter dem Restless-Legs-Syndrom kann eventuell eine Therapie mit einem Dopaminpräparat ausprobiert werden. Außerdem sollten die Eisenwerte überprüft werden, da ein Eisenmangel gelegentlich zu ähnlichen Symptomen führen kann. Liegt eine Schlafapnoe vor, kann eine Maskenbeatmung über Nacht hilfreich sein, um einen erholsameren Schlaf sicher zu stellen.

Helfen alternativen Verfahren wie Homöopathie gegen Fibromyalgie?

Da es sich bei der Fibromyalgie um ein chronisches Schmerzsyndrom handelt, sollte die Behandlung nicht nur eingleisig, also beispielsweise nur medikamentös, erfolgen. Auch wenn sportliche Aktivität vorerst unangenehm sein sollte, berichten die meisten Betroffenen von einer Besserung unter moderater regelmäßiger Bewegung, wie Fahrradfahren, Yoga, Walken oder Schwimmen. Auch eine begleitende Psychotherapie kann helfen, mit den chronischen Schmerzen zu Recht zu kommen. In manchen Städten bieten Kliniken zudem interdisziplinäre Programme für chronische Schmerzpatienten an. Hier werden dann beispielsweise Entspannungsverfahren beigebracht, wie zum Beispiel die Biofeedback-Technik, bei der Betroffene lernen, aktiv ihren Körper zu entspannen.

Alternative Heilmethoden bei Fibromyalgie wurden ebenfalls untersucht – meist fehlen jedoch ausreichende klinische Studien, um eine erfolgreiche Therapie zu garantieren. Manche Betroffene profitieren von einer Akkupunkturbehandlung. Andere wiederum möchten sich in homöopathische Behandlung geben. Beim Homöopathen wird eine ganzheitliche Betrachtung des Betroffenen angestrebt, weshalb es keine bestimmten Globuli oder homöopathische Mittel gibt, die in jedem Fall bei der Fibromyalgie helfen. Unbedingt sollten jedoch vor dem Gang zum Homöopathen alle anderen möglichen Erkrankungen ausgeschlossen worden sein.

Kann die Ernährung etwas an der Fibromyalgie ändern?

Da die Fibromyalgie eine multifaktorielle Krankheit ist, auf deren Beschwerden auch das psychische Wohlbefinden einen starken Einfluss hat, kann eine Veränderung der Ernährung durchaus Symptome lindern. Dafür gibt es jedoch keine festen Vorschriften – Betroffene sollten stattdessen ausprobieren, mit welcher Ernährung sie sich wohl fühlen, beispielsweise durch den vermehrten Verzehr von Obst oder eine verstärkte Flüssigkeitsaufnahme.

Übergewicht scheint die Symptome der Fibromyalgie zu verstärken, weshalb eine Gewichtsreduktion bzw. –regulation von Vorteil sein kann. Außerdem sollte beim Arzt abgeklärt werden, ob eventuell Vitamin- oder Spurenelement-Mängel bestehen, die entweder über die Ernährung oder Ergänzungsmittel ausgeglichen werden können.

Patienten, die sowohl unter der Fibromyalgie als auch unter einem Reizdarmsyndrom leiden, sollten mit einem Arzt besprechen, ob je eine Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit ausgeschlossen wurde. Manche Patienten berichten von einer Linderung ihrer Symptome, nachdem eine glutenfreie Diät begonnen wurde. Andere spürten eine subjektive Verbesserung, nachdem der Geschmacksverstärker Glutamat in der Ernährung reduziert wurde.

Ist Fibromyalgie eine Autoimmunerkrankung?

Viele Tests, die während der Abklärung einer möglichen Fibromyalgie durchgeführt werden, sind Tests auf sogenannte Autoimmunkrankheiten wie Lupus erythematodes oder Dermatomyositis. Das liegt daran, dass all diese Krankheiten einen relativ langen und subtilen Verlauf haben können, ähnliche Symptome aufweisen können und vorzugsweise Frauen betreffen. Im Gegensatz zur Fibromyalgie lassen sich jedoch bei Autoimmunerkrankungen meist Autoantikörper nachweisen oder beispielsweise Entzündungen von Gelenken, Muskeln oder Sehnenscheiden zeigen. Die Fibromyalgie zeigt keine dieser Zeichen und ist deshalb nicht als Autoimmunerkrankung anzusehen. Nichtsdestotrotz kann es in seltenen Fällen Betroffene geben, die sowohl an einer Autoimmunerkrankung, als auch an Fibromyalgie erkrankt sind.

Ist Fibromyalgie das gleiche wie eine chronische Borreliose?

Fibromyalgie ist nicht das gleiche wie eine chronische Borreliose. Wissenschaftler sind sich weiterhin uneinig, ob eine chronische Borreliose als Folge einer durch einen Zeckenbiss übertragenen Borreliose tatsächlich existiert, nachdem die Infektion behandelt wurde. Wohl aber kann eine akute Borreliose als Entzündungsereignis eine Fibromyalgie auslösen oder zumindest „befeuern“. Diese hat dann jedoch keinen direkten Zusammenhang zur Borreliose oder zu den Borrelioseerregern. Fibromyalgie besteht, ohne dass sich eine Infektion im Körper „versteckt“.

Ist die Fibromyalgie nur eine ausgedachte Krankheit?

Fibromyalgie ist keine ausgedachte Krankheit. Häufig haben Betroffene die Sorge, dass die Krankheit „nur in ihrem Kopf“ existiert, weil sich keine körperlichen Zeichen oder veränderten Blutwerte finden lassen. Da jedoch die Mechanismen von chronischer Schmerzentwicklung schon sehr lange untersucht werden, weiß man, dass diese vermutlich bei der Fibromyalgie zu Beschwerden führen. Schmerzen sind immer eine subjektive Wahrnehmung, weshalb Ärzte auf die detaillierte Schilderung und Beobachtungen ihrer Patienten angewiesen sind. Da die Schmerzentwicklung ein sehr komplexer Prozess ist, können außerdem seelische Zustände sowohl positive als auch negative Einflüsse auf den Krankheitsverlauf haben. Aus diesem Grund kann eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein, um eventuelle Schmerzauslöser identifizieren- und Maßnahmen zur Linderung erarbeiten zu können.

Was ist die Prognose der Fibromyalgie?

Fibromyalgie führt nicht zu dauerhaften Schäden am Körper, Behinderung oder einer verminderten Lebenserwartung. Dennoch können die Beschwerden für die Betroffenen als sehr einschränkend empfunden werden. Es gibt jedoch verschiedenste Therapiekonzepte, so dass die meisten Betroffenen, auch wenn die Schmerzen und die Müdigkeit eventuell nicht komplett verschwinden, ein ausgefülltes Leben führen können.

Quellen
AWMF-Leitlinie der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie: Fibromyalgie. Online unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/041-004l_S3_Fibromyalgiesyndrom_2012-04_01.pdf, abgerufen am 07.03.2016
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