Hilfe bei Divertikulose und Divertikulitis

Die Divertikulose ist eine Krankheit, bei der sich Ausstülpungen in der Darmwand bilden. Man geht davon aus, dass in Deutschland etwa 14 Millionen Menschen Divertikel im Darm-Trakt haben. Obwohl Divertikel nicht bei jedem Beschwerden verursachen, können sie in manchen Fällen zu starken Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten und Verstopfung führen. Was eine Divertikulose ausmacht, wie man sie erkennt und wie sie behandelt wird, erfährst du hier.

Was ist ein Divertikulose?

Etwa 14 Millionen Deutsche haben Divertikel im Darm, bei etwa 500.000 von ihnen verursachen die Divertikel auch Symptome.

Stülpt sich die Wand eines hohlen Organs, wie zum Beispiel des Darms, nach außen, sprechen Mediziner von einem Divertikel. Die Wand des Darmes besteht aus mehreren Schichten (von innen nach außen)

  1. Schleimhaut innen, die mit dem Nahrungsbrei direkt in Berührung kommt,
  2. Bindegewebe, das dem Darm Stabilität bietet und
  3. Muskeln, die für die Darmbewegung (Motilität) verantwortlich sind.

Je nachdem, wie viele Schichten von der Ausstülpung betroffen sind, spricht man von echten Divertikeln oder falschen Divertikeln (Pseudodivertikeln).

  • Echte Divertikel: Von einem echten Divertikel spricht man, wenn sich alle Wandschichten zusammen ausstülpen
  • Falsches Divertikel: Als falsches Divertikel oder Pseudodivertikel bezeichnet man eine Ausstülpung, die nur einzelne Wandschichten betrifft. Meist handelt es sich dabei um die Schleimhaut und das ihr direkt anliegende Muskel- und Bindegewebe

Sobald mehrere Divertikel auftreten, spricht man von einer Divertikulose (Divertikelkrankheit). Es kann dazu kommen, dass sich Divertikel entzünden. In solchen Fällen bezeichnen Mediziner die entstehende Krankheit als Divertikulitis (die Endung „-itis“ steht in der Medizin für Entzündungen).

Wie kommt es zur Divertikulose?

Die Ausstülpungen im Darm kommen durch die Kombination verschiedener Faktoren zusammen.

Darminnendruck

Eine große Rolle spielt der Druck, der innerhalb des Darmes herrscht. Er wird als Darminnendruck (intraluminaler Druck) bezeichnet. Man geht davon aus, dass eine gesunde Ernährung wichtig ist, um einen optimalen Darminnendruck aufrecht zu erhalten. Eine ballaststoffarme Ernährung beispielsweise kann dazu führen, dass sich der Druck im Darm erhöht. Durch die Druckerhöhung werden eine Schwächung der Darmwand und damit die Bildung von Divertikeln begünstigt.

Natürliche Schwachstellen der Darmwand

Ein weiterer Faktor für die Entstehung von Divertikeln sind sogenannte natürliche Schwachstellen der Darmwand. Dabei handelt es sich meist um Teile der Darmwand, durch die Blutgefäße eintreten. An diesen Stellen ist die Muskelschicht dünner als im sonstigen Darm und Ausstülpungen können leichter Entstehen.

Bei der Divertikulose treten meist falsche Divertikel auf, es stülpt sich also nur ein Teil der Darmwand nach außen. Die meisten Divertikel entstehen im letzten Teil des Darmes, der aufgrund seiner Form als Sigmoideum (Sigma- oder S-förmig) bezeichnet wird. In diesem Teil des Darms entstehen die größten Drücke, da er unter anderem durch das „Pressen“ beim Toilettengang stark beansprucht wird. Weil es bei Verstopfungen (Obstipation) zum häufigen Pressen kommt, ist das Risiko für die Entstehung von Divertikeln erhöht.

Sind die Ausstülpungen im Darm gefährlich?

Die meisten Divertikel verursachen keine Beschwerden und werden nur per Zufall, zum Beispiel im Rahmen einer Darmspiegelung, entdeckt. Nur bei etwa einem Viertel der Betroffenen führt eine Divertikulose auch zu Symptomen und Komplikationen:

1.     Divertikelkrankheit

In solchen Fällen spricht man von einer symptomatischen Divertikelkrankheit. Sie zeichnet sich durch Schmerzen im Unterbauch und Stuhlunregelmäßigkeiten aus. Dabei kann es abwechselnd zu Verstopfungen und Durchfällen kommen. Ärzte vermuten, dass die Divertikel die Beweglichkeit des Darmes (Motilität) behindern und dazu führen können, dass die Schmerzschwelle im Darm herabgesetzt wird. Eine folge der Divertikelkrankheit sind dann eine Mitilitätsstörungen und eine erhöhte Empfindlichkeit (Hypersensitivtät) des Darms.

2.     Divertikulitis

Es besteht das Risiko, dass sich ein oder mehrere Divertikel entzünden. Diese als Divertikulitis bezeichnete Erkrankung führt zu starken Schmerzen im Unterbauch, die meist auf der linken Seite liegen. Die Schmerzen setzen plötzlich ein und nehmen schnell an Intensität zu. Zusätzlich treten Veränderungen der Stuhlregelmäßigkeit, und allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen auf.

3.     Divertikelblutung

Bei etwa fünf Prozent der Patienten mit Divertikeln kommt es zur sogenannten Divertikelblutung. Das Blut, das aus dem Divertikel austritt, fällt Betroffenen oft beim Stuhlgang auf. Der Großteil der Divertikelblutungen ist gutartig und stellt sich von selbst wieder ein. In einigen Fällen, in denen die Blutung anhält, kann eine Blutstillung im Rahmen einer Darmspiegelung nötig werden. Tritt Blut im Stuhl auf, sollten mit einem Arzt immer andere gefährliche Ursachen wie zum Beispiel Darmkrebs abgeklärt werden.

Gibt es Zusammenhänge zwischen Divertikulose und Reizdarmsyndrom?

Die Beschwerden einer symptomatischen Divertikelkrankheit sind denen eines Reizdarmsyndroms sehr ähnlich. Während eine Divertikulitis, also die Entzündung eines Divertikels, eine eigene und klar abgrenzbare Krankheit darstellt, herrscht unter Mediziner Uneinigkeit, ob es sich bei der symptomatischen Divertikelkrankheit und dem Reizdarmsyndrom überhaupt um unterschiedliche Erkrankungen handelt. Ein Teil der Mediziner geht davon aus, die symptomatische Divertikelkrankheit werde lediglich bei Patienten diagnostiziert, die zwar Divertikel im Darm aufweisen, eigentlich jedoch unter einem Reizdarmsyndrom leiden. Sie sehen die Divertikel dann eher als ein Zufallsbefund, der aber nichts ursächlich mit den Reizdarmsyndrom-Symptomen zutun hat.

Außerdem gibt es Hinweise dafür, dass aus einer Entzündung von Divertikeln ein Reizdarmsyndrom entstehen kann. Dieses Phänomen wird im Englischen als „Post-Diverticulitis-IBS“ also „Reizdarm-Syndrom nach Divertikulitis“, bezeichnet. „IBS“ ist die englische Abkürzung für das Reizdarmsyndrom und steht für Irritable Bowel Syndrome.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Divertikulose?

Ileokoloskopie des Dickdarms und terminalten Dünndarms

Da ein großer Teil der Divertikel keine Beschwerden verursacht, wird die Diagnose häufig zufällig gestellt. Die Ausstülpungen können beispielsweise bei einer Darmspiegelung, die spätestens jedem ab dem 55. Lebensjahr zur Darmkrebsvorsorge empfohlen wird, auffallen.

Bei Divertikeln, die Beschwerden verursachen, gibt die Anamnese dem Arzt wichtige Hinweise für das Vorliegen der Erkrankung. Der Verdacht kann dann mithilfe einer Röntgenuntersuchung oder einer Darmspiegelung (Koloskopie) bestätigt werden.

Wie kann man eine Divertikulose behandeln?

Die Behandlung kann man in drei große Bereiche aufteilen: 1. keine Symptome, 2. Symptome und Entzündung.

1.     Divertikulose ohen Symptome

Solange die Divertikulose ohne Symptome bleibt, besteht kein Grund für eine Therapie. Die Amerikanische Gesellschaft für Ernährung (American Dietetic Association) empfiehlt in solchen Fällen eine obst- und gemüsereiche Diät. Die darin enthaltenen Ballaststoffe haben bessere schützende Effekte gezeigt, als Ballaststoffe aus Getreide.

2.     Symptomatische Divertikelkrankheit

Auch bei einer symptomatischen Divertikelkrankheit kann es helfen, auf eine ballaststoffreiche Ernährung zu achten. Hier gilt ebenfalls, das Obst und Gemüse die beste Ballaststoff-Quelle darstellen. Da Zusammenhänge zwischen der symptomatischen Divertikelkrankheit und dem Reizdarmsyndrom beschrieben werden, kann es helfen, mögliche Auslöser für ein Reizdarm-Syndrom zu identifizieren und zu beseitigen. Außerdem kann man ein Ernährungstagebuch führen, um mögliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufzudecken.

3.     Entzündete Divertikel

Entzündete Divertikel (Divertikulitis) werden mit Antibiotika behandelt, die in Tablettenform verabreicht werden. Außerdem wird Patienten empfohlen, bis zu einer Besserung der Symptome nur Flüssigkeiten zu sich zu nehmen. Wird die Divertikulitis mit Antibiotika behandelt, sollte nach zwei bis drei Tagen eine Besserung eintreten.

In besonders schweren Fällen kann es dazu kommen, dass die entzündeten Divertikel im Rahmen einer Operation entfernt werden müssen, um eine Ausbreitung der Entzündung zu verhindern.

Fazit

Die Divertikulose ist eine Erkrankung, die meist harmlos verläuft. Allerdings kann sie zu Beschwerden wie den typischen Schmerzen im linken Unterbauch führen. Sollten solche Symptome auftreten, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen, um eine schnelle Behandlung der Erkrankung einleiten zu können und andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.

Bild Quelle: Sebastian Kaulitzki/ Shutterstock

Quellen
Gross, V., & Germer, C. T. (2008). Divertikulose und Divertikulitis. DMW-Deutsche Medizinische Wochenschrift, 133(27), 1437-1446. Link: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-2008-1081091, aufgerufen am 02.07.16
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Tursi, A., Papa, A., & Danese, S. (2015). Review article: the pathophysiology and medical management of diverticulosis and diverticular disease of the colon. Alimentary pharmacology & therapeutics, 42(6), 664-684. Link: https://www.researchgate.net/profile/Antonio_Tursi2/publication/280391145_Review_article_The_pathophysiology_and_medical_management_of_diverticulosis_and_diverticular_disease_of_the_colon/links/55d0b16208ae118c85c01475.pdf, aufgerufen am 02.07.16
Arastéh, K., Bieber, C., Brandt, R., & Chatterjee, T. T. (2012). Duale Reihe Innere Medizin. H. W. Baenkler (Ed.). Georg Thieme Verlag.

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