Ernährung, Bauch, Hirn & Haut – ein Erfahrungsbericht von Doro

Dies ist ein persönlicher Erfahrungsbericht von Doro vom Blog Philosophie des Gesundwerdens. Doro berichtet über ihren persönlichen Leidensweg… Erfahrungen im Bezug auf die engen Zusammenhänge zwischen Ernährung, Bauchbeschwerden, Psyche und Hautproblemen. 

Auf den Darm als Ansatz bin ich eigentlich sehr spät gekommen. Ich weiß noch, wie überrascht und ungläubig ich damals war, als ich zum ersten Mal davon hörte, dass die Ursachen so vieler chronischer Erkrankungen im Darm zu finden sein sollen. Noch weniger hätte ich damals geglaubt, dass es tatsächlich möglich sein sollte, dadurch einen Ausweg aus meinen zahlreichen Gesundheitsproblemen zu bekommen und dass ich einmal selbst so leidenschaftlich darin werden sollte, wenn es darum geht, über Darmgesundheit zu predigen.

Damit musst du halt leben, der nächste bitte.

Doch ich fange besser von vorne an. Ich bin mit Neurodermitis quasi auf die Welt gekommen, danach ging der übliche Leidensweg weiter. Zahllose Allergien, Urtikaria, Atemwegsprobleme, allergische Rhinitis, leichtes Asthma, Heuschnupfen. Aufgrund dessen erbrachte ich immer schlechte sportliche Leistungen, doch auch in vielen anderen Lebensbereichen war es einfach stark einschränkend. Besonders wer an den Händen von Neurodermitis betroffen ist, weiß, wovon ich rede.

Das Schlimmste waren aber wohl die Allergien gegen meine geliebten Tiere, weswegen ich auch meinen Traum vom Tiermedizinstudium aufgeben musste. Von Seiten der Ärzte (und ich war bei vielen) kam nichts weiter als: „Das ist ein Gendefekt, da kann man nichts machen. Halte dich möglichst in Innenräumen auf, meide Tiere, ergreife am besten nur einen Bürojob. Probier mal hier die neueste Creme, da eben ein stärkeres Cortison, wenn das alte nicht mehr wirkt. Damit musst du halt leben, der nächste bitte.“ Eine Ärztin griff allerdings tatsächlich einmal das Thema Ernährung auf und riet meinen Eltern, bei mir die Milchprodukte zu meiden, was allerdings nie umgesetzt wurde.

Schule und Bauchbeschwerden

Ich kann mich nicht mehr genau daran zurückerinnern, wann meine Darmprobleme wirklich begonnen haben, aber es war spätestens mit Einsetzen meiner Pubertät. In erster Linie waren es starke, unangenehme Blähungen und Verstopfungen. Dazu muss ich sagen, dass ich nicht wirklich gesund ausgesehen habe, ich war extrem blass, obwohl ich viel draußen war, leicht untergewichtig, hatte sehr dünnes Haar und spröde Nägel und immer die offenen Hände und meist auch Armbeugen und Mundwinkel. Zu allem Überfluss kam auch noch eine starke Akne, vorwiegend an Stirn und Dekoltée, später auch Rücken, hinzu.

Darüber hinaus war ich immer sehr still, introvertiert, verträumt, schüchtern, hatte eine Neigung zu depressiven Verstimmungen und Melancholie und war einfach der übermäßig sensorisch überreizte, nervöse und ängstliche Typ. Teilweise hatte ich regelrechte Panikattacken, auch Konzentrationsprobleme, starke Erschöpfung bei gleichzeitigen starken Schlafproblemen kamen hinzu. Hierzu haben mit Sicherheit gewisse traumatische Phasen meines Lebens ihren Beitrag geleistet, wie Mobbing in der Schule, was mich in einen Teufelskreis brachte.

Meinem Darm gings schlechter, oftmals traute ich mich schon gar nicht mehr auf eine Party oder Videoabend zu gehen, weil ich entweder ständig aufs Klo rennen musste, oder mein Bauch ständig laute und peinliche Geräusche von sich gab.

Auf eigenen Beinen stehen

Als ich von zuhause auszog, verschlimmerten die Probleme sich nochmals zusehends. Ich ernährte mich deutlich schlechter. Ich hatte nicht viel Geld für hochwertige Nahrungsmittel, hinzu kam, dass ich nun rebellisch alles essen konnte, was im Elternhaus noch stark eingeschränkt wurde, wie Cerealien, Süßkram, Saft… Dazu hatte ich für ein paar Jahre eine Fernbeziehung, was mich extrem belastete. Meinem Darm gings schlechter, oftmals traute ich mich schon gar nicht mehr auf eine Party oder Videoabend zu gehen, weil ich entweder ständig aufs Klo rennen musste, oder mein Bauch ständig laute und peinliche Geräusche von sich gab.

Das schlimmste war aber wohl, dass nun auch kognitive Einschränkungen einsetzten. Heftiger „Brainfog“ und Probleme mit Hypoglykämie, die dafür sorgten, dass ich oft wie ein Demenzkranker sprach, sodass manche schon an meinem Intellekt zweifelten. Ich hatte das Gefühl, seit meinem Abi regelrecht „verdummt“ zu sein und einen Teil meines Wortschatzes verloren zu haben. Auch beim Schreiben schlichen sich zusehends Fehler ein. Soziale Interaktionen wurden für mich eine große Herausforderung, dazu einfach unfassbar kraftraubend. Auch meine Empfindlichkeit gegenüber sensorischen Reizen wurde stärker. Jetzt begann ich mit meinen ersten eigenen Recherchen im Netz und stieß auf etwas, das mir zum ersten Mal richtige Antworten lieferte: Asperger Syndrom. Die Diagnose erfolgte schließlich über die Poliklinik Köln. Ich hatte nun einen Namen für zahlreiche meiner Probleme, aber noch keine wirkliche Lösung.

Ich werde Veganer!

Biologiestudium, Neurodermitis und Veganismus

Als ich mit meinem Biologiestudium begann, kam ich auch mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz in Berührung. Tiere waren mir immer schon sehr wichtig gewesen und nach Lesen eines Artikels überkam es mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Ich werde Veganer! Viele Erfahrungsberichte im Netz versprachen unglaubliche gesundheitliche Nutzen davon und ich wurde das erste Mal so wirklich damit konfrontiert, dass man auch seine Gesundheit selbst in die Hand nehmen kann und sich nicht nur dem Urteil der Ärzte beugen sollte.

Ich wurde sehr streng mit der veganen Ernährung, strich immer mehr Lebensmittel, war am Ende fast rohvegan, doch Haut und Darm ging es eher schlechter als besser.

Ich bin kein Mensch, der zu Extremen neigt und sich unreflektiert in neue Vorhaben stürzt, ich bin lieber übervorbereitet. Also begann ich das erste Mal mit meinen eigenen Recherchen über Ernährung und auch mit dem Weglassen und Ausprobieren neuer Produkte. Leider wurde in dieser Zeit meine Neurodermitis regelrecht aggressiv, sodass auch das stärkste Cortison nichts mehr nutzte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt seit über 20 Jahren Cortison verwendet. Somit beschloss ich, es auf eigene Faust abzusetzen und es auf meine Weise zu versuchen. Zunächst getrieben von Forscherdrang, schließlich von Verzweiflung probierte ich immer mehr aus. Ich wurde sehr streng mit der veganen Ernährung, strich immer mehr Lebensmittel, war am Ende fast rohvegan, doch Haut und Darm ging es eher schlechter als besser. Vor allem bekam ich es nun immer öfter mit extremen Bauchschmerzen zu tun, als würde mir was „querstecken“ oder als hätte mir jemand einen regelrechten Knoten in die Eingeweide gemacht, sodass ich mich oft mit einer Wärmflasche heulend auf der Couch wiederfand.

Bauchexperimente

Verbesserung für den Darm erbrachte erst regelmäßige Colon-Hydro-Therapie mit Probiotikagabe und Nystatinbehandlung gegen Darmpilze. Doch für mein eigentliches Problem, meine Haut, bewirkte es nichts, auch schien der positive Nutzen für den Darm nicht von Dauer zu sein. Hier brachte mir erst ein Heilfasten mit Brühen und Gemüsesäften regelrecht wundersame Linderung, und zwar für Darm UND Haut, und das Erstaunlichste: Ich hatte auf einmal Energie wie seit meiner Kindheit nicht mehr! Ich wusste gar nicht WIE erschöpft ich immer war, es war für mich normal, jeden Tag Mittagsschlaf machen zu müssen und 10 oder mehr Stunden Schlaf zu brauchen und trotzdem keinen Antrieb für nichts zu haben. Doch leider hielt auch dieser positive Effekt nicht lange an. Ich versuchte mich in zahllosen weiteren „Entgiftungsmaßnahmen“, doch nichts brachte mehr den gewünschten Erfolg. Ich bekam Symptome eines Proteinmangels und war untergewichtig, sodass ich beschloss, nicht mehr überzeugt vom Veganismus, die Ernährung wieder umzustellen.

Ich bin da etwas auf der Spur. Nur leider laufe ich gerade genau in die falsche Richtung.

Ich versuchte mich an der GAPS-Diät, speziell entwickelt für Kinder aus dem autistischen Spektrum und jetzt stieß ich zum ersten Mal auf die wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen Darm, Haut und Hirn. An sich war die Ernährung wie für mich geschaffen. Ich hatte einen unglaublichen Proteinbedarf, mein Bauch war auf einmal flach und ruhig, mein Blutzucker stabil, dank sehr beschränkter Kohlenhydrat- und hoher Fettaufnahme. Doch auf einmal hatte ich es mit ständigen Durchfällen zu tun, war erschöpft bis aufs Mark und bekam die schlimmsten Neurodermitisdauerschübe wie nie zuvor! Ich sah aus wie ein Zombie und war am Ende regelrecht behindert wegen meines Hautzustands, die Schmerzen waren unvorstellbar, die nässenden Wunden sehr entstellend. Ich war verzweifelt und gleichzeitig so überzeugt wie nie zuvor: Ich bin da etwas auf der Spur. Nur leider laufe ich gerade genau in die falsche Richtung.

FODMAP-arm, histaminfrei und andere Restriktionen

Weitere Recherchen (für die ich im Endeffekt mehr Zeit aufwendete als für mein Biostudium) brachten mich schließlich auf das Thema Histaminintoleranz! Endlich hatte ich wirklich etwas in der Hand, mit dem ich arbeiten konnte, und es funktionierte! Diesmal wollte ich es richtig machen. Ich arbeite mich von einer sehr einfachen Diät hoch und notierte alles akribisch in ein Ernährungs- und Symptomtagebuch. Doch auch hier machte ich zunächst den Fehler, mich zu sehr auf das Streichen von Nahrungsmitteln zu konzentrieren.

Erst als ich begann, mich auf Vielfalt und Nährstoffdichte, vor allem auf antientzündliche Nahrungsmittel zu konzentrieren, erzielte ich phänomenale Erfolge in Bezug auf meine Gesundheit. Ich lernte, dass vieles, was ich in meiner pflanzenbasierten Ernährungsweise zu mir genommen hatte, genau das Falsche für mich war. Ich vertrage Zucker und Fruktose schlecht, bin allgemein empfindlich was FODMAPs anbelangt, außerdem sind Oxalate und Citronensäure bei mir persönlich ein Problem, für Darm, Haut und Hirn. Mein Darm war durch meine vorangegangenen Experimente auch so entzündet, was über Stuhltests herausgefunden wurde, und meine Darmflora stark aus dem Gleichgewicht, sodass ich schlecht Nährstoffe aufnahm und viel körpereigenes Histamin produzierte. Mein Wert für die Diaminoxidase liegt genau auf dem Grenzwert, gerade noch im als „nicht histaminintolerant“ definierten Bereich, aber es ist einfach nicht genug, als dass mein Körper all das anfallende Histamin aus Nahrung und körpereigenen Mastzellen abbauen könnte, und so kommt es zu Symptomen im gesamten Körper.

Wichtig waren für mich darmaufbauende und allgemein entzündungssenkende Maßnahmen wie (histaminneutrale) Probiotika, Vitamin C-Infusionen zur Histaminsenkung und das Austüfteln meiner „artgerechten Ernährung“. Hinzu kommen weitere wichtige Faktoren des Lebensstils, wie die Vermeidung bestimmter Tenside und Schimmel sowie stressreduzierende Maßnahmen. Es hat mich nochmal ein paar Jahre meines Lebens gekostet, da ich oftmals  im Dunkeln gestochert habe, doch nun kann ich sagen, dass ich nicht nur genau weiß, was mir gut tut und was nicht, sondern dass ich auch körperlich und seelisch sehr stabil bin, mein Kopf gut arbeitet, meine Haut schön ist und ich mir immer öfters Ausnahmen in meiner Ernährung leisten kann, ohne dass ich sogleich dafür bezahlen muss.

Ich kann jetzt mein Leben leben, anstatt ständig darüber trauern zu müssen, was ich mir nicht zumuten kann. Nur das ständige Kochen, Einkaufen und Vorbereiten kostet schon noch viel Zeit und ist mühsam, aber es ist es allemal wert und ich bin inzwischen sehr gut organisiert.

Fazit

Da ich weiß, wie verzweifelt man sein kann und damit nicht jeder erst in tausend Sackgassen landen muss (wie oft war ich kurz davor, aufzugeben und alles hinzuschmeißen), habe ich meinen Blog „Philosophie des Gesundwerdens“ ins Leben gerufen, auf dem ich alle meine Erfahrungen teile und Betroffenen Mut mache, viele weitere Tipps gebe zu Haut-, Darm- und Hirngesundheit, wissenschaftliche Hintergründe liefere und obendrein leckere Rezepte (in Richtung Paleo) für Leute mit Nahrungsmittelintoleranzen, die ebenso verrückt nach gutem Essen sind wie ich, und ich freue mich auf deinen Besuch!

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