Darmsanierung und Darmreinigung – Chancen und Risiken

Das Konzept der Darmsanierung (engl. colon cleansing) stammt aus der Alternativmedizin. In der Naturheilkunde gilt der Darm als wichtigstes Organ des Immunsystems. Deshalb wird er auch für die Entstehung vieler Krankheiten verantwortlich gemacht. Dabei wird die Darmsanierung in der Alternativmedizin nicht nur zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt, sondern findet ebenfalls in der Behandlung von Allergien, Infekten und rheumatischen Erkrankungen Anwendung. Darmreinigung ist eher ein Begriff der Schulmedizin und wird zum Beispiel eingesetzt, wenn der Darm auf eine Darmspieglung vorbereitet wird. Die Darmsanierung hat keinen Einzug in die evidenzbasierte Schulmedizin erhalten.

Was ist eine Darmsanierung?

Im Darm eines Menschen leben bis zu 100 Billionen Bakterien. Viel mehr als es Zellen im menschlichen Körper gibt. Die allermeisten dieser Bakterien gehören zur natürlichen Darmflora und leben in einer Symbiose mit dem menschlichen Körper (Wirt). Das heißt, sowohl die Bakterien als auch ihr menschlicher Körper profitieren von dem Zusammenleben. Die Bakterien werden durch die Nahrung im Darm versorgt, im Gegenzug produzieren sie nützliche Nährstoffe, wie beispielsweise kurzkettige Fettsäuren und Vitamin K, die vom Körper verwertet werden. Außerdem hilft die natürliche Darmflora, das Immunsystem des Menschen zu entwickeln. Durch den ständigen Kontakt mit Bakterien lernt es, schädliche von nicht schädlichen Organismen zu unterscheiden und sie so besser und schneller zu bekämpfen.

In der Naturheilkunde geht man davon aus, dass ein Ungleichgewicht in der normalen Darmflora die Ursache vieler Krankheiten ist. Kommen vermehrt schädliche Bakterien oder schädliche Pilze im Darm vor, ist das natürliche Gleichgewicht gestört und das Zusammenspiel von Darm und Darmbakterien funktioniert nicht mehr.

Eine Darmsanierung soll helfen, das Gleichgewicht durch verschiedene Maßnahmen wiederherzustellen und so die Verschiebung der Darmflora als Ursache vieler Krankheiten zu beseitigen.

Was ist der Unterschied zwischen Darmsanierung und Darmreinigung?

Der Begriff „Darmsanierung“ beschreibt das naturheilkundliche Konzept, eine gestörte Darmflora durch Therapiemaßnahmen wieder zu normalisieren und damit Krankheiten zu lindern.

Darmreinigung ist ein Begriff der Schulmedizin. Er beschreibt lediglich den Prozess der Reinigung des Darmes, zum Beispiel durch Einläufe und Abführmittel (Laxantien). Eine Darmreinigung kann vor medizinischen Eingriffen nötig sein. So müssen zum Beispiel Patienten, die sich einer Darmspiegelung (Koloskopie) unterziehen, vor der Untersuchung abführende Flüssigkeiten zu sich nehmen, um den Darm zu reinigen. Eine Darmreinigung kann auch Teil einer darmsanierenden Therapie sein.

Wodurch wird ein Ungleichgewicht der Darmflora verursacht?

Die Darmflora jedes Menschen ist verschieden. Sie entwickelt sich im Laufe des Lebens und wird durch den Lebensstil, Ernährung und die Umgebung, in der wir uns aufhalten, beeinflusst. Die genaue Zusammensetzung der Darmflora unterliegt einem ständigen Wandel.

Darmsanierung wegen falscher Ernährung

Eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten kann bedingen, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora ändert. Dies wurde beispielsweise bei der low-FODMAP-Diät nachgewiesen.

Darmsanierung wegen Magen-Darm-Infektionen und Antibiotika

Ebenso können Infektionskrankheiten dazu führen, dass sich bestimmte Bakterien vermehrt ausbreiten und andere verdrängen. Ein gut untersuchtes Beispiel für eine drastische Veränderung der Darmflora ist die Therapie mit Antibiotika. In seltenen Fällen kann es dazu kommen, dass durch die Antibiotika, die auf Bakterien abtötend wirken, ein Großteil der Darmflora zugrunde geht. Das Bakterium mit dem Namen Clostridium difficile übersteht die Antiobiotika-Therapie jedoch häufig und vermehrt sich dann ungebremst. So kommt es zu einer Entzündung des Darmes (Enteritis), die nur dadurch behoben werden kann, dass C. difficile gezielt ausgeschaltet wird.

Darmsanierung wegen Fehlbesiedlungen

Der Dünndarm, in dem eigentlich viel weniger Bakterien leben als im Dickdarm, kann durch bestimmte Einflüsse von zu vielen und den falschen Bakterien besiedelt sein. In diesem Fall spricht man von einer Dünndarmfehlbesiedlung.

In der Alternativmedizin werden auch häufig Pilze als Grund einer Darmsanierung angebracht. Nach dieser Theorie kann eine Überbesiedlung des Darmes mit Pilzen zu einer Verschiebung des Gleichgewichts führen. Hierfür wird vor allem die moderne, zuckerreiche Ernährung verantwortlich gemacht. Sie liefert Pilzen wie beispielsweise der Hefe Candida albicans optimale Vermehrungsbedingungen. In der Schulmedizin spielt Candida albicans im Darm keine Rolle im Bezug auf Krankheitsentstehung.

Wie wird eine Darmsanierung durchgeführt?

Eine klassische Darmsanierung im naturheilkundlichen Sinne besteht meist aus drei Schritten:

  • einleitende Darmreinigung mit Abführmitteln
  • Eliminierung schädlicher Keime (vor allem Pilze)
  • probiotische Therapie, die das Wachstum der natürlichen Darmflora fördert

1) Einleitende Darmreinigung

Am Anfang einer Darmsanierung steht häufig die Reinigung des Darmes. Dazu werden entweder natürliche Abführmittel wie Bittersalze und Glaubersalze verwendet, oder der Darm wird direkt mit Hilfe von Einläufen gereinigt (Colon-Hydrotherapie).

2) Eliminierung schädlicher Keime

Die Eliminierung schädlicher Keime richtet sich vor allem gegen Pilze, die den Darm befallen. Meist wird dazu das Medikament Nystatin als Tablette oder Trinklösung verabreicht. Es wirkt abtötend auf Pilze, indem es ihre Zellmembranen schädigt. Da Nystatin nicht vom Körper aufgenommen werden kann, wirkt es ausschließlich im Magen-Darm-Trakt. Die Behandlung mit Nystatin erfolgt meistens über zwei Wochen.

Zusätzlich wird eine Antipilz-Diät empfohlen. Da sich Darmpilze hauptsächliche von Zuckern ernähren, sollte während dieser Phase auf eine zucker- und kohlenhydratarme Ernährung geachtet werden – ähnich wie in der low-Carb-Diät. Die wichtigsten Nahrungsmittel, auf die man verzichten sollte, sind Haushaltszucker, Fruchtzucker, Honig und andere Zucker wie Sorbitol, Mannitol und Dextrose.

3) Probiotische Therapie

Die probiotische Therapie soll helfen, eine gesunde Darmflora aufzubauen. Dazu werden verschiedene gutartige Bakterienstämme als Tabletten verabreicht (Probiotika). Am häufigsten wird hierzu das Bakterium Escherichia coli (E. coli) eingesetzt.

Wird eine Darmsanierung auch von Schulmedizinern empfohlen?

Darüber, ob eine Darmsanierung wirklich hilfreich ist oder nicht, herrscht unter Naturheilkundlern und Schulmedizinern große Uneinigkeit. In der Naturheilkunde schwört man schon lange auf die heilende Kraft der Darmsanierung. Dabei beruft man sich häufig auf Patientenberichte und darauf, dass eine Sanierung des Darmes schon im Mittelalter und in der traditionellen Heilkunde erfolgreich angewendet wurde.

Schulmediziner sehen die Darmsanierung zur Behandlung von Krankheiten oft kritisch. Es liegen keine guten Studien vor, die einen positiven Effekt der Darmsanierung belegen. Außerdem sind viele Fälle beschrieben, in denen die Maßnahmen zur Darmsanierung, vor allem die Colon-Hydrotherapie, zu einer Schädigung des Darmes führen.

Da es keine Beweise für die Wirksamkeit der Darmsanierung gibt, werden die Kosten einer solchen Therapie von der Krankenkasse nicht übernommen. Man ist sich jedoch einig, dass die Darmflora (Mikrobiom) einen größeren Einfluss auf den Körper hat, als man früher dachte. Aktuell findet viel schulmedizinische Forschung dazu statt, wie man die Darmflora gezielt positiv beeinflussen kann, ohne dem Menschen zu schaden.

Hilft eine Darmsanierung beim Reizdarmsyndrom?

Auch darüber, ob eine Darmsanierung gegen die Beschwerden eines Reizdarmsyndroms hilft, herrscht Uneinigkeit. Naturheilkundler berichten von Patienten, bei denen eine solche Sanierung zur Besserung der Reizdarmsyndrom-Symptome geführt hat. Schulmediziner stehen dieser Behauptung eher skeptisch gegenüber und geben keine Empfehlung zur Darmsanierung beim Reizdarmsyndrom.

Dass eine Umstellung der Ernährung, Probiotika, Psychotherapie und Bewegung positive Effekte auf die Beschwerden des Reizdarmsyndroms haben kann, ist allerdings auch unter Schulmedizinern akzeptiert. Eine Reizdarmsyndrom-Therapie sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden.

Fazit

Die Darmsanierung ist eine in der Medizin umstrittene Behandlung. Viele Patienten berichten von Erfolgen, allerdings sind die Risiken einer solchen Therapie ebenfalls bekannt. Es empfiehlt sich, eine Darmsanierung nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt durchzuführen, um auf mögliche Komplikationen schnell reagieren zu können. Denn eine Darmsanierung kann helfen, Beschwerden durch Magen-Darm-Erkrankungen nachhaltig zu lindern.

Bild Quelle: nobeastsofierce/ Shutterstock

Quellen
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Comments
  • Antonia
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    Ich bin total begeistert von der gründlichen Darmreinigung auf ganz natürliche Art und Weise. Es funktioniert so einfach. Ich hocke mich nämlich einfach hin für meine regelmäßige Darmentleerung. Seit ich das praktiziere, habe ich deutlich weniger Darmbeschwerden. Es ist so wohltuend, wenn man sich durch die richtige Sitzhaltung (35 Grad Stellung) ohne Aufwand rückstandslos erleichtern kann. Endlich haben lange Toilettensitzungen, die zuvor oftmals dazu noch erfolglos waren, ein Ende. Mit der Hocke und einem Hocker aus Plastik klappt es wunderbar und auch mein Darm bedankt sich für die Hockhaltung.

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